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Die 2. Dürener Fight Night

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Die Birkesdorfer Festhalle in Düren war am 21.02.2015 Austragungsort für die 2. Dürener Fight Night, eine kleine aber feine Veranstaltung von Khalil Boxpromotion. Im Vorprogramm gab es 11 Kämpfe zu sehen, 8 nach K1-Regeln und 3 nach Box-Regeln. Hinzu kamen noch: eine Tanzeinlage von drei jungen Damen und eine Gesangseinlage der stimmgewaltigen, erst 16 Jahre alten Isabelle Schmitz.
Vier Profikämpfe waren im Boxen zu sehen, drei über vier Runden und der Hauptkampf, eine Internationale Deutsche Meisterschaft nach Version GBA. Die Veranstaltung diente zudem noch einem guten Zweck: Es wurde Geld für „Sports For Afghan Kids“ gesammelt, ein Projekt vom Jama Saidi, das der Unterstützung von Kindern in Afghanistan im Bereich Sport/Boxen und Schule gewidmet ist. Die Hilfen erfolgen auf finanzieller wie auf Sachmittel-Ebene.
Den ersten der vier Profikämpfen dieses Abends bestritten Maramcheel Mohammed (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Mirko Sikora, der sein Profidebüt gab, im Leichtgewicht. Mohammed war von Anfang chancenlos. Bereits nach der ersten Aktion war er im Rückwärtsgang. Schon bald wurde er in seiner eigenen Ecke gestellt und ging nach Körpertreffern zu Boden; er wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:10 Minuten Mirko Sikora.
Im folgenden Kampf trafen im Schwergewicht Renato Blitz (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) und Gürkan Basak (2 Kämpfe, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) in einem Vierrunder aufeinander. Dieser Kampf entwickelte sich zu einer guten und spannenden Begegnung. Blitz, der Größere von beiden, nutzte seinen Reichweitenvorteil gut und punktete mit seiner Führhand. Basak schob sich, verschanzt hinter seiner Doppeldeckung, an seinen Gegner heran und versuchte im Infight mit Kopftreffern zum Erfolg zu kommen. Blitz war boxerisch überlegen, konnte aber mit seinen Schlägen den massigen Basak nicht beeindrucken, was er auch merkte. Basak suchte bis zum Schluss seine Chance. Immer wenn Blitz lang boxte, punktete er. In der Halb- und der Nahdistanz hatte Basak durchaus seine Momente. Am Ende des sehr intensiv geführten Gefechts stand ein hart erkämpfter Punktsieg für Blitz.
Im dritten Profikampf des Abends maßen Tiran Mkrtschjan, genannt Tiran Metz, (15 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) und Vadim Firidunov (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) im Supermittelgewicht ihre Kräfte. Dieser Kampf wurde mein persönlicher Aufreger des Abends. Metz begann schnell. Er setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck. Jedoch hatte auch Firidunov seine Momente. Im Lauf des Kampfes schien es, als hätte Metz leichte Schwierigkeiten mit der Rechtsauslage seines Gegners. Ende der zweiten Runde musste er mehrere Treffer nehmen, als er aus der Balance war. Der dritte Durchgang wurde hart und verbissen geführt. Bis zum Ende der dritten Runde sah es nach einem knappen Arbeitssieg für Metz aus.
Dann begann die vierte und letzte Runde. Metz zog sich gleich in einer der ersten Szenen einen Cut in der rechten Braue zu – so weit so schlecht, aber nicht ungewöhnlich. Der Ringrichter Kazim Kurnaz schickte Metz daraufhin in seine Ecke. Dort behandelte erst sein Trainer die Verletzung, sodann wurde der Arzt hinzugezogen. Dieser behandelte Metz dann regelwidrig. Nach einer sehr-sehr langen Behandlungszeit ging der Kampf schließlich weiter. Jetzt erst zeigte der Ringrichter an, dass er einen absichtlichen Kopfstoß gesehen hatte, der dann zum Cut geführt hatte. Ich habe einen solchen absichtlichen Kopfstoß allerdings nicht gesehen, was aber noch nichts heißt. Bei einem Aufeinandertreffen von Normal- und Rechtsauslegern kommt es schon häufiger mal zu schmerzhaften Zusammenstößen mit den Köpfen.
Der Kampf wurde hiernach hart und hektisch. Kurze Zeit später war der Cut dann auch wieder offen. Nach einer Aktion in der neutralen Ecke drehte sich Metz ab und teilte dem Ringrichter mit, ihm flösse Blut ins Auge. Anstatt den Kampf nun mit einem TKO zu beenden, schickte Kurnaz Metz wieder in seine Ecke, wo erneut, gegen alle Regeln, der Arzt die Wunde versorgte. Metz nahm mit einem Pflaster über dem Cut den Kampf wieder auf, was wohl ein Novum gewesen sein dürfte und mit Sicherheit nicht regelkonform war. Irgendwann flog das Pflaster dann durch den Ring und der Kampf war zu Ende. An diesem Ende stand dann ein Punktsieg für Metz, den es so sicherlich nicht hätte geben dürfen.
Den Hauptkampf des Abends bestritten Jama Saidi (8 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO) und Ziso Poulitsa (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen, diese Internationale Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht nach Version GBA war wahrhaft ein tolles Gefecht. Saidi zeigte tolle Reflexe, schöne Meidbewegungen und schnelle und explosive Angriffe. Mehrfach bekam er Szenenapplaus für sein Heraustanzen aus Angriffen von Poulitsa. Poulitsa hatte dem boxerisch nicht viel entgegenzusetzen, aber er wurde in den zehn Runden nie müde, seine Chance trotzdem zu suchen. Am Ende einer sehr unterhaltsamen Begegnung stand ein Punktsieg für Jama Saidi. Die Punktrichter werteten 100:92, 100:90 und 100:91.

