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Die Fernsehwelt ist bunt: Tyron Zeuge in „Beginner gegen Gewinner“

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Es gibt Fernsehformate, die sind einfach nur seltsam. Da habe ich z.B. auf PRO7 eine Art Showformat entdeckt, das den Titel „Beginner gegen Gewinner“ trägt. „Joko Winterscheidt lässt hier Hobbysportler gegen Champions in ihren Paradedisziplinen antreten. Um das Leistungsgefälle etwas abzumildern, dürfen die Hobbysportler den Profis vor dem Duell ein schwächendes Handicap verpassen.“ Der TV-Sender bewirbt die Sendung im Internet wie folgt: „Was ist spannender als der Wettkampf David gegen Goliath?

Am 04. August wurde die zweite Episode der zweiten Staffel ausgestrahlt. Offensichtlich handelte es sich um eine Aufzeichnung, denn der dort auftretende Tyron Zeuge wurde noch als amtierender und ungeschlagener Weltmeister der WBA im Super Mittelgewicht angekündigt. Zeuge hat seinen Titel aber am 14. Juli in Offenburg gegen Michael Rocky Fielding (28 Kämpfe, 27 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) durch TKO in Runde 5 verloren.

Es begann mit einem Einspieler, elegisch dramatische Musik und eine markante Stimme aus dem Off, die, wenn ich denn richtig gehört habe, sowas sagt wie: „Boxen – Mann gegen Mann – linker Jab – rechte Grade – Aufwärtshaken – Seitwärtshaken – Verteidigung – Angriff – Knock Out. Die wichtigste Regel: Triff deinen Gegner, bevor er dich trifft. Wer im Ring überleben will, braucht Ausdauer wie ein Marathonläufer, Schlagschnelligkeit, Kraft wie ein Bodybuilder und einen unerschütterlichen Siegeswillen.“

Anschließend wurden die beiden Teilnehmer vorgestellt. Zuerst war das „Boxwunderkind“ Zeuge an der Reihe. Glaubt man einer Einblendung, so hatte Zeuge bis dahin alle seine 22 Profikämpfe gewonnen. Seinen ersten Kampf gegen Giovanni De Carolis, am 16.07.2016, haben die Punktrichter allerdings als Unentschieden gewertet. Danach wurde Vadim, seines Zeichens Chemiekant und Barkeeper, vorgestellt. Man erfährt über ihn, dass er mit sieben Jahren von Kasachstan nach Altötting gezogen ist, wo er, neunjährig, mit dem Boxen anfing, was er zwischenzeiltlich wieder aufgegeben hat. Wie lange Vadim nun geboxt hat, habe ich nicht mitbekommen. Etwas seltsam erschien mir, dass man Vadim Nachnamen nicht erfuhr. Vadim hieß immer nur Vadim und so boxte dann also Vadim gegen Tyron Zeuge. Lediglich bei der Michael Buffer Kopie, die der Moderator der Sendung Joachim „Joko“ Winterscheid darstellte, brüllte dieser wahrscheinlich einmal den Nachnamen von Vadim. Aber zu verstehen war er nicht. Der Kommentator des Kampfes, Elmar Paulke, sagte mal Vadim Silev (?), aber ich kann mich auch verhört haben. – Ich persönlich finde, es zeugt von schlechtem Stil, jemanden nicht richtig vorzustellen. Aber vermutlich habe ich dazu gar nichts anzumerken, weil ich nicht zur Werberelevanten Zielgruppe von Helmut Thoma gehöre.

https://www.prosieben.de/tv/beginner-gegen-gewinner/videos/22-boxen-clip

Vadim durfte nun für Zeuge ein Handicap aussuchen. Zur Auswahl standen: ein „Monohandschuh“, also ein Boxhandschuh, in den beide Hände zusammen gesteckt sind, Gummibänder zwischen Hand- und Fußgelenken und Rollschuhe. Vadim entschied sich für die Rollschuhe, die Zeuge dann anzog.

In einem der Bavaria Studios in München war ein Ring mit drei Seilen aufgebaut. Am Ring saßen Fernsehkoch Tim Mälzer und TV-Moderator Johannes B. Kerner. Die diskutierten dann gemeinsam mit Winterscheidt über die Vor- und Nachteile der einzelnen Handicaps. Mälzer sagte dabei scherzhaft über Zeuge: „ich glaub, der kann gar nicht so doll zuhauen.“ Winterscheidt konterte darauf mit: „Ich bin mir auch ziemlich sicher: Er boxt sonst zwölf Runden. Das sind jetzt nur drei. Wenn er noch Luft hat nachher, er haut dir  noch gerne eine rein.“

Der Kampf war auf drei mal zwei Minuten angesetzt. Beide boxten ohne Kopfschutz. Es gab einen Ringrichter, zwei Punktrichter und einen Kommentator. Zeuge hatte schon seine liebe Müh und Not, auf den Rollschuhen in den Ring reinzurollen. Der weitere Kampfverlauf ist schnell erzählt. Zeuge rutschte beim Schlagen immer weg. Vadim machte Tempo. Keiner wollte dem anderen ernstlich wehtun. Irgendwann waren die sechs Minuten Kampf dann vorbei.

Die Ringrichter erklärten Vadim mit 9:3 zum Punktsieger.

Vermutlich hat den meisten Zuschauern die Spielshow gefallen. Wenn die Einschaltquoten stimmen, wird die Produktionsfirma Florida TV und der TV-Sender ProSieben die Welt noch mit weiteren Folgen beglücken. Tyron Zeuge (24 Kämpfe, 22 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) wird gute und wohlüberlegte Gründe gehabt haben, in dieser Show aufzutreten.

