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Gastbeitrag: Die Timo Rost Show

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Der Düsseldorfer Timo Rost hat seinen ersten Profititel. In einem auf zehn Runden angesetzten Kampf errang er im Super Mittelgewicht die WBF Internationale Meisterschaft. Nach einer Serie von schweren Treffern zu Körper und Kopf ging sein Kontrahent Sadettin Keser in der fünften Runde schwer angeschlagen zu Boden. Daraufhin warf die Ecke des Koblenzers das Handtuch.

(C) Manfred Fammler


Timo Rosts Freude kannte keine Grenzen. Er schrie sie förmlich aus sich heraus und ballte noch einmal beide Fäuste, bevor er überglücklich in die Arme seines Trainers Rüdiger May sank. Der erste Titel, der erste Gürtel und dazu noch die meiste Zeit souverän geboxt! Dieser Erfolg war so wichtig und so nötig geworden, nach dem sonderbaren Kampf und zweifelhaften Urteil in seinem letzten Kampf in Belgien gegen den Italiener Constantin Pancrat. Nun hatte er es allen gezeigt und sich als Champion präsentiert.

(C) Manfred Fammler


Allerdings ließ er dem teilweise überforderten 31-jährigen Koblenzer noch zu viel Raum. Natürlich muss man seinen Gegner nicht in den ersten Runden auf die Bretter schicken und natürlich sollte man auch in den ersten Runden nicht „überpacen“. Doch Rost versäumte es, nach meinem Geschmack, zu Beginn des Kampfes eine „Duftmarke“ zu setzen und seine Überlegenheit seinem Gegner zu zeigen. Ja, der 27-jährige Düsseldorfer bewegte sich gut, besser als in den letzten Kämpfen, meistens außen rum, und überließ es vorerst dem Koblenzer, die Ringmitte zu halten. Kaum aber, dass Rost stehen blieb, setzte der Düsseldorfer Aktionen, um sich danach wieder wegzubewegen. Doch diese Stöße waren zu einem zu hohen Anteil zu locker und nicht zwingend genug. Hier versäumte es Rost in den ersten Runden, vereinzelt mehr Stärke und Präsenz zu zeigen. Denn sobald er sich nicht schnell genug wegbewegte, gab er seinem Gegner Raum und Zeit für Aktionen, die dieser nutzte. Nicht nachhaltig, aber offensichtlich.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Erst ab der vierten Runde wurden Rosts Aktionen klarer. Ab diesem Zeitpunkt war es für jeden in der Halle offensichtlich, dass Rost den Titel des Internationalen Meisters nach WBF davon tragen würde. Der 27jährige Düsseldorfer war nun auch gewillt, ein vorzeitiges Ende des auf zehn Runden angesetzten Titelkampfes zu erreichen. Warum ihn sein Trainer allerdings zurückpfiff, erschließt sich nur den intimen Kenntnissen eines Trainers über seinen Schützling. May meinte dazu nach dem Kampf: „In der vierten Runde war er mir ein bißchen zu sicher. Da hat er von mir Zunder gekriegt, dass es nicht ganz so klar ist, wie er es sich vorstellt. Dass er den Gegner mehr unter Druck halten muss – und dann ist das super aufgegangen.“

(C) Manfred Fammler


Doch wirft der Kampf Fragen auf. Die zentralste und wichtigste überhaupt: Kann Timo Rost auch „Kaliber“ boxen , die ihrerseits nachsetzen und härter, präziser treffen, als es der Koblenzer Sadettin Keser über die gesamte Kampfzeit nicht vermochte? Rosts Management muss nun die nächste Karrierestufe zünden, damit der Düsseldorfer zeigen kann, ob er es kann. Ansonsten bleibt der errungene Titel nett, mehr aber auch nicht. Eine Platzierung unter den Top 100 muss das Ziel zum Jahresende sein, ein durchaus realistisches Ziel.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Ungefährdet und souverän absolvierte Yaser Yüksel seine Pflichtaufgabe im Super Weltergewicht. Diese hieß Oleg Harder, wobei der 30-jährige den Kampf zu einem unterhaltsamen Spektakel aufwertete. Wer Yaser kennt weiß, dass er bei Überlegenheit schnell auf Unterhaltung umschaltet. Ob Ali-Shuffle oder tiefhängende Deckung, die Galerie scheint Yaser zu mögen und Yaser die Galerie.

(C) Manfred Fammler


Demgegenüber steht der 30-jährige Mindener eher für Boxarbeit, Motivation und Nehmerqualitäten. Diesen bodenständigen Archetypen präsentierte er auch in Wuppertal. Selbst nach dem dritten Niederschlag in der fünften Runde versuchte sich der Mindener zu einem Weitermachen zu motivieren. Doch seine Ecke nahm in aus dem Kampf. Zurecht, den Yaser zeigte an diesem Abend neben seiner schauspielerischen auch boxerische Qualität und ließ zu keinem Zeitpunkt des Kampfes Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. Agil und gut unterwegs ließ er dem aufopferungsvoll und couragiert kämpfenden Oleg Harder keine Chance. Letztendlich musste Harders Ecke das Handtuch werfen, da die Gesundheit des Sportlers nicht gefährdet werden durfte.

