Box-Blog

Archive for the ‘Gastbeiträge’ Category

Gastbeitrag: Profiboxen an einem Sonntagnachmittag in Krefeld (20.09.2020)

leave a comment »

Etwas verspätet – ein Bericht über die Veranstltung von Klaus Waschkewitz am 20.09.2020 in Krefeld.

Wenn Alpay Yaman nur nicht so überhastet seine zweiten Attacken setzen würde, sein Gegner Stephane Tchmaba hätte weitaus größerer Probleme an dem Kampfnachmittag bekommen. Doch immer wieder vergab der 27-jährige Lokalmatador im Krefelder Master Gym vor rund 50 Zuschauern die ihm gebotenen Chancen.
Dabei begann er den Fight gut und überlegt. Bereits in der ersten Runde blitzten Yamans Qualitäten auf. Insbesondere dann, wenn er mit seiner rechten Schlaghand über die linke Führungshand seines 34-jährigen Kontrahenten stieß, wie aus der Ringecke gefordert, besaß er klare Vorteile. Doch dieses durchaus probate Mittel im Kampf gegen den Karlsruher setzte er viel zu selten ein. Und so entwickelte sich ein munterer Kampf, der letztendlich von beiden mit Mut, boxerischen Fähigkeiten und deswegen anschaulich geführt wurde. Eine Seltenheit bereits in Vor-Coronazeiten, wo sich ein Kämpfer häufig der Auseinandersetzung mit ihrem Kontrahenten durch Verletzung oder spontan fliegenden Handtüchern entzog. Ganz anders Yaman und Tchamba. Insbesondere Tchamba, als Außenseiter ins Quadrat getreten, nutzte die ihm gebotenen Gelegenheiten und setzte ein ums andere Mal einen Schlaghandhaken aufwärts zum Kinn der Lokalmatadors an. Zwar verfehlten diese häufig das Ziel, doch zeigte sie Yaman, dass sein Gegner nur mit Vorsicht zu genießen sei. Gerade in der dritten Runde drängte sich der Eindruck auf, dass diese wirkungsvolle Waffe den 27-jährigen Lokalmatador dazu veranlasste, seine Linie aufzugeben.
In der vierten Runde konnte Yaman endlich eine deutliche Duftnote setzen. Ein blitzsauberer Führhandhaken zum Kopf Tchambas schien die vorzeitige Entscheidung herbeizuführen. Doch sichtlich angeschlagen konnte der Karlsruher diese Krise überstehen. Der Grund wie auch in den Runden zuvor: Alpay Yaman setzte zu überhastet nach, münzte seine Überlegenheit nicht in Gold um und gab seinem Gegner zum wiederholten Mal die Chance, zu reagieren und auszuweichen.
Die letzten beiden des auf sechs Runden angesetzten Kampf schienen einer Doublette zu gleichen. Yaman setzte auf teilweise überfallartige Angriffe, wurde aktiver, begab sich damit aber auch in die Gefahr, gekontert zu werden. Dafür allerdings war Tchamba an diesem Nachmittag nicht stark genug. In der fünften Runde verschaffte er sich Zeit und Raum mit seiner Führungshand und selbst die sechste, Yamans stärkste Runde, überstand er unter verstärktem Druck Yamans schadlos. Nach Punkten wurde dem 27-jährigen Lokalmatador der Sieg zugesprochen. Das Urteil geht in Ordnung, doch niemand hätte sich über ein knappes Unentschieden beschweren dürfen. Ein Unentschieden, dass den 27-jährigen Alpay Yaman auf seinem Weg durch seine persönliche Ringhistorie vielleicht stärker helfen würde, damit er die nächsten Kämpfe kontrollierter und nicht so überhastet führt, wie diesen am ersten Kampftag nach und während der Pandemie in Krefeld.
Dabei fing der Kampfnachmittag gar nicht vielversprechend an. Bereits nach der zweiten Runde signalisierte Dogan Kurnaz im ersten Kampf eine Armverletzung, die so gravierend war, dass er leider – bestimmt mit dem größten Bedauern – aus dem Kampf aussteigen musste. Bis zu diesem Zeitpunkt war auch nicht viel von dem 42-jährigen Kölner zu sehen. Zu stark präsentierte sich Marc Lambertz mit Rüdiger May in der Ringecke. So stark, dass Lambertz bereits in der zweiten Runde häufig die Auslage wie im Training von Normal auf Rechtsausleger wechseln konnte, ohne großartig in Schwierigkeiten zu geraten. Allerdings offenbarte er dabei Schwächen, die ein stärkerer Boxer oder eine bessere gegnerische Ringecke hätte sehen und ausnutzen können. Insbesondere die linke Hand, die nach einem Auslagenwechsel von einer Führ- zu einer Schlaghand wird, deckte das Kinn und die linke Außenseite nur unzureichend. Allerdings blieb diese Schwäche an diesem Tag ungesühnt. Sieg durch TKO nach der zweiten Runde.
Es gibt Kämpfer, denen bereits ab der ersten Runde und manchmal sogar davor anzusehen ist, dass sie ein kurzes Intermezzo im Ring geben werden. Manchmal allerdings täuscht dieser Eindruck. Lulzim Muaremi ist so ein Kämpfer. Physisch und technisch in allen Belangen unterlegen, versuchte er in seinem Kampf gegen Mihalis Davis trotzdem eine gute Figur abzugeben, wenn schon nicht boxerisch, so wenigstens kämpferisch. Dass er letztendlich in der dritten Runde zu Boden ging, lag einfach an der Überlegenheit des 28-jährigen Deutschen der mit einem Körpertreffer seiner Schlaghand auf die Milz den Kampf beendete. Dass Muaremi allerdings weiterkämpfen wollte und nur durch den Handtuchwurf aus seiner Ringecke gestoppt wurde, sollte andere mal zum Nachdenken verleiten. So viel zur Statistik. Allerdings sollte sich Mihalis Davis unbedingt von dem bei Freizeit- und Teilzeitboxern weitverbreitetem kleinen Rückwärtsstep lösen. Errungenes Terrain wird dabei kampflos freigegeben. Beispiel gefällig? Runde zwei. Davis setzte mehrerer Treffer mit der Schlaghand, Treffer, die in direktem Anschluss nach mehr verlangten. Stattdessen: Ein Stoß, ein Sprung zurück – und die Aktion verpuffte. Der 28-jährige muss lernen, am Gegner zu bleiben, nach vorne zu gehen und Aktionen zu einem Abschluss zu bringen. Der 24-jährige Muaremi hätte an diesem Nachmittag dazu eine gute Trainingseinheit geboten.
Zu einem unerwarteten unterhaltsamen und offenen Schlagabtausch entwickelte sich der Fight zwischen dem Debutanten Adem Karayazali und Michael Klempert. Beide Kämpfer schonten sich nicht, blieben in allen Situationen sportlich fair und gingen über die komplette Distanz von vier Runden. Am Ende gewann der 46-jährige Klempert verdient nach Punkten. Ein für ihn seltenes Gefühl, denn in seinen vorigen 34 Kämpfen hatte er derer nur zwei gewonnen.
(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: Ein heißer Abend in Köln

