Box-Blog

Ein verspäteter Rückblick auf „Die Nacht der Löwen“

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Am 25. Juni 2022 war der Fightclub Wuppertal der Ort, wo man gewesen sein sollte. Der wuppertaler Kultboxer Werner Kreiskott veranstaltete wieder einmal eine seiner legendär-kultigen Kampfsportveranstaltungen. Es gab 19 Kämpfe zu sehen, 11 Boxkämpfe, 4 nach K1 und weitere 4 Profiboxkämpfe. Die Kämpfe waren ansehnlich bis richtig gut. Es gab sogar Kämpfe, bei denen getreten wurde, die der Autor, obwohl er dies nicht mag, gut fand.

Den Anfang machten im Super Mittelgewicht Mark Lambertz (7 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO) und Mazen Girke (150 Kämpfe, 15 Siege, 2 durch KO, 129 Niederlagen, 35 durch KO, 6 Unentschieden). Am Ende des Kampfes stand natürlich ein eindeutiger Punktsieg für Lambertz (59:94). Girke absolvierte seinen Jubiläumskampf gleichwohl routiniert. Er kämpfte wie immer fair und sauber. Er wird ja auch nicht gebucht, um das Boxen zu erfinden, sondern um einen Gegner in einem mehr oder weniger guten Wettkampfsparringsduell auf die Situation im Ring und auf höheren Weihen vorzubereiten. Und diese Aufgabe löst der 38-jährige seit Jahren wirklich gut – diesmal, wie immer, auch.

Allerdings hatte der Kampf auch einen Haken. Denn beide Boxer sind miteinander befreundet und das merkte man dem Kampf dann auch an. Daher kamen auch Lambertz´ Stöße ohne die letzte Energie. Beide boxten ihren Stiefel herunter. Nach der Ringpause zur vierten Runde schien sich der Kampf zu verändern. Der Favorit legte eine Schippe drauf und der Handlungsreisende in Sachen Boxen bekam Konditionsprobleme. Aber der Kampf ging dann doch ohne Gefährdung eines der Teilnehmer zu Ende.

(C) Andreas Bornewasser

Als nächstes stiegen Mohamed Soltby (19 Kämpfe, 17 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Tamaz Izoria (17 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 12 Niederlagen, 8 durch KO) für sechs Runden in einer Schwergewichtsbegegnung in den Ring. Soltby war 24 Zentimeter größer und versuchte auch seinen Reichweitenvorteil zu nutzen. Izoria auf der anderen Seite versuchte, sich hinter seiner stabilen Doppeldeckung an seinen Gegner heranzuschieben. Er war dabei relativ erfolgreich. Ein ums andere Mal kam er mit seinem rechten Haken zum Kopf durch. Soltby schaffte es bis zum Schluss nicht, seine Führhand zu etablieren und sich Izoria dauerhaft vom Hals zu halten. Die letzten zwei Runden gingen dann aber doch sehr deutlich an Soltby. Zum einen, weil er nun auch zum Körper ging und zum anderen weil Izoria seine boxerische Linie verlor, was seinen Konditionsproblemen geschuldet war. Punktwertung: 59:55 für Mohamed Soltby.

(C) Andreas Bornewasser

Sherif Morina (13 Kämpfe, 13 Siege, 7 durch KO) war in seinem Vierrunder im Weltergewicht nicht zu beneiden. Die Leistung seines Gegner, Vladimer Janezashvili (32 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 16 Niederlagen, 16 durch KO, 1 Unentschieden) war nämlich geradezu eine Beleidigung für den Boxsport. Es ist absolut unverständlich wie der Mann aus Georgien zu seinem nahezu ausgeglichenen Kampfrekord gekommen ist. Morina schlug seine erste Führhand und Janezashvili ging zu Boden. Er wurde nicht angezählt. Diese unwürdige Szene wurde kurz darauf von dem Georgier wiederholt. Nach einer Rechten zum Kopf hatte er dann wirklich Grund auf die Bretter zu gehen, was er auch tat und wofür er dann auch angezählt wurde. Die Runde endete schließlich damit, dass der Möchtegernboxer nach zwei Wischern ein weiteres Mal die Ringseile von unten anschaute und dem Zählen des Ringrichters lauschte.

Die zweite Runde begann mit einen mehrsekündigen wilden Angriff von Janezashvili, in dem er wilde Schwinger auf die Deckung von Morina prasseln ließ. Anschließend ging er nach einem schönen Körpertreffer mal wieder zu Boden. Dort gefiel es ihm so gut, dass er diesen Ort direkt in der nächsten Aktion, nach einen Kopftreffer, noch mal aufsuchte. Dafür bekam er auch die obligatorischen Acht. Das Angezähltwerden schien ihm tatsächlich so gut zu gefallen, dass er gar nicht genug davon bekommen konnte. Beispielsweise stürzte er dann, von einem Luftzug gefällt, in den Ringstaub, wofür er dann seine Acht nicht bekam. Zwischendurch monierte er dann imaginäre Kopfstöße. Schließlich ging dann erneut zu Boden und der GBA Ringrichter Ahmed Bencheikh beendete das unwürdige Schauspiel. Sieger dirch TKO in Runde 2 nach 2:20 Minuten. Sherif Morina.

Vladimer Janezashvili versuchte nach dem Kampf zwischen dem untersten und dem vorletzten Seil aus den Ring zu klettern.

(C) Andreas Bornewasser

Einen ganz anderen Charakter hatte da schon der letzte Kampf, den Sarhad Nouzad (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) bestritt. Er traf im Supermittelgewicht in einem Vierrunder auf Giorgi Bliadze (27 Kämpfe, 7 Siege, 1 durch KO, 20 Niederlagen, 12 durch KO) aus Georgien. Noch ein Boxer also aus Georgien und dann noch jemand mit einem negativen Kampfrekord. Da konnten einem schon Bedenken kommen. Die waren aber unbegründet. Bliadze kam zum Kämpfen nach Wuppertal.

Nouzad boxte schnell, hart und präzise. Er suchte bis zur letzten Sekunde den KO-Erfolg. Er verteilte gut. Bliadze seinerseits hielt dagegen. Nouzad wollte vermutlich zu sehr den KO, wodurch ihm die Lockerheit und auch ein wenig die Präzision abhanden kamen. Punktsieger: Sarhad Nouzad (40:36).

(C) Andreas Bornewasser

Zum Abschluss noch ein Wort zu Mazen Girke. Girke bestritt seinen 150ten Kampf! Damit ist er wie aus der Zeit gefallen. Heutzutage gibt es keinen mehr, der eine mehr als dreistellige Anzahl an Kämpfen aufzuweisen hat. Tatsächlich hat wohl insgesamt nur Gustav Eder, der von 1928 bis 1949 aktiv war, in Deutschland mehr Profikämpfe bestritten. Sein Kampfrekord: 162 Kämpfe, 121 Siege, 59 durch KO, 17 Niederlagen, 1 durch KO, 24 Unentschieden. – Mazen Girke! Du musst also noch mindestens 18-mal boxen!

Wir freuen uns schon auf die nächste Nacht der Löwen.

(C) Uwe Betker / Manfred Fammler

Written by betker

14. Juli 2022 um 23:59

Veröffentlicht in Uncategorized

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