Mich allerdings spricht die Show nicht an. Einiges an der Show halte ich für eher problematisch. Vor allem aber wird hier, wie ich finde, ein ziemlich schräges Bild vom Boxen gezeichnet. Schon die Behauptung, ein Boxer habe Kraft wie ein Bodybuilder, ist etwas abstrus. Da wird auch selbstverständlich unterstellt, ein Boxer würde nach einem Kampf einem TV-Koch gerne noch eine rein hauen.

Auch, dass aus einem Unentschieden einfach mal ein Sieg gemacht wurde. Durch den Aufbau eines Rings mit drei Seilen, an Stelle der üblichen vier oder mehr, hat man zudem das Unfallrisiko von Zeuge unnötig erhöht. Und schließlich stellt sich nach der WM-Niederlage von Zeuge auch die Frage: Wann wurde die Show eigentlich aufgenommen? Fiel sie etwa in die Vorbereitungszeit zu Zeuges letztem Kampf?

© Uwe Betker

 

Written by betker

12. August 2018 at 23:59

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Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Ring Lardner (1) „The Champion“

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Biographischer Hintergrund
Ringgold Wilmer Lardner wurde am sechsten März 1885 in der Stadt Niles im amerikanischen Bundesstaat Michigan als jüngstes von neun Kindern geboren. Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf und wurde bis zu seinem zwölften Lebensjahr erst von seiner Mutter und später von einem Privatlehrer unterrichtet. Schon als Kind begeisterte er sich für Baseball. Von 1897 bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr besuchte er die High School. Anschließend nahm er verschiedene Stellungen an, studierte auf Drängen des Vaters für kurze Zeit und arbeitete schließlich eineinhalb Jahre für eine Gasgesellschaft. Ab 1905 arbeitete er als Zeitungsreporter. Diesem Medium blieb er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode treu und machte sich vor allem als Verfasser von Baseballberichten einen Namen. Er begleitete 1908 die Chicago White Socks auf ihrer Tour und bekam nicht zuletzt dadurch einen genauen Einblick in die Welt des Profisports. Neben seiner Reportertätigkeit schrieb er zahlreiche Kurzgeschichten die meist mit humoröser Gesellschaftskritik aber auch mittels bitterbösen Satire menschliche Schwächen aufdeckten. Die kritischste unter ihnen war die Boxgeschichte „The Champion“. Lardner bediente er sich oft Motiven aus der Welt des professionellen Sports, insbesondere des Baseballs und wie in der Geschichte von dem brutalen Kämpfer Midge Kelly, des Boxens.
Vor allem außerhalb der Baseballsaison berichtete Lardner vom Boxen so zum Beispiel 1919 aus Toledo für die Zeitung Tribune vom Schwergewichtskampf um die Weltmeisterschaft zwischen Jack Dempsey und Jess Willard. Er wettete eine größere Summe auf Willard und gab dies auch in der Zeitung bekannt:
“Probably some of you will say to yourself what does this bird know about the manly art of self-defense. Well I don´t know nothing and don´t expect to learn, but I can point with a whole lot of pride to some of my pickings in the past. For instance I thought all along that the Allies would win the war especially after America got into it. I chose Jack Johnson to Lick Jeffries though I didn´t tell nobody for fear of affecting the betting odds.”
und nach der vernichtenden Niederlage Willards schrieb er:
“Well, gents, it was just a kind of practical joke on my part and to make it all the stronger I went and bet a little money on him, so pretty nearly everybody thought I was really in earnest. [Zitiert nach: Donald Elder. Ring Lardner. Garden City, New York: Doubleday, 1956. 159]
Lardners Ansichten über den Profisport, insbesondere aber über Baseball wurde durch die Black Sox – Affäre im Jahre 1919 stark beeinflußt. Einige Spieler der Chicago White Sox hatten sich von einem Wettsyndikat bestechen lassen und die World Series absichtlich verloren. Er empfand dies quasi als Sakrileg und betrachtete danach den Profisport ganz besonders kritisch.
Diese Kritik schlug sich auch in den 1921 geschriebenen Kurzgeschichten „A Frame Up“ und „The Battle of the Century“ und „The Venomous Viper of the Volga“ von 1927 nieder.
Lardner kannte einige Boxer persönlich, darunter Gene Tunney, für den er allerdings wohl keine große Sympathie empfand. Dies lag vielleicht daran, daß er Jack Dempsey, Lardners Boxidol, als Schwergewichtsweltmeister abgelöst hatte und daran, daß der Schriftsteller glaubte bei dem Kampf sei Betrug im Spiel gewesen. [Vergleiche: Elder. 294 f] Er kommentierte die Leistung Dempseys folgendermaßen:
“A man sitting right back of me kept insisting that Mr. Dempsey ought to be disqualified for violating Pennsylvania´s boxing code, which barred the rabbit punch. I was not familiar with the rules, but Jack certainly punched like a rabbit. [Zitiert nach: Elder. 299}
1926 war Lardner an Tuberkulose erkrankt. Er blieb jedoch trotz eines sich ständig verschlechternden Gesundheitszustandes und häufiger Krankenhausaufenthalte weiterhin sehr produktiv. Lardner starb am 25. September 1933 an einem Herzanfall.

