Box-Blog

Die Chuzpe von Vitali Klitschko

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Die Chuzpe, mit der Vitali Klitschko seinen neuen Gegner ausgesucht hat, nötigt einem schon Respekt ab. Am 16.10.2010 kämpft er, wobei man sich schon fragen kann, ob kämpfen hier das richtige Wort ist, gegen Shannon Briggs. Denkbare andere Vokabeln sind: Schlachtet ab, schlägt KO, verprügelt, demütigt, führt vor und spielt mit usw. Satzkonstruktionen mit dem Verb „aufführen“ und einem oder mehreren Substantiven wie „Schmierenkomödie“, „Groteske“, „Boulevardtheater“, „Laientheater“ u. ä. wären wohl auch passend.
Briggs war vor 12 Jahren einmal ein guter Boxer. Damals verlor er seinen WM-Kampf gegen den großen Lennox Lewis. Es folgte 2006 der Gewinn des WBO-Titels, den er aber dann in der ersten Titelverteidigung sofort wieder verlor. Dann legte er eine 1 ½-jährige Pause ein, nach der er vier Kämpfe gegen, nennen wir sie mal „Aufbaugegner“, absolvierte. Und dies soll ihn nun dazu qualifiziert haben, gegen einen der beiden besten Boxer im Schwergewicht antreten zu dürfen.
Shannon Briggs ist zurzeit die Nummer 76 der unabhängigen Weltrangliste. Lässt man Vitalis Bruder Wladimir außen vor, gibt es 74 Boxer, die vermutlich alle besser sind als er. Vor Briggs stehen z.B. Timo Hoffmann (Nr. 66) und Manuel Charr (Nr. 37) und Odlanier Solis (Nr. 17) die alle schon laut und vernehmlich den Wunsch geäußert haben, gegen einen der Klitschkos zu boxen. Auch wenn der sportliche Wert eines Hoffmann-Klitschko-Kampfes nicht sehr hoch anzusiedeln ist, so ist er doch immer noch höher einzuschätzen als der des jetzt anstehenden Kampfes.
Man kann sich fragen, wieso sich Vitali Klitschko gerade einen so schwachen und hoffnungslos unterlegenen Mann als Spielkameraden ausgesucht hat. Nun ist ja bekannt, dass einige der möglichen Gegner tatsächlich alles tun, um nicht gegen einen der Klitschkos anzutreten. Dennoch bleibt es in der Verantwortung der Klitschkos, gerade weil sie sich ja auch selber managen, halbwegs angemessene Gegner zu finden. Das sollte ihnen schon der Respekt gegenüber dem WM-Titel gebieten. Es ist aber auch eine Frage des Respekts vor dem Publikum, von dem sie doch immerhin sehr gut leben. Zwar ist zu befürchten, dass die Halle in Hamburg ausverkauft und die Einschaltquoten wieder sehr gut sein werden, einfach weil die Zuschauer in erster Linie ein Event und keinen sportlichen Wettkampf sehen wollen, so sollte Vitali Klitschko aber doch schon etwas mehr Gegenleistung für sein Geld bieten.
Dem Publikum Shannon Briggs als Gegner für Vitali Klitschko zu präsentieren, kann man Chuzpe nennen. Chuzpe heißt auch Frechheit, Dreistigkeit und Unverschämtheit.

(C) Uwe Betker

2 Antworten

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  1. Herr Briggs sieht auch nicht gerade nach seriöser Vorbereitung aus: 30-40kg Gewichtsverlust in Rekordzeit, gedunsenes Gesicht, aufgepumpte Muskulatur. Mickey Rourke alias „The Whrestler“, Ben „Anabolika“ Johnson oder Sylvester „Clenbuterol“ Stallone lassen grüßen. Kirmesboxen at its best. Dauert keine drei Runden…

    Rosenkranz007

    11. Oktober 2010 at 23:59

    • Danke, Das sehe auch so.
      Das Schwergewicht ist in keiner guten Verfassung.
      Dazu in den nächsten Tagen mehr.

      betker

      11. Oktober 2010 at 23:59


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