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Was managt ein Boxmanager?

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Klaus-Peter Kohl hat zu Michele Aboro gesagt, sie könne nicht mehr auf den Veranstaltungen von Universum Box-Promotion boxen, weil sie „nicht zu vermarkten“ sei? Was heißt das eigentlich? Um diese Frage zu beantworten muss man sich die Strukturen des deutschen Profiboxens näher ansehen.
In der Regel ist es so, dass sich ein Boxer bei einem Promoter bewirbt. Wird er dann angenommen, muss er direkt zwei Verträge unterschreiben. Der erste Vertrag ist der mit dem Veranstalter, in dem der Boxer sich verpflichtet, in einem festgelegten Zeitraum exklusiv für ihn zu boxen. In diesem Vertrag werden auch die Börsen für die nächsten Jahre festgeschrieben und zum Teil auch die Anzahl der Kämpfe. Dazu kommt dann aber noch ein zweiter Vertrag, nämlich der Managervertrag. Dort überträgt der Boxer weitgehend alle seine das Boxen betreffende Rechte auf den Manager. Der Manager verpflichtet sich im Gegenzug, ihm, dem Boxer, Kämpfe zu besorgen (das ist kein Scherz!) und sich um seine anderen geschäftlichen Belange zu kümmern.
Früher waren es die Veranstalter selbst, die gleichzeitig auch Manager waren. Das hat sich in den letzten Jahren etwas geändert. Jetzt sind es die Söhne, oder Schwiegersöhne oder sonstige Geschäftspartner der Veranstalter, die das Management übernehmen. In den USA gibt es ein Gesetz, das Muhammad Ali Act, das eine solche Personalunion verbietet. Werden nun z.B. die Söhne eingesetzt, so kann damit auf elegante Art auch die Gefahr möglicher Klagen vor amerikanischen Gerichten umschiffen. Man braucht sich damit aber noch keinen Illusionen hinzugeben, denn der Veranstalter bestimmt ja in der Regel den Manager. Man muss schon als Amateur sehr-sehr erfolgreich sein, um sich dem entziehen zu können. Bei Michele Aboro war es so, dass Klaus-Peter Kohl ihr Veranstalter und sein Geschäftspartner Peter Hanraths ihr Manager war.
Kehren wir zur Ausgangsfrage zurück: Was heißt das eigentlich wenn Klaus-Peter Kohl zu Michele Aboro sagt, sie sei „nicht zu vermarkten“? Wenn die beste Boxerin der Welt nicht zu vermarkten ist, dann hat offensichtlich jemand etwas falsch gemacht. Denn eigentlich müsste sich doch der Manager genau um diese Belange kümmern. Es müsste doch seine Aufgabe sein, Wege zu finden, seinen Schützling in den Medien zu positionieren. Er müsste daran arbeiten, dass sein Boxer eine zu vermarktende Marke wird.
Was sich hier offenbart, ist, wie ich meine, wohl eine Krankheit des Systems Profiboxen in Deutschland. Manager und Veranstalter eines Boxers stecken so unter einer Decke, dass man sie gar nicht auseinander halten kann. Dadurch wird sicher gestellt, dass ein Teil des Geldes, das der Boxer einbringt, direkt in die Taschen des Veranstalters/Managers zurückfließt. Es sieht alles danach aus, dass selbst die großen Veranstalter, die doch Millionen umsetzen, sich den Luxus erlauben, ihren Boxern keine individuelle Betreuung zu bieten. Wie ist es denn sonst beispielsweise zu erklären, dass Boxer auch zu abgesprochenen Interviews unvorbereitet erscheinen und da nur Unsinn erzählen? Wie kann es denn möglich sein, dass Boxerinnen in unmöglichen Aufzügen vor die Kamera treten und die beste Boxerin der Welt nicht zu vermarkten ist? Was managt also ein Manager im Profiboxen eigentlich? Offensichtlich machen da einige gut bezahlte Menschen nicht den Job, für den sie sich bezahlen lassen.
© Uwe Betker

Written by betker

14. November 2010 um 23:59

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