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Arthur Abraham und die Ranglisten

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Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) verlor drei seiner letzten vier Kämpfen. Alle diese Niederlagen musste er im Rahmen der Super Six Turniers (Andre Dirrell, Carl Froch und Andre Ward) hinnehmen. Und sein Sieg über einen Herrn namens Stjepan Bozic ist keiner, der zu seinen großen zählt. Trotz der Niederlagen ist er jedoch immer noch bei dem Weltverbänden WBA auf Platz 3 und bei der WBO sogar auf Platz 1.
Wie kann jemand mit drei Niederlagen aus vier Kämpfen auf Platz 1 in einer Rangliste stehen? Wie kann jemand, der in nahezu zwei Jahre keinen einzigen Sieg von Bedeutung zu verbuchen hat, so weit oben stehen? Offensichtlich wollen die privaten Vereine oder Firmen, die sich Weltverbände nennen, so schnell wie möglich einen für sie lukrativen WM-Kampf mir Abraham ermöglichen. Dabei scheinen sie so etwas wie Schamgefühl nicht zu kennen.
Wenn man schon einen WM-Kampf mit Abraham möchte, kann man dann nicht zumindest die Form wahren und ihn zuerst gegen einen einigermaßen guten Gegner boxen lassen und ihm dann einen Ausscheidungskampf zugestehen?
© Uwe Betker

Eine Chance für Arthur Abraham

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Arthur Abraham verlor am 14.05.2011 erwartungsgemäß gegen Andre Ward. Ward (24 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO) zieht damit ins Finale des Super Six Turniers ein. Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) ist ausgeschieden. Nach drei Niederlagen in vier Kämpfen im Super Mittelgewicht stellt sich die Frage, wie es mit Abraham weitergeht.
Arthur Abraham überzeugte in seiner ersten Zeit als Profi durch seinen Ehrgeiz, seinen Willen zu gewinnen und durch seine Schlaghärte. Um den hungrigen Boxer besser vermarkten zu können, setzte man ihm eine Schlumpfmütze auf und ließ ihn unter den Klängen von Vader Abrahams „Das Lied der Schlümpfe“ zum Ring gehen. Der Schlumpfboxer war geboren.
Nachdem ihm juristisch die „Schlumpferei“ untersagt worden war, kürte ihn sein Veranstalter Sauerland Event kurzerhand zum König, setzte ihm eine Krone auf, gab ihm einen goldenen Umhang und vermarktete ihn fortan als King Arthur.
Nach seinen zwei Niederlagen in Folge (Andre Dirrell am 27.03.2010 und am Carl Froch 27.11.2010) – wobei letztere schon einer Selbstdemontage gleichkam – erkannte Abraham, dass Krone und Umhang ausgedient haben. Zu seinem letzten Kampf ging er in einen einfachen Mantel gehüllt.
Obwohl Abraham seinen letzten Kampf verlor, zeigte er in den Anfangs- und in den Schlussrunden etwas von dem, was ihn als Boxer einst ausgezeichnet hat: Härte gegen sich und seinen Gegner und Wille zum Sieg. Es bleibt abzuwarten, ob Arthur Abraham es will und auch schafft, sich neu zu definieren. Ich sehe in den Niederlagen eine reelle Chance für Abraham, sich als Boxer neu zu etablieren und sich neu – ohne Mütze oder Krone – zu erfinden.
Abraham könnte beispielsweise zurückgehen ins Mittelgewicht, wo er gegen Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), den WBA Super Champion, antreten könnte. Oder er könnte versuchen, Sebastian Sylvester „zu rächen“ und seinen alten IBF Titel von Daniel Geale (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) wiederzuholen. Er könnte aber auch im Super Mittelgewicht bleiben, um hier zu versuchen, Robert Stieglitz (42 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) seinen WBO Titel abzunehmen. Auch könnte er gegen einen anderen großen Puncher, Kelly Pavlik (39 Kämpfe, 37 Siege, 32 durch KO, 2 Niederlagen), antreten. Er hat also noch viele Möglichkeiten.
© Uwe Betker