Timor Khalil hat wieder mal eine gute und unterhaltsame Veranstaltung abgeliefert. Auch die inakzeptable Schiedsrichterleistung und das Fehlen von Nummerngirls ändert insgesamt nichts daran. Bemerkenswert war vor allem, dass er in seinem Vorprogramm beim Matchmaking ein relativ hohes Risiko eingegangen ist, was die Kämpfe aber attraktiv machte. Man kann sich schon auf die 3. Dürener Fight Night freuen, die hoffentlich bald kommt.
© Uwe Betker

Die ultimativ subjektive Liste 2014

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Boxer des Jahres
Gennady Golovkin (31 Kämpfe, 31 Siege, 28 durch KO) ist zurzeit der beste Mittelgewichtler der Welt. In allen Pound for pound Listen steht er ganz oben. Warum hat kein deutscher Veranstalter ihn unter Vertrag genommen, nachdem Universum Box-Promotion seine Tore geschlossen hatte?

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der IBF Cruisergewichtsweltmeister Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat sich 2014 mehrfach politisch geäußert und gegen den Völkermord an den Jesiden im Nordirak demonstriert. Das ist nicht nur sehr ehrenwert. Normalerweise äußern sich Profiboxer in Deutschland ja nicht politisch, es sei denn, dass sie ihrer Bewunderung für Wladimir Wladimirowitsch Putin Ausdruck verleihen wollen, oder wenn sie darüber sprechen, dass die Bevölkerung in Russland noch nicht reif sei für eine Demokratie. Dies Engagement vom Hernandez bringt ihm den Titel Boxer des Jahres (ehrenhalber) ein.

Boxerin des Jahres
Özlem Sahin (19 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) wurde am 21.06.2014 Weltmeisterin der WIBF, WBF und GBU im Minimumgewicht. Ohne Veranstalter und ohne Manager erreichte sie dies. Seit 2007 boxt sie nun als Profiboxerin unter wechselnden Trainern. Sie ist ohne Zweifel eine der attraktivsten Boxerinnen der Welt.

KO des Jahres
Habe ich verpasst.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.

Rookie des Jahres (männlich)
Manager Rainer Gottwald verkündete lautstark, sein Schützling Vincent Feigenbutz (19 Kämpfe, 18 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) könne jetzt Arthur Abraham schlagen. Nun, das bezweifle ich schon. Aber Feigenbutz hat einen guten Punch, und mit einem Mehr an Technik kann der Karlsruher noch weit kommen. Er ist auch seit kurzem bei Sauerland Event unter Vertrag.

Rookie des Jahres (weiblich)
Die Weltergewichtlerin Ornella Domini (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) aus der Schweiz hat zwar erst 8 Kämpfe bestritten, ist aber bereits auf Position 6 der unabhängigen Weltrangliste – und das ohne Titelkampf.

Ringrichter des Jahres
Manfred Küchler vom BDB. Bereits am 14.10.2011 hatte er einem Heimboxer, nämlich Alexander Petkovic, eine Niederlage erspart, indem er beherzt eingriff. Am 26.07.2014 wurde er nun noch zum Wiederholungstäter. Er sorgte nämlich dafür, dass Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO), die von Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ganz regelkonform KO geschlagen worden war, doch ihren WM Titel behalten durfte. Das schaffte er, indem er kurzerhand die Siegerin disqualifizierte.
Ich möchte hier noch mal bemerken, dass es mir persönlich absolut schleierhaft ist, wieso der Bund Deutscher Berufsboxer einen solchen Mann, der offensichtlich das Boxen so sehr hasst, dass er immer wieder versucht, dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören, in seinen Reihen duldet. Manfred Küchler vom BDB gebührt eigentlich nicht der Titel Ringrichter des Jahres, sondern wohl eher skandalösester Ringrichter aller Zeiten oder schlechtester Ringrichter aller Zeiten.

Absteiger des Jahres (männlich)
2014 war für Robert Stieglitz (52 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ein Seuchenjahr. Erst verlor er den Rückkampf gegen Arthur Abraham und war damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht los. Und dann erreichte er gegen Felix Sturm nur ein Unentschieden.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Elina Tissen (20 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) bestritt im Oktober 2013 erst einen Kampf ohne sanktionierenden Verband, den sie gewann. 2014 boxte sie nur einmal. Sie gewann auch wieder. Ihre Gegnerin kam mit einem Rekord von 9 Kämpfen, 4 Siegen, 4 Niederlagen und ein Unentschieden in den Kampf. Das war dann auch noch ein WM Kampf im Federgewicht nach Version WIBF und GBU. – Ich werde mich ehrlich bemühen, nie wieder über diese Frau zu schreiben, die sich selber Maschine nennt.

Aufsteiger des Jahres (männlich)
Der Weltergewichtler Robert Tlatlik (16 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO) schickt sich an, in die europäische Spitze vorzustoßen.

Aufsteiger des Jahres (weiblich)
Nicole Wesner – Leichtgewicht – 9 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, bereits Weltmeisterin der WIBF und WBF, Nummer 8 der unabhängigen Weltrangliste – Was soll ich mehr schreiben?

Aussteiger des Jahres (männlich)
Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) erklärte mir vor ein paar Monaten, er sei noch im Training und warte auf Kämpfe. Aber ich habe den Verdacht, dass er nie wieder in den Ring steigt. Seinen letzten Kampf bestritt Tomala am 16.12.2012. In ihm zeigte er, was aus ihm hätte werden können. Ich habe dem Düsseldorfer Schwergewichtler locker zugetraut, Deutscher Meister zu werden. Auch eine Europameisterschaft traute ich ihm zu. Man mag mich für einen Träumer halten, aber sogar einen heißen Tanz mit einem der Klitschkos habe ich für möglich gehalten. Schade!

