Box-Blog

Archive for the ‘Boxen’ Category

Vier Profiboxkämpfe in der Yayla Arena in Krefeld

leave a comment »

Klaus Waschkewitz stellte in Krefeld eine große Kampfsportveranstaltung auf die Beine. Die Yayla Arena in Krefeld war Austragungsort von 16 Kämpfen, einem MMA, fünf K1, sechs IKBO Boxkämpfen und vier Profikämpfen. Insgesamt gab es fünf Titelkämpfe.
Leider habe ich aufgrund eines Missverständnisses die ersten beiden Profiboxkämpfe, die früh am Abend stattgefunden hatten, verpasst. Im Super Leichtgewicht besiegte Nawid Hakimsadeh (12 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) Dominik Tietz (21 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 15 Niederlagen, 10 durch KO) in einem Vierrunder. Tietz musste verletzungsbedingt in Runde 2 aufgeben.
Im Weltergewicht wurde der bis dahin ungeschlagene Piergiulio Ruhe (7 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) Ende der vierten Runde aus dem Kampf genommen. Damit wurde Hamisi Maya (12 Kämpfe. 9 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) der neue Intercontinentalmeister der GBC.
In dem ersten Kampf, den ich dann sah, traf der Düsseldorfer Schwergewichtler Dominic Vial (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) auf Sebastian Tuscherer (33 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 18 Niederlagen, 8 durch KO). Sie maßen im Schwergewicht in einem Sechsrunder ihre Kräfte. Vial beherrschte die Ringmitte. Er arbeitete schön mit der Führhand. Tuscherer versuchte den Reichweitennachteil durch Schwinger zum Kopf und durch Körperhaken auszugleichen. In der zweiten Runde wollte er Vial einfach überrollen. Der aber boxte technisch schön weiter und stellte Tuscherer in der eigenen Ecke, wo er ihn nicht mehr raus ließ. Tuscherer ließ sich von dem GBA Ringrichter Ahmed Bencheikh, der praktisch nichts zu tun hatte, anzählen und stellte sich dann wieder zum Kampf. Vial aber wollte dem nun ein Ende setzen. Er deckte sein Gegenüber mit einer langen Kombination ein, der Tuscherer nichts entgegen zu setzen hatte. Seine Ecke warf ein Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:01 Minuten: Dominic Vial.
Den Hauptkampf des Abend bei den Profiboxern bestritten im Halbschwergewicht Alpay Yaman (10 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) und Alexander Rigas (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO). Es ging um den vakanten Continentaltitel der IBO. Vor dem Kampf hatten beide den gleichen Kampfrekord. Nach einer Minute war das Abwarten beendet und es begann der klassische Kampf Fighter gegen Boxer. Rigas versuchte lang und grade zum Kopf anzuboxen und zwischendurch Körperhaken einzustreuen. Yaman suchte durch Kopf- und Körperhaken zum KO zu kommen. Am Ende der Runde kam er auch mit einer Rechten zum Kopf durch, die Rigas erschütterte. In der zweiten Runde wurde der Kampf verbissen und hart geführt. Rigas kam immer wieder mit Körperhaken durch, Yaman traf seltener, dafür aber härter. In der dritten Runde hielt sich Rigas seinen Gegner mit der Führhand vom Hals. Er ließ ihn auch ein ums andere Mal ins Leere laufen. Dabei zu Gute kam ihm , dass Yaman praktisch während des gesamten Kampfes nie anboxte. Nur Mitte der vierten Runde boxte er eine Zeitlang an und erarbeitet sich dadurch dann auch seine Momente. Aber während der ersten wie der dritten Minute bestimmte Rigas das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Auch in der fünften Runde wurde ausschließlich durch Rigas Führhandarbeit der Ton angegeben. Am Ende des sechsten Durchgangs kam er mit einer harten Rechten zum Körper durch, die Yaman nicht mochte. Nach einer Minute in der siebten Runde musste Rigas zu Boden: Ein Tiefschlag hatte ihn gefällt. Danach schien sich der Kampf neu zu erfinden. Beide Boxer suchten den Schlagabtausch, der hin und her ging. Rigas wollte sich offensichtlich für das Foul rächen, was Yaman in die Karten spielte.
In der achten Runde gewann Rigas wieder die Oberhand und dominierte das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Allerdings wurden seine Beine langsamer, wodurch Yaman mehr Szenen bekam. In der neunten Runde hatte Rigas wieder mehr Kraft. In der zehnten und letzten Runde versuchte Yaman die drohende Niederlage in diesem großartigen Kampf noch abzuwenden, aber Rigas ließ ihn auch jetzt ins Leere laufen.
Die Punktrichter werteten: 95:95, 93:97 und 93:97. Punktsieger: Alexander Rigas
Alexander Rigas zeigte eine große boxerische Leistung. Er ist jemand, den man im Auge behalten sollte. Einen Rückkampf mit Alpay Yaman, der hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben ist, wäre ein schöner Kampf für 2020.
(C) Uwe Betker