with one comment

Am Samstag, dem 29.06.2019, war es so weit. Ausgetragen wurden 4 Profiboxkämpfe und 4 Amateurkämpfe. Es gab 7 Boxkämpfe und 1 K1-Kampf im Panther Gym Köln bei heißen Temperaturen über 30C°. Die gefühlt ausverkaufte Veranstaltung „upKult – Profiboxen Köln“, veranstaltet von Cemal Gülsen, organisiert von Uwe Betker und begleitet von der GBA (German Boxing Association e.V.), bot für alle Beteiligten spannende und schweißtreibende Kämpfe. Die Zuschauer sorgten für eine riesige Atmosphäre.
Auch für künstlerische Inspiration war unter dem Motto „Sport meets Art“ gesorgt! In der Sporthalle wurde eine Ausstellung aufregender, interessanter Fotos lokaler Fotokünstler gezeigt. Drei der Künstler, Levin Lee, Dennis Wilhelms und Daniel Opoku, waren anwesend. Die ausgestellten Kunstwerke rundeten das Bild der Veranstaltung ab und wurden von Zuschauern wie Athleten neugierig bewundert.
19.30 Uhr startete der erste Profiboxkampf des Abends. Es kämpfte Kazim Petkow gegen Boris Deidenbach (Gewichtsklasse 69 Kg, 4 x 3 Minuten). Beide Kämpfer verhielten sich in der 1. Runde abwartend und boxten relativ verhalten. Boris Deidenbach nahm vom ersten Gong an die Ringmitte für sich ein und versuchte, mit vielen einzelnen Führhänden seinen Gegner unter Druck zu setzen. Der leichtfüßige Kazim Petkow antwortete mit Kombinationen aus Geraden der Führungs- und Schlaghand. Beide konnten die Angriffsversuche ihres Kontrahenten kontrollieren. In der zweiten Runde wurde die Temperatur von 30 C° im Gym zum Feind von Kazim Pethkow – er verlor an Kondition und ließ somit in der Konzentration nach. Boris Deidenbach wusste das zu nutzen und konfrontierte seinen Gegner mit massiven Schlagkombinationen am Körper. Die Folge: TKO – Die rote Ecke, Kazim Petkow, gab auf und schmiss das Handtuch. Sieger: Boris Deidenbach.
Im zweiten Profiboxkampf trafen Sabri Ulas Göcmen und Robert Vrdoljak (Gewichtsklasse: 69 Kg, 4 x 3 Minuten) aufeinander. In der ersten Runde verteidigte der Kämpfer Robert Vrdoljak erfolgreich die Ringmitte und zeigte sehr gute Schlagkombinationen aus Kopf- und Körperhaken in einem insgesamt konzentrierten Boxstil. Sein Kontrahent Sabri Ulas Göcmen antwortete hierauf mit Schlagserien aus 3-Händen, welche jedoch nicht durch die Doppeldeckung seines Gegners kamen. Nach der ersten Runde wurde von der roten Ecke das Handtuch geschmissen – TKO. Sieger: Robert Vrdoljak.

Es folgte der dritte Profiboxkampf zwischen Monika Antonik und Verena Kaiser (Gewichtsklasse: 61 Kg, 6 x 2 Minuten). Monika Antonik wirkte im gesamten Kampfverlauf sehr verhalten und war augenscheinlich mit dem stabilen und konzentrierten Boxstil ihrer Kontrahentin Verena Kaiser überfordert. Die erfahrene Boxerin Verena Kaiser kontrollierte von Beginn an die Distanz zu ihrer Gegnerin und konterte die Angriffsversuche durch beeindruckende Meidbewegungen. In der zweiten Runde erhöhte Verena Kaiser den Druck auf die Polin, die diesem nicht standhalten konnte. Monika Antonik ging durch eine starke Schlagkombination von Verena Kaiser zu Boden. Ihr Kampfwille war jedoch stark und somit führte sie den Kampf weiter. Die dritte Runde war geprägt durch den verhaltenen Boxstil der jungen Polin einerseits und dem aktiven leichtfüßigen Boxstil von Verena Kaiser andererseits. In der vierten Runde konnte Verena Kaiser durch gut platzierte Kopf-/Körperhaken punkten und kam erfolgreich durch die Doppeldeckung von Monika Antonik. Auch die 5. Runde konnte Verena Kaiser für sich entscheiden. Die Treffer der Vorrunden waren Monika Antonik nun anzumerken: sie boxte unkonzentrierter und war auch in der Deckung offen. Verena Kaiser ließ sich weder in der 5. noch in der 6. Runde aus dem Konzept bringen. Sie blieb ihrer Linie treu und punktete sich stetig auf den Zetteln der Kampfrichter nach vorne. Dies führte zu folgendem Ergebnis: Sieg nach Punkten Team Kaiser – Punkte: 53 zu 60
Den Hauptkampf des Abends bestritten Lars Burry und René Offner (Gewichtsklasse: 76 Kg, 6×3 Minuten). Lars Burry eröffnete den Kampf in der ersten Runde mit einigen Schlagkombinationen – Kopf-Körperhaken – im Nahkampf. René Offner antwortete mit disziplinierten und kontrollierten Schlagserien. Beide Athleten konnten ihre Leistung in den ersten beiden Runden abrufen und das Tempo halten. Die hohen Temperaturen im Gym machten dem sehr aktiven Lars Burry mehr zu schaffen. Er verausgabte sich in den ersten beiden Runden und verlor in der 3. Runde an Konzentration. Gleichwohl wurde auf beiden Seiten versucht, das Tempo hoch zu halten. Oeffner befand sich in einer stetigen Vorwärtsbewegung und konnte in der 3. und 4. Runde insbesondere durch harte, gezielte Schläge mit der Schlaghand punkten. Die 5. Runde war gekennzeichnet durch das verhaltene Auftreten von Lars Burry, der nur einzelne Schlagkombinationen zeigte, welche nur selten durch die Deckung des stabilen Boxers René Oeffner ihren Weg fanden. In der 6. Runde hatte dann der gut ausgebildete Kölner Boxer, René Oeffner, die größeren Reserven und stets eine Hand mehr am Sieg. Trotz sehr ausgeprägten Kampfeswillens unterlag Lars Burry seinem Kontrahenten René Oeffner. Ergebnis: Sieg nach Punkten – Team Oeffner – Punkte.
© Annkathrin Tocaj

Kritisch ist noch anzumerken, dass es keine Nummerngirls gab.
© Uwe Betker

Gastbeitrag: Die Timo Rost Show

leave a comment »

Der Düsseldorfer Timo Rost hat seinen ersten Profititel. In einem auf zehn Runden angesetzten Kampf errang er im Super Mittelgewicht die WBF Internationale Meisterschaft. Nach einer Serie von schweren Treffern zu Körper und Kopf ging sein Kontrahent Sadettin Keser in der fünften Runde schwer angeschlagen zu Boden. Daraufhin warf die Ecke des Koblenzers das Handtuch.

(C) Manfred Fammler


Timo Rosts Freude kannte keine Grenzen. Er schrie sie förmlich aus sich heraus und ballte noch einmal beide Fäuste, bevor er überglücklich in die Arme seines Trainers Rüdiger May sank. Der erste Titel, der erste Gürtel und dazu noch die meiste Zeit souverän geboxt! Dieser Erfolg war so wichtig und so nötig geworden, nach dem sonderbaren Kampf und zweifelhaften Urteil in seinem letzten Kampf in Belgien gegen den Italiener Constantin Pancrat. Nun hatte er es allen gezeigt und sich als Champion präsentiert.