Wilfried Sauerland – ein Kämpfer für ein sauberes Boxen

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Ich habe meine Meinung revidiert. Als ich las, dass der Manager und Veranstalter Wilfried Sauerland seinen Schützling Arthur Abraham (34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen) nicht in die USA fliegen lässt, um ihn am 14. Mai gegen Andre Ward (23 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO) boxen zu lassen, dachte ich zuerst: Das kann er doch nicht machen. Er kann doch nicht das Halbfinale des Super Six ausfallen lassen, nur weil die kalifornische Boxkommission es nicht schafft, die Mitglieder des Kampfgerichts so wie vorher vertraglich fixiert aufzustellen. Meine Vorstellung war: Erst hinfliegen und dann mit der California Boxing Commission verhandeln, um danach gegebenenfalls zu protestieren. – So dachte ich zunächst.
Dann begriff ich: Wilfried Sauerland kämpft nicht nur für die Einhaltung von Verträgen. Nein, Wilfried Sauerland kämpft für ein sauberes Profiboxen! Er kämpft dafür, dass die Kampfgerichte nur mit unabhängigen Punktrichtern besetzt werden sollen. Er kämpft gegen den Betrug von Boxern, der oft als „Heimvorteil“ und als „Weltmeisterbonus“ verkleidet einherkommt. Es gibt wohl kaum jemanden in der Welt, der zurzeit nicht auf der Seite von Wilfried Sauerland wäre.
Damit dürfte ja nun auch sichergestellt sein, dass Punktrichter, die sich schon mal bei Veranstaltungen von Sauerland Event diskreditiert haben, in den nächsten Jahren nicht mehr bei Sauerland-Veranstaltungen zum Einsatz kommen werden. Sollten sie wider Erwarten aber doch wieder eingesetzt werden, so würde das dann wohl zweierlei bedeuten: 1. Es ist Sauerland Event vollkommen egal, ob der Verdacht entstehen könnte zu betrügen. Sauerland Event legt hauptsächlich Wert darauf, Punktrichter einzusetzen, auf die sie sich verlassen können. 2. Der jetzige Protest gegen die California Boxing Commission ist zu einem großen Teil Heuchelei.
Ich möchte daran glauben, dass Wilfried Sauerland für ein sauberes Boxen kämpft.
© Uwe Betker

Gibt es eine Kollektivschuld beim Boxen?

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Zwei Aspekte von Wilfried Sauerlands Vorwürfen gegen die California Boxing Commission hinsichtlich der Zusammensetzung des Kampfgerichts zum Super Six Halbfinale zwischen Arthur Abraham (34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen) und Andre Ward (23 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO) erscheinen mir bemerkenswert. Sauerland sagte: „Wir verlangen ein neutrales Kampfgericht, so wie vereinbart. Wir haben unsere Lektion aus der verlorenen WM zwischen Mikkel Kessler und Andre Ward gelernt. Damals bestand die kalifornische Box-Kommission auf einem kalifornischen Ringrichter. Seine Leistung war – milde gesagt – ein Witz.“
Der erste Aspekt, den ich für bemerkenswert halte, ist, dass Herr Sauerland wie vereinbart ein neutrales Kampfgericht verlangt. Vermutlich hat er sich hier nur etwas undeutlich ausgedrückt. Denn würde man seine Äußerung wörtlich nehmen, könnte man auf die Idee kommen, dass man nur neutrale Punkt- und Ringrichter bekommt, wenn man das vorab vereinbart. Damit sind wir dann in gewissem Sinne schon bei dem zweiten Aspekt, den ich für bemerkenswert halte. Herr Sauerland verweist auf die Leistung eines Ringrichters, um damit alle Mitglieder der kalifornischen Boxkommission abzulehnen. – Es geht mir hier nicht um die Absprache zwischen Herrn Sauerland und Herrn Goosen. – Ich persönlich bin gegen solche Art von Pauschalurteilen, die mich ein wenig an Kollektivschuld erinnert. Es liegt mir fern, alle Mitglieder eines Boxverbandes mit einem Mitglied und dessen Leistung gleichzusetzen. Ich würde mir wünschen, dass Herr Sauerland nur einen winzigen Bruchteil seiner Skepsis und seines Anspruchs auf Neutralität auch auf seine eigenen Veranstaltungen anwenden würde. Wie kann es sein, dass der Promoter Wilfried Sauerland sich offensichtlich um die Neutralität und Unabhängigkeit der Punkt- und Ringrichter auf Veranstaltungen in den USA bemüht, aber bei seinen eigenen Shows Punktrichter immer und immer wieder zum Einsatz kommen lässt, die bei seinen Shows unter Beweis gestellt habe, dass sie diesen, nämlich seinen Kriterien nicht genügen?
© Uwe Betker