(C) hwikipedia.org/wiki/Ring_Lardner#/media

„The Champion“
Der Hauptdarsteller dieser Kurzgeschichte ist Midge Kelly, der mit siebzehn Jahren seinen verkrüppelten Bruder Connie niederschlägt, um ihm eine 50 Cent-Münze wegzunehmen. Nach dem daraus resultierenden Streit mit seiner Mutter, welche er ebenfalls schlägt verläßt er sein Zuhause. Er geht nach Milwaukee, wo er seinen ersten Kampf als Profiboxer bestreitet und gewinnt. Bereits im nächsten Kampf akzeptiert er Bestechungsgelder und verliert absichtlich. Als Emma Hersch, die unschuldige Schwester eines Mannes, der ihn in der Not aushielt ein Kind von ihm erwartet sieht er sich gezwungen, sie zu heiraten. Noch in der Hochzeitsnacht bekommt die Braut die Fäuste Kellys zu spüren, welcher wiederum alles hinter sich läßt und nach Boston geht. Dort trifft er, völlig abgebrannt, auf Tommy Haley, der sein Manager wird und ihn auf den Weg zum Erfolg bringt.
Einen Brief, den ihm seine Ehefrau schickt und in dem sie ihn bittet ihre Schulden in Höhe von 36 Dollar zu begleichen, weil ihr gemeinsames Kind am verhungern ist zerreißt er. Ebenso unbeantwortet läßt er einen Brief seiner Mutter, in dem sie ihn nur bittet, zu antworten und beiläufig erwähnt, daß der Bruder seit dem Niederschlag vor drei Jahren das Bett nicht verlassen hat. Auf einen Brief seiner Geliebten hin schickt er ihr dagegen 200 Dollar.
Kelly wird Champion und erfreut sich auch großer Beliebtheit beim Publikum, so daß er Vorführungen im Theater gibt bei denen er mit seinem Können prahlt und dabei 500 Dollar pro Woche verdient.
Auf Anraten seiner neuen Freundin verläßt Midge Kelly den Mann, der ihn groß gemacht hat unter Gewaltandrohung und wechselt zu einem anderen Manager, Jerome Harris. Diesen entläßt er bald wieder und macht sich mit dessen Frau nach New York davon. Dort endet die Geschichte am Vorabend eines großen Kampfes.

Bis auf das boxerische Talent ist Midge Kelly das genaue Gegenteil von Londons Pat Glendon. [https://betker.wordpress.com/2018/01/07/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-3-the-abysmal-brute/ ] Er ist bösartig, gewalttätig, undankbar, geizig, prahlerisch, gewissenlos, kurz gesagt er ist der Stereotyp des Bösewichts. Die verschiedenen Aspekte seines schlechten Charakters werden in unterschiedlichen Szenen gezeigt. In der ersten die Gewalttätigkeit gegen den wehrlosen Bruder und die Mutter, in der zweiten der Betrug beim Boxkampf, an die Mißhandlung der Ehefrau usw..
Lardner hat Midge Kelly aber sicherlich nicht als den typischen Boxer darstellen wollen. Falls doch so würde das bedeuten, daß er nicht verstand, daß Boxer in den allermeisten Fällen Opfer sind, wie Fleming [https://betker.wordpress.com/2017/12/23/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-1-the-game/] oder King [https://betker.wordpress.com/2017/12/25/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-2-a-piece-of-steak/] bei Jack London und nicht Übeltäter. Die Gestalt Midge Kellys ist wohl auch zu sehr überzeichnet, als daß man in ihr irgendeinen Boxer wiedererkennen könnte. Christian Messenger sieht das ähnlich:
“Lardner directed the brunt of his message in `Champion´ at the sportswriting profession rather than solely at Kelly, whom he never really attempts to make into a believable villain.” [Messenger. 121]
Der von Walton Patrick angenommene Angriff gegen das Profiboxen, das die üblen Charaktereigenschaften Kellys belohnen würde läßt sich dagegen mit den Textaussagen nicht begründen. [Vergleiche: Walton Patrick. Ring Lardner. New York: Twayne,1963. 87] Was Lardner wohl wirklich zeigen wollte wird deutlich, wenn man den folgenden Sätzen auf den Grund geht, in denen der Manager Kellys seinen Schützling dem Reporter Joe Morgan beschreibt:
“Just a kid; that´s all he is; a regular boy. Get what I mean? Don´t know the meanin´ o´ bad habits. Never tasted liquor in his life and would prob´bly get sick if he smelled it. Clean livin´put him up where he´s at. Get what I mean? And modest and unassumin´ as a school girl. He´s so quiet you would never know he was round. And he´d go to jail before he´d talk about himself. No job at all to get him in shape, ´cause he´s always that way. The only trouble we have with him is gettin´ him to light into these poor bums they match him up with. -he´s scared he´ll hurt somebody.” [Ring Lardner. How To Write Short Stories. New York: Scribner´s, 1925. 175]
Die Beschreibung die hier gegeben wird würde perfekt auf Pat Glendon passen gibt genau das Gegenteil von dem wider was auf Kelly zutrifft. – Die Titel der beiden Geschichten passen eigentlich auch besser zu dem Helden der jeweils anderen Geschichte. Kelly ist ein abysmal brute und Glendon ein wahrer champion. – Mit beißender Ironie soll dargestellt werden, wie leicht die Öffentlichkeit – mit Unterstützung der Presse – von profitgierigen Figuren in der Profisportszene beeinflußt werden kann.
Die Zeitung gibt das wider, was der Manager sagt und unterstützt damit die erfolgreiche Karriere des gewissenlosen Boxers. An ihr wird folglich wohl die größte Kritik geübt aber auch an der Gesellschaft, die es den Reportern unmöglich macht die Wahrheit über Kelly zu schreiben. Der Erzähler der Geschichte läßt den Leser wissen, daß die Reportage der Wahrheit mehr entsprochen hätte hätte man die Mutter, den Bruder, die Ehefrau, den Schwager oder einen der anderen die Kelly übel behandelte interviewt. Dies hätte aber nichts genützt:
“[But] a story built on their evidence would never have passed the sporting editor. `Suppose you can prove it´ that gentleman would have said. `It wouldn´t get us anything but abuse to print it. The people don´t want to see him knocked. He´s champion.´” [Lardner. How.178]
Leverett Smith versteht diese Kurzgeschichte ebenfalls in diesem Sinne wenn er schreibt: „`Champion´ is a polemic on the subject of the moral nature of public figures in sports, and on the moral nature of the community which demands them.“ [Leverett T. Smith, Jr. „`The Diameter of Frank Chance´s Diamond´: Ring Lardner and Professional Sports“. Journal of Popular Culture 6 (1972-73): 148 (133-56)]
Zu beachten ist noch der Satz, den Lardner in How to Write Short Stories dem Text von „Champion“ vorausschickte und mit dem er der Kurzgeschichte wohl etwas an Schärfe nehmen wollte:
“Champion. An example of the mistery story. The mistery is how it came to get printed.” [Lardner. How..143]
© Martin Scheja