(C) Manfred Fammler


Allerdings ließ er dem teilweise überforderten 31-jährigen Koblenzer noch zu viel Raum. Natürlich muss man seinen Gegner nicht in den ersten Runden auf die Bretter schicken und natürlich sollte man auch in den ersten Runden nicht „überpacen“. Doch Rost versäumte es, nach meinem Geschmack, zu Beginn des Kampfes eine „Duftmarke“ zu setzen und seine Überlegenheit seinem Gegner zu zeigen. Ja, der 27-jährige Düsseldorfer bewegte sich gut, besser als in den letzten Kämpfen, meistens außen rum, und überließ es vorerst dem Koblenzer, die Ringmitte zu halten. Kaum aber, dass Rost stehen blieb, setzte der Düsseldorfer Aktionen, um sich danach wieder wegzubewegen. Doch diese Stöße waren zu einem zu hohen Anteil zu locker und nicht zwingend genug. Hier versäumte es Rost in den ersten Runden, vereinzelt mehr Stärke und Präsenz zu zeigen. Denn sobald er sich nicht schnell genug wegbewegte, gab er seinem Gegner Raum und Zeit für Aktionen, die dieser nutzte. Nicht nachhaltig, aber offensichtlich.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Erst ab der vierten Runde wurden Rosts Aktionen klarer. Ab diesem Zeitpunkt war es für jeden in der Halle offensichtlich, dass Rost den Titel des Internationalen Meisters nach WBF davon tragen würde. Der 27jährige Düsseldorfer war nun auch gewillt, ein vorzeitiges Ende des auf zehn Runden angesetzten Titelkampfes zu erreichen. Warum ihn sein Trainer allerdings zurückpfiff, erschließt sich nur den intimen Kenntnissen eines Trainers über seinen Schützling. May meinte dazu nach dem Kampf: „In der vierten Runde war er mir ein bißchen zu sicher. Da hat er von mir Zunder gekriegt, dass es nicht ganz so klar ist, wie er es sich vorstellt. Dass er den Gegner mehr unter Druck halten muss – und dann ist das super aufgegangen.“

(C) Manfred Fammler


Doch wirft der Kampf Fragen auf. Die zentralste und wichtigste überhaupt: Kann Timo Rost auch „Kaliber“ boxen , die ihrerseits nachsetzen und härter, präziser treffen, als es der Koblenzer Sadettin Keser über die gesamte Kampfzeit nicht vermochte? Rosts Management muss nun die nächste Karrierestufe zünden, damit der Düsseldorfer zeigen kann, ob er es kann. Ansonsten bleibt der errungene Titel nett, mehr aber auch nicht. Eine Platzierung unter den Top 100 muss das Ziel zum Jahresende sein, ein durchaus realistisches Ziel.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Ungefährdet und souverän absolvierte Yaser Yüksel seine Pflichtaufgabe im Super Weltergewicht. Diese hieß Oleg Harder, wobei der 30-jährige den Kampf zu einem unterhaltsamen Spektakel aufwertete. Wer Yaser kennt weiß, dass er bei Überlegenheit schnell auf Unterhaltung umschaltet. Ob Ali-Shuffle oder tiefhängende Deckung, die Galerie scheint Yaser zu mögen und Yaser die Galerie.

(C) Manfred Fammler


Demgegenüber steht der 30-jährige Mindener eher für Boxarbeit, Motivation und Nehmerqualitäten. Diesen bodenständigen Archetypen präsentierte er auch in Wuppertal. Selbst nach dem dritten Niederschlag in der fünften Runde versuchte sich der Mindener zu einem Weitermachen zu motivieren. Doch seine Ecke nahm in aus dem Kampf. Zurecht, den Yaser zeigte an diesem Abend neben seiner schauspielerischen auch boxerische Qualität und ließ zu keinem Zeitpunkt des Kampfes Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. Agil und gut unterwegs ließ er dem aufopferungsvoll und couragiert kämpfenden Oleg Harder keine Chance. Letztendlich musste Harders Ecke das Handtuch werfen, da die Gesundheit des Sportlers nicht gefährdet werden durfte.

(C) Manfred Fammler


Der Kampfabend kann auch als „Abend der fliegenden Handtücher“ bezeichnet werden. Badien Hasso setzte sich im Halbschwergewicht mit Samet Yaser leider nur kurz auseinander. Nach einem krachenden linken Haken zum Kopf seines Kontrahenten aus der Halbdistanz flog bereits in der zweiten Runde des auf sechs Runden angesetzten Kampfes das Handtuch. Kaum Zeit also für den , sich zu beweisen.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Genauso wie Sherif Morina, der nach dem Rost-Kampf im Viereck in einer sich schnell leerenden Halle gegen den Georgier Kakhaber Avetisian seine Kämpferqualitäten unter Beweis stellen wollte. Nach einer ereignislosen ersten Runde ging der 29-jährige Avetisian in den zweiten drei-Minuten das erste Mal zu Boden. 20 Sekunden nach dem Gong zur dritten Runde im Weltergewicht flog das Handtuch aus der Ecke des Georgiers in hohem Bogen in die Ringmitte.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Nicht besser erging es dem Düsseldorfer Spas Genov. im Halbschwergewicht war der gebürtige Bulgare zu stark für seinen Ersatzgegner Cemal Gülsan, dessen Ecke den Kampf in der zweiten Runde durch ein fliegendes Handtuch ein Ende setzte. Damit schraubte er seine Bilanz auf 11 Siege bei elf Profikämpfen hoch.
(C) Manfred Fammler

Written by betker

9. Mai 2019 at 23:59

Gastbeitrag: Essener Boxing Fight Night „The Return“

leave a comment »

Özlem Sahin ist neue WIBA Weltmeisterin im Mini Fliegengewicht. Sie sicherte sich den vakanten Titel in zehn Runden gegen die Französin Anne Sophie da Costa. Außerdem feierte auf der Vierten Essener Boxnacht der Lokalmatador Patrick Korte ein souveränes Comeback im Schwergewicht.

(C) Andreas Bornewasser


Es war der erwartet schwere Schlagabtausch, und er ging über die gesamte Distanz. Doch letztendlich gewann Özlem Sahin verdient gegen die aufopferungsvoll kämpfende Französin mit dem klingenden Namen Anne Sophie da Costa nach einstimmigem Urteil. Dementsprechend groß war die Freude in der Ecke der 42-jährigen neuen WIBA Weltmeisterin bis 47,6 kg. Dort waren die Chancen auf einen Titelgewinn vor dem ersten Gongschlag nämlich mit 50:50 bewertet worden. Doch hätte das Pendel überhaupt in die Richtung der 36-jährigen Linksauslegerin aus Reims ausschlagen können? Eher nein. Zwar drückte sie beizeiten aufs Tempo und setzte Sahin auch unter Druck, so dass die sechs Jahre jüngere Französin durchaus vier Runden für sich entscheiden konnte, schaffte es aber nicht, ihre Kontrahentin wesentlich zu verunsichern oder gar in zu große Bedrängnis zu bringen. Nur in den ersten beiden und in der siebten sowie achten Runde, machte Costa deutlich, dass sie durchaus den Titel mit nach Frankreich nehmen wollte. Sie versäumte es aber, den Kampf in seiner Gesamtheit zu dominieren.
Sahin dagegen zeigte sich gut vorbereitet, variierte während des Kampfes Tempo und Distanz und hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten – zu häufiges Ausweichen über Costas Schlaghandseite – das Geschehen im Viereck ab der dritten Runde weitestgehend unter Kontrolle. Ein um das andere Mal zog sie rückwärtsgehend ihre Gegnerin mit sich, um sie plötzlich abzufangen und mit präzisen Stößen zu stoppen. Im Verlaufe des Kampfes platzierte sie sogar einige schöne Aufwärtshaken am Kinn der Französin.
Warum die neue Titelträgerin dagegen in der Mitte der zweiten Kampfhälfte die Zügel schleifen ließ, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, denn Costas Führhand fand plötzlich häufiger ihr Ziel, was Sahin sichtlich verunsicherte. Mehrmals gingen ihre Blicke in ihre Ecke, wo ihr Trainer Sebastian Tlatlik sie lautstark unterstützte und verstärkt auf ihre Distanzprobleme hinwies. Zu diesem Zeitpunkt war der Titel nämlich noch nicht eingetütet. Erst ab der neunten Runde schaffte es Sahin wieder, eine akzeptable Kampfdistanz zu finden und ihrer Gegnerin den Schneid abzukaufen. Dass in der letzten Runde beide Kämpferinnen nochmal das Letzte aus sich herausholten, liegt in der Natur des Boxsportes. Doch nur eine Verletzung oder ein Knockout hätten zu diesem Zeitpunkt den Titel nach Frankreich gehen lassen.

