Box-Blog

Ein schöner Sonntagnachmittag in einer Turnhalle in Essen

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Die Turnhalle Hoster Berg in Essen war am Sonntagnachmittag Schauplatz von 6 Amateurkämpfen und 8 Profikämpfen. In dem ersten Profikampf gaben Sebastian Tlatlik und Haris Cajic ihre Profidebüts im Leichtgewicht. Tlatlik bearbeitete von Anfang an den größeren und schlaksig wirkenden Cajic mit seiner Linken. Er verteilte gut zu Körper und Kopf. Schon bald zwang ein rechter Körperhaken Cajic zu Boden. Danach trieb der Essener seinen Gegner geradezu vor sich her. Er stellte ihn in dessen Ecke. Eine linke Grade und eine rechter Haken fixierten ihn dort. Schließlich ließ eine lange Kombination Cajic erneut zu Boden gehen. Vergeblich versuchte er aufzustehen. Er wurde ausgezählt: KO 1, 2:05 min
Im zweiten Kampf standen sich im Super Mittelgewicht Emil Markic (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Marwan Chehade gegenüber. Markic hatte mit seinem Gegner, einem Debütanten, keine Probleme. Markic zeigte eine gute Deckungsarbeit und verteilte seine Schläge gut. Schnell musste Chehade zum ersten Mal runter, wobei es fast wie ein Ausrutscher aussah. Aber sein nächster Besuch auf dem Ringboden war ohne Zweifel einem linken Körperhaken geschuldet. Danach schickte Markic ihn noch mal mit einer Kombination zu Boden. Durch diesen dritten Niederschlag war der Kampf dann auch schon vorbei. TKO 1, 2:35 min.
Ebenfalls im Super Mittelgewicht trafen Ford Jay Spencer (4 Kämpfe. 4 Siege, 3 durch KO) und Mirko Crnovic, der sein Profidebüt gab, aufeinander. Spencer fing ungewohnt zurückhaltend an. Dennoch war er aber der deutlich aktivere Boxer. Ein ums andere Mal deckte er seinen Gegner mit Schlagkombinationen ein. Gleichwohl konnte der aber mit seiner rechten Graden punkten. Am Ende der Runde schien Crnovic bei einem Breakkommando von Ringrichter Roman Morawiec zu glauben, er würde angezählt. Das führte dann zu einer kleinen Verwirrung. In die zweite Runde kam Spencer dann mit dem Willen, seinen Gegner KO zu schlagen. Er trieb ihn nur so vor sich her. Dann stellte er ihn in einer neutralen Ecke und fällte ihn mit einer linken Graden und einem rechten Kopfhaken. Crnovic wurde ausgezählt. KO 2, 1:30 min.
Im folgenden Kampf im Halbschwergewicht gaben Jaron Benjamin Transfeld und Mahir Turko ihr Profidebüt. Transfeld, der viele Fans mitgebracht hatte, begann verhalten, wurde dann aber von Runde zu Runde stärker. Obwohl Transfeld der bessere Boxer war, war der Kampf aber durchaus munter. Auch Turko hatte seine Momente, obwohl es so aussah, als wackelte er in Runde 2 einmal und in Runde 3 zweimal. Am Ende des Vierrunders stand aber doch ein eindeutiger Punktsieg (40:35) für Transfeld, dessen weitere Entwicklung man abwarten darf.
Im fünften Kampf, ebenfalls im Halbschwergewicht, trafen die Debütanten Ahmid Laghmouchi und Muhamed Mahmic aufeinander. Der Kampf dieser beiden war kurz und intensiv. Laghmouchi boxte mit Übersicht. Wenn er angriff, traf er auch. Mahmic dagegen schlug viel auf die Deckung. Der KO lag bereits nach Sekunden in der Luft. Relativ bald hatte Laghmouchi dann auch seinen Gegner in einer Ecke gestellt. Mit einem Körperhaken schickte ihn auf die Bretter. Dort verharrte Mahmic so lange, dass er bei acht erst langsam anfing aufzustehen. Als er bei zehn noch nicht kampfbereit war, wurde er ausgezählt, was ihn empörte. KO 1, 2:50 min.
Im folgenden Kampf boxten im Super Mittelgewicht Salvatore Vancardo (10 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 3 Niederlagen, 2 Unentschieden) und Neven Tojaga gegeneinander. Der Kampf war kurz und etwas seltsam. Vancardo verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung, schob sich an seinen Gegner heran, um dann in der Halbdistanz zu explodieren. Tojaga jabte und versuchte dem Schlagabtausch durch Flucht zu entgehen. Praktisch mit dem Gong zur zweiten Runde gab er dann auf. Angeblich hatte er sich seine Schlaghand verletzt. Sie schmerzte so sehr, dass er sich ohne Hilfe sein Hemd wieder anziehen konnte und dem Sieger noch die Hand drückte. TKO 2, 0:04 min.
Im vorletzten Kampf, der im Halbschwergewicht stattfand, trafen Üsame Ensar Bozkurt (3 Kämpfe, 2 Sieg, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Edo Cavrk (17 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 14 Niederlagen. 11 durch KO) aufeinander. Bozkurt, der nach zwei Jahren Ringabstinenz sein Comeback gab, wollte es kurz machen. Er schickte dreimal seinen Gegner mit Körperhaken zu Boden, wobei dieser nur zweimal angezählt wurde. Beim zweiten Niederschlag hatte Cavrk einen unabsichtlichen Schlag auf dem Hinterkopf abbekommen. Hätte Bozkurt etwas ruhiger agiert, wäre der Kampf nicht mal in die zweite Runde gekommen. Im zweiten Durchgang gab Cavrk dann auf. TKO 2, 1:55 min.
Den letzten Kampf des Nachmittags, einen Sechsrunder im Leichtgewicht, werden die Zuschauer sicher nicht so schnell vergessen. Patryk Wolke (11 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 9 Niederlagen, 4 durch KO) traf auf Slaibi Slaibi (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Unentschieden). Die Rollen waren klar verteilt: Slaibi wollte seinen ersten Sieg, möglichst einen vorzeitigen – und Wolke wollte seinen Job machen. Wolke verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und ließ Angriff um Angriff über sich ergehen. Von Zeit zu Zeit startete er dann Entlastungsangriffe oder versuchte sein Glück mit Schwingern. Das sehr einseitige Gefecht hatte aber durchaus einen ganz eigenen Reiz. Von Runde zu Runde wuchs mein Respekt vor dem Mut und dem Durchhaltewillen von Wolke. Ein Boxer von anderem Format hätte sich schon längst einfach hingelegt. Aber Patryk Wolke ist ein Kämpfer, der seine Chance auch dann noch sucht, wenn er absolut keine hat. Ob dies nun gesund ist, soll dahin gestellt bleiben, aber es nötigt mir jedenfalls großen Respekt ab. Die Punktwertung für Slaibi (60:54) war reine Formsache.
Es war ein schöner Sonntagnachmittag in einer Turnhalle in Essen.
© Uwe Betker

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