Profiboxen im Recover Fight Club in Neuss

leave a comment »

Der Recover Fight Club, in Neuss Norf, stellte am 23. November 2019 eine House Gala mit sechs Boxkämpfen, drei von Amateuren und drei von Profis, auf die Beine.
Den Anfang bei den Profis machten zwei Schwergewichtler, Shkelqim Ademaj (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen) und Alahadidin Sovuksu (6 Kämpfe, 6 Niederlagen, 1 durch KO). Der auf vier Runden angesetzte Kampf begann munter. Ademaj kam nicht, um Gefangene zu machen. Er setzte sein Gegenüber sofort unter Druck und deckte ihn mit Kombinationen ein. Besonders die Körpertreffer taten Sovuksu offensichtlich weh. Nach einer schönen Linken zum Kopf musste er auch auf die Bretter. Wenig später wurde er dann in einer neutralen Ecke von Ademaj gestellt und nicht mehr herausgelassen. Schlagkombination um Schlagkombination musste Sovuksu nehmen. Irgendwann hatte der am ganzen Abend sehr souverän agierende GBA Ringrichter Kornelius Bernds genug gesehen und ging dazwischen; er zählte Sovuksu, der in die Seile gerutscht war und nicht mehr konnte, aus.
Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:51 Minuten: Shkelqim Ademaj.
Im Anschluss stiegen Ali El Said (4 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und Nazar Thiaka (7 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Sechsrunder im Super Weltergewicht in den Ring. Der Rechtsausleger El Said bekam es mit einem Gegner zu tun, der immer wieder ungestüm auf ihn zu stürmte und den Abtausch suchte. Dadurch bekam diese Begegnung einen eigenen Rhythmus. El Said versuchte zu boxen, Thiaka zu fighten. Es wurde viel auf die Deckung geschlagen und viel geklammert. Der Kampf wogte hin und her. In der ersten Runde konnte El Said mehr Hände ins Ziel bringen, in der zweiten Runde Thiaka. Im dritten Durchgang erhöhten beide das Tempo und den Druck und kämpften verbissener. In der vierten Runde ging bei beiden jegliche boxerische Linie verloren. Thiaka stürmte immer und immer wieder auf El Said zu und versuchte, ihn zu treffen, während El Said versuchte zu kontern. Schließlich stürmte auch El Said immer wieder, mit dem Kopf voran, tief in seinen Gegner herein. Es wurde gefightet, gekeilt und geklammert. Ringrichter Bernds hatte alle Hände voll zu tun, die beiden Kontrahenten immer wieder zu trennen. In der sechsten, sehr verfahrenen, aber hart umkämpften Runde, wurde Thiaka ein Punkt abgezogen, weil er wiederholt auf Break Kommandos nicht gehört hatte. Am Ende rettete dieser Punktabzug El Said vor einer Niederlage.
Unentschieden.
Den Hauptkampf des Abend bestritten im Cruisergewicht Tim Voessing (2 Kämpf, 2 Siege, 2 durch KO) und Cristea Cornel Paul mit einen Vierrunder. Paul bestritt sein Profidebüt. Beide Boxer begannen hektisch. Aber Mitte der Runde begann die boxerische Linie von Voessing sich langsam durchzusetzen. Paul hielt allerdings dagegen und so gestaltete sich dieses Kräftemessen heftig und unterhaltsam. In der zweiten Runde kam Voessing mehrfach schon mit Aufwärtshaken zum Kopf durch, die den Kopf von Paul zurückschnappen ließen. Dieser schlug über die Außenbahn. Ende der Runde wurde er dann selber mit einem rechten Cross abgekontert, der ihn sichtlich erschütterte. Es sah so aus, als hätte Paul erhebliche Konditionsprobleme. Dieser Eindruck verfestigte sich noch in der folgenden Runde. Paul schlug nur noch schnell und unkontrolliert. Es war das letzte Aufbäumen. Am Ende der Runde gab Paul auf.
Sieger durch TKO in Runde 3, nach 2:45 Minuten: Tim Voessing.
Voessing, ein Schützling von Trainer Sebastian Tlatlik, ist ein Boxer den man im Auge behalten sollte.
Wenn es bald eine weitere Veranstaltung im Recover Fight Club in Neuss geben sollte, würde mich das freuen.
© Uwe Betker