(C) Andreas Bornewasser


Mit einem Unentschieden musste sich dagegen der Kölner Rene Oeffner zufrieden geben. Der Rechtsauslager bekam es mit dem ungeschlagenen Artur Shevchuk zu tun, der sich die Punkteteilung redlich verdiente. Immer wieder setzte er den 22-jährigen Kämpfer vom May Boxing mit Serien und Kombinationen unter Druck, die zwar ihre Wirkung verfehlten, Oeffner aber kaum Möglichkeiten boten, seinerseits die Initiative zu ergreifen. So blieben dem Kölner nur vereinzelte Führ- oder Schlaghände als Aktionen. Die trafen zwar ihr Ziel, waren aber – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne durchschlagenden Erfolg. „Ballere rein“, coachte Rüdiger May schließlich in der Pause zur letzten des auf sechs Runden angesetzten Kampfes. Eine Aufforderung, die leider ungehört verhallte.

(C) Andreas Bornewasser


Apropos Hall. Als Patrick Korte am Sonntag Morgen erwachte, hallten bestimmt noch die zahlreichen Glückwünsche in seinen Ohren wider, die er im Anschluss an seinem erfolgreichen Kampf hörte. Nach zehn Schwergewichtsrunden durfte der Essener Lokalmatador am Vorabend stolz und zufrieden seine Arme in die Höhe strecken. Dieser Punktsieg über Edson Cesar Antonio könnte der Karriere des 35-jährigen, der gut trainiert war, nun die erhoffte positive Wendung geben.
Der Kampf stand deutlich unter der Devise, Sicherheit zuerst, keine Experimente. So beließ es das Boxer-Trainer Gespann, Korte-Tlatlik, an diesem Abend bei drei einstudierten Aktionen, die letztendlich für den 41-jährigen Brasilianer ausreichten. Der Sieg war somit zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Für weitere Herausforderungen wird sich der Linksausleger Korte allerdings steigern und dabei weniger auf Couching, dafür mehr auf seinen Instinkt setzen müssen. Dass er diesen hat, bewies er in früheren Kämpfen mehrfach.
(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: „Boxkampf für direkte Demokratie von Joseph Beuys“

leave a comment »

„Anlässlich der documenta 5 von Harald Szeemann (unter der Mitwirkung von Jean-Christophe Ammann) in Kassel 1972, fand am letzten Tag der Ausstellung im Museum Fridericianum als Abschiedsaktion ein Boxkampf statt zwischen Joseph Beuys (1921–1986) und dem jungen Kasseler Kunststudenten Abraham David Christian (*1952). Beuys, der seit 1964 sehr prominent auf allen documenta Ausstellungen vertreten war, hatte 1972 sein Düsseldorfer Informationsbüro der Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung für 100 Tage nach Kassel verlegt. Während dieser Zeit war er persönlich anwesend und diskutierte unermüdlich mit den Ausstellungsbesuchern über das Parteiensystem und direkte Demokratie durch Volksabstimmung. Er konstatierte dazu „Rede stehen ist auch eine Kunstform“ und bezeichnete ganz generell „Sprache als die erste Form von Plastik“. Für Beuys, der das Museum immer als einen Ort der permanenten Konferenz begriff, war das Büro für direkte Demokratie sein künstlerischer Beitrag und die Realisierung seines erweiterten Kunstbegriffes der „sozialen Plastik“.

Joseph Beuys, Boxkampf für direkte Demokratie, 1972,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018,
Foto: Axel Schneider

Der ebenfalls aus Düsseldorf stammende Bildhauer Abraham David Christian hatte Beuys bereits in den ersten Tagen der documenta in einem hitzigen Streitgespräch zu einem Boxkampf herausgefordert. Dieser Kampf fand schließlich am 8. Oktober 1972 um 15 Uhr im sogenannten „Denk-Raum“ des Konzept- und Nouveau Realiste-Künstlers Ben Vautier statt. In der Raummitte war auf einem flachen Podest ein klassischer Boxring errichtet. Beide Akteure kämpften mit freiem Oberkörper und mit Boxhandschuhen. Christian trug zusätzlich einen Kopfschutz aus Leder und einen Zahnschutz. Beuys blieb bis auf die Boxhandschuhe ungeschützt. Unter reger Anteilnahme zahlreicher Zuschauer gewann er schließtlich den Dreirundenkampf nach Punkten.

Die aus der Aktion resultierende Plastik Boxkampf für direkte Demokratie zeigt in einer extrem schmalen, fünf Meter breiten Zinkblech-Vitrine die Aktionsrelikte des Boxkampfes. Das Werk war richtungsweisend für die documenta-Arbeiten von Joseph Beuys, der wie kein anderer Künstler die documenta bis 1986 geprägt hat. Sein gesellschaftspolitischer Ansatz Anfang der 1970er-Jahre kann als Maßstab für folgende documenta-Ausstellungen bis in die unmittelbare Gegenwart gesehen werden.

1978 äußert sich Beuys zum Boxkampf wie folgt: „Ich bin überhaupt kämpferisch. In einem solchen Zeitalter, in dem wir leben, in dem der Mensch angelegt ist auf tatsächliche Freiheit, muss dieser Kampf natürlich anders sein als jemals in der Geschichte. Er muss sich ganz ins Innere verlegen, muss ein Kampf der Ideen, des Geistes sein. Jeder andere Kampf ist ein sinnloser Kampf. Wenn ich zum Beispiel, wie auf der documenta 1972, einen Boxkampf bestreite, dann ist das ein Boxkampf für direkte Demokratie, das heißt: Für einige Zuschauer wird eine Kampfsituation dargestellt. Die drückt aber symbolisch nichts anderes aus als diesen Kampf für eine humane Zukunft.“ (Joseph Beuys im Gespräch mit Gerd Courts, Kölner Stadtanzeiger, 1978)“ [Pressetext]

Das Werk ist seit kurzem im MMk, im  MUSEUMMMK FÜR MODERNE KUNST, in Frankfurt am Main zu sehen.

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Ring Lardner (3) „The Battle of the Century“

leave a comment »

Zu Beginn dieser Kurzgeschichte berichten der Schwergewichtsweltmeister Jim Dugan und sein Manager Larry Moon dem Ich-Erzähler, ihrem guten Bekannten Pinkie von ihrer finanziellen Misere. Jim ist ein so guter Boxer, daß es unmöglich ist einen adäquaten Gegner für ihn zu finden und deshalb muß sich der Champion mit einer Theatershow über Wasser halten.

Eine Weile später treffen die drei wieder zusammen. Auf die Nachricht vom K.-o.-Sieg des französischen Meister und Kriegshelden Goulet über den englischen Schwergewichtsmeister Bradford entwirft Moon einen Plan um Goulet zum Gegner für Dugan zu machen. darauf reagiert dieser folgendermaßen:

„All right,“ says Jim. „You´re my matchmaker and I fight who you pick out. But I don´t see how you come to overlook Benny Leonard“ (Lardner,  Some Champions, S. 136) [Anm.: Benny Leonard war zu dieser Zeit Weltmeister im Leichtgewicht, also damals vier (heute acht) Gewichtsklassen niedriger. D.h. er hätte als Gegner nicht den Hauch einer Chance gehabt.]

Als Goulet und sein Manager La Chance in die USA kommen bietet Moon ihnen 200 000 Dollar an, wenn sie bei seinem Plan mitspielen woraufhin La Chance vor Freude eine leichte Herzattacke erleidet.

Nach einigen Monaten haben Goulet und Dugan je einen leichten Kampf bestritten, wobei Dugan sich für seinen K.-o.-Sieg in der dritten Runde zwei Runden länger Zeit ließ als unbedingt nötig und Goulets Gegner alle damit überraschte, daß er drei Runden ohne Krücken stehen konnte. Anschließend macht Dugan noch einen Kampf gegen einen Boxer den er schon einmal besiegt hat. Diesmal hat er jedoch deutlich mehr Mühe und gewinnt erst in der zwölften Runde. Dadurch erweckt er bei den Zuschauern den Eindruck, er wäre schlagbar. dies trägt auch dazu bei, daß Goulet allmählich zum Favoriten wird.

