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ran Boxen: Die Super Fight Night

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Der Privatfernsehsender SAT. 1 hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Seine nächste Veranstaltung am 01.12.2012 soll eine „Super Fight Night“ werden. Das ist ein hoher Anspruch. Daher ist es nur natürlich, dass man diesen Anspruch mit der Wirklichkeit, nämlich der Kampffolge, vergleicht.
Alex Born gibt im Super Mittelgewicht gegen Piotr Tomaszek (16 Kämpfe, 1 Sieg, 15 Niederlagen, 1 durch KO) sein Profidebüt. Eine solche Kampfansetzung ist weder sportlich besonders interessant, noch ist sie sonderlich mutig, jedoch üblich. Der Debütant wird gewinnen und der Gegner aus Polen wird verlieren, denn dafür wird er schließlich engagiert.
In der gleichen Gewichtsklasse boxt Patrick Dobroschi (16 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 3 Unentschieden) gegen Roman Javoev (4 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Dobroschi, der zwar in seinen letzten Kämpfen nicht überzeugen konnte, ist viel erfahrener als sein Gegner. In Jubelstürme lässt einen diese Kampfansetzung allerdings nicht ausbrechen. Die 197 der unabhängigen Weltrangliste, bzw. die Nummer 12 in Deutschland, Dobroschi, boxt gegen die 272 der Weltrangliste, bzw. die 2 in Georgien, Javoev. Nun ja.
Im Mittelegwicht kämpft Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) gegen Adam Grabiec (9 Kämpfe, 3 Siege, 6 Niederlagen). Auch hier scheint es mir nur darum zu gehen, einen vorher festgelegten Boxer, nämlich Keta, gewinnen zu lassen. Grabiec, der Mann aus Polen, hat von seinen letzten fünf Kämpfen vier verloren. Und seinen einzigen Sieg errang er gegen einen Debütanten. Ihn und den Albaner trennen sage und schreibe 327 Weltranglistenplätze.
Den absoluten Tiefpunkt der Veranstaltung dürfte die Ansetzung Maurice Weber (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) gegen Andreas Reimer (19 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 10 Niederlagen, 2 Unentschieden) darstellen. Der Kampf ist sogar die Deutsche Meisterschaft im Junior Mittelgewicht. Dass der eingetragene Verein BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) diesen Kampf als Deutsche Meisterschaft sanktioniert, ist in meinen Augen schlicht ein Skandal. Reimer hat sich für den Titelkampf dadurch qualifiziert, dass er in seinem letzten Kampf ein Unentschieden erreichte, nachdem er zwei Jahre und zwei Monate pausiert und davor zwei Kämpfe in Folge verloren hatte! Eigentlich war, sofern ich mich recht entsinne, Thomas Pütz 2010 mit den Anspruch als neuer Präsident des BDBs angetreten, den Boxverband aus der Umklammerung der Veranstalter zu lösen. Aber wie kann man ernsthaft einen Kampf zwischen Andreas Reimer und Mohammed Lassoued als Deutsche Meisterschaft sanktionieren? Maurice Weber bleibt natürlich Deutscher Meister nach Version BDB. Aber dieser Titel verliert durch solch eine Ansetzung, nach meiner Meinung, jedweden Wert.
Aber auf der Veranstaltung in Düsseldorf gibt es nicht nur Kämpfe in der oben beschriebenen Qualität zu sehen. Es gibt sogar einen Kampf zu sehen, der ganz interessant zu werden verspricht. Der usbekische Schwergewichtler Ruslan Chagaev (33 Kämpfe, 30 Kämpfe, 19 mit KO, 2 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden) boxt gegen Ismaikel Pérez, genannt Mike, (18 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO). Chagaev unterlag letztes Jahr Alexander Povetkin in einem WBA WM-Kampf. Hiernach gewann er in drei Kämpfen in Folge, gegen schlagbare Gegner. Perez ist immerhin ungeschlagen und die Nummer 49 der unabhängigen Weltrangliste. Man kann relativ schwer einschätzen, wie stark er wirklich ist und natürlich ist Chagaev haushoher Favorit. Aber immerhin gibt es bei dieser Kampfansetzung noch die theoretische Möglichkeit, dass ein Boxer gewinnt, der nicht für Sturm Box-Promotion unter Vertrag ist.
Der Hauptkampf des Abends ist da schon wieder sehr viel weniger spannend. Die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht Sjusanna Lewonowna Kentikjan oder auch Syuzanna Kentikyan oder auch Susi Kentikian (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage)soll nach ihrer Niederlage gegen Melissa McMorrow wieder aufgebaut werden. Ihre Gegnerin Carina Moreno (27 Kämpfe, 22 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen)war 2008 Weltmeisterin im Minimumgewicht. 2009 verlor sie ihren WBC Titel gegen die große Anabel Ortiz. In ihrem nächsten Kampf, 2011, verlor sie gegen die schon legendäre Yesica Yolanda Bopp. Von den nachfolgenden drei Kämpfen gewann sie einen und die letzten zwei verlor sie.
Moreno ist in der unabhängigen Rangliste relativ weit oben, sie steht auf Position 16. Aber Kentikian kann wohl eigentlich nur gegen sie verlieren, wenn sie noch schlechter, defensiver und unmotivierter boxt als in ihrem letzten Kampf. Ihre Gegnerin dürfte ihre beste Zeit als Boxerin nämlich hinter sich haben.
Wenn ich mir die Kampffolge also so ansehe, dann kommt es mir so vor, als wäre bei dem Titel „Super Fight Night“ ein Adjektiv vergessen worden. Ich denke dabei an Adjektive wie z. B: billig, mittelmäßig, uninteressant, überraschungsarm, vorhersehbar und schlecht. Aber es gibt natürlich ganz viele Adjektive in der deutschen Sprache.
© Uwe Betker