Box-Blog

Archive for März 2011

Unschuldsvermutung

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„Die Unschuldsvermutung ist eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens.“ Eine abgewandelte Form dieses Prinzips wird offenbar auch auf Boxer und Boxerinnen angewendet. Immer wenn ein Boxer oder eine Boxerin keine guten Gegner bekommt oder wenn überfällige Rückkämpfe nicht zu Stande kommen, dann ist der Boxer unschuldig. Im gleichen Atemzug mit dieser Unschuldsvermutung wird dann die Schuld dem Veranstalter zugewiesen. Dann wird erklärt: „Den Boxer lässt man keine besseren Gegner boxen“, oder „der Boxer muss tun, was der Veranstalter ihm sagt“ usw. Zum Teil kann ich dieser Argumentation folgen, aber zum Teil halte ich sie schlicht für eine faule Ausrede. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Boxer, der den Mut hat, wenn man ihn denn lässt, mit den gefährlichsten und Furcht einflößendsten Boxern seiner Gewichtsklasse in den Ring zu steigen, um mit ihm seine Kräfte zu messen, nicht den Mut hat laut seine Wünsche zu äußern. Kann man glauben, dass ein vor Selbstbewusstsein nur so strotzender Weltmeister zu einem vor Angst eingeschüchterten Kind wird, das nicht mehr wagt, den Mund aufzumachen, kaum dass ein Mitarbeiter des Managements das Gym betritt?
Was ich damit sagen will, ist, dass ich mich tatsächlich kaum an einen Boxer erinnern kann, der nur halbwegs laut und vernehmlich, einen besseren Gegner gefordert hätte. Gut, es gab Felix Sturm und Zsolt Erdei bei Universum Box-Promotion und Arthur Abraham bei Sauerland Event. Gab es aber noch andere Boxer, die öffentlich bessere Gegner oder sportlichere Herausforderungen gefordert haben?
Es steht wohl außer Frage, wer in der Beziehung zwischen Promoter und Boxer in der Regel das Sagen hat. Aber manchmal habe ich auch den Verdacht, dass die meisten Boxer sich ganz wohl fühlen in der Rolle des unterdrückten und unschuldigen Opfers. Nehmen wir als Beispiel Susi Kentikian: Da ist eine Frau, die nennt sich „Killer Queen“. Sie erzählt gerne, dass sie „sehr willensstark“ ist und „sich durchsetzen kann“. Aber wo bleibt ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Willensstärke, wenn es um die überfälligen Rückkämpfe mit Nadia Raoui und Arely Mucino geht?
Wenn man etwas haben möchte, muss man in der Regel auch seinen Wunsch laut und deutlich artikulieren. Das ist im Restaurant so und wohl auch beim Profiboxen. Wieso können Boxer und Boxerinnen nicht einfach klar und deutlich ihre Wünsche äußern? Ich glaube nicht, dass sie es unterlassen, weil sie solch eine existenzielle Angst vor ihren Veranstaltern haben. Vielmehr äußern die meisten Boxer deshalb keine Gegner-Wünsche, weil sie mit ihren Gegnern zufrieden sind. Wieso auch sollten sie gegen Stärkere boxen wollen? Dadurch erhöht sich doch nur das Risiko zu verlieren. Ich bin gegen die Unschuldsvermutung, jedenfalls in den beschriebenen Fällen.
© Uwe Betker

Foto: Firat Arslan

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28. März 2011 at 23:59

Foto: Arthur Abraham

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28. März 2011 at 23:59

Ein beeindruckender, ein unbeeindruckender Kampf und lästige Punktrichter

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Ob die Übertragung von Boxkämpfen im Internet die Zukunft von Universum Box-Promotion sichern kann – ich weiß es nicht. Von den vier Kämpfen der letzten Veranstaltung im Universum Gym am 26.03.2011, die wohl auch die letzte an diesem Ort überhaupt gewesen sein dürfte, wurden zwei via Internet von bild.de übertragen. Man muss wirklich sagen: Dem Zuschauer wurde etwas geboten für seine Telefongebühren.
Im ersten Kampf verteidigte Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (32 Kämpfe, 31 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) seinen Titel gegen Albert Sosnowski (51 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) erfolgreich. Die Beiden zeigten einen durchaus sehenswerten Kampf. Der 28jährige Dimitrenko, der das erste Mal als Deutscher in den Ring stieg, war in der langen Distanz überlegen. In der ersten Hälfte konnte er seinen Reichweitenvorteil (er ist 2,01 Meter groß und sein Gegner ist 12 Zentimeter kleiner) nutzen und punktete schön mit der Führ- und mit der Schlaghand. Wollte Sosnowski eine Chance haben, in den Kampf zu kommen, war er gezwungen, die Distanz zu verkürzen. Gerade die Zähigkeit und Kampfstärke des Polen machte dann die Begegnung der beiden Kontrahenten zu einem wirklich beeindruckenden EM-Kampf. Als Dimitrenko in den letzten Runden massive konditionelle Probleme bekam, wurde es noch einmal richtig spannend. Der Kampf schien zu kippen. Der Herausforderer suchte die Entscheidung und der Titelverteidiger konnte ihn nicht mehr auf Distanz halten. In höchster Not klammerte Dimitrenko so oft er nur konnte. In der letzten Runde kam er dann aber mit einem brutal harten rechten Aufwärtshaken durch, der Sosnowski fällte.
Das Aufeinandertreffen der Beiden zeigte, dass nicht immer nur bei WM-Kämpfen gutes und vor allem spannendes Boxen zu sehen ist. Es war einer der unterhaltsamsten Schwergewichtskämpfe seit langer Zeit. Man kann nur hoffen, dass wir mehr solche Kämpfe zu sehen bekommen. Weiterhin hoffe ich, dass Klaus-Peter Kohl, der Manager von Dimitrenko, nicht auf die Idee kommt, seinen Schützling in absehbarer Zeit eine WM boxen zu lassen. Denn dafür reicht es, nach meiner Meinung, noch nicht. Zu offensichtlich zeigte Dimitrenko Schwächen in der Defensive und zu wenig Druck und Entschlossenheit in der Offensive.
Die ebenfalls erfolgreiche Titelverteidigung der Weltmeisterin im Fliegengewicht der Verbände WIBF, WBA und WBO Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 28 Siege, 16 durch KO) war schlicht unbeeindruckend. Die eingedeutschte Syuzanna Kentikyan boxte gegen eine Hausfrau und dreifache Mutter aus Mexiko. Anna Arrazola (28 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 6 Niederlagen, 3 Unentschieden) hatte ihr schlicht nichts entgegenzusetzen außer ihren Willen.
Der Kampf beeindruckte mich nicht nur deshalb so wenig, weil er nach der Dimitrenko EM kam. Es war auch so, dass die boxende Hausfrau und Mutter einfach viel zu schwach war. Und Frau Kentikian boxte auch ganz gewiss nicht wie eine „Killer Queen“, sondern eher wie eine Büroangestellte, die ihre Aufgaben abarbeitet.
Am Ring saß nun zu allem Überfluss auch noch als Punktrichter wieder Frank-Michael Maaß. Das ist jener Maaß, den man als Garantie dafür ansehen kann, dass Frau Kentikian auf jeden Fall nach Punkten gewinnt, wie der Kampfverlauf auch immer sein mag. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, Universum Box-Promotion war sich vorher über das Leistungsvermögen ihrer Kämpferin nicht so ganz sicher.
Außerdem fand ich bemerkenswert, wie stolz der BILD-Kommentator Fuss darauf war, dass er während des Dimitrenko-Kampfes von einem Punktrichter – ob dies wiederum Herr Maaß war, weiß ich natürlich nicht – über den Punktestand informiert wurde. Soweit ich nun aber informiert bin, ist das immer noch nicht erlaubt. Wie schon sooft, stelle ich mir auch jetzt erneut die Frage, wieso sich an deutschen Ringen die Punktrichter eigentlich nicht einfach nur darauf beschränken, das zu machen, wofür sie da sind, nämlich den Kampfverlauf durch ihr Punkten wiederzugeben. Punktrichter, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, sind doch einfach nur lästig.
© Uwe Betker

Foto: Natalya Bermas

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27. März 2011 at 23:59

Foto: Özlem Sahin

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27. März 2011 at 23:59

Das Frauenboxen lebt

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Heute kann man in der BILD Zeitung lesen: „SUSI muss das Frauen-Boxen retten“. Weiter heißt es: „Diese kleine Frau muss ganz breite Schultern haben: Denn „Fliege“ Susi Kentikian (23) soll das Frauen-Boxen retten. Seitdem das ZDF den Vertrag mit dem Universum-Stall aufkündigte, sind die kämpfenden Damen nahezu komplett von der Bildfläche verschwunden.“
Offensichtlich reduziert hier die Sportredaktion der BILD Frauenboxen auf Frauenboxen im Fernsehen. Wenn man sich jedoch von der Vorstellung freimacht, dass eine Sportart nur dann existiert, wenn sie in der Flimmerkiste zu sehen ist, gibt es vieles zu entdecken.
Da gibt es eine Rola El-Halabi (11 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO), die am 01.04.2011 in Berlin gegen Irma Balijagic Adler (13 Kämpfe, 12 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) Weltmeisterin der IBF im Leichtgewicht werden will. Auf der gleichen Show schickt sich auch Jennifer Retzke (11 Kämpfe, 10 Sieg, 7 Durch KO, 1 Niederlage) gegen Eva Halasi (12 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) an, Weltmeisterin der IBF im Junior Mittelgewicht zu werden. An diesem Abend boxt außerdem die sehr viel versprechende Junior Fliegengewichtlerin Özlem Sahin (12 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden), eine Boxerin, von der ich persönlich sehr viel halte – und das nicht nur wegen ihres Aussehens.
Einen Tag später steigt die wohl beste Weltergewichtlerin der Welt, Jessica Balogun (19 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage), in Aachen wieder in den Ring. Dann bekommt sie es mit Leticia Cansal (7 Kämpfe, 6 Siege, 1 Niederlage, 1 durch KO) zu tun. Wer Frau Balogun schon einmal boxen gesehen hat, versteht warum die WBC und WBO Weltmeisterin Cecilia Braekhus sie gerne als Sparringspartnerin holt, aber nicht gegen sie boxen will.
Wiederum eine Woche später boxt in Magdeburg Ramona Kühne (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegen Michelle Larissa Bonassoli (16 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO). Dabei will sie den WM-Titel der WBO im Super Federgewicht erringen.
Es ist schon relativ schwer die boxenden Frauen zu übersehen. Im Augenblick gibt es zwar kein oder nur ganz wenig Frauenboxen im Fernsehen zu sehen, aber die Szene ist aktiver und vor allem besser als je zuvor. Einige der oben erwähnten Frauen sollten, meiner Meinung nach. durchaus im Fernsehen zu sehen sein – einfach weil sie guten und interessanten Sport zeigen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn die BILD ausgerechnet Frau Syuzanna Kentikyan (28 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO) zur Retterin des Frauenboxens stilisiert, obwohl sie doch in ihren letzten beiden Kämpfen und dann auch mit ihrem Verhalten nach den Kämpfen dem Frauenboxen in Deutschland, so wie es sich mit darstellt, erheblichen Schaden zugefügt hat.
© Uwe Betker

Foto: Jessica Balogun und Rola El-Halabi

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26. März 2011 at 23:59

Foto: Arthur Abraham

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26. März 2011 at 23:59

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Ein schwerer Kampf für Benjamin Simon

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Dem berliner Benjamin Simon (21 Kämpfe, 20 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage) steht ein schwerer Kampf bevor. Am Freitag, dem 01.April soll die Nummer 83 der unabhängigen Weltrangliste gegen Sam Soliman (50 Kämpfe, 39 Siege, 17 durch KO, 11 Niederlagen, 1 durch KO) antreten. Soliman ist immerhin die Nummer 35 der unabhängigen und Nummer 11 der IBF Rangliste.
Der Australier aus Melbourne hat einen mit guten Namen gespickten Kampfrekord. So stand er bereits mit Jerry Elliot (06.05.2000, L 8), Howard Eastman (16.09.2000, L 12), Anthony Mundine (03.09.2001, L 12, 07.03.2007, L KO 9, 25.03.2008, L 12), Nader Hamden (02.06.2003, W 12) und Ronald Wright (10.12.2005, L 12) zusammen im Ring. In seiner seit über 13 Jahren andauernden Karriere machte er auch immer wieder Ausflüge in höhere Gewichtsklassen, z.B. ins Cruisergewicht. Mit seinen 37 Jahren dürfte er physisch unterlegen sein. Jedoch hat er immer noch eine sehr gute Beinarbeit, ist beweglich, technisch stark und sehr erfahren.
Iron Bens Stärke ist offensichtlich seine Physis. Er hat eine beeindruckende KO-Quote von 90,48 %.
Soliman ist mit Sicherheit der beste Mann, dem Simon jemals gegenüber stand. Gleichzeitig ist er aber auch, aufgrund seines Alters und seiner körperlichen Unterlegenheit, jemand, den er schlagen kann. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass der Ausgang des Kampfes schon entschieden ist. Erfahrung ist der entscheidende Pluspunkt für Soliman. Er ist ein Überlebenskünstler im Ring und es bleibt abzuwarten, ob Simon ihn stellen kann und was passiert, wenn er es nicht schafft.
In dem auf 12 Runden angesetzten Kampf im Mittelgewicht geht es zum einen um den Intercontinental Titel der IBF. Zum anderen ist er vermutlich aber auch ein WM-Ausscheidungskampf. Der Sieger würde damit dann zum Pflichtherausforderer für den für Sauerland Event boxenden Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) werden.
© Uwe Betker