Anschließend gelingt es Moon den Millionär Cawley als Geldgeber für den bevorstehenden Kampf zwischen Goulet und Dugan zu gewinnen, indem er ihn mit erfundenen Angeboten angeblicher kubanischer Geschäftsleuten unter Druck setzt.

Etwas später wird der Erzähler von Moon angesprochen, der ihn als Gefährten zum Zeitvertreib im Trainingscamp engagieren will, den Dugan hat Probleme sich für das Training zu motivieren, da er weiß, daß es unnötig ist. Er muß sich aber Mühe geben, damit die Zuschauer nicht den Verdacht schöpfen Goulet sei kein ernstzunehmender Gegner.

Natürlich gewinnt Dugan den Kampf mit Leichtigkeit. Goulet und sein Manager sind glücklich und der Promoter Cawley macht eine halbe Million Gewinn.

Die in dieser Kurzgeschichte beschriebenen Personen und Ereignisse lassen keinen Zweifel zu, daß es sich dabei um eine satirische Darstellung der Vorgänge um den Kampf zwischen Jack Dempsey und dem Franzosen George Carpentier handelt. Der englische Gegner Carpentiers hieß „Bombardier“ Billi Wells, der amerikanische Battling Levinsky. So lassen sich praktisch für alle Charaktere in dieser Kurzgeschichte Vorbilder aus dem echten Leben finden. Es wird vollends klar, daß Lardner hier nur wahre Sachverhalte satirisch überspitzt darstellte, wenn man in Betracht zieht, daß der tatsächliche Kampf unter dem Titel The Battle of the Century vermarktet wurde.

(C) Martin Scheja

Gastbeitrag: Düsseldorf feiert Timo Rost

leave a comment »

Düsseldorf feiert seinen neuen Lokalmatador im klassischen Faustkampf in der Classic Remise. Nach acht Runden stand Timo Rost als einstimmiger Sieger nach Punkten im Super Mittelgewicht fest. Eine Tatsache, die sein beherzt kämpfender Gegner Tiran Metz nicht wahrhaben wollte und noch lange nach der Urteilsverkündung wütend als „Fehlurteil“ wertete. Sein größter Fehler an diesem Abend.

Dabei zeigte sich Metz als die erwartet harte Nuss, die der 27-jährige Timo Rost zu knacken hatte. Der Essener sollte ein ernstzunehmender Gegner in der noch jungen Profikarriere des Düsseldorfers werden. Um den anfangs übermotivierten Rost jedoch in die Grenzen zu zwingen, geschweige denn an den Rand einer Niederlage zu bringen und sich ernsthaft über das Urteil beschweren zu können, hätte Metz mehr Leistung zeigen müssen. Doch Einzelaktionen reichen im heutigen Profiboxen nicht mehr aus, insbesondere in einer Gewichtsklasse in der zwischen unterschiedlichen Distanzen hin- und hergependelt werden und Schnelligkeit und Beinarbeit eine gewisse Rolle spielen kann. Kurzum: Metz zeigte zu wenig. Rost wurde seiner Rolle als Favorit gerecht und ließ sich durch den auf acht Runden angesetzten Kampf von Beginn auf einer Welle der Euphorie tragen.

Zum Kampf: Erst ab der dritten Runde konnte Timo Rost seine besseren boxerischen und konditionellen Qualitäten zeigen. Vorher hielten sich beide Boxer zu sehr damit auf, sich durch klammern zu neutralisieren. Unabhängig, von wem dieses Stilmittel hauptsächlich eingesetzt wurde. Erst als sich Rost in der dritten Runde mehr bewegte, dadurch zwar längere Wege an den Ringseilen gehen musste, nahm sein Kampf Gestalt an und er bekam Zugriff auf den 32-jährigen Metz, der mit einer Bilanz von 22 Kämpfen, davon 15 Siege, drei Niederlagen und vier Unentschieden in die Düsseldorfer Classic Remise anreiste.

Rosts bis dato schönste Kombination, die mit einem linken Haken zum Kopf aus der „neuen“ Halbdistanz ins Ziel fand, schoss der Lokalmatador in der vierten Runde ab. In diesem Moment hatte er die exakte Entfernung gefunden. Metz reagierte wie häufig an diesem Abend mit Einzelaktionen, die allerdings selten trafen oder Rost in Verlegenheit brachten. Wobei es der Lokalmatador seinem Gegner auch zeitweise sehr leicht machte. Seine Deckung befand sich wiederholt nicht dort, wo sie der Erfinder des Spiels sowie Rosts Trainer Rüdiger May sehen wollte.

Wobei Deckung ein Thema ist, die richtige Distanz ein anderes. Ab der sechsten Runde zeigte sich Rost häufig zu weit vom Gegner entfernt, um nach diversen Kombinationen nachsetzen zu können. Ein bis zwei Schritte in Richtung Gegner aber außerhalb dessen Reichweite hätten den Druck auf Metz erhöhen können, der durch die zu große Entfernung die Gelegenheit bekam, sich positionieren und Einzelaktionen starten zu können.

Groß war der Schrecken unter den Besuchern allerdings in der siebten Runde als der Ringarzt in Rosts Ecke gerufen wurde. Nach einem unabsichtlichen Kopfstoß zeigte sich ein Cut über Rosts linkem Auge. Doch er boxte weiter, wobei Metz diese Verletzung auch nicht in den letzten beiden Runden konkret anvisierte, im Gegensatz zu anderen Kämpfern. So gelangten beide Sportler in die letzte Runde, in der Rost noch einmal Druck machte und signalisierte, dass er über mindestens acht Runden gehen kann. Ein deutliches Signal für künftige Herausforderungen?

Ein abschließendes Wort zu Tiran Metz, der sich nach dem einstimmigen Urteil zugunsten von Timo Rost ungerecht behandelt fühlte. Er hat gut gekämpft und damit einen interessanten Boxabend mitgestaltet – und ein guter Kämpfer sollte kein schlechter Verlierer sein.

Während Timo Rost sein vorgegebenes Soll erfüllte, blieb Sherif Morina (Dinslaken) dahinter zurück. Sechs Runden im Weltergewicht à drei Minuten bekam er, um den neun Jahre älteren Juma Waswa (Uganda) von seinen boxerischen Fähigkeiten zu überzeugen, geschafft hat er es nicht. So endete der Vergleich mit einem Unentschieden, das Teile des Publikums zu Ungunsten des Uganders als Fehlurteil werteten. Der 37-jährige hatte sich mit einer couragierten Leistung in die Herzen des Publikums gekämpft.

Dabei schien zu Beginn des Vergleichs alles seinen gewohnten Lauf zu gehen. In den ersten beiden Runden setzte Sherif seinen Gegner dermaßen unter Druck, als wolle er in seinem achten Profikampf den fünften KO feiern. Geschickt entschärfte er durch eine starke Deckung die linke Schlaghand des Rechtsauslegers Wasma zum Körper oder zum Kopf und setzte seinerseits gute Akzente.

Doch ab der dritten Runde zeigte sich Sherif immer ratloser. Ein Plan B schien nicht im Handgepäck versteckt worden zu sein. Seinen Ausdruck erreichte die scheinbare Unsicherheit Sherifs mit einer Tiki-Taka-Boxserie, als er Wasma an den Ringseilen stellen konnte. Doch statt eines willensstarken Auftretens passierte – nichts. Ohne Herz, ohne Dynamik, fast gleichgültig, gleichwohl als würde im Kino eine falsche Filmspule eingelegt werden und der Vorführer merkt es nicht, vergab Morina diese Situation.

Somit wurde Wasma mit zunehmendem Kampfverlauf mutiger. Der Ugander entzog sich den Attacken des 28-jährigen Deutschen und setzte hier und da seine Nadelspitzen, zumal Sherif zunehmend seine Deckung vernachlässigte. Wasma konterte, wenn er die Chance sah, wich aus, wenn er Platz fand, blieb stets gefährlich und trug seinerseits viel dazu bei, dass sich am Ende das Unentschieden für Sherif eher als eine Niederlage anfühlte.

