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Lübecker Requiem

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Die geschätzt einhundert Zuschauer, die sich am 26.04.2014 in die Hansehalle Lübeck einfanden, kamen nicht für ein Requiem, sondern für eine Profiboxveranstaltung. Der Veranstalter Rolf Neumann stellte seine zweite Show auf die Beine. Zwei weitere waren für dieses Jahr geplant. Er schickte sich an, eine feste Größe im Boxgeschäft zu werden. Aber alles kam ganz anders. Die Fightcard der „2. Fight Night Hansestadt Lübeck“ sah 10 Kämpfe vor.
Den ersten Kampf bestritten im Cruisergewicht Helge Rippe (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Özgur Göcmen (5 Kämpfe, 3 Siege, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Das Aufeinandertreffen der beiden war kurz und – zumindest für Göcmen – schmerzhaft. Dieser versuchte sich hinter einer Doppeldeckung zu verschanzen, während Rippe seine harten Schläge gut auf Körper und Kopf verteilte. Göcmen wurde bald schon an den Seilen gestellt und kam nicht mehr weg. Ein rechter Haken ans Kinn fällte ihn. Schwer KO lag er minutenlang auf dem Ringboden. KO 1, 1:24min.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Ismael Özen (11 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Dusan Makula (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Der von Artur Grigorian trainierte Özen begann sehr passiv. Er behauptete zwar die Ringmitte, aber Makula setzte mehr Treffer. Im zweiten Durchgang wurde Özen aktiver und bestimmte von da an den Kampf. Sein Jab kam immer häufiger durch. Makula versuchte mit überfallartigen Angriffen zum Ziel zu kommen. In der hart umkämpften dritten Runde musste er zu Boden, weil Özen ihn getroffen hatte, als er aus der Balance war. Es wurde nicht als Niederschlag gewertet. In der vierten Runde zahlte sich die Geduld von Özen aus. Bei einem Schlagabtausch traf er seinen Gegner hart. Der versuchte noch mit einer schauspielerischen Einlage die Schlagwirkung zu kaschieren. Aber Özen ließ sich nicht täuschen. Er deckte ihn mit Schlägen ein, die ihn dann schließlich auch zu Boden zwangen. Makula wurde angezählt. Um Zeit zu gewinnen, spuckte er noch seinen Mundschutz aus. Aber auch diese Extrasekunden retteten ihn nicht. Der folgende Schlaghagel zwang ihn erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Sein Trainer hatte dann schließlich ein Einsehen und warf das Handtuch um seinen noch schwankenden Schützling vor weiteren Schlägen zu schützen. TKO 4, 2:45min
Der dritte Kampf fand im Mittelgewicht statt. Hier trafen Omar Siala (39 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 15 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) und Pavel Hermann (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 8 durch KO) aufeinander. Die erste Runde wurde von beiden extrem schnell geführt. Beide waren schnell auf den Beinen und umkreisten sich. Am Ende der Runde kam Siala mit einem linken Haken durch und Hermann musste runter. Auch er spuckte seinen Mundschutz aus, um sich Extrasekunden zu verschaffen – mit Erfolg. Kurz drauf kam der Gong. Die folgende Runde war dann sowas wie eine Jagd auf Hermann. Dieser konnte boxerisch seinem Gegner kaum etwas entgegensetzen. Mitte der Runde spuckte er erneut seinen Mundschutz aus, um Sekunden für eine Verschnaufpause zu schinden. Wofür er ermahnt wurde. Das Ende der Runde gestaltete sich identisch zur Vorrunde. Der Unterschied war nur, dass Hermann zur dritten Runde nicht mehr antrat. TKO 3
Die folgende Begegnung im Cruisergewicht war sehr seltsam. Der sehr schlaksig wirkende Mohamed Soltby (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO), der von Arthur Grigorian trainiert wird, traf auf Martin Stensky (31 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 30 Niederlagen, 29 durch KO). Stensky ging zweimal nach nicht besonders hart wirkenden linken Kopfhaken runter. Als er das zweite Mal hoch kam hielt er sich den rechten Ellbogen und gab auf. TKO 1, 2:17 min.