Aussteiger des Jahres (weiblich)
Die Federgewichtlerin Goda Dailydaite (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) boxte 2013 zum letzten Mal. Sie verlor gegen Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) in deren Abschiedskampf. Offensichtlich konzentriert sie sich jetzt auf ihr Lehramtsstudium.

Veranstalter des Jahres
Veranstalter des Jahres kann nur sehr schwer ein großer Veranstalter mit TV Vertrag werden. Die Großen bekommen viel Geld für ihre Veranstaltungen, aber häufig wirken ihre Shows billig und die Gegner ihrer Boxer sehen schlecht aus. Offensichtlich verschwindet einfach zu viel Geld in den Taschen der Veranstalter, die dann eben zu wenig Geld für ihre Veranstaltungen ausgeben. Da lobe ich mir die vielen Kleinen, die mit viel Mut, viel Enthusiasmus und Liebe – und wenig Geld – veranstalten.
Drei möchte ich hier stellvertretend für viele andere nennen: Benedikt Poelchau, Patrick Driessen, Timor Khalil und Peter M. Pospichal.
Der Veranstalter Benedikt Poelchau ist erneut Veranstalter des Jahres geworden. Zwar veranstaltet er nur selten, aber wenn, dann richtig gut. Seine Show im Volkshaus in Zürich, am 30.08.2014 war einfach vorbildlich. An Poelchau sollten sich die großen und mit TV-Verträgen ausgestatteten Promoter ein Beispiel nehmen. Noch besser wäre es aber, wenn ein Fernsehsender seine Show übertragen würde.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstaltung im Volkshaus in Zürich am 30.08.2014 von Benedikt Poelchau war so gut, dass einer dieser ewigen Nörglern nur bemängeln konnte, dass bei seiner Show die Nummerngirls zu schnell waren.

Boxevent des Jahres
Diese Kategorie sollte ich eventuell ganz streichen. Wenn es nämlich ein Event, also eine Großveranstaltung, nicht schafft, Veranstaltung des Jahres zu werden, warum sollte man ihr dann noch den Trostpreis „Boxevent des Jahres“ zukommen lassen, nur weil die Veranstalter viel Geld dafür bekommen haben?

Fehlentscheidung des Jahres
Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) absolut regelkonform KO geschlagen. Der Ringrichter Manfred Küchler vom BDB hat seiner Verachtung für den Sport und das Publikum Ausdruck verliehen, indem er Mathis disqualifizierte. Dass die Entscheidung später in ein No Contest umgewandelt wurde, ändert nichts an dem Skandal.

Trainer des Jahres
Fritz Sdunek (geb. am 18. April 1947 in Lüssow – gest. am 22. Dezember 2014 in Hamburg). Der große Fritz ist tot. Wie kein anderer verkörperte er den Trainer, der bei und mit seinen Schützlingen war. Man hatte nie den Eindruck, dass er seine Boxer als Mittel zum Zweck des Geldverdienens sah. Er war vielleicht der beste und ehrlichste deutsche Trainer aller Zeiten.

Entgleisung des Jahres
Die Entgleisung des Jahres ist eigentlich nichts weiter als eine unglaublich ehrliche Reaktion. Als Ulli Wegner auf der Pressekonferenz mitgeteilt wurde, was der ARD Experte Henry Maske über den Sieg von Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) über Firat Arslan (44 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) gesagt hatte, war er empört. Wegner polterte: „Dass Henry von einem Fehlurteil spricht, ist eine Schweinerei von ihm. Wer das so sieht, der kann nicht mehr mein Freund sein.“

Boxkampf (männlich) des Jahres
fand nicht in Deutschland statt.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) bestritt am 21.06.2014 ihren ersten WM Kampf. Es ging um die WIBF, WBF und GBU Titel im Minimumgewicht. Eindrucksvoll besiegte sie Thuion Thanyathada alias Buangern OnesongchaiGym (18 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Von Runde zu Runde stärker werdend, schickte sie ihre Gegnerin in der sechsten Runde nach einer längeren Kombination zu Boden. Wieder auf den Beinen, deckte Sahin sie weiter mit Schlägen ein, unter denen Thanyathada zusammenbrach und ausgezählt wurde. – Ein großartiger Kampf von eine großartige Weltmeisterin.

Comeback des Jahres (männlich)
Graciano Rocchigiani versucht sein Comeback. Nachdem 2012 bekannt wurde, dass er sein komplettes Vermögen durchgebracht hat und Hartz IV bezieht. Nun betreibt er ein eigenes Box Gym.

Comeback des Jahres (weiblich)
2013 musste Rola El Halabi (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) bei ihrem Comebackkampf, nachdem sie sich von ihren Verletzungen erholt hatte, eine bittere Niederlage einstecken. Damals zeigte sie sich als große und faire Verliererin. Mittlerweile ist sie die Nummer 6 in der unabhängigen Weltrangliste im Junior Weltergewicht und Weltmeisterin der Verbände WIBF, WIBA und UBF.

Bester Show Act des Jahres
Was ist besser als Nummerngirls? – Nummerngirls und Gogo-Tänzerinnen oder Sambatänzerinnen. Auf der Veranstaltung von Patrick Driessen, am 08.11.2014 in Voerendaal bei Heerlen, gab es nicht nur gutes Boxen zu sehen, sondern auch Gogo-Tänzerinnen. Wieso gibt es eigentlich nicht auf allen Profiboxveranstaltungen Gogo-Tänzerinnen?