Gastbeitrag: Profiboxen in Velbert

leave a comment »

Sherif Morina ist Weltmeister im Superleicht-Gewicht nach GBC-Regeln. In Velbert besiegte der 29-jährige Dinslakener Habibu Pengo aus Tansania nach Punkten. Insbesondere Morinas Führhandtreffer auf die kurze Rippe seines Gegners hatten großen Anteil an dem Ausgang des Kampfes. Diese kurzen, präzisen Haken zeigten Wirkung und blieben über die Distanz von zwölf Runden ein probates Mittel.

Zwölf Runde waren angesetzt und über die gesamte Distanz mussten letztlich beide Fighter gehen, wobei beide Respekt verdienen. Versuchten sie doch selbst noch in der zwölften Runde ihre Kämpferherz in die Waagschale zu werfen. Insbesondere der Tansanier setzte in der letzten Runde des Abends alles auf eine Karte und versuchte seinen Kontrahenten in den Ringstaub zu schicken, lag er doch nach Punkten bereits hinten. Doch Sherif reagierte wie ein Champ. Statt die verzweifelten Rufe aus seiner Ringecke zu beachten, wonach er sich nicht mehr in Gefahr bringen sollte, nahm der 29-jährige den Kampf wie auch die elf Runden zuvor an und konnte sich schließlich verdient „World-Champion“ nennen.

Dabei ließen die ersten Minuten keinen Schluss darauf zu, wer sich letztendlich den Gürtel auf die Hüfte legen durfte. Ausgeglichen die erste Runde, in der beide Kämpfer Treffer setzten. Und in der zweiten Runde kam der spätere Champion in arge Nöte, denn in die Seile gedrängt musste er eine Treffer Pengos nehmen, der sich aktiver präsentierte – bis drei Führhandhaken in Folge zum Körper den Tansanier sichtlich beeindruckten. Ab diesem Moment schien Morina den Kampf Stück für Stück zu übernehmen. Nicht, dass sich Habibu Pengo zurückzog, im Gegenteil, immer wieder startete er teilweise wütende Attacken. In dem sich Morina bewegte, entging er eben diesen. Nur schien Morina ein Mittel und ein Ziel gefunden zu haben, das er in weiteren Runden konkret anvisierte und seinen Kontrahenten sichtlich einschüchterte.

Ab der achten Runde waren Kondition und Konzentration gefragt, da beide Kämpfer die Entscheidung suchten. Morina eher zurückhaltend, schließlich lag er auf den Punktzetteln vorne, Pengo dagegen aggressiver, er suchte die vorzeitige Entscheidung, musste dabei aber einige Treffer einstecken. So blieb der Kampf bis zum Schlussgong ausgeglichen, jedoch mit Vorteilen für den späteren Weltmeister Sherif Morina.

Wo Sherif Morina nun ist, möchte Timo Rost gerne hin, nämlich an die Spitze eines Verbandes in seiner Gewichtsklasse, dem Supermittelgewicht. Er boxte gegen den 41 jährigen Georgier Malkhaz Sujashvili. In den ersten beiden Runden bestimmte Rost souverän das Geschehen, in dem er den Georgier unter Druck setzte und Treffer landete, die deutliche Spuren im Gesicht der Nummer 325 der Weltrangliste hinterließen. Die Geraden kamen und fanden ihr Ziel. Zur Attacke in die Kampfdistanz, anschließend die Reichweite des Gegners verlassen oder seine Konter auspendeln. Schönes, klassisches Boxen.