Zwei interessante Begegnungen, bleibt die dritte Paarung des Kampfabends. Darin traf der Kölner René Oeffner (22) im Halbschwergewicht auf Marko Kuvac (Bosnien und Herzegowina). Um es vorweg zu nehmen: Oeffner verbrachte mehr Zeit beim Aufwärmen als im Ring. Drei Mal ging der 31-jährige Kovac bereits in der ersten von sechs Runden zu Boden. Danach hatte der BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo ein Einsehen mit allen Beteiligten. Oeffner verbesserte seine Kampfbilanz damit auf 13 Siege bei 14 Kämpfen, davon neun durch KO.

Übrigens: Einen Europameister bekamen die rund 600 Besucher doch zu sehen. Die Cheerleader des SC Unterrath überbrückten als amtierende Deutscher Meister und Europameister die Kampfpause und begeisterten.

Die zahlreichen Fans von Rost feierten noch lange den Sieg ihres Helden in der Düsseldorfer Classic Remise, welche ein toller Rahmen für die Veranstaltung war.

(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: Drei packende Kämpfe in Pulheim

leave a comment »

350 Zuschauer, eine tolle Location, drei packende Kämpfe und ein diskussionswürdiger Punktrichterentscheid – der erste Profiboxabend in Pulheim sorgt für Diskussionsbedarf. Doch der Reihe nach.

50 Jahre Boxclub Pulheim muss natürlich gefeiert werden. Zum Finale des Jubeljahres gab es am 13.10.2018 einen überraschend spannenden Kampfabend, der zwangsläufig leider mal wieder eine Trennung zwischen Amateur- und Profikämpfen hinnehmen musste. Unverständlich, denn der Boxsport in Deutschland steckt in einer großen Krise. Kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit für die Profis und zu guter Letzt soll das Amateurboxen aus dem olympischen Programm gestrichen werden. Quo vadis also, deutscher Boxsport?

Zurück zum Sport und direkt zum Hauptkampf. Da stellen sich nach dem Kampf zwei Fragen: Wohin führt Yaser YükselAmateur- und Profikämpfes Weg und wie kam es zu der überraschenden Punktrichterentscheidung eines Unentschiedens?

Unbestritten kann Yüksel mehr, er kann besser boxen, er kann deutlicher einen Kampf dominieren und er kann auch besser treffen. Das alles fehlte am Samstag, keine Frage. Doch für seinen mutigen Gegner, dem Ungarn Gyula  Roszas, hätte die Performance an diesem Abend durchaus gereicht. Nicht jedoch für den Punktrichter. Er sah den Lokalmatador in keiner Runde vorn. Ein Blick, der überprüft werden könnte.

Sechs Runden standen sich die beiden Kämpfer im Quadrat gegenüber. Die ersten beiden Runden zeigte sich Yüksel zu passiv. Er kam mit den schnellen Kontern des Ungarns nicht zurecht, die in aber auch nicht in Gefahr brachten. Zwei Runden „abtasten“ ist allerdings eine zu viel bei einem Sechs-Runden-Kampf. Für einen Favoriten muss der Zugriff auf seinen Gegner einfach schneller erfolgen. So kamen Rüdiger Mays Anweisungen, enger am Gegner zu bleiben, gegen Ende der zweiten Runde zu spät.

Danach versuchte Yüksel seinen Gegner die restlichen vier Runden zu jagen und zu stellen. Ab der dritten Runde wuchs der Druck auf den 19jährigen Ungarn, der nur noch zwischen den Yüksels Stosspausen einige Konter setzen konnte. Diese fanden zwar manchmal ihr Ziel, entfalteten dort aber keine Wirkung. Dafür schickte Yüksel Roszas zu Boden. Ab der  vierten Runde suchte Yüksel deutlich den KO, forcierte den Druck, konnte seinerseits aber keine entscheidenden Treffer setzen, die den Ungarn niederstrecken konnten. Kurzum: Das Engagement des 26jährigen Super Weltergewichtlers kam zu spät und hatte auch nicht die Präzision, die sich das Trainerteam vorgestellt hatte. Allerdings bestimmte er den Kampf, was mit dem Unentschieden auf dem Punktzettel der Offiziellen nicht belohnt wurde.

Nichtsdestotrotz sollte Yaser Yüksel nun die nächste Stufe seiner boxerischen Laufbahn zünden.

Die steht bei der Überraschung des Abends noch ganz am Anfang. Mit einem engagierten Kampf über sechs Runden erwarb  sich der 19jährige Hannoveraner Armani Aziz den Respekt der 350 Besucher. Er trat im Super Weltergewicht gegen Sergej Wotschel an und zeigte Nehmer- und Steherfähigkeiten, die wohl keiner im Saal dem mit erst nur einem Profikampf unerfahrenen Boxer zugetraut hätten. Von der ersten Runde an sah er sich dem Druck und der Physis des favorisierten Wotschel ausgesetzt. Insbesondere wenn der 29järgiger gebürtige Russe ihn an den Seilen stellen konnte, musste Aziz einige Treffer hinnehmen. Gerade die Kombination mit der Führhand zum Körper und der Schlaghand zum Kopf, die er in den ersten Runden einige Male ansetzte, ließen Aziz das ein ums andere mal wanken. Doch der 19jährige fiel nicht, sondern biss sich durch.

Das Tempo, das Wotschel allerdings anschlug, zollte er schon in der dritten Runde Tribut. Die Stöße wurden  unpräziser und dem 19jährigen Aziz gelang es häufiger seinerseits Aktionen zu setzen. So entwickelte sich ein dynamischer und sympathischer Kampf, in dem der Bergisch-Gladbacher Wotschel klare Vorteile hatte, sich Aziz aber nicht ins „Bockshorn“ blasen ließ.

Wotschels rechter Kopfhaken, seine an diesem Abend stärkste Waffe, wurde zunehmend unpräziser. Sein einstimmiger Punktsieg allerdings war verdient, genau wie der Respekt, den sich  der 19jährige Armani Aziz erwarb.

In dem ersten Kampf des Abends standen sich im Mittelgewicht Oualid Almajdoub und Alexander Farkas gegenüber. Almajdoub betätigte sich als Kurzarbeiter. Nach einer etwas hektischen Anfangsphase holte er seinen Gegner jeweils mit einem harten Körperhaken von den Beinen. Beim zweiten Mal nahm Farkas beim Runtergehen noch einen Kopftreffer. Er wurde auf dem Boden kniend ausgezählt.

Fazit: Der erste Profi-Boxabend in Pulheim war auch dank des Veranstalters Marcel Zichel und der guten Paarungen ein Erfolg, an dem im kommenden Jahr angeknüpft werden soll. Dem BC Pulheim wünschen wir natürlich weitere 50 erfolgreiche Jahre.

(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Ring Lardner (2) „A Frame Up“

leave a comment »

Der Ich-Erzähler dieser Kurzgeschichte berichtet, wie vor etwa einem Jahr ein heruntergekommener Bauernbursche namens Burke in einem Boxclub in Chicago auftauchte und dem Trainer Howard 700 Dollar anbot, damit er ihn lehrte, wie man boxt. Der Junge wollte dann, nach ein paar Trainingsstunden, einen der besten Weltergewichtler besiegen. Der Trainer wollte das Geld jedoch zunächst nicht annehmen, denn er hielt das Anliegen des Jungen für unerfüllbar und wollte ihn nicht ausnehmen. Der Junge überzeugt ihn schließlich doch. Als der Trainer danach fragte, warum er ausgerechnet jenen Porter besiegen wollte antwortet er nur, daß er einen Grund habe.