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Mittelgewichtler Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO, 2 Unentschieden) könnte innerhalb eines halben Jahres Weltmeister werden. Absolut unverständlich warum kein deutscher Veranstalter mit TV-Vertrag den sympathischen, deutsch sprechenden und klasse boxenden Szili unter Vertrag nimmt. Aber vielleicht sind es ja genau diese drei Eigenschaften, die man nicht haben will.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Melanie Zwecker (6 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) ist eine Federgewichtlerin aus Karlsruhe, die sich innerhalb ihrer zwei Jahre als Profi sehr schnell entwickelt hat. In ihrem letzten Kampf wurde sie World Boxing Federation International Champion. Wenn sie sich weiter in dem Tempo entwickelt, traue ich ihr Ende 2015 einen WM Titel zu.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Berliner Mittelgewichtler Arthur Hermann (15 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage) wird hier meist übersehen, schlicht weil er in London lebt und trainiert und vor allem in Großbritannien boxt. Hermann ist jedoch ein Mann mit Potential.

Boxkampf, den wir 2015 sehen wollen (männlich)
Schön wäre, wenn der WBA Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (47 Kämpfe, 45 Siege, 33 durch KO, 2 Niederlagen) mal wieder gegen einen halbwegs guten Boxer antreten würde. Zsolt Erdei (35 Kämpfe, 34 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage), der von 2004 bis 2009 Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht war, wäre da eine gute Wahl.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Wenn es einen Rückkampf geben muss, dann den zwischen Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO).
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2014 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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Freitagabend in einer Diskothek in Essen

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Freitagabend, am 23 Mai 2014, fand in der Diskothek Essence, mitten in der Fußgängerzone von Essen, ein wirklich guter Boxabend statt; Veranstalter war Timor Khalil und der Mas Fight Club. Wer nicht da war, hat wirklich etwas verpasst. Schon die Umgebung bot etwas: Ein Ring in einer Disco, zwischen zwei Bars, mit mehreren Zuschauerebenen und Außenbereichen ist schon etwas Außergewöhnliches. Was aber die Veranstaltung zu etwas wirklich Besonderem machte, war das Boxen.
Es gab nicht nur verschiedene Amateurkämpfe, sondern zusätzlich vier wirklich gute Profikämpfe zu sehen.
Den ersten bestritten Renato Blitz (Renato Stojanovic) und Sascha Brinkmann im Schwergewicht. Beide gaben ihr Profidebüt. Blitz startete gut. Er boxte schön an. Immer wieder punktete er mit seiner linken Graden zum Körper. Im Verlauf der ersten Runde kam er immer häufiger mit seiner Linken auch zum Kopf durch. Brinkmann schien beeindruckt zu sein, trotzdem trug er seinem Gegner immer wieder aufs Neue den Kampf an. Blitz war eindeutig der bessere Boxer. Auch die zweite Runde dominierte er mit seiner Linken. Und bis ungefähr zur Mitte der dritten Runde, sah es so aus, als ob die Zuschauer eine kurzweilige Lehrstunde über den Gebrauch des Jabs bekommen würden. Dann passierte das Unerwartete. Blitz lief in eine Rechte zum Kopf von Brinkmann und ging zu Boden. Der Schlag war nicht besonders hart, aber Blitz hatte sich beim Runtergehen die linke Schulter verletzt. Er kam wieder hoch, aber konnte praktisch seine Linke nicht mehr verwenden. Den Rest der Runde jabte er mit seiner Rechten, verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und klammerte. Der vierte Durchgang war hart umkämpft, aber trotz faktischer Einarmigkeit landete Blitz mehr Treffer. Am Ende des großen Kampfes bekam Blitz den verdienten Punktsieg zugesprochen.
Im folgenden Kampf trafen Leon Harth (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) und Emre Altintas (14 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) im Cruisergewicht aufeinander. Altintas boxte lang und grade von außen und versuchte seinen Gegner auf Distanz zu halten. Harth (Levon Hakobyan), der kleinere Mann, musste versuchen, die Distanz zu überwinden, was ihm im ersten Durchgang aber schwer fiel. Die zweite Runde wurde verbissen und hart geführt. Harth kam jetzt besser mit Altintas zurecht und erwischte ihn häufiger. Kaum aber glaubte man, Harth hätte das Kommando übernommen, kam Altintas zurück. Zum Ende der Runde schien Altintas Konditionsprobleme zu bekommen und er verlor seinen Mundschutz. Harth setzte nach und versuchte über Körpertreffer zum Sieg zu kommen. Zur dritten Runde trat Altintas nicht mehr an, weil er sich glaubhaft die linke Hand verletzt hatte.
Der dritte Profikampf des Abends war geradezu sensationell. In ihm trafen Jama Saidi (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Uesame Bozkurt (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) im Mittelgewicht aufeinander. Acht Runden lang rangen zwei Gladiatoren miteinander. Der Kampf wogte hin und her. Zwar war Saidi der besser Boxer, aber er erhielt kaum eine Möglichkeit, dies auch zu zeigen, weil Bozkurt nahezu ununterbrochen an ihm dran war und ihm den Schlagabtausch aufzwang. Überhaupt war der Kampf ein einziger hin und her wogender Schlagabtausch. Am Ende gab es von den Zuschauern stehende Ovationen für beide Boxer und einen knappen aber verdienten Punktsieg (78:76) für Saidi.
Im vierten und letzten Kampf trafen Tiran Metz (13 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) und Dursan Barkta (12 Kämpfe, 1 Sieg, 11 Niederlagen, 6 durch KO) im Supermittelgewicht aufeinander. Um es gleich zu sagen, Tiran Mkrtschjan war der bessere Boxer. Acht Runden lang demonstrierte er, dass eine gute boxerische Schule über Kraft und Willen siegt. Sein Gegner, der mit dem lustigen Kampfnamen Eisen Faust, kommt offensichtlich vom Kick- oder Thaiboxen. Er schlug viele Haken, nur ganz selten eine Grade und traf selten. Metz boxte ihn clever und überlegt aus. Nur selten ließ er sich auf einen Schlagabtausch ein. Am Ende der acht Runden stand ein mehr als deutlicher Punktsieg für Metz (80:71).
© Uwe Betker

