Box-Blog

Die neue deutsche Hoffnung

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Der deutsche Schwergewichtler Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO und 1 Unentschieden) hat sein Comeback für Februar 2011 angekündigt. Nach über zwei Jahren will „der Löwe“ von Rottweil wieder angreifen. Er sagt von sich selber: „Ich habe noch wahnsinnige Kraft und Energie. Ich will es noch mal wissen.“ Der Kampf soll in der Ludwigsburger Arena, was keine kleine Halle ist, stattfinden. TV-Sender und Gegner stehen noch nicht fest. Was mich an dieser Meldung wirklich erstaunt, ist, dass sie mich nicht überrascht.
Wenn man sich das Schwergewicht aus deutscher Sicht ansieht, und damit meine ich nicht nur deutsche Boxer, sondern alle Boxer, die bei einem deutschen Veranstalter unter Vertrag stehen, sieht die Situation nämlich ziemlich düster aus. Da gibt es die Verletzten, dann gibt es die, die sich nicht trauen, die, die ihre entscheidenden Kämpfe verloren haben, und schließlich die, die noch aufgebaut werden. Ich sehe zurzeit keinen, dem ich es zutraue, in absehbarer Zeit um einen WM-Titel boxen zu können oder zu wollen. Was aber viel schlimmer ist: Ich sehe zurzeit keinen, dem ich zutraue das Publikum für sich einzunehmen.
Das Boxen allgemein und das Schwergewicht im Besonderen kranken, nach meiner Meinung, daran, dass es keine Identifikationsfiguren gibt. Ohne nationale Töne anschlagen zu wollen, die Mehrheit der Deutschen kann sich nun mal mehr mit einem deutschen Boxer identifizieren als mit einem nicht-deutschen. Die meisten Boxer, die hier in den Ring steigen, bemühen sich aber entweder nicht, Deutsch zu lernen oder sie sind einfach nicht dazu fähig. Wohl gemerkt, ich spreche hier nicht von Integration, sondern von Identifikation. Deutsche Boxer sind selten und deutsche Schwergewichtler sind noch viel seltener, und der fast 40jährige Mann aus Rottweil ist immer noch der profilierteste deutsche Schwergewichtler.
Krasniqi ist ein kluger Mann, und er weiß um seine Popularität. In einer Zeit, in der sein ehemaliger Arbeitgeber, Universum Box-Promotion, ganz kleine Brötchen backen muss und in dem Gym in Hamburg veranstaltet, traut er es sich nun zu, eine Arena zu füllen. Und es würde mich tatsächlich wundern, wenn er dies nicht schaffen würde. Die neue deutsche Hoffnung ist eine relativ alte und sie heißt Luan Krasniqi.
© Uwe Betker

Written by betker

8. November 2010 um 23:59

Eine Antwort

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  1. Viele Boxfreunde, die ich kenne, würden es begrüßen, einen tatsächlich Deutschen als Schwergewichtshoffnung zu haben. Einen originären Deutschen. Viele, so wie ich auch, haben im Gym nicht-deutsche Boxfreunde, Sparringspartner usw. Und die Nationalität ist sehr vielen auch schlichtweg gleichgültig. Die Hauptsache ist, ob der Partner ein fairer Sportsmann (oder -frau) ist. Die Fairness wiegt viel viel mehr als die Nationalität, Hautfarbe, Religion oder andere Vorlieben. (Auch viel mehr als das Lebensalter, nebenbei bemerkt. Es gilt immer noch nach wie vor als „schräg“, wenn ein über 40 oder 50jähriger noch Sparring macht.)
    Davon unabhängig wäre eine rein deutsche Schwergewichtshoffnung für Viele in der Tat eine Identifikationsfigur. Wenn der dann noch sportsmanlike inner- und außerhalb des Rings wäre, würden sicher eine Mehrheit dies als Sensation empfinden. Denn „deutsch“ würde zwangsläufig beinhalten, hier geboren, aufgewachsen, hier Boxen angefangen, Boxen gelernt. Ob man sich dessen bewußt ist oder nicht, beinhaltet das ebenfalls, jeder, Du, ich, Dein Sohn, sonstwer hier hätte die Möglichkeit (jedenfalls im Prinzip) bzw. gehabt. Und die Promoter und Boxställe müßten nicht warten, dass jemand in Russland oder anderswo die, nennen wir es, Aufbauarbeit macht und man nur noch aussortieren braucht, was andere geformt haben.
    Wie dem auch sei: Ich wünsche Luan viel Glück, kann es nachempfinden, was er fühlt und freue mich schon auf seinen nächsten Kampf!!
    Luan, hau rein!

    Benno Roick

    8. November 2010 at 23:59


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