Als der Junge seine Kleidung ablegte erkannte ihn Howard als wahren Adonis:

„Howard says he felt like inviting the best sculptures [sculptors] in Chi to come and take a look. `I was going to box with him myself,´ says Howard, `but not after I seen them shoulder muscles. I figured I didn´t have enough insurance to justify me putting on the gloves with this bird. […].´“ [Lardner How. 254]

Burke erwies sich als geborener Boxer, wollte jedoch beim Training auf keinen Fall hart zuschlagen.

Burke hielt sich einen Monat außerhalb Chicagos auf und als Howard bei seiner Rückkehr nicht anwesend ist wendet er sich an den Boxmanager Nate. Inzwischen hatte der Bauernjunge sich neu eingekleidet und wollte nun richtig ins Boxgeschäft einsteigen. Sein Vater wollte nämlich, daß er ein Mädchen heiratete, daß jedoch in jenen Porter verliebt war. Deshalb schlug er ihn auch in einem Kampf, der während seiner Abwesendheit aus Chicago stattfand mit einem Schlag bewußtlos und brach ihm den Kiefer. Danach wurde ihm jedoch klar, daß er auch bei anderen Frauen Chancen hatte und er brach mit seinem Vater, um Boxer zu werden.

Nate organisierte Kämpfe für Burke, die er alle spielend gewann, allerdings ohne hart zuzuschlagen. Zum Beispiel gegen Red Harris:

„Red never laid a glove on him the whole bout, w´ile Nate´s boy played him like a piano. But it was soft music and when it ws over neither of them had a mark.“ [Lardner. How.  260]

In der Zwischenzeit zeigte Burke großes Interesse für Frauen. Als er bei einer Veranstaltung die Frau seiner Träume entdeckte, entwickelte Jack Grace, ein Mitarbeiter Nates spontan einen Plan. Er behauptete die Frau sei „Esther Fester“, die Tochter des Milliardärs „Lester Fester“ und hätte bisher alle Anträge abgelehnt, da sie nur einen Champion heiraten wollte. Außerdem sei sie ein großer Fan Kemps, des nächsten Gegners von Burke.

Nate und Jack fingierten Briefe von „Esther“ an Burke mit denen sie diesen für den bevorstehenden Kampf gegen Kemp aufstachelten. Der Plan ging auf und der junge Boxer gewannt in der ersten Runde. In einem weiteren Brief von „Esther“, den die beiden Burke nach dem Kampf schickten, stand, daß sie überraschend nach Europa reisen mußte. Als der junge Boxer und der Ich-Erzähler den Manager Nate einige Tage später zum Bahnhof begleiteten sahen sie dort überraschen jene Frau, die sie „Esther“ genannt hatten. Burke sprach sie an, wurde aber verständlicherweise brüsk zurückgewiesen. Von einem Begleiter der Dame erfuhr er schließlich, daß ihr richtiger Name Mary Holt war. Daraufhin machte er sich davon und kehrte erst am Tag bevor der Ich-Erzähler von den Ereignissen berichtete nach Chicago zurück, um Geld zu bekommen.

Der Boxer Burke erinnert in vieler Hinsicht an Pat Glendon. Er ist gutmütig, unglaublich talentiert, kann seine Kämpfe mit nur einem Schlag entscheiden, wenn er nur will und er kommt vom Lande. Sein Geschick im Umgang mit Frauen ist aber nicht gut entwickelt und seine „Esther Fester“ hat nur insofern Ähnlichkeit mit Maud Sangster, als auch sie Millionenerbin ist. Die Geschichte beruht auf de beliebten Motiv des trickster outtricked, zu deutsch vielleicht „wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst hinein“, das schon Mark Twain verwendete.

„A Frame Up“ weißt gewisse Ähnlichkeiten zu Hemingway Frühwerken „A Matter of Color“ und „The Current“ auf. Hemingways Werke entstanden jedoch vorher und hatten sicherlich keinen Einfluß auf Lardner, da sie nicht oder nur in einer Schülerzeitung veröffentlicht wurden.

„A Frame Up“ zeichnet sich vor allem durch den Humor in der sprachlichen Darstellung aus. Es ist keinerlei Kritik am Boxen oder den Beteiligten zu erkennen. Die Manager sind eigentlich gutmütig und spielen dem jungen Burke nur einen Streich, allerdings zu ihren Gunsten. Burke selbst ist ein Beispiel für das Klischee des Bauernjungen, der eigentlich nicht dumm ist, sich aber in derr großen Welt nicht so ganz zurecht findet. Das Boxen bildet also nur die Kulisse für diese Komödie und die Kämpfe werden nicht argestellt sondern nur nachträglich erwähnt.

(C) Martin Scheja

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Ring Lardner (1) „The Champion“

leave a comment »

Biographischer Hintergrund
Ringgold Wilmer Lardner wurde am sechsten März 1885 in der Stadt Niles im amerikanischen Bundesstaat Michigan als jüngstes von neun Kindern geboren. Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf und wurde bis zu seinem zwölften Lebensjahr erst von seiner Mutter und später von einem Privatlehrer unterrichtet. Schon als Kind begeisterte er sich für Baseball. Von 1897 bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr besuchte er die High School. Anschließend nahm er verschiedene Stellungen an, studierte auf Drängen des Vaters für kurze Zeit und arbeitete schließlich eineinhalb Jahre für eine Gasgesellschaft. Ab 1905 arbeitete er als Zeitungsreporter. Diesem Medium blieb er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode treu und machte sich vor allem als Verfasser von Baseballberichten einen Namen. Er begleitete 1908 die Chicago White Socks auf ihrer Tour und bekam nicht zuletzt dadurch einen genauen Einblick in die Welt des Profisports. Neben seiner Reportertätigkeit schrieb er zahlreiche Kurzgeschichten die meist mit humoröser Gesellschaftskritik aber auch mittels bitterbösen Satire menschliche Schwächen aufdeckten. Die kritischste unter ihnen war die Boxgeschichte „The Champion“. Lardner bediente er sich oft Motiven aus der Welt des professionellen Sports, insbesondere des Baseballs und wie in der Geschichte von dem brutalen Kämpfer Midge Kelly, des Boxens.
Vor allem außerhalb der Baseballsaison berichtete Lardner vom Boxen so zum Beispiel 1919 aus Toledo für die Zeitung Tribune vom Schwergewichtskampf um die Weltmeisterschaft zwischen Jack Dempsey und Jess Willard. Er wettete eine größere Summe auf Willard und gab dies auch in der Zeitung bekannt:
“Probably some of you will say to yourself what does this bird know about the manly art of self-defense. Well I don´t know nothing and don´t expect to learn, but I can point with a whole lot of pride to some of my pickings in the past. For instance I thought all along that the Allies would win the war especially after America got into it. I chose Jack Johnson to Lick Jeffries though I didn´t tell nobody for fear of affecting the betting odds.”
und nach der vernichtenden Niederlage Willards schrieb er:
“Well, gents, it was just a kind of practical joke on my part and to make it all the stronger I went and bet a little money on him, so pretty nearly everybody thought I was really in earnest. [Zitiert nach: Donald Elder. Ring Lardner. Garden City, New York: Doubleday, 1956. 159]
Lardners Ansichten über den Profisport, insbesondere aber über Baseball wurde durch die Black Sox – Affäre im Jahre 1919 stark beeinflußt. Einige Spieler der Chicago White Sox hatten sich von einem Wettsyndikat bestechen lassen und die World Series absichtlich verloren. Er empfand dies quasi als Sakrileg und betrachtete danach den Profisport ganz besonders kritisch.
Diese Kritik schlug sich auch in den 1921 geschriebenen Kurzgeschichten „A Frame Up“ und „The Battle of the Century“ und „The Venomous Viper of the Volga“ von 1927 nieder.
Lardner kannte einige Boxer persönlich, darunter Gene Tunney, für den er allerdings wohl keine große Sympathie empfand. Dies lag vielleicht daran, daß er Jack Dempsey, Lardners Boxidol, als Schwergewichtsweltmeister abgelöst hatte und daran, daß der Schriftsteller glaubte bei dem Kampf sei Betrug im Spiel gewesen. [Vergleiche: Elder. 294 f] Er kommentierte die Leistung Dempseys folgendermaßen:
“A man sitting right back of me kept insisting that Mr. Dempsey ought to be disqualified for violating Pennsylvania´s boxing code, which barred the rabbit punch. I was not familiar with the rules, but Jack certainly punched like a rabbit. [Zitiert nach: Elder. 299}
1926 war Lardner an Tuberkulose erkrankt. Er blieb jedoch trotz eines sich ständig verschlechternden Gesundheitszustandes und häufiger Krankenhausaufenthalte weiterhin sehr produktiv. Lardner starb am 25. September 1933 an einem Herzanfall.