Ein sommerliches Boxen in Leverkusen Opladen

with one comment

Der Hof des No Limit Boxing Gyms in Leverkusen Opladen war am Nachmittag des 07. Juli 2018 Austragungsort einer sommerlichen Freiluftboxveranstaltung. 17 Kämpfe fanden in der prallen Sonne statt. Es waren neun Amateurboxkämpfe, drei nach K1 Regeln und fünf Profikämpfe. Dabei war der Amateurkampf mit Yan Sumbu-Nsasi und Dominik Remmert im Mittelgewicht sensationell gut. Sumbu-Nsasi wurde sehr knapp zum Punktsieger erklärt.

Alle fünf Kämpfe der Profis waren Vierrunder. Den Anfang machten bei den Profis Sergej Ivanovic Wotschel (12 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und Dimitri Shatovkin im Mittelgewicht. Wotschel setzte den Debütanten von Anfang an unter Druck. Er zeigte schönes variables Boxen, wobei besonders sein rechter Kopfhaken gefiel. In der zweiten Runde erhöhte er den Druck. Er trieb seinen Gegner noch mehr vor sich her. In der Mitte der Runde ging Shatovkin nach einem schönen Leberhaken zeitverzögert zu Boden. Der GBA und Ringrichter Kazim Kurnaz zählte bis acht. Wotschel trieb Shatovkin weiter vor sich her und suchte den KO. Er ging in der zweiten Runde nun immer zum Kopf. Dann aber schlug er wieder zur Leber und Shatovkin ging erneut zu Boden; dort wurde er liegend ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 2 nach 2:01 Minuten: Sergej Ivanovic Wotschel.

Es folgte ein Kampf im Schwergewicht zwischen Daniel Bulabula und Rojhat Bilgetekin (23 Kämpfe, 8 Siege, 8 durch KO, 15 Niederlagen, 14 durch KO). Bulabula, der Debütant, machte den Kampf. Bilgetekin beschränkte sich weitgehend darauf, sich hinter seiner Doppeldeckung zu verschanzen und mit der Rechten zum Kopf zu kontern. In der zweiten Runde machte Bilgetekin dann mehr. Dadurch wurde der Kampf munterer. Bulabula kam aber häufiger durch. In der dritten Runde erhöhte nun Bulabula den Druck. Er verteilte besser, ging mehr zum Körper, wodurch der Kampf noch munterer wurde. In der vierten Runde suchte Bulabula den KO, schaffte es aber nicht. Einstimmiger Punktsieger: Daniel Bulabula.

Danach stiegen im Super Weltergewicht Eduard Janzen (2 Kämpfe, 2 Siege) und Baris Yandin in den Ring. Der Rechtsausleger Janzen machte den Kampf. Yandin, der sein Debüt gab, suchte sein Heil in Auslagenwechseln, überfallartigen Angriffen, unorthodoxen Schlägen und Faxenmachen. Janzen ließ sich davon allerdings nicht beirren und boxte seinen Streifen runter. Er schob sich an den Gegner heran, boxte an und suchte die Lücke. Aber Yandin machte es ihm nicht leicht. Er war nicht gekommen, um zu siegen, sondern um seinem Gegner das Leben möglichst schwer zu machen. Er wollte sich nicht stellen lassen und er wollte den Schlussgong erreichen, was er auch schaffte. Einstimmiger Punksieger: Eduard Janzen.

Martin Houben und John Sunday (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) boxten anschließend in einem Halbschwergewichtskampf gegeneinander. Houben beeindruckte in seinem ersten Profiboxkampf. Immer wieder ließ seine linke Führhand den Kopf von Sunday nach hinten schnappen. Am Ende der ersten Runde stellte er Sunday an den Seilen in einer neutralen Ecke und ließ ihn nach Kombinationen leicht einknicken. In der zweiten Runde machte Houben ernst. Schließlich stellte er Sunday in dessen Ecke, ließ ihn nicht mehr raus und deckte ihn mit harten Kombinationen ein. Die Ecke von Sunday hatte genug gesehen und warf das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 45 Sekunden.

Zum Abschluss stiegen Kai Hildebrand und Anas Ayaou (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) in den Ring. Sie boxten im Cruisergewicht. Hildebrand, der sein Profidebüt gab, machte von der ersten Sekunde an ernst. Es entwickelte sich rasch ein munterer und unterhaltsamer ununterbrochener Schlagabtausch, bei dem Hildebrand die Oberhand beheilt. Unterbrochen wurde der Schlagabtausch mehrfach von Ayaou. Erst beschwerte sich dieser über einen Kopfstoss, den ich nicht gesehen habe. Dann zeigte er eine Verletzung des rechten Ellebogens an. Als er danach erneut wegen der Verletzung den Kampf unterbrach und sich klar wurde, dass er kurz davor stand, von Ringrichter Kurnaz wegen Aufgabe aus dem Kampf genommen zu werden, stellte er sich noch einmal. Hildebrand deckte ihn aber so mit Schlägen und Treffern ein, dass Ayaous Ecke ihn kurze Zeit später aus dem Kampf nahm. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 1:55 Minuten: Kai Hildebrand.

