Box-Blog

Wofür steht Vitali Klitschko?

with 5 comments

Im Durchschnitt sahen 13,29 Millionen Zuschauer, also 57,2 Prozent, wie der Schwergewichtsweltmeister Vitali Klitschko seinen Titel gegen den US-amerikanischen Herausforderer Shannon Briggs verteidigte. Warum?
Warum schauen sich so viele Menschen ausgerechnet einen Boxkampf an, der sportlich ein Muster ohne Wert ist? Der Mann aus Brooklyn war die Nummer 48 (!) der unabhängigen Weltrangliste. Kaum ein Mensch glaubte ernsthaft an seine Chance: Zu langsam, zu alt, zu klein, zu schwach, zu…
An Briggs kann es also nicht liegen.
Was hat Vitali Klitschko an sich, dass die Deutschen ihn so sehr mögen, dass sie in Scharen in die Arenen strömen, um ein oft, so finde ich, grottiges Vorprogramm über sich ergehen zu lassen, wenn sie denn überhaupt was sehen, da sie in einer so großen Arena viel zu weit weg sitzen. Und dann sehen sie sich einen Kampf an, in dem ein Ukrainer die ganze Zeit über seinen langen linken Arm wie eine Lanze ausgestreckt lässt, um möglichst jeden Annäherungsversuch seines Gegners zu unterbinden. Oder er würgt den Infight buchstäblich ab, indem er sich auf seinen Gegner legt. Beide Aktionen könnte ein nicht wohlwollender Ringrichter auch unterbinden.
Aber auch ganz abgesehen von diesen beiden Aktionen finde ich persönlich seinen Stil langweilig. Um es noch mal deutlicher zu sagen, was Klitschko im Ring macht, macht er gut. Aber er macht es so gut und ist dadurch so überlegen, dass es mich nur noch langweilt. Außerhalb von einigen europäischen Ländern scheint meine Meinung auch allgemein geteilt zu werden. Aber wie kommt es nun, dass die Deutschen diesen ukrainischen Boxer so lieben. Bei Henry Maske kann ich die Begeisterung ja noch verstehen. Maske stand für die vollzogene und geglückte Wiedervereinigung Deutschlands. Aber wofür soll Vitali Klitschko stehen?
© Uwe Betker

Written by betker

23. Oktober 2010 um 23:59

5 Antworten

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  1. Ich gebe Dir zu 100% recht. Es scheint schon eine Frage der „political corretness“ zu sein, die K-bros gut zu finden. Der Hauptgrund IMO ist das hochpushen durch die Medien. Die Motive sind Einschaltquoten und Profit, aber auch das politische Engagement der Brüder. Ich kann nicht gnug beurteilen, was in für die Ukraine richtig wäre. Aber es stimmt mich mehr als mißtrauisch, wenn unsere Medien und Politiker so eindeutig für K´s politische Positionen Stellung beziehen. Besonders, da im Zeichen der Kampf um Rohstoffe K´s politische Freunde pro-westlich orientiert sind.
    Was das Boxen an sich angeht, hast Du völlig recht. Wenn Vlad nun mit Ali verglichen wird, ist das nur eine weitere Steigerung der Inflation von Superlativen, die kaum noch etwas bedeuten.

    Benno Roick

    24. Oktober 2010 at 23:59

  2. Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass im TV der Kommentator und Luan Krasniqi die Leber verpflanzt haben? Sie haben an einem Dummy die KO-Punkte mit Filzstift markiert. Am Kopf soweit richtig (fast richtig). Am Körper bestanden sie aber darauf, dass die Leber LINKS sitzt. Und zeichneten das entsprechend an!
    Und ich habe mich immer gefragt, wieso die deutschen Heavies nicht in die Weltspitze kommen! Vermutlich haben die den Leberhaken probiert mit der falschen Hand und dann gedacht: „Funktioniert nicht, alles Quatsch, was die immer erzählen, Leberhaken wirken bei meinem Gegner nicht.“ (Hahahahahaha) (Vermutlich war Luan nur aufgeregt. Aber der bekannte „Journalist?……..)

    Benno Roick

    24. Oktober 2010 at 23:59

    • Hahaha…
      Leider nicht gesehen. Ich gestehe, dass ich mir meist beim Boxen im TV die Vorberichte erspare…

      betker

      24. Oktober 2010 at 23:59

  3. Ist PC wirklich die Antwort.
    Ich kenne fast nur Menschen, die nach einen Klitschko-Kampf in einer Arena oder Stadion gesagt haben: Nie wieder! Gleichzeitig sind die Stadien voll und die Einschaltquoten astronomisch …
    Ich kenne die Antwort nicht, aber ich frage mich immer noch, was die Deutschen in den Ks sehen.

    betker

    24. Oktober 2010 at 23:59

    • Schwergewicht ist nun mal etwas Besonderes. Aber leider ist das in D. recht dünn gesäht. Das Interesse an Boxen ist in D. einfach zu gering. Seit Jahrzehnten flackert es mal auf, dann wieder ab. So dass zu wenig Aktive Profis sich entwickeln können. Man könnte vielleicht auch so sagen: Da in D. zu wenig Schwergewichtler mit Potential gibt, greift man gerne aus „Importe“ zurück, gibt diese als mindestens deutsch-basiert aus und verbreitet dieses in den Medien.
      Leider kann man den vielen Box-Unerfahrenen, die Boxen nur am Rande verfolgen, leider ein X für ein U vormachen. So hat man, wie bei anderen Beispielen auch, einen erfolgreichen Boxer, ohne dass man ihn von Kinderschuhen an hätte irgendwie fördern müssen.
      Und Viele, die ich kenne, sind auf der Suche nach neuen „Helden“. Da Boxen, besonders Schwergewichtsboxen, immer eine Fasznation bleiben wird, aber nicht viel Auswahl hier in D., werden eben die K-Bros. so verehrt.
      Abgesehen davon, dass diese ja auch wirklich halbwegs boxen können. Jedenfalls siegen sie und das ist für viele alles, was zählt.

      So ähnlich stelle ich mir die Antwort vor. Aber natürlich ist die dahinterstehende Psychologie für mich auch rätselhaft. Gibt es vielleicht noch andere Gründe ausser Umsatz, Profit, Einschaltquoten, Desinformiertheit?

      Benno Roick

      24. Oktober 2010 at 23:59


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