Box-Blog

Posts Tagged ‘Alexander Mazur

DBV Müller und der Kopfschutz

with one comment

Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxverbandes (DBV), den ich, um ihn nicht mit anderen Müllern zu verwechseln, DBV Müller nenne, konnte oder wollte nicht die Zeit finden, bei dem letzten DBV Kongress zu erscheinen, um über sein Finanzgebaren Rechenschaft abzulegen. Dafür schaffte DBV Müller es aber dann, unlängst dem Nachrichtenmagazin Spiegel (28/2011 vom 11.07.1011) ein Interview zu geben. Dabei wird offenkundig, dass er explizit gegen den Kopfschutz beim Amateurboxen ist.
Beeindruckend und interessant ist, wie er argumentiert. DBV Müllers erstes und wohl wichtigstes Argument lautet: „Der Kopfschutz stört enorm. Er verrutscht, wenn die Haare nass sind, und ist unhygienisch. Der Weltverband Aiba schreibt vor, dass der Veranstalter den Schutz stellt. Niemand zieht sich gern eine Lederhaube über, die gerade ein Gegner vollgeschwitzt hat. Außerdem verhindert die Vorschrift, dass Amateurboxen zeitgemäß wird.“
Wenn ich DBV Müller nun richtig verstehe, ist er vor allem gegen den Kopfschutz, weil die Veranstalter den Kämpfern nicht genügend Kopfschutze zur Verfügung stellen können. Dadurch seien die Boxer gezwungen, welche zu tragen, die von einem Vorgänger durchgeschwitzt wurden. Auf Nachfrage erläutert DBV Müller, was er unter zweitgemäßem Boxen versteht. „Modernes Boxen ist auch die Fähigkeit, Schläge zu erkennen und ihnen auszuweichen. Das haben wir zuletzt im Profikampf Wladimir Klitschko gegen David Haye gesehen. Der Schutz versperrt die Sicht, der Boxer fühlt sich wie in einer Ritterrüstung und kann diese Reflexe nur bedingt trainieren.“ DBV Müller erklärt hier wohl ernsthaft, dass „die Fähigkeit, Schläge zu erkennen und ihnen auszuweichen“ nicht im Training, sondern im Wettkampf trainiert wird. Wohlgemerkt DBV Müller ist Sportdirektor des DBV.
Auf den Einwurf, dass es Fachärzte gibt, die vor einer Regeländerung warnen, wegen des Risikos von Folgeschäden, entgegnet er: „Wenn gleich gute Boxer gegeneinander antreten, kommt es selten zu Volltreffern. Wenn doch, sind die mit Kopfschutz fast genauso schlimm.“ DBV Müller geht also davon aus, dass bei den vielen Amateurboxveranstaltungen, die jedes Wochenenden überall in Deutschland stattfinden, immer nur gleich starke Boxer aufeinander treffen.
Eine ernsthafte Diskussion über Sinn und Unsinn des Kopfschutzes ist sinnvoll und überfällig. Aber das, was DBV Müller hier als Argumentation vorlegt, halte ich schlicht für nicht ernst zu nehmen und eines hauptamtlichen Funktionärs des Fachverbandes für unwürdig. Eventuell hat ja der Pressesprecher des DBV Alexander Mazur noch immer recht, denn er beschrieb DBV Müller, der erst vor kurzem vom Rudern zum Boxen gekommen ist, wie folgt: „Michael Müller ist vielleicht kein ausgewiesener Box-Experte, doch das ist nicht schlimm. Wir brauchen jemanden, der von Finanzen, Marketing und Sponsoren Ahnung hat.“
Ich persönlich würde mir nämlich wünschen, DBV Müller würde endlich Rechenschaft über das Geld der Boxerinnen abgeben, anstatt eine Kopfschutzdiskussion auf diesem Niveau anzuzetteln.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Juli 2011 at 23:59

DBV Müller – ein Mann des Wortes

with one comment

Der sportliche Leiter des Deutsche Boxverbandes (DBV), Michael Müller – ich nenne ihn der Einfachheit halber und um ihn nicht mit anderen zu verwechseln im Folgenden DBV Müller – ist ein Mann des Wortes. Man könnte auch sagen, er ist ein Mann des kräftigen Wortes. Als man von ihm wissen wollte, warum drei Trainer, die beim DBV unter Vertrag sind und vom DBV entlohnt werden den Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya in Rechnung gestellt wurden, antwortete DBV Müller: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse.“
Ein Mehr an Information gibt er dazu nicht. Nun hört man, dass sich hinter vorgehaltener Hand über DBV Müller beschwert wird. Er soll nämlich über die Köpfe der Trainer hinweg bestimmen, welche Boxer und welche Boxerinnen an internationalen Turnieren teilnehmen sollen und welche nicht. Sollte das zutreffen, so ist es umso problematischer zu bewerten als es auch Stimmen gibt, die DBV Müller die Sachkompetenz absprechen oder sie zumindest in Frage stellen. Als er zum DBV kam, sagte DBV-Sprecher Alexander Mazur über ihn: „Michael Müller ist vielleicht kein ausgewiesener Box-Experte, doch das ist nicht schlimm. Wir brauchen jemanden, der von Finanzen, Marketing und Sponsoren Ahnung hat“.
Soweit man hört, ist die finanzielle Lage des DBV nach wie vor ziemlich katastrophal. Hier hat also DBV Müller seine Fähigkeiten noch nicht zur vollen Entfaltung gebracht. Über DBV Müller und wohl auch über seine Fähigkeiten schrieb der Focus Anfang 2010: „Müller war von 1997 bis Ende 2008 Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV), ehe er nach den Olympischen Spielen 2008 seinen Hut nehmen musste. Bei Olympia in Peking waren die deutschen Ruderer erstmals seit 52 Jahren ohne Goldmedaille geblieben.“ Ich würde das so übersetzen: Wegen sportlicher Erfolglosigkeit entlassen.
Nun hat DBV Müller einen anderen Verband gefunden, bei dem er sportlicher Leiter sein darf. In dieser Funktion ist er dafür verantwortlich, dass Sportlerinnen Geld für Trainer abgenommen bekommen, die schon aus anderen Mitteln bezahlt werden. DBV Müller wusste natürlich, dass dieses leidige Thema (Der DBV, das Geld und die Frauen) nicht mit einem seiner markigen Machtwort zu erledigen sein würde. So wusste er beispielsweise, dass er beim DBV Kongress in Worms hätte Rede und Antwort stehen müssen über den Verbleib des Geldes. Was also machte DBV Müller, dieser Mann des Wortes, in dieser Situation? Er erschien einfach nicht! – Der sportliche Leiter des DBV erscheint nicht zum wichtigsten Termin des Jahres! – Er ließ sich entschuldigen.
© Uwe Betker