Box-Blog

Schülertheater (2.)

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Mit dem Abgang von David Tua wurde das Publikum in die Pause geschickt. Der zweite Akt beginnt mit einem Paukenschlag. Das Klitschko-Management zaubert einen neuen Gegner aus dem Hut: Dereck Chisora.
Für Dereck Chisora (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) spricht, jedenfalls aus der Sicht von Wladimir Klitschko, dass die Nummer 13 der unabhängigen Weltrangliste noch relativ unerfahren ist. Hinzu kommt, dass er mit einer KO-Quote von 64% kein harter Puncher ist. Dieses Risiko wäre dann schon einmal weitgehend eliminiert. Zum Vergleich: Wladimir Klitschko hat eine KO-Quote von 84%, und seinen ersten Titelkampf hatte er nach 35 Kämpfen, also mehr als doppelt so vielen wie Chisora. Klitschko wurde als Amateur Militärweltmeister (1995) und als Nachrücker für seinen Bruder Vitali Olympiasieger (1996). Chisora wurde lediglich englischer Meister (2006). Auch an Erfahrung und an technischer Fähigkeit ist Klitschko seinem Wunschgegner weit überlegen. Auch die körperlichen Voraussetzungen sprechen für den Titelverteidiger. Klitschko ist 1,99 Meter groß und hat eine Reichweite von 2,06 Meter, der Mann aus Zimbabwe ist mit seiner Größe von 1,87 Meter und einer Reichweite von 1,88 Meter erheblich kleiner. Einen Vergleich der Namen in den jeweiligen Kampfrekorden spare ich mir. Wenn man sich all die Daten ansieht, scheint der Kampf für Herrn Klitschko ähnlich anstrengend zu werden wie ein mittelschwerer Tag im Büro.
Das einzige, was für den 26jährigen Chisora spricht, ist, dass er den Kampf wohl wirklich will, im Gegensatz zu anderen, die, so scheint es manchmal, schon einen Schnupfen oder sonst etwas bekommen, wenn sie nur an einen Klitschko denken. Jedenfalls sagte er unlängst über sich, er sei der „hungrigste Boxer“, gegen den Klitschko je gekämpft habe. Weiter: „Ich werde ihn aus seiner Bequemlichkeit reißen. Ich kann es kaum erwarten. Die Gelegenheit dazu hat an meine Tür geklopft, und ich habe sie eingelassen.“
Der IBF-, WBO- und IBO-Weltmeister im Schwergewicht und Akademiker konnte natürlich solche Äußerungen nicht unkommentiert lassen und erwiderte: „Ich werde dafür sorgen, dass du deine Worte isst. Ich liebe es, Farbe in dein Gesicht zu malen.“ Damit hätten wir denn schon den Höhepunkt bzw. das Ende des zweiten Aktes unserer Schüleraufführung erreicht.
Im folgenden dritten und letzten Akt kommt es folgerichtig zum tragischen Moment. Der ist, dass im Vorfeld nicht geklärt wurde, ob Chisora überhaupt kämpfen kann. Anfang November muss er sich nämlich wegen Diebstahls mit Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er hat sich auch schon schuldig bekannt.
Es könnte also sein, dass einer der Protagonisten unserer Aufführung eine Haftstrafe verbüßen muss. Es ist schon tragisch, dass offensichtlich keiner sich im Vorfeld um solche Kleinigkeiten gekümmert hat. Ich kann mir schlechterdings auch nicht vorstellen, dass die Straftat vom 28. Mai 2010 ein Staatsgeheimnis war. Hat dort ein Schüler seine Hausaufgaben etwa nicht gemacht?
Wie schon gesagt: Schülertheater.
Angeblich suchen die Klitschkos bereits einen anderen Gegner – aber das ist ein neues Theaterstück.
© Uwe Betker

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