In der dritten Runde änderte sich der Kampf. Rost zog sich einen Riss unter dem rechten Auge zu und der Georgier wechselte Auslage von der Normalauslage auf die Rechtauslage. Rost nahm auf Anweisung seines Trainers Rüdiger may daraufhin das tempo aus dem Kampf. Die Aktionen wurden seltener und es begann ein taktisches Geduldspiel. Rost wartete ab, um dann zu kontern. Dadurch wurde der Kampf für wohl einige der Zuschauer unattraktiver. Am Ende stand ein Punktsieg für den 28-jährigen Düsseldorfer, der es verdient hätte, um größere Lorbeeren zu fighten.

Yaser Yüksel, ein weiterer May-Boxer, schien an diesem Kampftag mit dem linken Fuß aufgestanden zu sein. Zeigte Yüksel noch in seinem letzten Kampf gegen den Ungarn Gyula Rozsas eine vielversprechende Entwicklung, fiel der 27-jährige im Kampf gegen Saidi Mundi aus Tansania wieder in alte Routinen zurück. Nur zwei Verwarnungen mit Punktabzug für seinen Gegenüber retteten Yüksel den Sieg in dem auf acht Runden angesetzten Kampf im Superweltergewicht. Ansonsten wäre es sehr knapp geworden. Doch der Reihe nach.

Sekunden vor dem ersten Gong noch in die Taktikpflicht seines Trainers genommen, hatte der 27-jährige gebürtige Türke anschließend nichts Besseres zu tun, als seinen Gegner bereits in der ersten Runde zu „verhöhnen“. Beide Arme weit zur Seite ausgestreckt oder den Oberkörper nach vorne geschoben während beide Fäuste hinter dem Rücken verschränkt wurden – jeder Boxer und Boxaffinicado weiß, was dies bedeutet. Ein Boxromantiker wendet sich von solchen Aktionen ab, er sieht lieber flinke Füße und saubere Schlagserien oder -kombinationen, die Yüksel auch ansatzlos abfeuern kann. Er hat diese Spielerei nicht nötig, verfügt er doch über genügend Herz und Schlagperformance, um einen Gegner zu beeindrucken. Er geht seinem Kontrahenten hinterher, er stellt sich dem Kampf und wagt den Schlagabtausch, den andere durch zaudern vermeiden und verpassen.

Doch zurück zu der Spielerei: Mundi, in keiner Weise auf den Mund gefallen, quittierte diese „Clownerie“ mit zwei präzisen Schlaghänden, ging hinterher, setzte Treffer und vermieste Yasers Yüksel „Spielerei“.

Überhaupt der Tansanier. Kaum verklang der Gong zur zweiten Runde stand er bereits in der Ringmitte und beantwortete die zum Gruße ausgestreckte Führhand Yasers überhaupt nicht. Stattdessen attackierte er sofort. Überflüssig zu erwähnen, das Yaser bis zur letzten Runde keine einzige mehr mit einem Gruß begann.
Der Kampf gestaltete sich ausgeglichen, der 30-jährige Tansanier setzte Treffer, die aber wirkungslos verpufften, ebenso wie Yaser, der erst ab Mitte der dritten Runde einen besseren Zugriff auf Mundi hatte. Er fand seine Distanz und hatte auch optisch Übergewicht. Nun schien der Kampf den vorab skizzierten Verlauf zu nehmen. Falsch gedacht! Nach einem Aufwärtshaken der besonderen Art ans Kinn Yüksels brachte Mundi den 27-jährigen Deutschen ins Taumeln, nein, sogar an den Rand des KOs. Was folgte waren wütende Attacken Mundis und eine Schlaghand, die zwar traf, aber Yüksel nicht mehr derart in Verlegenheit brachte, wie eben jener krachende Aufwärtshaken.
Nun entwickelte sich ein munterer Boxkampf – leider zu häufig durch Klammern unterbrochen – , dessen Pendel mal zur einen, mal zur anderen Seite ausschlug, bis, ja bis das übertriebene Halten und Klammern Mundis letztendlich das Pendel zu gunsten Yüksels ausschlagen ließ. Nicht, dass er es seinem Gegenüber nicht gleichtat, doch der Tansanier übertrieb dieses Mittel der Kampfunterbindung zu offensichtlich. Zuerst in der siebten und dann nochmal in der achten Runde, wobei dieser Punktabzug hinterfragt werden könnte, wurden Saidi Mundi jeweils ein Punkt abgezogen. Yüksel gewann, ja, überzeugend, eher weniger. Yaser Yüksel kann besser boxen als an diesem von Werner Kreiskott organisierten Boxabend.
(C) Manfred Fammler