Die erste Profiboxveranstaltung von Bekim Hoxhaj war ein voller Erfolg. Man kann nur hoffen, dass er weiter macht. Besonders würde es mich freuen, wenn er auch seine Open Air-Veranstaltung im Hof seines Gyms im nächsten Jahr wiederholt.
© Uwe Betker

Written by betker

8. Juli 2018 at 23:59

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Rezension: Thomas Hauser „Brutal Artistry“

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Thomas Hauser ist einer der ganz Großen des Boxjournalismus. In relativ regelmäßigen Abständen veröffentlicht er Bücher über Boxen. Er hat das ultimative Buch über Muhammad Ali geschrieben: „Muhammad Ali: His Life and Times“, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Ein Buch von Hauser zu kaufen, ist eine sichere Sache. Man bekommt guten bis exzellenten Boxjournalismus, und so ist es auch bei „Brutal Artistry“.
Auch wenn es um ein so wichtiges Kulturgut geht, wie Bücher unter die Menschen bringen, so sind Buchverlage doch in erster Linie profitorientierte Firmen. So haben Verlage die Unart entwickelt, bei kommerziell erfolgreichen Autoren, besonders wenn sie Kurzgeschichten, Abhandlungen oder Artikel veröffentlichen, die Anzahl der Buchveröffentlichungen künstlich zu erhöhen. Teile aus mehreren schon veröffentlichten Büchern werden dann schon mal zu einem neuen zusammengestellt. Genau das ist auch bei „Brutal Artistry“ der Fall.
Hausers Buch ist dementsprechend sowohl ein Quell der Freude als auch ein richtiges Ärgernis. Wer „Muhammad Ali: His Life and Times“ schon gelesen hat, kann gut ein Drittel der versammelten Artikel überblättern. Und wer „A Beautyful Sickness“ und „A Year at the Fights“ auch hat, findet in dem hier zu besprechenden Buch buchstäblich nichts Neues.
Hauser versammelt in diesem Buch Artikel u. a. über Muhammad Ali, Henry Cooper, George Foreman, Audley Harrison, Evander Holyfield, Bernard Hopkins, Ray Leonard, Lennox Lewis, Shane Mosley und ganz viel über Mike Tyson. Einige der Artikel sind einfach phantastisch, wie der über die Niederlage von Naseem Hamed gegen Marco Antonio Barrera (am 07.04.2001) und von Michael Grants gegen Lennox Lewis (29.04.2000).
Am Ende bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Alle drei Bücher von Hauser zu kaufen, wäre in, meinen Augen, eigentlich besser. Kennt man sie aber noch nicht alle und es fällt einem „Brutal Artistry“ in die Finger, dann sollte man zugreifen und sei es allein aus dem Grund, dass es ein Buch von Thomas Hauser ist.
© Uwe Betker

Foto: Bauchtänzerin

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C) Uwe Betker

Written by betker

1. Juli 2018 at 23:59

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Özlem Sahin vs. Juana Pastrana – eine klassische Tragödie

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Prolog
Tragödien kommen zustande, wenn sich Götter in das Leben der Menschen einmischen. Meist meinen es die Götter sogar gut und wollen ausgewählte Menschen belohnen. Aber dies geht immer schief und endet für den belohnten Menschen schlimm. Der Mensch, den die Götter diesmal belohen wollten, war Özlem Sahin. Die Götter gaben ihr die Chance um ihren WM-Titel, auf Erden heißt er International Boxing Federation Titel, boxen zu dürfen. Es kam wie es kommen musste, es kam zu einer Tragödie.
Die Bühne ist aufgebaut. Die Akteure sind bereit. Gleich ziehen wir den Vorhang zur Seite und wir schauen Özlem Sahin Tragödie.

Erster Akt
Madrid, Mittwoch, der 20. Juni 2018 – Tag der Ankunft
Die Minimumgewichtlerin Özlem Sahin (27 Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) landete um 13:00 Uhr in Madrid. Sie kam nach Spanien, um den vakanten Titel der IBF im Minimumgewicht auszuboxen. Ihre Konkurrentin um den Titel war die Spanierin Juana Pastrana (14 Kämpfe, 13 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage). Der Veranstalter Alvaro Gil Casares, Reiseunternehmer und Sohn eines großen Spirituosenherstellers in Spanien, kam persönlich zum Flughafen, um Sahin, ihren Trainer Sebastian Tlatlik und zwei weitere Mitglieder des Teams Sahin in Empfang zu nehmen und zum Hotel zu fahren.
Das Hotel einer Internationalen Hotelkette lag in einem Gewerbegebiet, verkehrstechnisch gut, unweit der Halle, in der der WM-Kampf später stattfinden sollte. Eine Ausfallstraße war nur einen Steinwurf entfernt und rings herum fanden sich Autohäuser, Autowerkstätten und andere Betriebe und Büros.
Nun begann das große Warten. Abwechslung boten die Ankunft weiterer Teammitglieder, das Essen (Sahin aß ein wenig Kalbfleisch mit Soße) und eine Minitrainingseinheit. Im untersten Deck der Tiefgarage des Hotels gingen Tlatlik und Sahin einmal kurz die Taktik für den Kampf durch. Den Schlusspunkt setzte ein Spaziergang. Bettruhe war um 23:00 Uhr.

