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Boxen in der Kunst: Faustkämpfer vom Quirinal im Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

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In der umfangreiche Sonderausstellung „Medeas Liebe und die Jagd nach dem Goldenen Vlies“ in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt am Main wird bis 10. Februar 2019 ein wichtiger Mythos der griechischen Sagenwelt erzählt. „Es ist die Geschichte eines märchenhaften Abenteuers und einer großen Liebe, die in einem Verhängnis endet. Originale griechische und römische Skulpturen, Vasen, Bilder sowie Wandmalereien aus den Vesuv-Städten Pompeji und Stabiae illustrieren das Abenteuer von den Argonauten und die Liebe von Jason und Medea. Bedeutende Leihgaben […] lassen die Geschehnisse von der gefährlichen Schiffsexpedition des griechischen Prinzen Jason und der Argonauten über den Raub des Goldenen Vlieses bis zu den mörderischen Taten der Liebenden anschaulich werden.“ (Pressetext Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main)

(C) Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

Besonders interessant ist, dass die Macher der Ausstellung den Faustkämpfer vom Quirinal in der Argonautensage verorten. „Die Argonautensage ist Themenkomplex der griechischen Mythologie und handelt von der Fahrt des Iason und seiner Begleiter nach Kolchis im Kaukasus, der Suche nach dem Goldenen Vlies und dessen Raub. Die Reisegefährten werden nach ihrem sagenhaft schnellen Schiff, der Argo, die Argonauten genannt.“ (Wikipedia) „Seit ihrer Auffindung 1885 ist die Deutung der berühmten Bronzen vom Quirinal, des sog. Faustkämpfers und des sog. Thermenherrschers, umstritten. Untersuchungen im Kontext der vom Liebieghaus betriebenen Polychromieforschung haben neue Erkenntnisse zur formalen und erzählerischen Gestaltung der beiden Bronzen erbracht und ihre Deutung als Darstellung eines der zentralen Abenteuer der Argonautensage bestätigt. Dadurch rückt die Gruppe in den Fokus des Ausstellungsprojektes, für das ein aufwendiger Nachguss der Statuen realisiert wurde. (…)

(C) Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

Seit ihrer Auffindung 1885 in Rom ist die Deutung des sog. Faustkämpfers und des sog. Thermenherrschers, zwei der wenigen im Original erhaltenen griechischen Großbronzen, umstritten. Anfänglich wurden beide Bronzefiguren einer Statuengruppe zugeordnet. Später konstatierte man einen abweichenden Zeitstil und bestritt die Zusammengehörigkeit.
Als man noch eine gemeinsame Herkunft der Bronzen annahm, schlug man für die Deutung der Figuren bereits eine Begebenheit aus der griechischen Argonautensage vor: Der griechische Held Polydeukes, Bruder des Kastor, besiegt im fernen Thrakien Amykos, den boxsüchtigen König der thrakischen Bebryker, im Faustkampf. (…).


Die Untersuchungen im Kontext des Liebieghaus Polychromieprojekts haben neue Erkenntnisse zur formalen und erzählerischen Gestaltung der beiden Bronzen erbracht. Es kann nun in der Ausstellung gezeigt werden, dass der sog. Thermenherrscher Schwellungen an Gesicht und Ohren sowie an den Händen aufweist. Dies legt nahe, dass auch diese Statue eine Person zeigt, die gerade einen schweren Boxkampf gerungen hat. Ebenso ließen sich für den Faustkämpfer neue Erkenntnisse gewinnen: An seiner Brust haben sich Ritzungen einer „barbarischen“ Körperbehaarung finden lassen. Dieses „ungepflegte“ Körperhaar macht die Figur unzweideutig zur Darstellung eines Nichtgriechen.
Durch die Bestätigung der Deutung der berühmten Bronzen vom Quirinal als Darstellung eines der zentralen Abenteuer der Argonautensage rückt die Gruppe in den Fokus der Ausstellung. Die soeben fertiggestellten spektakulären Rekonstruktionen der Statuen zeigen wichtige narrative Elemente, die die Erzählung um die Figuren Polydeukes und Amykos besonders anschaulich machen. (Pressetext Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main)

Boxen in der Literatur: Über die Bedeutung des Boxkampfes in der Ilias von Homer

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Den vermutlich ältesten Bericht über einen Boxkampf findet man in der Ilias von Homer. (https://betker.wordpress.com/2015/09/13/der-vermutlich-aelteste-bericht-ueber-einen-boxkampf-ueberarbeitet/ ) Im 18. Gesang, also ziemlich am Ende des trojanischen Krieges, stoßen wir auf die Beschreibung des Boxkampfes zwischen Epeios, dem späteren Konstrukteur des Trojanischen Pferdes, und Euryalos, einem der Argonauten. Beide boxten während der Leichenspiele zu Ehren des gefallenen Patroklos, eines der vielen Opfer des trojanischen Krieges. Der Maulesel des Verstorbenen war als Preis für den Sieger ausgesetzt. Für den Verlierer gab es einen (doppelten) Becher, sozusagen einen Pokal. Die Frage liegt auf der Hand: Warum wird bei einer Beerdigung geboxt?
Anthropologen, Historiker und Klassische Philologen diskutieren seit langem über die Rolle des Sports bei einer Beerdigung. Die eine Position besagt, dass Beerdigunsspiele abgehalten wurden, um die Tapferkeit des toten Kriegers zu feiern. Die andere Position geht davon aus, dass die Beerdigung ein religiöses Fest war; in diesem Zusammenhang wird der Sport dann als Teil einer rituellen Opferung aufgefasst.
Welche symbolische Rolle kommt aber nun dem Boxen oder der Gewalt zu? Einerseits fungiert das Boxen hier als eine Form der Unterhaltung – was es ja auch heute noch ist. Andererseits haben wir es aber auch mit einem kultischen Akt, einer Art Blutopfer, zu tun. Dabei gilt es, gesellschaftliche Normen zu stabilisieren und die Ausbreitung von Gewalt innerhalb der Gruppe zu verhindern oder zu steuern. Mit Hilfe von Riten, was das Boxen hier ist, soll eine bestimmte Wirkung erzielt werden. Gewalt wird verhindert, indem man Gewalt, die Regeln unterworfen und damit kanalisiert ist, zeigt. Die Zuschauer werden angezogen von dem Schauspiel. In ihm wird das Böse der Gewalt mit dem Bösen der Gewalt bekämpft. Die Kontrahenten fungieren als Stellvertreter für alle Mitglieder der Gesellschaft und werden als symbolische Oper von der Gesellschaft dargebracht. Der Verlierer erleidet einen symbolischen Tod, er ist praktisch der Sündenbock, und der Sieger erring das Leben.
© Uwe Betker