Box-Blog

Der Traum eines jeden Veranstalters (1)

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Jeder Veranstalter von Profiboxkämpfen träumt von einem Schwergewichtsweltmeister. Ein Schwergewichtsweltmeister verspricht Geld, viel Geld, noch mehr Geld – und zudem noch ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit. Daher setzten die deutschen Promoter immer mehr auf das Schwergewicht, so auch der hamburger Boxstall Universum Box-Promotion. Seltsam ist es schon, dass eine Europameisterschaft, die in anderen Gewichtsklassen meist von wenig Interesse ist, im Schwergewicht gleich zum Hauptkampf des Abends wird.
Titelverteidiger ist der in Yevpatoriia/Ukraine geborene Oleksandr Dymytrenko alias Alexander Dimitrenko, der seit kurzem die deutsche Staatsangehörige hat. Als Deutscher muss er, laut seinem Promoter, natürlich „der zweite deutsche Weltmeister im Schwergewicht nach Max Schmeling werden.“ Bevor Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) seine Kräfte mit den Weltmeistern Wladimir Klitschko (IBF und WBO), Vitali Klitschko (WBC) oder David Haye (WBA) messen darf, soll er nun am 04.12.2010 in Schwerin um den EBU-Titel boxen. Hätte er seinen vorletzten Kampf (04.07.2009), einen WBO Eliminator, nicht gegen Eddie Chambers nach Punkten verloren, hätte er schon gegen Wladimir Klitschko einen WM-Kampf bestreiten können. So aber musste er sich erneut hinten anstellen.
In seinem letzten Kampf, dem ersten nach der Niederlage, gewann er zwar durch TKO in Runde 5 und er wurde damit auch Europameister, jedoch konnte er mich nicht überzeugen. Dafür waren sowohl er selbst wie auch sein ukrainischer Gegner Yaroslav Zavorotnyy (19 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) einfach zu schwach. Da ist sein jetziger Pflichtherausforderer schon ein anderes Kaliber. Albert Sosnowski (50 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) aus Polen ist, wie man unschwer an seinen Kampfrekord sehen kann, kein Schlechter. Er erreichte gegen den für Sauerland Events boxenden Francesco Pianeta ein Unentschieden, was für den Deutsch-Italiener recht schmeichelhaft war. Hiernach besiegte er Paolo Vidoz (18.11.2009) nach Punkten und verlor anschließend gegen Vitali Klitschko (29.05.2010) durch KO in Runde 10. In der unabhängigen Weltrangliste wird er auf Position 18 geführt, was wohl eine realistische Einschätzung ist. Dimitrenko steht auf Position 11.
Die Meinungen der Experten zu dem bevorstehenden Kampf gehen relativ weit auseinander. Die einen gehen davon aus, dass Dimitrenko relativ leichtes Spiel haben wird. Er ist seinem polnischen Gegenüber an Technik, Kraft, Körpergröße und Reichweite weit überlegen. Die anderen halten dem allerdings entgegen, dass er genau diese Vorteile aber gar nicht nutzen könnte, und dementsprechend würde ein harter und knapper Punktsieg herauskommen.
Ob Dimitrenko zurzeit wirklich eine Chance hat, einen der Weltmeister zu schlagen, sei dahin gestellt. Es steht jedoch für mich außer Frage, dass es mir lieber ist, einen guten Europameisterschaftskampf zu sehen, als einen von diesen vielen langweiligen und einseitigen Weltmeisterschaftskämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die Rückbesinnung auf EMs nicht nur dem Traum eines jeden Veranstalter geschuldet ist, d.h. nicht nur auf das Schwergewicht beschränkt bleibt.
© Uwe Betker

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