Gedanken zum Phänomen Elina Tissen

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Elina Tissen ist ein Phänomen. Vermutlich gibt es kaum eine Boxerin, die so viel Ablehnung unter den Boxfans erfährt wie sie. Dabei ist Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) amtierende Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen. Sie hat nicht weniger als fünf WM Titel.
Man könnte sich natürlich auch annehmen, die, die an ihr Kritik üben, sind nur neidisch. Aber dieser Ansatz fasst zu kurz. Wieso sollten denn Boxfans neidisch auf eine Boxerin sein? Die 26-jährige Boxerin sieht ja gut aus, wirkt charmant und nett. Sie ist auch Beispiel für eine gelungene Integration. In Orynbor (Orenburg, Russland) geboren, zieht sie mit zwölf nach Warendorf bei Münster. Sie nimmt die deutsche Staatsangehörigkeit an und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Wo ist da ein Grund für die Ablehnung?
Mir persönlich ist Elina Tissen zu zu. Sie ist mir zu aufdringlich, zu großsprecherisch, zu seltsam, zu selbstverliebt und zu laut. Halt zu zu. Beispiele gefällig? Frau Tissen wird von ihrem Management nicht als Weltmeisterin, sondern als „Worldchampionesse“ vermarktet. (Ich hoffe ich habe das Wort richtig geschrieben, denn aussprechen kann ich es nicht.) Dann mag ich ihren Kampfnamen nicht „Elin the Machine“. Wie kann man nur aus einer jungen Dame eine Maschine machen? Dies sind aber nur persönliche Empfindlichkeiten von mir.
Unangenehmer wird es, wenn sie einfach von der WIBF zur Boxerin des Jahres 2010 erklärt wird, ohne überhaupt nur einen WIBF Kampf bestritten zu haben. Oder wenn Frau Tissen mögliche zukünftige Gegnerinnen aus der Halle wirft. So geschehen 2011. Die Herausgeworfene war Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO). Oder wenn sie die angesprochene Dailydait einfach nicht boxt, obwohl sie die Pflichtherausfoderin ist. Warum nun Elina Tissen nicht auf einer Veranstaltung Khalil BoxPromotion boxt, ist letztlich nicht ganz klar. Aber es drängt sich der Verdacht auf, das Management von Tissen könnte den Kampf auf keinen Fall gewollt haben.
Nun boxt sie am 01.Juni in Essen gegen Doris Köhler (25 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 12 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Dabei geht es um die WM Titel im Federgewicht von den drei Verbänden GBC (Global Boxing Council), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union). So weit so schlecht. Aber noch schlimmer wird diese Kampfansetzung durch die Tatsache, dass Tissen bereits am 24.03.2012 gegen Köhler geboxt und nach Punkten gesiegt hat. Die Punktrichter werteten den Kampf 100:89, 100:89 und 100-91. Von den drei Punktrichtern wertete nur einer eine einzige Runde unentschieden. Alle anderen Rundenwertungen gingen an Tissen. Die Dame aus Wien gewann nicht eine einzige Runde.
Wenn Tissen Köhler jetzt in einem Interview stark redet und über ihre Entwicklung im letzten Jahr spekuliert, dann empfinde ich dies einfach nur als eine Beleidigung der Intelligenz der Boxfans. Frau Köhler verlor nach ihrem Kampf gegen Tissen noch gegen Ina Menzer, am 21.04.2012 und gegen Gaelle Amand, am 29.06.2012. Hiernach erreichte sie gegen eine Dame mit einem Kampfrekord von 3 Siegen, 24 Niederlagen, 2 Unentschieden in 29 Kämpfen immerhin ein Unentschieden. Dann siegte sie sogar noch drei Mal in Folge. Ihre erste Gegnerin gab ihr Profidebüt, die nächste hatte alle ihre drei Kämpfe verloren und die Letzte hatte zwölf Kämpfe in Folge verloren. Der WM Kampf zwischen Tissen und Köhler ist, nach meiner Meinung, einfach nur eine beschämend unwürdige Kampfansetzung.
Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, zu diesem Kampfabend hinzugehen. Die Veranstaltung verspricht wirklich gut zu werden, wenn man einmal absieht von dem letzten Kampf, den man als Ausfeger ansehen kann. Der Veranstalter Granit Shala schickt sich an, dem Profiboxen in Essen neue Impulse zu geben. Im richtigen Hauptkampf ist der Junior Weltergewichtler Bihes Barakat (21 Kämpfe, 18 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) zu sehen und der Barakat Kampf ist mit Sicherheit sehenswert.
© Uwe Betker