Arthur Abraham in der Gerüchteküche

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Vor dem Halbfinale des Super Six Turniers am 14. Mai in Kalifornien zwischen Arthur Abraham und Andre Ward erleben wir ein seltsames Vorgeplänkel der Manager, hören aber auch böse Gerüchte. Wilfried Sauerland, der Manager von Arthur Abraham (34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen), warf über Medien der California Boxing Commission, der zuständigen lokalen Boxkommission, vor, sich über die Vereinbarungen der Manager hinwegzusetzen und das Kampfgericht mit einem kalifornischen Ringrichter, sowie einem kalifornischen Punktrichter zu besetzen. Implizit äußerte er damit den Verdacht, dass ein anders besetztes Kampfgericht als das abgesprochene nicht neutral werten könnte. Dan Goosen, der Veranstalter von Andre Ward (23 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO), weist diese Vorwürfe als komplett unbegründet zurück.
Nun könnte man die Vorwürfe von Sauerland und die Replik von Goosen als übliches Ballyhoo vor einem großen Boxkampf ansehen. Was mich an der ganzen Sache dann aber doch sehr wunderte, war die Tatsache, dass Sauerland dabei noch verkündete, er hätte bereits die gebuchten Flüge von Deutschland nach Los Angeles „bis auf weiteres ausgesetzt … .“ Zeitgleich mit dieser Meldung, kam mir das böse Gerücht zu Ohren, dass das Team Abraham gar nicht mehr in seinem Trainingslager Zinnowitz (Usedom) sein soll, um sich auf die WBA Weltmeisterschaft im Super Mittelgewicht nach Version WBA vorzubereiten. Es soll vielmehr bereits wieder in Berlin sein. Angeblich hat sich Abraham die Hand verletzt. Diese Verletzung soll er sich zugezogen haben, weil er gezwungen ist, Boxhandschuhe einer bestimmten Marke zu benutzen, nämlich …
Arthur Abraham ist mitten in der Gerüchteküche.
© Uwe Betker

PS: Der Pressesprecher von Sauerland Event, Frank Bleydorn, hat mich angerufen und das Gerücht dementiert. Er berichtete, dass Abraham gerade ein sehr gutes Sparring in Berlin beendet hat.

Welchen Sinn macht noch das Super Six Turnier?

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Es war eine gute Idee. Die Idee nämlich, die sechs besten oder zumindest sechs sehr gute Boxer einer Gewichtsklasse in einem Turnier gegeneinander antreten zu lassen. Am Ende sollten es der WBA-Supermittelgewichtsweltmeister Mikkel Kessler aus Dänemark, der WBC-Weltmeister Carl Froch aus England, der IBF-Mittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham (29) aus Deutschland, der ehemalige Weltmeister Jermain Taylor aus den USA sowie Andre Ward und Andre Dirrell auch aus den USA unter sich ausmachen. Die paritätische Vergabe der Plätze an drei Europäer und drei US-Amerikaner ist dem un-amerikanischen Fernsehmarkt geschuldet und war auch die größte strukturelle Schwäche des Turniers. Lucian Bute, Károly Balzsay und Robert Stieglitz blieben, weil Europäer, außen vor. Auch ein Kelly Pavlik hätte das Turnier bereichert.

Der erste, der aus dem Turnier ausstieg war Jermain Taylor. Taylor ging bereits vorher der Ruf voraus, durch seine beiden Niederlagen in Folge gegen Pavlik und seiner KO-Niederlage gegen Froch „weich“ geworden zu sein. Es wurde nämlich behauptet, dass er die Schläge nicht mehr verträgt. Es kam so wie befürchtet. Taylor ging in seinem ersten Kampf gegen Abraham KO und zog sich aus dem Turnier zurück. Mikkel Kessler erklärte auf einer Pressekonferenz, dass er wegen einer Augenverletzung seine Teilnahme am Turnier abbrechen müsse. Sprach’s und setzte sich, trotz Augenverletzung, in sein Auto und fuhr von dannen. Und nun stieg mit Andre Dirrell, der Abraham besiegte, auch der dritte Teilnehmer aus. Dirells Management teilte mit, sein Schützling habe „neurologische Probleme“.

Damit stellt sich nun die Frage, ob die mit rund 50 Millionen Dollar dotierte Bestenermittlung überhaupt noch Sinn macht. Immerhin sind von den ursprünglich Angetretenen nur noch die Hälfte übrig. Auch muss man sich im Hinblick auf ein geplantes Nachfolgeturnier im Cruisergewicht fragen, ob ein Turnier von zwei bis drei Jahren Dauer überhaupt praktikabel ist.

© Uwe Betker