Box-Blog

„Wenn du mir was tust, hole ich meinen starken Bruder!“

with 4 comments

David Haye (25 Kämpfe, 24 Sieg, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) unterstrich in einem seiner letzten Videos den Wunsch, einen der Klitschkos zu boxen. Gleichzeitig legte er, der nicht immer ganz stilsicher in der Wahl seiner PR-Mittel ist, den Finger auf einen wunden Punkt der Klitschkos, wenn er sagt: „Bei mir hat niemand mehr als ein Rematch [als Vertragsoption] unterzeichnen müssen. Wenn sie mich schlagen, will ich ein Rematch, denn ich bin der Champion. Wenn ich dann zweimal verliere, sage ich: „Viel Glück!“ Sie aber sagen: „Wenn du mich schlägst und noch einmal schlägst, musst du noch gegen meinen Bruder kämpfen. Du musst in unserer Veranstaltung boxen. Wir entscheiden alles, die Handschuhe, wo geboxt wird …“ Alle Chips sollen auf ihrer Seite liegen. Das ist nicht fair. Das ist feige.“
Ich gestehe, es hat mich schon immer gestört, dieses Verhalten. Es erinnert mich an den Jungen, der sagt: „Wenn du mir was tust, hole ich meinen starken Bruder!“
Zur Erinnerung: Wladimir Klitschko (58 Kämpfe, 55 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) verlor das erste Mal gegen Ross Puritty (05.12.1998). Diese Niederlage glich er selber nie aus. Sein Bruder ließ Puritty erst noch sechsmal gegen Andere boxen, um dann zwei Jahre später (08.12.2001) gegen ihn anzutreten und durch TKO in Runde 11 zu gewinnen.
Seine zweite Niederlage musste Wladimir Klitschko gegen Corrie Sanders (10.04.2004) hinnehmen. Auch gegen ihn boxte er nie wieder. Immerhin ließ sich diesmal sein
älterer Bruder nicht so viel Zeit, sondern besiegte den Südafrikaner direkt im folgenden Kampf (24.04.2004).
Die dritte Niederlage fügte ihm Lamon Brewster (10.04.2004) zu. Hier gab es dann tatsächlich einen Rückkampf, wenn auch mehr als drei Jahre später. Der ältere Bruder brauchte diesmal nicht Rache für den Jüngeren zu nehmen.
Umgekehrt lief das aber natürlich auch: Vitali Klitschko (43 Kämpfe, 41 Siege, 38 durch KO, 2 Niederalgen, 2 durch KO) verlor seinen ersten Kampf gegen Chris Byrd (01.04.2000). Einen Rückkampf gab es nicht. Dafür durfte der kleinere Bruder direkt im anschließenden Kampf (14.10.2000) gegen ihn antreten. Klitschko gewann eindeutig nach Punkten und schickte den Bezwinger seines Bruders mehrfach zu Boden. Dieser Kampf führte dann erstaunlicherweise zu einem Rückkampf, dreieinhalb Jahre später (22.04.2004), der dann durch ein TKO von Byrd endete.
Den zweiten Kampf verlor Vitali Klitschko gegen den großen Lennox Lewis (21.06.2003). Nun, hier gab es weder einen Rückkampf noch eine Rache des Bruders.
Das Muster sieht also so aus: Verliert ein Klitschko, so gibt es in der Regel keinen Rückkampf und wenn, dann erst Jahre später. Bei einer Niederlage muss der Bruder in die Bresche springen. Steht kein WM-Titel auf dem Spiel, hat man hierfür schon mal ein paar Jahre Zeit. Wurde ein – oder mehrere – WM-Titel verloren, muss der Bruder direkt dran. Woher kommt diese Scheu vor Rückkämpfen? Hat es eventuell damit zu tun, dass alle Niederlagen durch KO oder TKO zu Stande kamen?
Wie schon gesagt, mich erinnert das stark an diesen Jungen, der mit seinem starken Bruder droht. Ich persönlich fand ein solches Verhalten immer schon etwas feige.
© Uwe Betker

4 Antworten

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  1. Sag nur, Du hast diesen Rache-für-meinen-Bruder-PR-Scheiß tatsächlich für ernst gehalten? Alles nur Reklame. Zusätzlich zu dem von Dir geschriebenem sind die Ks doch in unterschiedlichen Boxverbänden. Oder haben die jeweils im selben Verband „Rache genommen“.
    Jedenfalls scheinst Du Dich wohl nicht unbedingt für einen der üblichen Jubel-Jobs bei einer Blöd-Zeitung bemühen zu wollen. Richtig?

    Benno Roick

    12. November 2010 at 23:59

    • Was mich bei „meiner“ Beschäftigung mit Boxen umtreibt, und das seit Jahren – eigentlich seit ich über Boxen schreibe, ist eine Frage des Stils. Man kann ja PR machen aber sie muss/sollte innerhlab von bestimmten Grenzen (Anstand, ein gerüttelt Maß an Aufrichtigkeit usw.) bleiben. Z.B. „die Rache des Bruders“ ist solange OK, bis Einer Weltmeister geworden ist. Dann hat er, wie jeder andere Erwachsene, selber für sich einzustehen.
      Was die Zeitung betrifft: Willst du mir einen Job anbieten? 🙂

      betker

      12. November 2010 at 23:59

      • Schön wär´s! Würd ich sofort machen. Aber solange der TV-Kommentator selbst Manager bei Klitschko-Promo ist, wird unsereiner wohl keine Chance haben. Schade, ich würd es Dir gönnen!

        Benno Roick

        12. November 2010 at 23:59

      • Danke. Wenn du einen guten deutschen Schwergewichtler entdeckst …

        betker

        13. November 2010 at 23:59


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