Box-Blog

Klatschen üben

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Ich kann von mir sagen: Ich bin dabei gewesen, als ProSieben glaubte, mit Boxen seine Zielgruppe treffen zu können. Wenn ProSieben ein solches Projekt schon in die Hand nimmt, dann wird daraus auch gleich eine „ProSieben Fight Night“, die dann natürlich auch in einer „Fight Night Arena“ stattfindet. Diese Arena war allerdings nichts anderes als ein Fernsehstudio der Firma Brainpool TV GmbH in Köln-Mühlheim, die zu einem nicht unerheblichen Teil Stefan Raab gehört. Wie wohl vom TV-Sender auch geplant, erzeugte das relativ kleine Fernsehstudio die Atmosphäre einer kleinen Halle.
Während ich noch der Wiederbelebung des klassischen Freitagabend-Termins für Boxen mit großer Spannung entgegen fieberte, wurde schnell klar – hier geht es nicht ums Boxen. Die „Fight Night“ war eine neue Art von Stefan-Raab-Show. Dieses Missverständnis hatte Folgen.
Es war für mich eine regelrechte Tortur, und nicht nur wegen des Niveaus der Kämpfe. Ich gebe zu, dass ich mir vorab keine Gedanken darüber gemacht habe, was es heißt wenn Stefan Raab in Boxen macht. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Vor allem nicht die Reaktion der Zuschauer. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, und das kann natürlich passieren bei einer Überdosis Stefan Raab, wurde eigentlich die ganze Zeit Klatschen geübt.
Erst kam ein „Anheizer“, sozusagen ein Raab-Dummy, die Showtreppe herunter. Über den Applaus freute er sich, aber er war noch nicht gut genug, deshalb musste er immer wieder und wieder mit dem Publikum geübt werden. Zur Auflockerung erzählte er dann an Raab gestählte Witze.
Zur Generalprobe kam dann Stefan Raab persönlich die Showtreppe herunter und zeigte sein unvergleichliches, die Zähne entblößendes Lächeln. Auch ihm war der Applaus sehr wichtig und vor allen Dingen noch nicht enthusiastisch genug. Daher musste auch er mit dem untalentierten Zuschauer noch weiter üben. Besonderen Wert legte der lächelnde Raab darauf, dass, sobald er dem Publikum Zeichen gab, mit dem Klatschen aufzuhören, der Applaus noch lauter und ekstatischer werden sollte, um schließlich in einem Orkan zu enden.
Raab war so phantastisch darin, die Treppe herunter zu kommen, mit den Zuschauern zu reden und ständig lächelnd seine Zähne zu zeigen, dass alle Mitarbeiter von Brainpool in der Halle, wenn sie denn nicht arbeiten mussten, vor Begeisterung die Hände gegeneinander schlugen und das Publikum animierten, ihre Anstrengungen im Klatschen zu verstärken. Wenn schon Mitarbeiter von Raab, die ihn vermutlich schon öfters life erleben durften, bei seinem Auftritt so aus dem Häuschen gerieten, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie großartig er an diesem Abend war.
Geboxt wurde auch. Es gab einen Kampf von Frau Kentikian. Dabei hatte ich aber eher die Assoziation, einen Duracell-Hasen zu sehen. Aber vielleicht war ich einfach nur vom Klatschenüben zu entkräftet, um noch etwas richtig wahrnehmen zu können.
© Uwe Betker

Written by betker

11. Oktober 2010 um 23:59

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