Written by betker

12. November 2019 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Fotos, Uncategorized

Gastbeitrag: Zufriedene Sieger lächeln anders

leave a comment »

Als Timo Rost eine Hand zum Zeichen des Sieges zur Hallendecke streckte, sprach sein Gesicht andere Bände. Große Freude war daraus nicht abzulesen. Dachte er in diesem Moment an die vermaledeite zweite Runde? Diese drei Minuten hätten den Kampfrichterspruch zum Ausgang des Kampfes entscheidend beeinflussen könne.
Mit zwei zu eins Stimmen bezwang Rost den Polen Bartlomiej Grafjka nach Punkten. Das ist ein Fakt. Insgesamt konnte das Ergebnis nach acht Runden aber nicht zufriedenstellen. Zu früh, eben in den zweiten drei Minuten, verlor der Lokalmatador in der Düsseldorfer Classic Remise die Kontrolle über den Kampf und damit die Hoheit über die Zettel der Punktrichter.

Ein Gedanke, der sich in der ersten Runde nicht aufdrängte. Der 28-jährige agierte souverän, bewegte sich gut durch den Ring und bot dem Polen kaum eine Chance, ihn zu stellen. Besonders die Beinarbeit des Düsseldorfer zeigte im Vergleich zu anderen Kämpfen deutliche Fortschritte. Mit kleinen Schritten entzog er sich den Angriffen des Polen. So musste der 31-jährige Grafka Rost ständig hinterhergehen, der sich aber der Halbdistanz und dem Infight – die Stärke des Polen – entzog, und seinerseits Geraden und Haken setzen konnte. Deutlich ging die erste Runde an Timo Rost, dessen Attacken und Treffer – auch auf die Deckung – mit lautem Jubel der meisten der 600 Zuschauer begleitet wurden. Zu diesem Moment ahnte niemand, dass der Gerresheimer zur Mitte der zweiten Runde – wie von Geisterhand geschüttelt – einbrach.

Kaum Korrekturen in der Ringpause, stattdessen „weiter so“ und mit großer Zuversicht getragen von seinen Fans ging Rost in die Schlüsselrunde des Kampfes. Zu Beginn lief auch alles nach Plan. Der Pole boxte konstant, änderte seinen Stil nicht, ging weiter nach vorne, suchte Halbdistanz und Infight und präsentierte sich als zwar hartnäckiger, aber dankbarer Gegner. Gefahr schien von ihm nicht auszugehen. In eben diese brachte sich Rost plötzlich selber. Ohne Not, ohne Wirkungstreffer, ohne erkennbares Zeichen oder äußeres Merkmal verlor Rost – ja was eigentlich? Kraft, Konzentration, Zuversicht? Wie eine Vollbremsung eines Sportwagens aus voller Fahrt stoppte Rost in der Mitte der zweiten Runde fast jede Aktivität, die in der ersten Runde noch Zuversicht ausstrahlte. Ging ihm der Sprit aus, war er erkältet, fuhr er auf Reserve? Timo Rost verlor die Linie. Er schleppte sich nun von Runde zu Runde. Immer häufiger stellte ihn Grafka entweder an den Ringseilen oder in einer Ecke. Zwar brachte seine Stöße Rost nicht in unmittelbare Gefahr eines KOs, doch mit zunehmender Kampfdauer ließ Rost die Deckung immer häufiger fallen und bot dem Polen Gelegenheiten, die ein ambitionierterer Boxer hätte nutzen können, nein, genutzt hätte. Selbst die immer dringenderen und lauter werdenden Anweisungen aus der eigenen Ringecke verhallten größtenteils ungehört. Erst in den letzten beiden Runden setze Rost die Anweisungen seines Trainers wieder um und konnte Vorteile für sich zu gestalten. So bleibt die Erkenntnis, die Timo Rost nach dem Kampf selber äußerte: „Es hätte auch andersherum ausgehen können.“ Doch die zweite Runde schreit nach einer umfassenden Erklärung.