Ein großer Frauenboxkampf wirft seinen Schatten voraus

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Ende April wird es vermutlich zu einem großen Frauenboxkampf in Deutschland kommen. Elina Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) muss ihre Titel der WIBF und GBU (Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union) im Federgewicht gegen Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) verteidigen. Dailydaits Veranstalter Khalil BoxPromotion hat die Pflichtverteidigung von „Elin the Machine“ (- Wie kann man sich selber nur zu einem Ding erklären?) ersteigert.
Besonders brisant wird das Aufeinandertreffen der Beiden dadurch, dass 2011 Tissen Dailydait und ihren Trainer Thorsten Brück bei einer Veranstaltung aus dem Saal hat entfernen lassen. Offensichtlich wollten Tissen und ihr Management nicht, dass ein zukünftige Gegnerin und direkte Konkurrentin sie boxen sehen könnte.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Tissen, ihre Promoterin Miriam Bohn und ihr Trainer Maiki Hundt nicht Angst bekommen. Auch größere Veranstalter (z.B. Sauerland Event) und bekanntere Boxer (Dominik Britsch) haben es schließlich schon vorgezogen, sich aus einer Pflicht herauszustehlen und lieber einen Titel niederzulegen, als einen schweren Gegner auf einer Fremdveranstaltung zu boxen. Im Falle von Sauerland Event und Dominik Britsch hat es allerdings beiden nichts genutzt. Sauerland büßte erheblich an Glaubwürdigkeit ein, weil der Titel erst dann zurückgegeben wurde, als die Versteigerung der Pflichtverteidigung verloren war. Und der Mittelgewichtler Dominik Britsch mutierte von „einem der größten deutschen Hoffnungsträger“, zum „Absteiger des Jahres 2012“ – der mit den Haaren.
Man kann nur hoffen, dass der Kampf zwischen Elina Tissen und Goda Dailydait stattfinden wird, denn er verspricht ein großer zu werden.
© Uwe Betker

Eine gute Show

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Khalil BoxPromotion hat es wieder getan. Wieder haben sie eine kleine, aber gute Show auf die Beine gestellt. Eventuell war das Timing der Veranstaltung in Dortmund nicht ideal. Der BVB spielte gleichzeitig, Sauerland Event veranstaltete in Hamburg und es war die Nacht der Museen in Dortmund. So war leider die kleine Westfalenhalle nicht ganz gefüllt, was schade war, denn es gab gutes Boxen zu sehen.
Im ersten Kampf des Abends trafen Youssef Hassan, der sein Debüt gab, und Marcel Radau im Mittelgewicht aufeinander. Radau hatte bereits einen Kampf bestritten, den er für sich entscheiden konnte. Hassan begann als der Aktivere den Kampf zu dominieren. In der zweiten Runde ging er vermehrt zur Leber und versuchte dort den KO-Erfolg. Radau hatte hiergegen kein Konzept, sondern versuchte sein Glück in wilden Schlagabtäuschen. Am Ende der Runde musste er dann nach einem Leberhaken runter. Er kroch in seine Ringecke, um sich dort mit Mühe an den Seilen hochzuziehen, während der Ringrichter ihn anzählte und der Pausengong erklang. Die folgende Runde war ein Schlachtfest. Hassan schickte Radau zweimal, jeweils mit einer Linken auf den Körper, zu Boden. Endlich zählte der Ringrichter Radau aus. Das Handtuch, was offensichtlich die obligatorische Sperre verhindern sollte, kam zu spät.
Der zweite Kampf des Abends fand im Leichtgewicht statt. Hier trafen Schirwan Hasan (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) und Said Harkimov (5 Kämpfe, 1 Sieg, 4 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Der Kampf war recht einseitig. Hasan war der bessere Boxer und er war seinem Gegner in allen Belangen überlegen. Er zeigte schnelle Hände und gute Reaktionen. Harkimov versuchte erfolglos mit Schwingern durchzukommen, aber diese waren zum großen Teil so unpräzise geschlagen und waren so lange unterwegs, dass Hasan sie noch nicht einmal abzublocken brauchte. Zur fünften Runde trat Harkimov nicht mehr an.
Im Halbschwergewicht boxte Roman Javoev (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 Unentschieden) gegen Siruk Donsdean (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). Der Kampf war auf sehr hohem technischem Niveau und war ein Rückkampf. Im Mai hatte Javoev einen 4-Runder nach Punkten gewonnen. Hier kamen die Freunde des Fechtens mit der Faust auf ihre Kosten. Viele Aktionen fanden nur im Ansatz statt und wurden dann vom Gegenüber im Ansatz vermieden. Die Punktrichter wertete 57:57, 56:58 und 58:56 und damit den Kampf unentschieden. Ich hatte Roman Javoev knapp nach Punkten vorne.