(C) hwikipedia.org/wiki/Ring_Lardner#/media

„The Champion“
Der Hauptdarsteller dieser Kurzgeschichte ist Midge Kelly, der mit siebzehn Jahren seinen verkrüppelten Bruder Connie niederschlägt, um ihm eine 50 Cent-Münze wegzunehmen. Nach dem daraus resultierenden Streit mit seiner Mutter, welche er ebenfalls schlägt verläßt er sein Zuhause. Er geht nach Milwaukee, wo er seinen ersten Kampf als Profiboxer bestreitet und gewinnt. Bereits im nächsten Kampf akzeptiert er Bestechungsgelder und verliert absichtlich. Als Emma Hersch, die unschuldige Schwester eines Mannes, der ihn in der Not aushielt ein Kind von ihm erwartet sieht er sich gezwungen, sie zu heiraten. Noch in der Hochzeitsnacht bekommt die Braut die Fäuste Kellys zu spüren, welcher wiederum alles hinter sich läßt und nach Boston geht. Dort trifft er, völlig abgebrannt, auf Tommy Haley, der sein Manager wird und ihn auf den Weg zum Erfolg bringt.
Einen Brief, den ihm seine Ehefrau schickt und in dem sie ihn bittet ihre Schulden in Höhe von 36 Dollar zu begleichen, weil ihr gemeinsames Kind am verhungern ist zerreißt er. Ebenso unbeantwortet läßt er einen Brief seiner Mutter, in dem sie ihn nur bittet, zu antworten und beiläufig erwähnt, daß der Bruder seit dem Niederschlag vor drei Jahren das Bett nicht verlassen hat. Auf einen Brief seiner Geliebten hin schickt er ihr dagegen 200 Dollar.
Kelly wird Champion und erfreut sich auch großer Beliebtheit beim Publikum, so daß er Vorführungen im Theater gibt bei denen er mit seinem Können prahlt und dabei 500 Dollar pro Woche verdient.
Auf Anraten seiner neuen Freundin verläßt Midge Kelly den Mann, der ihn groß gemacht hat unter Gewaltandrohung und wechselt zu einem anderen Manager, Jerome Harris. Diesen entläßt er bald wieder und macht sich mit dessen Frau nach New York davon. Dort endet die Geschichte am Vorabend eines großen Kampfes.

Bis auf das boxerische Talent ist Midge Kelly das genaue Gegenteil von Londons Pat Glendon. [https://betker.wordpress.com/2018/01/07/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-3-the-abysmal-brute/ ] Er ist bösartig, gewalttätig, undankbar, geizig, prahlerisch, gewissenlos, kurz gesagt er ist der Stereotyp des Bösewichts. Die verschiedenen Aspekte seines schlechten Charakters werden in unterschiedlichen Szenen gezeigt. In der ersten die Gewalttätigkeit gegen den wehrlosen Bruder und die Mutter, in der zweiten der Betrug beim Boxkampf, an die Mißhandlung der Ehefrau usw..
Lardner hat Midge Kelly aber sicherlich nicht als den typischen Boxer darstellen wollen. Falls doch so würde das bedeuten, daß er nicht verstand, daß Boxer in den allermeisten Fällen Opfer sind, wie Fleming [https://betker.wordpress.com/2017/12/23/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-1-the-game/] oder King [https://betker.wordpress.com/2017/12/25/gastbeitrag-boxen-in-der-literatur-jack-london-2-a-piece-of-steak/] bei Jack London und nicht Übeltäter. Die Gestalt Midge Kellys ist wohl auch zu sehr überzeichnet, als daß man in ihr irgendeinen Boxer wiedererkennen könnte. Christian Messenger sieht das ähnlich:
“Lardner directed the brunt of his message in `Champion´ at the sportswriting profession rather than solely at Kelly, whom he never really attempts to make into a believable villain.” [Messenger. 121]
Der von Walton Patrick angenommene Angriff gegen das Profiboxen, das die üblen Charaktereigenschaften Kellys belohnen würde läßt sich dagegen mit den Textaussagen nicht begründen. [Vergleiche: Walton Patrick. Ring Lardner. New York: Twayne,1963. 87] Was Lardner wohl wirklich zeigen wollte wird deutlich, wenn man den folgenden Sätzen auf den Grund geht, in denen der Manager Kellys seinen Schützling dem Reporter Joe Morgan beschreibt:
“Just a kid; that´s all he is; a regular boy. Get what I mean? Don´t know the meanin´ o´ bad habits. Never tasted liquor in his life and would prob´bly get sick if he smelled it. Clean livin´put him up where he´s at. Get what I mean? And modest and unassumin´ as a school girl. He´s so quiet you would never know he was round. And he´d go to jail before he´d talk about himself. No job at all to get him in shape, ´cause he´s always that way. The only trouble we have with him is gettin´ him to light into these poor bums they match him up with. -he´s scared he´ll hurt somebody.” [Ring Lardner. How To Write Short Stories. New York: Scribner´s, 1925. 175]
Die Beschreibung die hier gegeben wird würde perfekt auf Pat Glendon passen gibt genau das Gegenteil von dem wider was auf Kelly zutrifft. – Die Titel der beiden Geschichten passen eigentlich auch besser zu dem Helden der jeweils anderen Geschichte. Kelly ist ein abysmal brute und Glendon ein wahrer champion. – Mit beißender Ironie soll dargestellt werden, wie leicht die Öffentlichkeit – mit Unterstützung der Presse – von profitgierigen Figuren in der Profisportszene beeinflußt werden kann.
Die Zeitung gibt das wider, was der Manager sagt und unterstützt damit die erfolgreiche Karriere des gewissenlosen Boxers. An ihr wird folglich wohl die größte Kritik geübt aber auch an der Gesellschaft, die es den Reportern unmöglich macht die Wahrheit über Kelly zu schreiben. Der Erzähler der Geschichte läßt den Leser wissen, daß die Reportage der Wahrheit mehr entsprochen hätte hätte man die Mutter, den Bruder, die Ehefrau, den Schwager oder einen der anderen die Kelly übel behandelte interviewt. Dies hätte aber nichts genützt:
“[But] a story built on their evidence would never have passed the sporting editor. `Suppose you can prove it´ that gentleman would have said. `It wouldn´t get us anything but abuse to print it. The people don´t want to see him knocked. He´s champion.´” [Lardner. How.178]
Leverett Smith versteht diese Kurzgeschichte ebenfalls in diesem Sinne wenn er schreibt: „`Champion´ is a polemic on the subject of the moral nature of public figures in sports, and on the moral nature of the community which demands them.“ [Leverett T. Smith, Jr. „`The Diameter of Frank Chance´s Diamond´: Ring Lardner and Professional Sports“. Journal of Popular Culture 6 (1972-73): 148 (133-56)]
Zu beachten ist noch der Satz, den Lardner in How to Write Short Stories dem Text von „Champion“ vorausschickte und mit dem er der Kurzgeschichte wohl etwas an Schärfe nehmen wollte:
“Champion. An example of the mistery story. The mistery is how it came to get printed.” [Lardner. How..143]
© Martin Scheja