Box-Blog

Schreibt der BoxSport über den Boxsport?

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Die Zeitschrift BoxSport gibt es, seit ich denken kann, wenn ich recht informiert bin sogar noch länger, nämlich schon seit 1948. Ich kannte sie noch als unansehnliche Zeitschrift auf billigem Zeitungspapier. Nun ist daraus ein durchgängig farbiges Monatsmagazin geworden. Den allergrößten Teil seiner bedruckten Seiten widmet diese einzige Box-Zeitschrift Deutschlands dem Profiboxen. Aber warum habe ich nur jedes Mal das Gefühl, überhaupt nicht informiert zu sein, wenn ich den BoxSport gelesen habe?
Der BoxSport berichtet nicht, wie der Name vermuten ließe, über den (Profi-)Boxsport, sondern nur über Boxevents. Die Boxveranstaltungen, über die berichtet wird, sind auch in der Regel eben diejenigen, die man im Fernsehen sehen kann. Boxveranstaltungen, Boxer, Boxerinnen und Promoter, die keine TV-Präsenz haben, scheinen für dieses Fachblatt praktisch nicht zu existieren. Dafür erfährt man in diesem Fachorgan aber sehr viel über Personen, vermutlich Prominente, die ich aber nur selten kenne, die bei den Box-Events anwesend waren. Was nun die Berichte über das Boxen selbst betrifft, so sind sie, wie ich finde, auf eine so erfrischende Art unkritisch, dass einem der Verdacht kommen könnte, die Zeitschrift möchte auf keinen Fall Kritik an den Veranstaltern üben, die schließlich ja auch ihre Anzeigenkunden sind.
Wenn ich nun den BoxSport flüchtig durchblättere, dann stellt sich mir das Boxgeschäft als eine Drei-Klassen-Gesellschaft von Veranstaltern dar. In der ersten Klasse sind Universum-Box-Promotion, Sauerland Event und die Klitschkos zu finden, und seit kurzem auch Felix Sturm. In der zweiten Klasse sind dann das Wiking Box-Team und Arena Boxpromotion anzutreffen. Wobei Ahmet Öner sich wohl als einziger auch schon mal einen Seitenhieb gefallen lassen muss. Und in der dritten Klasse tummelt sich schließlich der ganze Rest, der sich glücklich und dem Herausgeber und Chefredakteur Hans Reski preisen kann, wenn er es denn doch mal und nur ausnahmsweise in den BoxSport geschafft hat.
Wie bei der klassischen feudalen Drei-Stände-Gesellschaft stellt die dritte Klasse nun allerdings die Mehrheit. Über die meisten Box-Veranstaltungen in Deutschland erfährt man m. a. W. als Leser dieser Zeitschrift nichts. Hier sei nur an das Erstaunen des BoxSports über den dritten Platz bei der Wahl Boxerin des Jahres 2010 von Jessica Balogun erinnert und die Unfähigkeit dieser Zeitschrift überhaupt ein richtiges Foto von ihr zu drucken.
Da kann man sich schon fragen, ob der BoxSport überhaupt über den Sport Boxen schreibt, wo er doch den größten Teil des Profiboxens in Deutschland so konsequent ignoriert.
© Uwe Betker

2 Antworten

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  1. Der Vergleich mit der feudalen 3-Klassen-Gesellschaft ist superb! Hier wie dort ist es die 3. Klasse, die die Arbeit macht und auf der sich der Reichtum (im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne) aufbaut. Ohne die mühsame Arbeit der 3. Klasse wären alle Herzoge, Fürsten, Kardinäle verhungert und die heutigen Stars, Klitschko, Sturm, aber auch alle wirklichen Großen des Boxsportes einfach nicht existent und müßten ihren Lebensunterhalt auf „normale“ Weise verdienen.
    Besonders in GB, aber auch in D. kann man spannende Kämpfe von limitierten, aber tapferen Fightern/innen sehen, die wirklich ALLES geben. Die nicht an Milchschnitte, ihre nächste Luxusjacht denken.
    Sie würden auch niemals daran denken, gerade dem Jugendalter entwachsen, eine Biographie schreiben zu lassen. Obwohl es sich in vielen Fällen viel mehr lohnen würde, diese zu lesen.
    Z.B. denke ich dabei an „Sam Langford“ von Clay Moyle. Sam wird von Vielen als der größte Fighter gesehen, der niemals einen WM-Titel hatte. Manche halten ihn sogar für den GOAT.
    Der „BoxSport“ ist für mich seit langem nur eine Art Werbeblatt für die etablierten Boxställe und erinnert mich an Budo- und Muay-Thai-Kickbox-Magazine Ende der 80er Jahre, in denen die Artikel von den Matchmakern, Managern und Gym-Betreibern geschrieben wurden und zum Himmel stinkendes Eigenlob enthielten. Jenseits dessen verabscheue ich die Bild-Zeitungs-Attitude!

    Benno Roick

    13. Januar 2011 at 23:59

    • Es ist schon fast ehrenrührig Sam Langford mit einer Milchschnitte-Werbeträgerin in einem Zusammenhang zu nennen. Aber was kann man schon von einem 23-jährigen Mädchen erwarten? Denn ich sehe sie als Mädchen und nicht als Frau an. Mir scheinen ihre intelekuellen Fähigkeiten und ihre Persönlichkeitsentwicklung hinter ihren boxerischen Fähigkeiten zurück zu bleiben.

      betker

      14. Januar 2011 at 23:59


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