Christian Pawlak (25 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO, 5 Niederlagen, 1 Unentschieden) boxte im Super Mittelgewicht gegen Steve Kroekel (38 Kämpfe, 16 Siege, 7 durch KO, 21 Niederlagen 5 durch KO). Pawlak boxte den ihn auszeichnenden Stil. Er boxte konzentriert und systematisch. Er punktete schön mit seiner schnellen Führhand und suchte seinen Gegner zu zermürben. In der letzten und achten Runde musste Kroekel dann in die Knie gehen und sich anzählen lassen. Kaum wieder auf den Beinen sah er sich einem Schlaghagel ausgesetzt, der ihn den Ringpfosten der neutralen Ecke runterrutschen ließ. Dort zählte der Ringrichter ihn aus.
Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) verteidigte erfolgreich ihren Interims WIBF und ihren WBF Titel im Federgewicht gegen Irma Balijagic Adler (15 Kämpfe, 12 Sieg, 5 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Die aus Bosnien Herzegowina stammende Adler hatte am 20.11.2010 ihren vorletzten Kampf gegen Ramona Kühne nach Punkten verloren. Hiernach war sie eineinhalb Jahre inaktiv, bevor sie am 16.06.2012 gegen Erica Anabella Farias durch TKO in Runde 1 unterlag. Beide Kämpfe waren WM-Kämpfe.
Was am Anfang nach einem etwas härteren Sparring aussah – die Mehrzahl der Runden der ersten Hälfte des Kampfes ging an sie –, wurde zu einer großen Ringschlacht. In der Mitte des Kampfes, schien es so, als hätte Adler konditionelle Probleme. Dann passierte das Unerwartete. Adler bekam den zweiten Atem und wurde von Runde zu Runde stärker. Dailydaite verlor ihre Linie und kam unter Druck. Adler offenbarte die Schwächen der Titelverteidigerin. Dailydaite bewegte sich schnell auf ihren Füßen, was allerdings manchmal etwas hektisch aussah. Wie schon in ihrem ersten WM-Kampf fand sie sich auf dem Boden wieder, weil sie aus der Balance gekommen oder gestolpert war. Auch schlug sie unter Druck rechte Schwinger, die geradezu eine Einladung für einen Konter waren. Die letzten beiden Runden war sie auf der Flucht und klammerte, wann immer sie konnte. Dennoch war ihr Punktsieg berechtigt, wenn die Wertung mit 98:94, 98:92 und 97:97 auch etwas wohlwollend ausfiel. Wenn die amtierende WIBF Weltmeisterin Ramona Kühne (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) an einen Kampf mit Dailydaite denkt, dürfte sie nicht gerade schlaflose Nächte haben. Interessant dürfte ein solcher Kampf aber doch werden.
Es folgte dann auch noch eine Weltmeisterschaft – diesmal im Cruisergewicht – zwischen Timur Musafarov (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Marko Angermann (25 Kämpfe, 11 Sieg, 4 durch KO, 13 Niederlagen, 10 durch KO, 1 Unentschieden). Natürlich handelte es sich um keine „wirkliche“ Weltmeisterschaft. Es war „nur“ eine Weltmeisterschaft der GBU, der Global Boxing Union. Da aber am gleichen Abend den Zuschauern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Alexander Wladimirowitsch Powetkin als Schwergewichtsweltmeister präsentiert wurde, kann man hier auch von einer Weltmeisterschaft sprechen. Ich persönlich sehe allerdings beide Weltmeisterschaften eher als Witz an. Musafarov war seinem Gegner physisch und boxerisch überlegen. Immer wieder arbeitete er schön zum Körper und immer wieder konnte er Angermann in einer Ringecke stellen. Angermann nahm viel. Zur vierten Runde trat er dann gar nicht mehr an.
Wer wie ich die Angewohnheit hat, sich auf Veranstaltungen alle Kämpfe anzusehen, bekommt leider zwangsläufig auch Kämpfe zu sehen, die er eigentlich lieber nicht sehen möchte. Die letzten zwei Kämpfe des Abends gehörten in diese Kategorie. Daniel Knopf gab im Schwergewicht sein Profidebüt. Sein Gegner war ein älterer Herr aus Serbien, namens Dragan Bajak (6 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 4 durch KO). In der zweiten Runde musste der zu bemitleidende Bajak zu Boden. Als der Ringrichter bei acht angelangt war, gab er auf.
Im letzten Kampf des Abend wurde noch ein weiterer älterer Herr aus Serbien vermöbelt, Dusan Pasic (32 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 27 Niederlagen, 18 durch KO). Er bekam es im Cruisergewicht mit Aziz Simsek (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) zu tun. Bereits in der ersten Runde ging Pasic nach einem nicht hart aussehenden Körpertreffer zu Boden. Im folgenden Durchgang fällte ihn dann schließlich eine Links-Rechts-Kombination zum Kopf. Er fiel rücklings zu Boden. Die Runde dauerte nur 37 Sekunden.
Trotz der letzten beiden Kämpfe war die Veranstaltung von Khalil BoxPromotion durchaus gelungen. Vermutlich war sie sogar die beste des vergangenen Wochenendes, obwohl auch Sauerland Event und EC Boxing veranstalteten.
© Uwe Betker

