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Gastbeitrag: Andy Hoeschler – der Anfang vom Neuanfang?

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Um es vorab zu sagen: Befreiungskämpfe sehen anders aus. Sie sprühen vor Energie, vor unbedingtem Wollen. Und wenn sie zusätzlich noch vor heimischem Publikum ausgefochten werden und ein dankbarer Gegner im Ring steht, springt eigentlich der Funke aus dem Ring auf die „Familiy & Friends“ über und wieder zurück. Eigentlich! Aber das Team Andy Hoeschler hatte an diesem Abend, am 02.04.2022, im Kampfsportcenter Frechen einen anderen Plan.

Mit knapp 150 geladenen Gästen aus Familie, Freunde und Sponsoren und dem Frankfurter Michael Klempert als dankbaren Gegner, hätte der 37-jährige Kölner seinen schweren Niederschlag vom letzten Dezember vergessen machen können. Stattdessen ließ seine Kampfweise eher darauf schließen, dass da Aufeinandertreffen mit Yakup Saglam und der Knockout bereits in der ersten Runde im Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Cruisergewicht noch ein wenig in seinen Knochen steckte. Offensichtlich gehörte es zu dem Plan soviel Zeit wie möglich unter Wettkampfbedingungen im Ring zu verbringen.

Hoeschler boxte verhalten, dabei verlor er sich ein wenig in Einzelaktionen. Mal eine Schlaghand, mal eine Führungshand, die, wenn sie trafen, durchaus seinen gegenüber Klempert in Verlegenheit bringen konnten – taten sie aber nicht, da es der Kölner unterließ, nachzusetzen. So ergab sich für den 47-jährigen Hessen Klempert immer wieder die Möglichkeit, bedrohlichen Situationen zu entkommen, wobei zudem seine Erfahrung aus nunmehr 48 Kämpfen ein Übrigens dazu beitrug. So gab es Ringmomente, in denen sich der Hesse deutlich aktiver präsentierte, aber auch nicht entscheidend nachsetzte.

Erst in den letzten Sekunden des Kampfes entfachte Hoeschler die erwartete Schlagfrequenz, die aber über den insgesamt verhaltenen Kampfverlauf nicht hinwegtäuschen darf. So erkämpfte sich Hoeschler einen zwar verdienten Punktsiege nach sechs Runden, blieb aber trotz stürmischen Jubels des Publikums bei der Urteilsverkündung hinter denjenigen Erwartungen zurück, welche einen Befreiungskampf erwartet hatten. Hoeschler kann nun auf eine Bilanz von zehn Siegen und einer Niederlage blicken. Die nächsten Kämpfe werden die zukünftige Marschrichtung seiner sportlichen Karriere vorgeben.

Eine undankbare Aufgabe lag vor der der 20-jährigen Sarah Liegmann. Die Rechtsauslegerin bekam die Tschechin Ladislava Holubova „vorgesetzt“ und beendete das ungleiche Duell bereits in der ersten Runde. Trotzdem rufen die wenigen Sekunden vom ersten Gong bis zum Ende des Kampfes Fragen auf. Wie können Manager und Matchmaker eine Gegnerin buchen, die nicht boxen kann? Hier gilt der größte Dank dem Ringrichter, der nicht mit der Tschechin, sondern mit dem Publikum und der mehrfachen Welt- und Europameisterin im Kickboxen Liegmann ein Einsehen hatte und den Kampf abbrach. Mit allem Respekt vor jeder Kämpferin und jedem Kämpfer, die und der in das Quadrat tritt, doch manche haben dort einfach nichts zu suchen, weil sie dem Sport schaden. Holubova gehört dazu. Ende!

Liegmann erfuhr schmerzhaft am eigenen Leib, dass es nur relativ wenig Profiboxerinnen gibt. Und wenn dann auch noch die gebuchte Boxerin abhandenkommt und kurzfristig ein Ersatz gesucht werden muss, kommt es zu solchen Paarungen. Paarungen, in denen die schwerste Aufgabe es ist, die Contenance zu wahren, was Liegmann definitiv hatte.

Einen ordentlichen Einstand im Profiboxen gab Kevin Knuetter (28). Nach über 100 Amateurkämpfen setzte er sich bei seinem Debut mit Nikola Panic auseinander. Der auf vier Runden abgesetzte Kampf ging über die volle Distanz, ließ aber zu keinem Zeitpunkt Zweifel am Ausgang aufkommen. Vielmehr wollte Knuetter über die gesamte Distanz gehen, da er immer wieder veränderte Schlagserien oder Kombinationen austestete. Mal zog er seine Führungshand vermehrt auf den Körper, dann verstärkt zum Kopf seines Gegners, ein anderes Mal variierte er zwischen Körper und Kopf in einer Kombination. So gab es nach dem Schlußgong zwei Erkenntnisse: Ein vielversprechendes Debut Knueters und der überforderte Panic hat sich seine Börse redlich verdient.

(C) Manfred Fammler

Written by betker

10. April 2022 um 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Fotos

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