Das „Team Rost“ um Trainer Rüdiger May, Management und Boxer werden sich schnellstens zusammensetzen und den Einbruch in der vermaledeiten zweiten Runde analysieren, um seine auch wohlwollenden Kritiker am 9. November in Velbert zu besänftigen. Ursprünglich sollte es dort zu einem Titelkampf für den sympathischen Düsseldorfer kommen, wird es aber nicht. Stattdessen kann er nun zeigen, was in ihm steckt und sich für höhere Weihen im Super Mittelgewicht empfehlen.

Einen Schritt nach vorne in seiner sportlichen Entwicklung zeigte Yaser Yüksel in seinem Kampf gegen Gyula Roszas. Zeitweise völlig entfernt davon, aktiv zu werden, versuchte sich der Ungar dem stetigen Druck Yüksels zu entziehen. Der 27-jährige Yüksel bestimmte den Kampf und zeigte sich über die gesamte Kampfdistanz im Vergleich zu einigen seiner früheren Kämpfe hochkonzentriert. Er drückte dem Kampf in jeder Runde seinen Stempel auf. Über die gesamten sechs Runden musste der 20-jährige Ungar weite Wege am Ringseil gehen, um sich den Stößen Yüksels zu entziehen. Manchmal erinnerte das Aufeinandertreffen an das Kinderspiel „Nachlaufen“, andere sprachen von Marathonlauf. Vielleicht lag es daran, das Yüksel den Ungar bereits in der zweiten Runde mit einer technisch sauberen Schlaghand an den Kopf in den Ringstaub schickte. Zwar erholte sich der Budapester davon, machte aber danach keine großartigen Anstalten, seinerseits dominanter in das Kampfgeschehen einzugreifen.

Doch dieser Niederschlag schien ebenso Einfluss auf Yüksels Kampfverhalten zu nehmen: er wollte den KO. Zunehmend hektischer nahm er die „Verfolgung“ des Ungarn auf. Der Nachteil: Als er in Kampfdistanz kam, stand er zu häufig instabil und musste zuerst seine Position finden. Diese Zeit nutzte der Ungar, um sich einem möglichen Trommelfeuer des 27-jährigen Weltergewichtlers zu entziehen.
Doch zurück zu dem 27-jährigen Deutschen. Jeder Gegner ist anders, vielleicht muss Yüksel dem nächsten Gegner nicht ständig hinterherlaufen, sondern es kommt zu einer Auseinandersetzung, in der Yaser Yüksel seine vorhandenen boxerischen Qualitäten ausspielen und deutlicher zeigen kann. Zu wünschen ist es ihm.
© Manfred Fammler

Drei Kämpfe sind manchmal schon genug

with one comment

Das Cultureel Centrum Corneliushuis in Heerlen ist schon seit geraumer Zeit ein Ort in der Euregio Region, an dem Freunde des gepflegten Faustkampfs auf ihre Kosten kommen. Am Samstag, dem 14. September 2019 gab es hier zwölf Amateur- und drei Profikämpfe zu sehen. Die Profikämpfe gingen alle über sechs Runden.
Zwischen den Amateur- und den Profikämpfen gab es eine kurze Pause, die sich kurzweilig gestaltete. Zuerst gab es ein Showact mit einem Sänger und danach sang der Ringsprecher, zusammen mit den Zuschauern, Neil Diamonds „Sweet Caroline“.
Den Anfang bei den Profis machte im Weltergewicht Xavier Kohlen (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) und Karlo Tabaghua (33 Kämpfe, 18 Siege, 13 durch KO, 15 Niederlagen, 5 durch KO). Kohlen bestimmte den Kampf. Direkt in der ersten Aktion kam er schön mit einem Rechten Cross durch. Tabaghua hielt aber dagegen und erarbeite sich seine Momente. Am Ende der Runde kam Kohlen sowohl mit einer Linken als auch mit einer Rechten zum Kopf durch und brachte dadurch seinen Gegner in Bedrängnis. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck. Wieder in der ersten Aktion, kam er mit einer geraden Links-Rechts-Kombination zum Kopf durch. Kurze Zeit später stellte Kohlen Tabaghua in einer neutralen Ecke und kam mit mehreren Händen durch. Tabaghua brach, schwer KO, zusammen. Der Ringrichter fing erst gar nicht an zu zählen, sondern nahm ihm sofort den Mundschutz heraus. Zusammen mit einem Punktrichter brachten sie Tabaghua in die stabile Seitenlage. Es dauerte unendlich sich hinziehende Sekunden, bis er sein Bewusstsein wiedererlangte.
Sieger durch KO in Runde 2, nach 1:05 Minuten: Xavier Kohlen.

