Box-Blog

Gute Miene zum bösen Spiel

leave a comment »

Gute Miene zum bösen Spiel
Auf dem ersten Blick erscheint es seltsam, dass Denis Lebedev, der doch um den Lohn seiner Arbeit betrogen wurde, so ruhig und gefasst blieb. Jeder Profiboxer hat den Traum Weltmeister zu werden. Wenn nicht zwei Punktrichter, die ich für mindestens inkompetent halte, Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo, so, nennen wir es, skandalös gepunktet hätten, wäre der russische Boxer heute Weltmeister. So aber kann sich immer noch Muamer Hukic alias Marco Huck Weltmeister der WBO im Cruisergewicht nennen.
Nach dem Kampf erklärte Lebedev: „Mein Trainer sagte, Sieger ist der, dessen Hand vom Ringrichter erhoben wird. Also habe ich den Titel nicht bekommen. Sportlich habe ich mich zwar durchgesetzt, aber gewonnen hat heute Sauerland Event. Wir haben heute Fehler begangen. Damit meine ich nicht nur mich, sondern mein gesamtes Team.“
Wir können nur mutmaßen, welche Fehler er da meint. Seine erstaunliche Abgeklärtheit und Emotionslosigkeit haben wohl ihren Grund. Natürlich könnte er sich zu Recht lautstark über das Punkturteil beschweren. Aber das macht er nicht. Zum einen ist er in der unglücklichen Lage, dass sein Manager Vlad Hrunov geschäftlich eng mit Sauerland Event verbunden ist. Der hat nämlich auch Alexander Wladimirowitsch Povetkin, den Zaghaften Zar, unter Vertrag.
Zum anderen kann Lebedev es sich aber auch schlicht nicht leisten, es sich mit dem wohl größten und mächtigsten Veranstalter von Profiboxkämpfen in Europa zu verscherzen. Er hat den ihm gebührenden WM-Titel nicht bekommen, weil zwei Punktrichter dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht wollten. Er kann einen Rückkampf nur bekommen – was aber wohl nicht sehr wahrscheinlich ist, weil er, wie alle gesehen haben, viel zu gefährlich für Huck ist -, wenn Sauerland dies will. Das stärkste Druckmittel gegen Lebedev aber – und das scheint mir der naheliegendste Grund für seine Zurückhaltung zu sein – heißt Super-Six.
Sauerland Event plant nämlich für das Frühjahr 2011 den Beginn eines Super-Six-Turniers im Cruisergewicht und natürlich will Lebedev daran teilnehmen. Da aber Sauerland Event Veranstalter und Organisator dieses Turniers ist, kann er es sich nicht leisten, zu sehr darauf zu pochen, dass er Huck klar geschlagen hat.
Die starken und lauten Worte entsprechen wohl auch nicht dem Naturell von Lebedev. So hat er die üblen verbalen Entgleisungen von Herrn Hukic vor dem Kampf mit der Überreichung eines kleinen Blumenstraußes ironisch gekontert. Dennoch ist es aber nun mal so, dass Sauerland Event derjenige ist, der bestimmt, wer am Super-Six teilnehmen darf. Und so, fürchte ich, bleibt Lebedev nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er hat es schon treffend formuliert: „Sportlich habe ich mich zwar durchgesetzt, aber gewonnen hat heute Sauerland Event.“
© Uwe Betker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: