Box-Blog

Die Interpretation eines Liedes

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Eigentlich wird die Fernsehserie Pippi Langstrumpf ja vom ZDF ausgestrahlt. Aber irgendwie war mir doch so, als hätte ich das sehr eingängige Titellied nun auch bei der ARD vernommen. Jedenfalls spüre ich den starken Impuls, es als Motto des Boxkampfes zwischen Steve Cunningham (27 Kämpfe, 24 Siege, 12 durch KO, 3 Niederlagen) und Yoan Pablo Hernandez (26 Kämpfe, 25 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) am 01.Oktober 2011 in Neubrandenburg zu betrachten. So möchte ich dem Lied hier auch meine eigene würdigende Interpretation zukommen lassen.

„Zwei mal drei macht vier
widdewiddewitt und drei macht neune,
ich mach‘ mir die Welt,
widdewidde wie sie mir gefällt.“

Überträgt man diese Zeilen nun auf den Kampf, so erhalten wir die Aussage, dass Punktwertungen prinzipiell keine mathematische Logik zu Grunde liegt oder sie gar eine reale Entsprechung im Ring haben. Vielmehr, und das wird durch die flotte Melodie ja auch noch betont, geht es um Spaß. Für irgendjemanden ist es ein riesen Spaß, dass der Sieger vorher feststeht und der übertragende TV Sender ARD diese Show als Sport verkauft.
Die Textzeile „ich mach‘ mir die Welt“, die quasi als Motto eingeführt wird, sagt explizit, hier wird eine eigene Realität geschaffen. Diese schöne, neu erschaffene Welt, hat zwar nichts mit dem zu tun, was im Boxring passiert.

„Hey, Pippi Langstrumpf,
tralahe, tralahe, tralahopsassa.
Hey, Pippi Langstrumpf,
die macht, was ihr gefällt.“

Natürlich macht bei einer Boxveranstaltung, die durch unsere Rundfunkgebühren finanziert wird, keine Frau namens Pippi Langstrumpf, „was ihr gefällt“. Pippi Langstrumpf ist vielmehr eine Personifikation. Pippi Langstrumpf steht in diesem Falle für Sauerland Event und die ARD. Hier wird nämlich offenbar, dass Sauerland Event und die ARD eine untrennbare Einheit bilden. Als gemeinsame Person hat Sauerland Event mit der ARD die Möglichkeit und die Macht, das zu machen, „was ihr gefällt“.

„Drei mal drei macht sechs,
widdewidde wer will’s von mir lernen?
Alle, groß und klein,
tralalala lad ich zu mir ein.“

Durch die Variation des lustigen Einmaleins wird betont, Punktrichterentscheidungen sind in jeder Höhe möglich. Der Betonung der eigenen Macht folgt noch eine in eine Frage gekleidete Aufforderung an den Leser: „Wer will’s von mir lernen?“ Dabei geht es aber nicht darum, alle, nämlich „groß und klein“, zu lehren, wie man Wunsch-Punktentscheidungen bekommt. Denn es geht mit „lad ich zu mir ein“ weiter. Die Betonung liegt auf „zu mir“. Es geht hier nicht um die Weitergabe von Wissen, sondern um Einschaltquote und Zuschauer. Also um Geld. Wir haben hier eine Einladung, den Fernseher einzuschalten und in die Halle zu gehen.

„Ich hab‘ ein Haus,
ein kunterbuntes Haus,
ein Äffchen und ein Pferd,
die schauen dort zum Fenster raus.“

Hier wird nun das Lied mysteriös und dunkel. Es bekommt Tiefe und Schwere. Die ersten zwei Verse „Ich hab‘ ein Haus, ein kunterbuntes Haus“ stehen offensichtlich für den erfolgreich operierenden Boxstall und den sehr lukrativen Fernsehvertrag. Diese finanzielle Sicherheit ermöglicht es den Bewohnern des Hauses, das Management von Sauerland, dann auch „dort zum Fenster“ hinaus zu schauen. Wobei man wohl ergänzen könnte, dass hier in die Ferne gesehen wird. Das wiederum heißt, hier wird optimistisch in die Zukunft geschaut. Schwer zu entschlüsseln ist, für wen das Äffchen und das Pferd stehen.

„Ich hab‘ ein Haus,
ein Äffchen und ein Pferd,
und jeder, der uns mag,
kriegt unser Einmaleins gelehrt.

In dieser Strophe bekommt nun das „Haus“, somit die finanzielle Macht, mitsamt dem nicht zu entschlüsselnden Äffchen und Pferd, etwas Drohendes. Es ist nämlich so, dass „jeder, der uns mag“, was zu übersetzen ist mit, jeder der auf unserer Veranstaltung boxt, „kriegt unser Einmaleins gelehrt“. Hier wird es nun endgültig deutlich ausgesprochen: Auf einer Veranstaltung von Sauerland und ARD kann man nur fröhliche und spaßige Punktrichterentscheidungen erwarten. Das bringt dann noch mehr Spaß und Freude beim Promoter mit sich.

„Zwei mal drei macht vier
widdewiddewitt und drei macht neune,
wir machen uns die Welt,
widdewidde wie sie uns gefällt.“

Die sechste Strophe ist eine Wiederholung der ersten, nur dass aus dem Subjekt „ich“ der ersten Strophe jetzt ein „wir“ geworden ist. Hierdurch wird betont, dass bei der Erschaffung einer eigenen Realität („wir machen uns die Welt … wie sie uns gefällt“) mehrere Personen beteiligt sind. Dabei waren dieses Mal die fröhlichen Punktrichter Dave Parris 55-58 und Pawel Kardyni, die Hernandez ein so launiges 55:58 und 54:59 gaben. Nicht vergessen darf man einen so hilfreichen Seele wie den Ringarzt Prof. Dr. Walter Wagner. So wurde dann Hernadez nun neuer Weltmeister der IBF im Cruisergewicht.

„Drei mal drei mach sechs,
widdewidde wer will’s von uns lernen?
Alle, groß und klein,
tralalala lad ich zu uns ein.“

Das Lied endet wieder mit dem beschwingten Einmaleins und einer Wiederholung der Einladung zu den lustigen Veranstaltungen von Sauerland Event und der ARD.
© Uwe Betker

Written by betker

2. Oktober 2011 um 23:59

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