Boxen im Revierpark Wischlingen

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Am Freitag, dem 20.04.2012 fand in Dortmund, im Revierpark Wischlingen, eine sehenswerte Boxveranstaltung statt. Dabei begann es nicht sehr verheißungsvoll, aber von Kampf zu Kampf wurden die Boxkämpfe immer besser.
Im ersten Kampf des Abends gaben die Mittelgewichtler Schirwan Hansen und Moustafa Kükener ihr Profidebüt. Die Darbietung der beiden erinnerte mehr an ein leichtes Sparring als an einen Boxkampf. Hansen, der bessere Boxer, boxte nahezu nur mit seiner linken Führhand und benutzte nur sehr selten seine Rechte. Das war sehr gut für Kükener, der häufig falsch rum, d.h. in die Schlaghand rein lief. Am Ende gewann Hansen dann auch nach Punkten, ohne seinem Gegner allzu sehr weh getan zu haben. Höhepunkt des Kampfes waren die Nummerngirls. In der Pause zwischen der dritten und vierten Runde, trat eines zum ersten Mal auf und kündigte die dritte Runde an. Das hatte dann zur Folge, dass nach der vierten Runde, vor der Urteilsverkündung, eine andere nun die vierte Runde ankündigte. Zu Recht bekam sie daraufhin einen größeren Applaus als die anderen Akteure im Ring.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Roman Djavoev (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Stefan Albers (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Ich hatte den Eindruck, Albers hatte Angst. Er hatte Djavoev Nichts entgegenzusetzen. Ein Wischer schickte ihn dann zu Boden, wo er angezählt wurde. Sein Chefsekundant hatte sich übrigens während dieser Runde bei seinem Helfer nach dem Namen seines Schützlings erkundigt.
In der zweiten Runde schickte eine Rechte zum Kopf Albers erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Diesmal aber brach der umsichtig agierende Ringrichter Toni Tiberi aus Luxemburg ab. Die Veranstaltung stand unter der Aufsicht des luxemburger Boxverbandes F.L.B. (Fédération Luxembourgeoise de Boxe).
Der folgende Kampf im Super Mittelgewicht war sehr unterhaltsam. Auch hier wurde ein Boxer, Christian Pawlak (23 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden), aufgebaut. Daher hatte man wohl auch Dominik Ameri (17 Kämpfe, 5 Sieg, 2 durch, KO, 8 Niederlage, 6 durch KO) kommen lassen. Aber der Schützling von Suleyman Dag, der seinem Gegner hoffnungslos unterlegen war, hatte sich offensichtlich vorgenommen, den Kampf zu überstehen. Pawlak wollte den vorzeitigen Sieg und Ameri wollte überleben. Da machte es auch dem Chancenlosen nichts, dass er in der fünften Runde für sein Klammern mit einem Punktabzug bestraft wurde. Und natürlich verlor er dann in der sechsten und letzten Runde seinen Mundschutz. Selbstverständlich dauerte das Säubern und das Wiedereinsetzen ziemlich viel Zeit. Ich gestehe: Ich fieberte mit Ameri mit und ich habe mich königlich amüsiert. Die Verkündigung des Punkturteils war reine Formsache.
Hiernach wurde die Veranstaltung, die von Khalil Box Promotion auf die Beine gestellt worden war, auch sportlich richtig gut und steigerte sich von Kampf zu Kampf. Der als Aufbaugegner engagierte Karim Allous (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO) sorgte für eine faustdicke Überraschung. Der Mann, der bis dahin keinen seiner Profikämpfe gewinnen konnte, kam nicht nach Dortmund, um zu verlieren. Er wollte seine Negativserie beenden. Sein Gegner Armand Cullhaj (17 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 3 Unentschieden) versuchte mit Kraft zum Ziel zu kommen, während sich Allous aufs Boxen verlegte. Cullhaj kam nie richtig in den Kampf, seine Schläge trafen nicht. Sein Gegner entzog sich zumeist erfolgreich seinen Versuchen, ihm den Schlagabtausch aufzuzwingen. Dafür setzte Allous immer wieder schöne Treffer, vor allem mit seiner Linken. Nach vier Runden gab es dann noch eine kleinere Diskussion im Ring, weil der Kampf in der Kampffolge irrtümlich als Sechsrunder angekündigt worden war. Hiernach wurde dann Allous zum Punktsieger erklärt.
Im Schwergewicht maßen sich dann Spas Genov (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Serdar Uysal (34 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 18 Niederlagen, 14 durch KO, 2 Unentschieden), was eine mutige Ansetzung war. Immerhin stand der 40-jährige Uysal schon mit Christian Hammer, Manuel Charr, Michael Sprott, Robert Helenius und vielen anderen im Ring. Genov musste sich seinen Sieg in dem Sechsrunder hart erarbeiten. Die Rechte, also die Führhand von Uysal, machte ihm Schwierigkeiten. Uysal bekam zum Ende des Kampfes hin Konditionsprobleme. Das war allerdings verständlich, denn er stand drei Wochen vorher bereits im Ring. Letztlich gewann der technisch bessere Boxer, Genov, klar nach Punkten.
In dem letzten Kampf vor der Frauenweltmeisterschaft kämpften im Cruisergewicht Timur Musafarov (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Prince Anthony Ikeji (18 Kämpfe, 12 Sieg, 9 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) gegeneinander. Das Aufeinandertreffen der beiden war eine intensiv geführte Ringschlacht, die hin und her wogte. Der erfahrenere Ikeji dominierte die erste Runde. Aber bereits im zweiten Durchgang wendete sich das Blatt. Er verlor seine boxerische Linie und der Musafarov errang die Oberhand. Wiederum eine Runde später wurde Ikeji wieder stärker. Beide suchten den KO. In den Runden vier, fünf und sechs gab es viele harte Schlagabtäusche. In Durchgang sieben musste Musafarov viel einstecken, konnte dafür aber im achten schön kontern. Es war ein großartiger Kampf, der so verbissen geführt wurde, dass beide Kontrahenten den Schlussgong überhörten. Am Ende gewann Musafarov mit zwei Runden Vorsprung.
Den Hauptkampf des Abend bestritten zwei Frauen: Goda Dailydaite (7 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO) und Arleta Krausova (8 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen): Hierbei ging es um die Interims WM der WIBF (Women’s International Boxing Federation) und um den vakanten Titel der WBF (World Boxing Federation) im Federgewicht. Der Kampf der beiden Damen war wirklich ein Hauptkampf. Die unangenehm zu boxende Krausova, die schon Pia Mazelanik und Ramona Kühne das Leben schwer gemacht hatte, wobei sie Mazelanik auch besiegte, forderte der Boxerin aus Essen alles ab.
Dailydaite startete sichtlich nervös. Durch einen Schrittfehler ging sie in der ersten Runde zu Boden, was Ringrichter Daniel van De Wiele zu Recht nicht als Niederschlag wertete. Dailydaite war die bessere Boxerin aber Krausova war die Fighterin, die ihr den Kampf antrug. Auch in der zweiten Runde ging Dailydaite wieder zu Boden. Und wieder wurde es nicht als Niederschlag gewertet. Dabei bin ich persönlich mir allerdings nicht sicher, ob hier nicht doch auch Schlagwirkung im Spiel war.
Ab der dritten Runde kam Dailydaite besser in den Kampf. Immer wenn sie lang boxen konnte, sah sie gut aus. Jedoch verlor sie manchmal beim Schlagabtausch etwas die Übersicht. Bis zum Ende der zehnten Runde wogte der Kampf hin und her, wobei Dailydaite in der Regel immer mehr Hände im Ziel hatte. Am Ende gewann sie verdient nach Punkten. Logisch wäre in der Zukunft ein Kampf gegen die in Deutschland boxende Weltmeisterin bzw. Ex-Weltmeisterin Elina Tissen (16 Kämpfe, 14 Sieg, 6 durch KO, 2 Niederlagen) oder Ina Menzer (30 Kämpfe, 29 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage).
Ich hoffe, dass Khalil Box Promotion noch viele gute Veranstaltungen auf die Beine stellt und dabei weiterhin so viel Mut bei den Kampfansetzungen zeigt.
© Uwe Betker