Zweiter Akt
Madrid, Donnerstag, der 21. Juni 2018 -Tag der Waage
Der Tag begann mit einem langen gemeinsamen Frühstück des Teams. Sahin wirkte immer noch entspannt und gelöst. Sie aß Bananen und trank schwarzen Tee im Glas. Nach dem Frühstück machte sie einen zweistündigen Spaziergang. Anschließend zog sie sich auf ihr Zimmer zurück. Um 16 Uhr kamen die Delegierten des spanischen Verbandes ins Hotel. Sahin nutzte die Gelegenheit, um kurz auf die Waage zu steigen. Bis dahin gab es immer noch den Rest an Ungewissheit: Zeigt die eigene Waage das gleiche an wie die offizielle Waage?
Das offizielle Wiegen fand um 17:00 in einem Kellerraum im Hotel statt. Es war sehr voll. Pastrana saß mit einem Teil ihres Teams auf Tischen in dem Kellerraum, als Sahin, eine Flasche Wasser trinkend, mit einem Teil ihres Teams den Raum betrat. Pastrana reagierte darauf nicht sehr entspannt.
Die Prozedur dauerte lange, weil erst die Vorkämpfer gewogen wurden. Dann stieg Sahin auf die Waage, 47,2 KG, schließlich Pastrana, 47,5. Die leerte praktisch noch auf der Waage eine Flasche mit einem blauen isotonischen Getränk. Nachdem beide unter dem Gewichtslimit geblieben waren, folgten Photos für die Presse, ein Showwiegen vor der Sponsorenwand auf Teppichboden für den Internetfernsehsender und Interviews. Dort antwortete Sahin auf die Frage, was sie von ihrer Gegnerin halte: „Sie ist eine Gegnerin wie jede andere. Wie gut sie als Boxerin ist, kann ich erst nach dem Kampf sagen.“
Das anschließende Rulesmeeting dauerte über eine dreiviertel Stunde. Hiernach fuhr das gesamte Team Sahin zu einer Shopping Mall, wo sie alle in einem Burger Restaurant aßen. Danach saß man noch in einem Cafe zusammen. Hier hielt Sahin eine kurze bewegte und sehr bewegende Rede, in der sie sich für die Arbeit, Mühe und Zeit ihrer Teammitglieder bedankte. Man verbrachte die restliche Zeit in der Hotellobby. Sahin ging um 23:30 auf ihr Zimmer.

Dritter Akt
Madrid, Freitag, der 22. Juni 2018 in Madrid – Tag des Kampfes
Um 09:30 gab es das Nachwiegen der IBF im Kellerraum. Sahin wog nun 48,2 Kg und Pastrana 51,8 Kg. Özlem Sahin fuhr mit einem Teil ihres Teams zu einem nahe gelegenen Großsupermarkt, um dort in einem der Cafes zu frühstücken. Sie wirkte sichtlich angespannter als an den vorangegangenen Tage. Auch als sie im Internet den Vorbericht zum Kampf mit dem Titel: „Las provocaciones de Sahin a Pastrana antes del Mundial“ (Die Provokationen von Sahin zu Pastrana vor der WM) sah, besserte sich ihre Laune nicht.


Sahin ging mit ganz wenigen Begleitern bis 15:00 in einer großen klimatisierten Shopping Mall spazieren, wo sie auch aß. Die Aufenthalte in den Tempeln des Konsums waren bei einer Außentemperatur von 30 bis 35 Grad die einzige Option. Hiernach zog sich Sahin auf ihr Zimmer zurück und schlief ein paar Stunden. Um 21:00 wurden sie und ihre Ecke vom Fahrdienst des Veranstalters abgeholt und zum Veranstaltungsort, dem Polideportivo Jose Caballero Alcobendas, gebracht. Dies ist ein Sportzentrum mit vielen verschieden Sportplätzen und Sporthallen. Die Boxveranstaltung fand in einer Multifunktionshalle statt, in der sonst wohl hauptsächlich Roll Hockey gespielt wird. Es waren, vom Veranstalter sehr großzügig geschätzte, 2.000 Zuschauer da.
Während Sahin sich in ihrer Kabine umzog und vorbereitete, lief noch das Vorprogramm. Es gab fünf Amateurkämpfe und vier Profiboxkämpfe zu sehen. Bei den Profis kamen die Gewinner (Juan Hinostroza, Alex Rat, Angel Moreno und David Gonzalez) alle aus der roten Ecke, also der Ecke von Pastrana. Der letzte von ihnen, der Weltergewichtler David Gonzalez (6 Kämpfe, 4 Siege, 2 Niederlagen), wurde von seinem Gegner Carlos Cuesta (3 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 2 Niederlagen) drei von vier Runden lang regelrecht verprügelt.
Unterdessen gab es Ärger in den Kabinen. Der italienische Supervisor war unzufrieden mit den Bandagen. Er ließ alle wieder aufschneiden, verwies den beaufsichtigenden polnischen Ringrichter Grzegorz Molenda der Kabinen und schickte ihn in die Halle zurück. Dann mussten beide Ecken nacheinander auf dem Gang vor den Kabinen die Hände neu machen.
Sahin ging um 23:30 zum Ring. Ihre Einmarschmusik, die als CD abgegeben worden war, wurde nicht gespielt. Dafür spielte man die erste Strophe des Deutschlandlieds („Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt … Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“). Bei der zweiten Strophe wurde nach „Deutsche Frauen, deutsche Treue, Deutscher Wein und deutscher Sang“ ausgeblendet.