Auch der folgende Kampf, der im Mittelgewicht ausgetragen wurde, ging nicht über die Distanz und wirkte auch eher merkwürdig. Chris Hermann (24 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) trat gegen Sabri Ulas Göcmen (22 Kämpfe, 10 Siege, 12 Niederlagen, 11 durch KO) an. Hermann wirkte stabil und boxte druckvoll. Er verteilte seine Schläge schön. In der zweiten Runde stellte Hermann seinen Gegner mehrfach an den Seilen. Einmal ging Göcmen auch zu Boden, was aber mehr das Resultat eines unbeabsichtigten Tiefschlags war. In der Ringpause gab er dann auf. TKO 3
Der folgende Kampf im Halbmittelgewicht war der erste, der über die angesetzte Distanz ging. In ihm trafen Arman Torosyan (13 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Artem Karasev (14 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. In den ersten beiden Runden schlug Torosyan nur sehr selten und wenn, dann meist mit der Linken. Die traf dann regelmäßig den rechten Handschuh von Karasev. Der wiederum traf immer wieder mit seinem rechten Cross den Kopf seines Gegners. Im dritten Durchgang war dann Torosyan etwas aktiver, wobei er am Anfang der Runde noch einmal zurück in seine Ecke musste, weil sein Trainer seinen Mundschutz vergessen hatte. Auch die vierte Runde konnte er für sich entscheiden. Er schaffte es sogar, dass Karasev am Ende der Runde aus der Nase blutete. Die folgenden zwei Runden gehörten dann wieder Karasev, nicht zuletzt deshalb, weil sein Gegner einfach zu inaktiv war und nur sehr selten die Führhand benutzte. Karasev glaubte irrtümlicherweise, der Kampf wäre auf sechs Runden angesetzt worden. Obwohl er sich in den letzten zwei Runden doch etwas verausgabt hatte, konnte er Torosyan, der sein Arbeitstempo partout nicht erhöhen wollte, aber dennoch weiter dominieren. Zu Beginn der letzten Runde rief sein Trainer Torosyan in den Ring zu: „Nach Punkten kannst du nicht mehr gewinnen, du musst ihn KO schlagen.“ Aber Torosyan konnte einfach den Druck nicht erhöhen. Am Ende der achten Runde feierte Karasev sich als Sieger und das Publikum sah es genauso. Aber er – und auch die Zuschauer – hatte die Rechnung ohne das Kampfgericht vom BDF gemacht. Die Punktrichter gaben den Sieg durch Mehrheitsentscheidung dem Mann aus Berlin. Dieser musste sich die Pfiffe und die Unmutsäußerungen der Zuschauer gefallen lassen. Die Punktrichter werteten 78:74, 77:75 und 76:77. Es war übrigens Matthias Kranz, der Punktrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, der richtig lag. Der Punktsieg für Torosyan ist eine böse Fehlentscheidung.
Auch der nun folgende Frauenboxkampf ging über die Distanz. Im Minimumgewicht boxten Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unterschieden) gegen Elke Beinwachs (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Die ungeschlagene Sahin ist erheblich kleiner als ihre Gegnerin. Trotzdem hatte sie kaum Schwierigkeiten, die Distanz zu verkürzen und selber mit der Führhand zu punkten. Sie boxte variabler, druckvoller und aggressiver. Gleichwohl hielt Beinwachs dagegen, wodurch sich ein munterer Kampf entwickelte, der der beste des Abends war. Am Ende der sechs Runden stand ein klarer und einstimmiger Punktsieg für Sahin fest.
Der achte Kampf des Abends, der auf vier Runden im Halbschwergewicht angesetzt war, ging glücklicherweise nicht über die Distanz. Am Ende siegte Sami Said (5 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage) durch TKO 2, 1:51. Selten kamen mir 291 Sekunden so lang vor. Der Debütant Maruen Chabbouh hüpfte durch den Ring und versuchte wohl durch hartes Auftreten auf den Ringboden seinen Gegner zum Umfallen zu bringen oder zumindest zu beeindrucken. Manchmal schlug er auch zu, aber zumeist war er zu weit von seinem Gegner entfernt um ihn auch nur zu berühren. Said machte irgendwie nichts und ging langsam durch den Ring. Kam er seinem Gegner zu nah, drehte dieser sich ab. Said machte dann in der folgenden Runde mehr und irgendwie wurde dann Chabbouh vom Ringrichter aus dem Kampf genommen, wodurch dann das groteske aber unamüsante Theater zu Ende war.