(C) Manfred Fammler


Der Kampfabend kann auch als „Abend der fliegenden Handtücher“ bezeichnet werden. Badien Hasso setzte sich im Halbschwergewicht mit Samet Yaser leider nur kurz auseinander. Nach einem krachenden linken Haken zum Kopf seines Kontrahenten aus der Halbdistanz flog bereits in der zweiten Runde des auf sechs Runden angesetzten Kampfes das Handtuch. Kaum Zeit also für den , sich zu beweisen.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Genauso wie Sherif Morina, der nach dem Rost-Kampf im Viereck in einer sich schnell leerenden Halle gegen den Georgier Kakhaber Avetisian seine Kämpferqualitäten unter Beweis stellen wollte. Nach einer ereignislosen ersten Runde ging der 29-jährige Avetisian in den zweiten drei-Minuten das erste Mal zu Boden. 20 Sekunden nach dem Gong zur dritten Runde im Weltergewicht flog das Handtuch aus der Ecke des Georgiers in hohem Bogen in die Ringmitte.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Nicht besser erging es dem Düsseldorfer Spas Genov. im Halbschwergewicht war der gebürtige Bulgare zu stark für seinen Ersatzgegner Cemal Gülsan, dessen Ecke den Kampf in der zweiten Runde durch ein fliegendes Handtuch ein Ende setzte. Damit schraubte er seine Bilanz auf 11 Siege bei elf Profikämpfen hoch.
(C) Manfred Fammler

Written by betker

9. Mai 2019 at 23:59

Foto: Timur Stark vs. Emre Altintas

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Written by betker

6. Mai 2019 at 23:59

Foto: Nummerngirl

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(C) Uwe Betker

Written by betker

6. Mai 2019 at 23:59

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Foto: Ramazi Gogichashvili

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(C) Uwe Betker

Written by betker

6. Mai 2019 at 23:59

Foto: Slim Ben Khalifa vs. René Oeffner

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Written by betker

6. Mai 2019 at 23:59

Foto: Rami Ali mit Slavoljub Mitic (mit Ringrichter Jens-Uwe Baum)

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„Boxing Cuba“

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Das Stadthaus in Ulm zeigt bis zum 26. Mai 2019 Fotografien von Katharina Alt. Die Ausstellung trägt den Titel „Boxing Cuba“. Die Münchner Fotografin Katharina Alt wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Schon frühzeitig legte sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit fest. Sie interessiert sich für bestimmte gesellschaftliche Gruppen: Sie schloss ihr Studium an der Fachhochschule in München mit einem Bilderzyklus über eine Roma-Siedlung in der Ostslowakei ab. Es folgten soziokulturelle Studien und Porträts. Alt unterhielt für ein halbes Jahr ein kleines Studio in Indien, in dem klassische Porträts in Schwarz-Weiß entstanden.

Yampier Hernández, 2015 © Katharina Alt


Ohne Titel, 2015 Rafael Trejo Gym, Habana Vieja © Katharina Alt


Dayamaivis Ruiz Pérez, 2015 Kid Chocolate Gym, Centro Habana © Katharina Alt


In „Boxing Cuba“ wird eine Auswahl von Fotos gezeigt von Boxern, die Katharina Alt auf Kuba porträtiert hat. Ihre Arbeiten tragen den Namen des jeweiligen Sportlers. Entstanden sind sie spontan und mit einfachen technischen Mitteln. Sie zeigen Individuen: Boxer, boxende Frauen, Kinder, Trainer, Ringrichter und Situationen aus Training und Kampf.

Ohne Titel, 2015 Roberto Balado Gym, La Lisa, Habana © Katharina Alt


Ohne Titel, 2015 San Miguel del Padrón Gym © Katharina Alt


Kuba ist ein Sehnsuchtsort, ein Ort für Projektionen: Ein Ort für Karibikurlauber, Revolutionsromantiker, Freunde von Oldtimern, Rum und Zigarren, Liebhaber des Son und Rumba und – natürlich auch für Boxfans. Denn Boxen gehört zur kubanischen Kultur wie hierzulande der Fußball. Namen wie Eligio Sardiñas Montalvo alias „Kid Chocolate“, Teófilo Stevenson und Félix Savón wecken bei Boxfans Erinnerungen, wie die Namen Cohiba Robusto, Montecristo und Trinidad Coloniales bei Zigarrenrauchern.

Ohne Titel, 2015 San Miguel del Padrón Gym © Katharina Alt


Pedro Orlando Reyes, 2015 Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 1986 in Reno und Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 1989 in Moskau © Katharina Alt


Die Fotografin Katharina Alt reiste 2015/16 nach Kuba, um zu dokumentieren, was Boxen dort bedeutet. Aber diese Fotografien haben über das Dokumentarische und Exotische hinaus auch noch eine besondere ästhetische Stärke. Sie zeigen eine Schönheit, die gerade diejenigen, die regelmäßig trainieren, boxen oder zum Boxen gehen, schon mal aus den Augen verlieren. Die Ausstellung „Boxing Cuba“, Fotografien von Katharina Alt, im Stadthaus in Ulm läuft bis zum 26. Mai 2019 und ist sehr sehenswert.
© Uwe Betker