Anschließend stiegen im Halbschwergewicht Martin Houben (7 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage) und Nasser Bukenyan (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) in den Ring. Beide gingen von Anfang an ein hohes Tempo. Houben beherrschte weitestgehend die Ringmitte. Es gab viel Schlagabtausche, wobei viel, aufgrund der guten Technik beider Kontrahenten, auf die Deckung ging. Mitte der ersten Runde kam Houben mit einer sehr schönen rechten Graden zum Kopf durch. Kurze Zeit später punktete er mit schönen Kontern. Am Ende der Runde ging Bukenyan zu Boden, aber der Ringrichter wertete das als Ausrutscher – ich sah es nicht so. In der ersten Hälfte der zweiten Runde machte Bukenyan mehr Druck und versuchte mit Haken seinen leichten Reichweitennachteil auszugleichen. Houben konterte ihn, in der Mitte der Runde, schön mit einer Rechten zum Kopf ab und dominierte klar die zweite Hälfte. Die dritte Runde wurde etwas langsamer geführt. Die vorangegangen waren ja auch extrem schnell geführt worden. In den ersten zwei Dritteln brachte Houben mehr Hände ins Ziel. Dann kam Bukenyan auf, zwang Houben Schlagabtausche auf, bei denen beide Kontrahenten Treffer setzen konnten. Danach wogte der Kampf hin und her. Im vierten Durchgang wurde es verbissener und härter und es entwickelte sich eine Ringschlacht, die hin und her ging, wobei Bukenyan die Oberhand behielt. Die fünfte Runde war eng. Houben boxte wieder mehr, ließ aus, boxte an, setzte Treffer und ging wieder raus. In der sechsten Runde suchte Houben den KO. Er machte Druck, trieb Bukenyan an den Seilen entlang, stellte ihn und versuchte, ihn zu fällen, was aber nicht gelang. Das rächte sich dann.
Die Punkrichter werteten 58:56, 57:57 und 58:56. Punktsieger: Nasser Bukenyan. Aus meiner Sicht eine krasse Fehlentscheidung.

Den Hauptkampf des Abends bestritten Ricardo Snijders (19 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Istvan Kun (23 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 14 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden). Beide Boxer standen viel Fuß an Fuß und suchten die Lücke in der Deckung des anderen. Snijders konnte mehr Treffer setzen. Er verteilte gut zu Kopf und Körper. Ende der ersten Runde sah es so aus, als wäre Kun durch einen Kopftreffer beeindruckt. Auch in der zweiten Runde war die Doppeldeckung von Snijders stabiler als die von Kun. Ein perfekt getimter linker Körper-, gefolgt von einem rechter Kopfhaken, fällte Kun. Auf dem Boden hockend wurde er ausgezählt.
Sieger durch KO in Runde 2, nach 1:25 Minuten: Ricardo Snijders.