Vierter Akt
Madrid, Freitag, der 22. Juni 2018 – der Kampf

Sahin besetzte von Anfang an die Ringmitte und ging vorwärts in Pastrana rein. Diese versuchte ihren Reichweitenvorteil zu nutzen, indem sie viel die Führhand schlug. Sahin ging nach vorne und kam immer wieder mit der Rechten zum Kopf durch. Pastrana konnte sie nur selten abkontern. Die wenigen Schlagabtäusche gingen eindeutig an Sahin. Pastrana schlug sehr hart auf die kompakte Deckung von Sahin.
Zu Anfang der zweiten Runde kam Pastrana zweimal schön zum Körper durch. Am Ende der Runde brachte ein Schlag hinter das rechte Ohr Sahin aus der Balance. Pastrana kam dadurch anschließend mit einer Rechten zum Kopf durch.
In den folgenden zwei Runden trug Sahin Pastrana immer wieder den Kampf ab und kam immer wieder mit Kombinationen durch. In Runde vier wurde Pastranas Hinterkopfschlagen abgemahnt.
In der fünften Runde war Pastrana vor allem damit beschäftigt, wegzulaufen und Schwinger zu schlagen. Kurios war, dass Sahin das Signalklopfen für die letzten zehn Sekunden für den Rundengong hielt. In der sechsten und siebten Runde schlug Pastrana mehr, aber erhöhte dadurch dadurch nicht ihre Trefferzahl. Die dann folgende Runde wurde intensiv geführt. Beide Boxerinnen erhöhten das Tempo und suchten nach dem entscheidenden Schlag.
In den letzten beiden Runden erhöhte Sahin immer weiter den Druck. Pastrana hatte immer größer werdende Probleme, nicht KO zu gehen. In der letzten Runde nahm Pastrana Schlag um Schlag: Sie ging zwar vor Erschöpfung zu Boden, aber der Ringrichter wertete dies als Nierenschlag.

(Der Kampf fängt bei 2:05:00 an.)

Fünfter Akt – Samstag, der 23. Juni 2018 in Madrid
Hier nun haben wir den klassichen Konflikt, den die sterblichen Menschen nicht lösen können: Auf der einen Seite haben wir eine Boxerin aus dem Ausland, die den Kampf bestimmt und mehr Treffer ins Ziel bringt. Auf der anderen Seite haben wir die einheimische Boxerin, die beim einheimischen Veranstalter unter Vertrag ist und deren Kampf von der Internetseite der sehr großen Sporttageszeitung AS übertragen wird. Zehn Runden lang läuft sie weg und trifft zumeist nur die Deckung. Wer soll nun die neue Weltmeisterin der IBF im Minimumgewicht werden?
Bei einer klassischen griechischen Tragödie kommt aus den Bühnenboden ein Deus ex Machina, also es taucht eine Gottheit mit Hilfe der Bühnenmaschinerie auf und löst den Konflikt. Da es sich hier aber um eine spanische Tragödie handelte, kam kein Gott aus dem Bühnenboden und der Ringsprecher verkündete das Urteil: Punktsieg durch Mehrheitsentscheidung (97-93, 95-95, 96-94) für Juana Pastrana.
Die Halle tobte vor Freude.
Sahin brauchte eineinhalb Stunden für die Dopingkontrolle.
Der italienische Supervisor – die Offziellen wohnten im selben Hotel wie Team Sahin – erklärte in der Hotellobby sybellinisch. „Ein Kampf entscheidet sich im Ring.“

Epilog
Man kann wieder einmal feststellen, dass in allen Ländern und bei allen Verbänden Boxerinnen und Boxer um ihre verdienten Siege gebrachte werden. Ja, das werden sie. Aber jede dieser Fehlentscheidungen ist eine Tragödie, eine persönliche Tragödie für die betroffene Sportlerin oder den betroffenen Sportler. Sie haben sich schließlich wochen- und monatelang auf den Kampf vorbereitet. Sie haben Jahre lang auf dieses eine Ziel hin gearbeitet und dann fällt die Entscheidung eben nicht im Ring. Das ist eine Tragödie. Es ist aber auch eine Tragödie für den Sport.
(C) Uwe Betker

Written by betker

24. Juni 2018 at 23:59

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Besser als die Fußball WM in Russland – die Essener Fight Night 3

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Veranstalter Bjoern Sothmann wird allmählich zu einer festen Größe beim Profiboxen im Ruhrgebiet. Am Samstag, dem 16. Juni 2016, stellte er eine kleine aber feine Veranstaltung in der Wohnbau Hockey Arena an der Raumerstrasse in Essen auf die Beine. Es gab fünf Profiboxkämpfe zu sehen, vier Vierrunder und einen Sechsrunder.

Den Anfang machten im Federgewicht zwei Damen, Susan Kolukisa (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Nana Chakhvashvili (12 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 7 Niederlagen, 5 durch KO). Der Kampf war munter. Chakhvashvili bestimmte den Rhythmus in der ersten Runde. In der zweiten Runde bestimmte dann Kolukisa das Geschehen im Ring. Sie trieb ihre Gegnerin vor sich her. Immer wieder kam sie mit ihrer Rechten zum Kopf durch. Auch in der dritten Runde trug Kolukisa Chakhvashvili den Kampf an. Immer wieder verwickelte sie sie in Schlagabtäusche, die sie dominierte. Die vierte Runde wurde verbissen geführt und Chakhvashvili erwehrte sich nach Kräften ihrer Haut. Der umsichtig agierende GBA Ringrichter Roman Morawiec hatte nicht aber nicht viel zu tun. Einstimmige Siegerin nach Punkten: Susan Kolukisa.

