Box-Blog

Archive for März 2011

Mutlose Kommentatoren

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Jeder hat schon miterlebt, dass ein Kommentator bei einem Boxkampf im Fernsehen den Kampf mitpunktet. Nun boxt der Heimboxer aber schlechter als sein Gegenüber. Irgendwann merkt der Kommentator, dass, wenn er weiter so punktet, er den Zuschauern sagen muss, dass auf seinem Punktezettel der Heimboxer klar verloren hat. Was macht er? Er hört auf mitzupunkten und fängt an, die Leistung des Heimboxers schönzureden. Ich frage mich dann jedes Mal: Warum sind die Box-Kommentatoren im Fernsehen eigentlich so furchtbar mutlos.
Wenn die deutsche Fußball- oder Handball-Nationalmannschaft schlecht spielt, dann wird das in der Regel von den Kommentatoren auch so genannt. Sobald es aber ums Profiboxen geht, verwandeln sich Sportjournalisten in PR-Agenten. Es wird über Dinge wie Heimvorteil, man könnte es auch Korruption nennen, parliert und das Resultat als (gott-) gegeben dargestellt. Für mich bleibt ein Betrug aber nun einmal ein Betrug, egal ob er in einem Boxring stattfindet oder irgendwo anders. Und meiner Meinung nach ist es die Aufgabe eines Journalisten, das dann auch zu benennen.
Die Mehrzahl der Fernsehkommentatoren scheint aber dem jeweiligen Veranstalter zu nahe zu stehen. In Deutschland binden sich die TV-Sender vertraglich langfristig und ausschließlich an einen Box-Promoter. Offenbar kommt es dadurch zu einem, nach meinem Geschmack, zu engen Schulterschluss der beiden.
© Uwe Betker

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29. März 2011 at 23:59

Foto: Murat Öner vs. Andy Thiele

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29. März 2011 at 23:59

Foto: Alesia Graf

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29. März 2011 at 23:59

Unschuldsvermutung

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„Die Unschuldsvermutung ist eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens.“ Eine abgewandelte Form dieses Prinzips wird offenbar auch auf Boxer und Boxerinnen angewendet. Immer wenn ein Boxer oder eine Boxerin keine guten Gegner bekommt oder wenn überfällige Rückkämpfe nicht zu Stande kommen, dann ist der Boxer unschuldig. Im gleichen Atemzug mit dieser Unschuldsvermutung wird dann die Schuld dem Veranstalter zugewiesen. Dann wird erklärt: „Den Boxer lässt man keine besseren Gegner boxen“, oder „der Boxer muss tun, was der Veranstalter ihm sagt“ usw. Zum Teil kann ich dieser Argumentation folgen, aber zum Teil halte ich sie schlicht für eine faule Ausrede. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Boxer, der den Mut hat, wenn man ihn denn lässt, mit den gefährlichsten und Furcht einflößendsten Boxern seiner Gewichtsklasse in den Ring zu steigen, um mit ihm seine Kräfte zu messen, nicht den Mut hat laut seine Wünsche zu äußern. Kann man glauben, dass ein vor Selbstbewusstsein nur so strotzender Weltmeister zu einem vor Angst eingeschüchterten Kind wird, das nicht mehr wagt, den Mund aufzumachen, kaum dass ein Mitarbeiter des Managements das Gym betritt?
Was ich damit sagen will, ist, dass ich mich tatsächlich kaum an einen Boxer erinnern kann, der nur halbwegs laut und vernehmlich, einen besseren Gegner gefordert hätte. Gut, es gab Felix Sturm und Zsolt Erdei bei Universum Box-Promotion und Arthur Abraham bei Sauerland Event. Gab es aber noch andere Boxer, die öffentlich bessere Gegner oder sportlichere Herausforderungen gefordert haben?
Es steht wohl außer Frage, wer in der Beziehung zwischen Promoter und Boxer in der Regel das Sagen hat. Aber manchmal habe ich auch den Verdacht, dass die meisten Boxer sich ganz wohl fühlen in der Rolle des unterdrückten und unschuldigen Opfers. Nehmen wir als Beispiel Susi Kentikian: Da ist eine Frau, die nennt sich „Killer Queen“. Sie erzählt gerne, dass sie „sehr willensstark“ ist und „sich durchsetzen kann“. Aber wo bleibt ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Willensstärke, wenn es um die überfälligen Rückkämpfe mit Nadia Raoui und Arely Mucino geht?
Wenn man etwas haben möchte, muss man in der Regel auch seinen Wunsch laut und deutlich artikulieren. Das ist im Restaurant so und wohl auch beim Profiboxen. Wieso können Boxer und Boxerinnen nicht einfach klar und deutlich ihre Wünsche äußern? Ich glaube nicht, dass sie es unterlassen, weil sie solch eine existenzielle Angst vor ihren Veranstaltern haben. Vielmehr äußern die meisten Boxer deshalb keine Gegner-Wünsche, weil sie mit ihren Gegnern zufrieden sind. Wieso auch sollten sie gegen Stärkere boxen wollen? Dadurch erhöht sich doch nur das Risiko zu verlieren. Ich bin gegen die Unschuldsvermutung, jedenfalls in den beschriebenen Fällen.
© Uwe Betker