Der Veranstalter Patrick Driessen stellte eine schöne und sehenswerte Show auf die Beine. Drei gute Profikämpfe reichen aus, um einen guten Boxabend zu gestalten. Ein Wermutstropfen – ein Fehlurteil.
© Uwe Betker

Foto: Dominic Vial vs. Samuel Zade

leave a comment »

(C) Uwe Betker

Written by betker

15. September 2019 at 23:59

Boxen in der Literatur: Sir Arthur Conan Doyle (3) – „Lord Falconbridge“ und „Sir John Hawker hat ausgespielt“

leave a comment »

Die Erzählung „Lord Falconbridge“ („The Lord of Falconbridge: A Legend of the Ring“) erschien im August 1909 im Strand Magazine. The Strand Magazine war, eine britische Monatszeitschrift, war bekanntlich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, von 1891 bis 1950, die führende Literaturzeitschrift Großbritanniens.
In Lord Falconbridge treffen wir am 25. August 1818 auf Tom Cribb (https://betker.wordpress.com/2011/11/19/tom-cribb-1/) in seinem Pub in London. Hinzu kommt Tom Spring. Spring hatte zwei Wochen vorher gegen Ned Painter verloren. (https://betker.wordpress.com/2019/05/30/tom-spring/) Er war deprimiert und pleite. Cribb, sein Freund, Mentor, Trainer und Promoter, stellt ihm eine Möglichkeit in Aussicht, Geld zu verdienen. (https://betker.wordpress.com/2011/11/20/tom-cribb-2/)
Am Morgen war eine vornehme Dame, die sich offensichtlich mit Boxen auskannte, zu Cribb gekommen und hatte sich nach dem besten Boxer erkundigt. Die Dame, die ihren Namen nicht nennen will, unterbreitete ihm einen Plan: Spring soll Geld für einen privaten Kampf, ohne Sekundanten, gegen einen noch zu benennenden Gegner bekommen. Allerdings soll er das Geld nur bekommen, wenn er auch gewinnt. Spring willigte ein.

Cribb und Spring trainieren und bereiten sich mehrere Wochen vor. Dann kommt der erwartete Tag. Spring wird mit einer Kutsche abgeholt und aufs Land zum Gasthaus eines Boxfans gebracht. Dort holt ihn die rätselhafte Auftraggeberin dann später, wiederum mit einer Kutsche, ab. Sie fährt mit ihm immer weiter, über Feldwege und durch Wälder, bis sie zu einer Lichtung kommen. Dort steht der Mann, gegen den Spring boxen soll. Spring hat Skrupel, gegen einen Herrn zu boxen, zumal sich herausstellt, dass der der Ehemann der Dame ist. Sie besteht aber auf dem Kampf. Sie möchte sehen, wie ihr Mann, ein geübter Boxer und Schläger, verprügelt wird. Spring wird von dem Mann gesehen, der ihn sofort aggressiv angeht und beleidigt. Kurze Zeit später sind beide bereit für einen Kampf.
Der Kampf wogt hin und her, aber am Ende kann Spring seinen schwereren und größeren Gegner doch KO schlagen. Als der Mann am Boden liegt, fordert die Dame Spring auf, ihm „den Rest zu geben“. Um überzeugender zu wirken, erhöht sie das versprochene Preisgeld immer weiter – aber Spring lehnt ab.
Der Geschlagene geht Hilfe holen; er will seine Frau und Spring gefangen nehmen lassen. Die Dame flieht jedoch mit der Kutsche. Zurück bleibt Spring, der aber von dem Wirt des Gasthofes aufgelesen und gerettet wird; der Wirt hatte nämlich den Kampf von einem Versteck aus beobachtet.
„Lord Falconbridge“ von Sir Arthur Conan Doyle findet sich in “Der Silberspiegel”, einem Band mit 14 Erzählungen, erschienen im Verlag 28 Eichen.
Tom Cribb taucht noch in einer weiteren Erzählung von Arthur Conan Doyle auf: nämlich in „Sir John Hawker hat ausgespielt“, „The End of Devil Hawker“, die zuerst im November 1930 im Strand Magazine erschien.
In dieser Erzählung geht es nicht um Boxen. Es geht um „Sir John Hawker“, einen brutalen Verbrecher, der über einen Betrug zu Fall kommt. Ein großer Teil der Handlung spielt im Pub von Cribb, der auch immer wieder als Person auftritt, zuletzt als Zeuge bei einer Art Prozess im Club von Hawker.
„Sir John Hawker hat ausgespielt“ findet sich in Sir Arthur Conan Doyles “Der Skandal im Regiment”, einem Band mit 15 Erzählungen, erschienen im Verlag 28 Eichen.
Sir Arthur Conan Doyle muss man einfach lesen.
© Uwe Betker