Armin Ajrulai gab im Mittelgewicht sein Profidebüt. Er traf auf Dominik Tietz (15 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 9 Niederlagen, 6 durch KO). Tietz beherrschte die Ringmitte aber Ajrulai machte den Kampf. Er boxte variabel an und verteilte gut. In der zweiten Runde machten beide mehr. Ajrulai schlug mehr und traf mehr, aber Tietz hielt dagegen. Die dritte Runde war verfahren. Es wurde viel geklammert, durchgesteckt, mit der Schulter gestoßen, nachgeschlagen und noch alles Mögliche, was man sonst so machen kann, getan. Ringrichter Kornelius Bernds hatte viel zu tun. In der vierten Runde boxten beide wieder; sie wollten beide den KO. Tietz hatte offensichtlich die bessere Kondition und brachte Ajrulai immer wieder in Bedrängnis. Dieser wusste sich oft nur durch Klammern zu helfen. Er hatte dann in den letzten Sekunden noch eine gute Aktion, wo er Tietz in einer neutralen Ecke stellte. Aber diesmal klammerte Tietz und deutet ein Küsschen auf die Glatze von Ajrulai an. Einstimmiger Punktsieger: Armin Ajrulai.

Im Schwergewicht boxten Paul Zummach (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Vincenzo Anzalone (6 Kämpfe, 6 Niederlagen, 2 durch KO) gegeneinander. Zummach machte den Kampf. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil und seine Schnelligkeit und deckte Anzalone ein. Mitte der Runde stellte Zummach seinen Gegner an den Seilen und kam mit einer harten Rechten zur Schläfe durch, die Anzalone erschütterte. Gegen Ende der Runde wiederholte sich die Szene noch mal. Nur mit Mühe erreichte Anzalone das Rundenende. In den nächsten Runde nahm Anzalone wie immer viel, aber er hielt, auch wie immer, durch. Anfang der dritten Runde erlitt er einen bösen Cut über dem linken Auge, der immer schlimmer wurde. Aber er boxte weiter. Ringrichter Morawiec zog zweimal den Ringarzt hinzu, der allerdings nicht empfahl, den Kampf zu stoppen. Anzalone, ein wahrer Krieger, wollte weiter kämpfen und stellte sich zur vierten Runde; sein Trainer Christoph Gresförder warf jedoch das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 5 Sekunden: Paul Zummach.
Der Trainer von Anzalone erklärte nach dem Kampf, sein Schützling mache nun eine längere Pause, um dann im Herbst wieder anzugreifen.
Im Super Mittelgewicht boxten Tiran Metz (21 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 4 Unentschieden) Jaroslaw Januskiewicz (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Niederlage) gegeneinander. Metz ging von der ersten Sekunde an auf einen KO aus, der aber nicht kam. Er bereitete gut mit der Linken vor und verteilte gut. Besonders die Körpertreffer schienen Wirkung zu erzielen. Januskiewicz hatte in der zweiten Runde Metz noch weniger entgegenzusetzen als in der vorangegangenen. Immer wieder wurde er an den Seilen gestellt. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und konnte nur selten kontern. Anfang der dritten Runde machte Januskiewicz mehr, konnte Metz aber dadurch nicht verlangsamen. Der dominierte die letzten zwei Drittel der Runde. Im vierten Durchgang boxte Metz für die Galerie. Er zeigte seine technische Überlegenheit und seine überlegenen Reflexe. Einstimmiger Punktsieger: Tiran Metz.

Hauptkampf des Abends war der erste Kampf von Patrick Korte (14 Kämpfe, 13 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) nach seiner überraschenden Niederlage im März. Der Essener Schwergewichtler traf auf Giorgi Kopadze (14 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 7 durch KO) aus Georgien. Korte begann ruhig. Er boxte an und verteilte gut. Alles sah so aus, als würde Korte dort anschließen, wo er vor seiner einzigen Niederlage aufgehört hatte. Dann ließ er sich unnötigerweise auf einen wilden Schlagabtausch ein, lief dabei in eine Rechte zum Kopf und ging zu Boden. Ringrichter Morawiec zähle ihn an. Der Kampf wurde nun hektisch. Beide Boxer keilten aufeinander ein; dabei wirkte Korte anfänglich noch leicht benommen. Gegen Ende der Runde ging Kopadze in seine Ecke und erbrach sich in einen Eimer. Danach nahm er den Kampf wieder auf – etwas, was ich noch nie bei einem Profikampf gesehen habe. Die verbleibenden ca. 15 Sekunden waren wieder eine Keilerei.

Auch in der zweiten Runde boxte Korte nicht wirklich ruhig. Immer wieder kam es zum Schlagabtausch, der jeweils nicht wirklich vorbereitet war. Dann ging Kopadze erneut in seine Ecke, kniete sich hin und erbrach sich noch einmal in einen Eimer. Seine Ecke hatte nun genug gesehen und warf das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 1:15 Minuten: Patrick Korte.

Die Essener Fight Night 3 war eine gute Veranstaltung. Sie war bereits um 20 Uhr beendet. Vermutlich wollte der Veranstalter Sothmann es den Zuschauern ermöglichen, noch Fußball im Fernsehen zu gucken. Es ist zu hoffen, dass es bald eine Fight Night 4 gibt. Wir werden sehen, wohin sich Patrick Korte entwickeln wird. Der Kampf gegen Giorgi Kopadze sollte hierüber vermutlich Klarheit verschaffen, was er allerdings nicht tat. Aufgrund von Verlauf und Ende des Kampfes sind nun alle so klug als wie zuvor. Es bleibt spannend.
© Uwe Betker