Box-Blog

Povetkin der zaghafte Zar (1.)

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Es ist noch gar nicht so lange her – und es gibt sogar noch einige, die sich daran erinnern können – da konnte man einen x-beliebigen Mann fragen, was er lieber sein möchte, Präsident des eigenen Landes oder Weltmeister im Schwergewicht, und man konnte sicher sein, er würde antworten: Weltmeister. Diese Zeiten sind vorbei.
Alexander Povetkin, der sich selber zum Zar ernannt hat, bzw. Zar als Kampfname wählte, scheint alles andere als von dem Wunsch beseelt zu sein, Weltmeister im Schwergewicht zu
werden. Vielmehr scheint er einen Kampf mit einem der Klitschko Brüder zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Denn wie ist sonst der mediale Eiertanz zu erklären, der schließlich dazu führte, dass Povetkin nicht gegen Wladimir Klitschko boxt.
Die Homepage des in Kursk (in der früheren Sowjetunion) geborenen Alexander Wladimirowitsch Powetkin bedient eher Klischees von dem wohlhabenden Russen: in dicken Pelz gehüllt, mit Wodkaflaschen vor sich, in engen die Muskeln betonendem Anzug und mit großer Sonnenbrille. Oder man sieht ihn, wie er Wladimir Putin die Hand schüttelt. Aber dem Klischee des mutigen Boxers, der nur von dem einen Wunsch angetrieben wird, nämlich dem, die Welt von seiner Klasse zu überzeugen, entspricht Povetkin nicht.
Der 31jährige Olympiasieger von Athen (2004) ist seit mehr als fünf Jahren Profi. Er ist in 19 Kämpfen unbesiegt. 14-mal gewann er durch KO. Er ist die Nr. 6 der unabhängigen Weltrangliste. Er ist bei der WBC auf Rang 15, bei der WBA auf 7, bei der WBO auf 9 bei der IBF auf 8. Da sollte man doch meinen, dass ein Mann in seiner Position vor Verlangen glühen würde, endlich um den WM-Titel boxen zu können – nicht so Povetkin.
Er war sogar die Nr. 1 der IBF, also Pflichtherausforderer, und sollte Wladimir Klitschko boxen. Wie das aber nun mal bei Pflichtherausforderungen so ist, bei denen sich die beiden Partner weder auf Veranstalter, Ort, Börse noch TV-Sender einigen können, wurde der Kampf versteigert. Das Management der Klitschkos gewann die Versteigerung und berief eine gemeinsame Pressekonferenz ein – soweit alles normal.
Dann aber begann es erst: Povetkin, der bei Teddy Atlas in den USA trainierte, erschien nicht zur Pressekonferenz (Grund: Nebenhöhlenentzündung), dabei ist die Teilnahme an Medienterminen und Pressekonferenzen Pflicht, weil sie ein Teil des bestehenden Vertrags sind. Die Folge war, der Verband IBF stufte Povetkin herunter und der Kampf war geplatzt. Während Sauerland Event noch mediale Schlachten schlug, etwas von rechtlicher Prüfung grummelte und Kalle Sauerland vorpreschen ließ mit Äußerungen wie: „Es kann nicht sein, dass, weil ich den Purse Bid gewinne, mir die Seele von Povetkin gehört“ und den offiziellen Kampfvertrag als „Sklavenvertrag“ bezeichnete, war Povetkins Trainer Teddy Atlas sehr viel offener. Als Co-Kommentator des un-amerikanischen TV-Senders ESPN plauderte er ganz offen aus: „Povetkin hätte jetzt schon gegen Klitschko geboxt, aber ich habe entschieden, dass so ein Kampf zur Zeit für Povetkin zu früh kommt. Er hat einfach noch nicht genug Ringerfahrung.“ Statt gegen Klitschko zu boxen, soll er noch 4-5 Aufbaukämpfe absolvieren.
Die Äußerungen von Atlas lassen Povetkins Management, Sauerland Event, ziemlich seltsam aussehen. Gleichzeitig wirft die Entschlossenheit, mit der Povetkin sein Ziel verfolgt, einen WM-Kampf zu bekommen, ein ganz neues Licht auf die Povetkin-Absage von vor zwei Jahren. Schon damals ließ er einen Kampf gegen Wladimir Klitschko platzen. Er hatte sich seinerzeit in den russischen Wäldern beim Laufen den Fuß verletzt.
© Uwe Betker

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