Foto: Firat Arslan

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28. März 2011 at 23:59

Foto: Arthur Abraham

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28. März 2011 at 23:59

Ein beeindruckender, ein unbeeindruckender Kampf und lästige Punktrichter

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Ob die Übertragung von Boxkämpfen im Internet die Zukunft von Universum Box-Promotion sichern kann – ich weiß es nicht. Von den vier Kämpfen der letzten Veranstaltung im Universum Gym am 26.03.2011, die wohl auch die letzte an diesem Ort überhaupt gewesen sein dürfte, wurden zwei via Internet von bild.de übertragen. Man muss wirklich sagen: Dem Zuschauer wurde etwas geboten für seine Telefongebühren.
Im ersten Kampf verteidigte Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (32 Kämpfe, 31 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) seinen Titel gegen Albert Sosnowski (51 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) erfolgreich. Die Beiden zeigten einen durchaus sehenswerten Kampf. Der 28jährige Dimitrenko, der das erste Mal als Deutscher in den Ring stieg, war in der langen Distanz überlegen. In der ersten Hälfte konnte er seinen Reichweitenvorteil (er ist 2,01 Meter groß und sein Gegner ist 12 Zentimeter kleiner) nutzen und punktete schön mit der Führ- und mit der Schlaghand. Wollte Sosnowski eine Chance haben, in den Kampf zu kommen, war er gezwungen, die Distanz zu verkürzen. Gerade die Zähigkeit und Kampfstärke des Polen machte dann die Begegnung der beiden Kontrahenten zu einem wirklich beeindruckenden EM-Kampf. Als Dimitrenko in den letzten Runden massive konditionelle Probleme bekam, wurde es noch einmal richtig spannend. Der Kampf schien zu kippen. Der Herausforderer suchte die Entscheidung und der Titelverteidiger konnte ihn nicht mehr auf Distanz halten. In höchster Not klammerte Dimitrenko so oft er nur konnte. In der letzten Runde kam er dann aber mit einem brutal harten rechten Aufwärtshaken durch, der Sosnowski fällte.
Das Aufeinandertreffen der Beiden zeigte, dass nicht immer nur bei WM-Kämpfen gutes und vor allem spannendes Boxen zu sehen ist. Es war einer der unterhaltsamsten Schwergewichtskämpfe seit langer Zeit. Man kann nur hoffen, dass wir mehr solche Kämpfe zu sehen bekommen. Weiterhin hoffe ich, dass Klaus-Peter Kohl, der Manager von Dimitrenko, nicht auf die Idee kommt, seinen Schützling in absehbarer Zeit eine WM boxen zu lassen. Denn dafür reicht es, nach meiner Meinung, noch nicht. Zu offensichtlich zeigte Dimitrenko Schwächen in der Defensive und zu wenig Druck und Entschlossenheit in der Offensive.
Die ebenfalls erfolgreiche Titelverteidigung der Weltmeisterin im Fliegengewicht der Verbände WIBF, WBA und WBO Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 28 Siege, 16 durch KO) war schlicht unbeeindruckend. Die eingedeutschte Syuzanna Kentikyan boxte gegen eine Hausfrau und dreifache Mutter aus Mexiko. Anna Arrazola (28 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 6 Niederlagen, 3 Unentschieden) hatte ihr schlicht nichts entgegenzusetzen außer ihren Willen.
Der Kampf beeindruckte mich nicht nur deshalb so wenig, weil er nach der Dimitrenko EM kam. Es war auch so, dass die boxende Hausfrau und Mutter einfach viel zu schwach war. Und Frau Kentikian boxte auch ganz gewiss nicht wie eine „Killer Queen“, sondern eher wie eine Büroangestellte, die ihre Aufgaben abarbeitet.
Am Ring saß nun zu allem Überfluss auch noch als Punktrichter wieder Frank-Michael Maaß. Das ist jener Maaß, den man als Garantie dafür ansehen kann, dass Frau Kentikian auf jeden Fall nach Punkten gewinnt, wie der Kampfverlauf auch immer sein mag. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, Universum Box-Promotion war sich vorher über das Leistungsvermögen ihrer Kämpferin nicht so ganz sicher.
Außerdem fand ich bemerkenswert, wie stolz der BILD-Kommentator Fuss darauf war, dass er während des Dimitrenko-Kampfes von einem Punktrichter – ob dies wiederum Herr Maaß war, weiß ich natürlich nicht – über den Punktestand informiert wurde. Soweit ich nun aber informiert bin, ist das immer noch nicht erlaubt. Wie schon sooft, stelle ich mir auch jetzt erneut die Frage, wieso sich an deutschen Ringen die Punktrichter eigentlich nicht einfach nur darauf beschränken, das zu machen, wofür sie da sind, nämlich den Kampfverlauf durch ihr Punkten wiederzugeben. Punktrichter, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, sind doch einfach nur lästig.
© Uwe Betker