Danach gab es eine Pause, die dann immer länger wurde. Per Lautsprecher wurde der Ringarzt zum Ring gerufen, dann waren alle Offiziellen verschwunden. Dann ergriff Ringsprecher Gerhard Müller das Mikrofon und erklärte dem wartenden Publikum, der Veranstalter Rolf Neumann sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Offensichtlich war er nach Hause gefahrenen, um etwas zu holen. Es gab eine Schweigeminute und danach wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Athleten, Trainer, Manager und Offiziellen versammelten sich noch mal. Es wurde die weitere Vorgehensweise besprochen, schließlich hatten ja die Boxer ihre Börsen noch nicht bekommen.
Das also war das Lübecker Requiem. Ein Veranstalter, der auszog, das Boxen zu bereichern, starb vor der Zeit. Ob seine letzte Veranstaltung nun eines Requiems für ihn würdig war, kann man nicht sagen. Zu heterogen war die Qualität der Kämpfe. Ob die zwei abgesagten Kämpfe, von dem einer der erste Titelkampf des BDF sein sollte, das Gesamtbild geändert hätte, darüber kann man auch nur spekulieren.

Epilog: Im Internet kursiert das Gerücht, dass Rolf Neumann lebt und seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Um sich vor der Auszahlung der Börsen zu drücken. Ob diese Behauptung richtig ist, ist zurzeit nicht zu klären. – Vor der Veranstaltung haben mehrere Personen einige Boxer angeschrieben, um ihnen die Absage der Veranstaltung mitzuteilen.
(C) Uwe Betker

Manuel Charr, sechs Boxkämpfe und eine Sambatänzerin

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Eigentlich hätte die Veranstaltung von Manuel Charr am 12.04.2014 in Bonn mit dem Titel „Die Jagd nach der Krone“ mit einem Boxkampf beginnen sollen. Aber der Kampf im Halbschwergewicht zwischen dem ungeschlagenen Badien Hasso (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Kwanku Opuko (1 Kampf, 1 Niederlage, 1 durch KO) fiel aus. So begann die Show mit einer Sambatänzerin, die gekonnt ihre Hüften kreisen ließ.
Bevor aber die aparte Dame mit ihrer Darbietung beginnen konnte, nahm sich der Gegner von Charr, Kevin Johnson, noch ausgiebig Zeit, sich mit Boxfans ablichten zu lassen und nahezu alle, die um den Ring herum saßen, per Handschlag zu begrüßen und mit ihnen zu plaudern. Selten sah man vor einem Kampf einen entspannteren Boxer. Aber dann legte die Sambatänzerin los. Sie trug einen grünen Paillettenbikini und gelben Federschmuck auf Kopf und Rücken. Die Idee, bei mehr Veranstaltungen Sambatänzerinnen vor und nach Boxkämpfen auftreten zu lassen, könnte mir schon gefallen.
Hiernach stieg der Essener Super Mittelgewichtler Tiran Mkrtschjan (12 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) in den Ring. Er bekam es mit Suleyman Dag (65 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO, 55 Niederlagen, 36 durch KO). Dag hatte sicherheitshalber einige dicke Rettungsringe um den Bauch mitgebracht, was ihn aber nicht rettete. Der größere Mkrtschjan versuchte über seine gute Führhand den Kampf zu gestalten. Dag versuchte nur irgendwie zu überleben. Er lief weg, wenn er konnte. Er stolperte, wenn möglich und er nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um sich an seinen Gegner zu klammern, wie ein Ertrinkender an eine Planke. Irgendwie schaffte es dann Dag, die Runde zu überstehen, ohne wirklich hart getroffen worden zu sein. In der Ringpause gab er dann, wie er glauben zu lassen versuchte, aufgrund einer unglaublich schweren, hoffentlich nicht sein Leben oder gar seine Karriere bedrohenden Verletzung auf. Schade nur, dass die Zuschauer nicht mehr von Tiran Mkrtschjan sehen konnten, der ein Guter ist und den ich gerne boxen sehe. Das Kampfgericht des BDB, Bund Deutscher Berufsboxer, war vermutlich von Dags Verletzung so schockiert, dass keine Siegerehrung durchgeführt wurde.
Es folgte eine sehr lange Pause. Und dann kam wieder die Sambatänzerin. Diesmal trug sie rot und ein klein wenig mehr Stoff als vorher. Ein Sänger namens Orhan sang, während die Tänzerin ihre Arme, Beine und Hüften grazil bewegte. Es sollten eindeutig mehr Sambatänzerinnen bei Boxveranstaltungen auftreten.
Der folgende Kampf war noch kürzer als der vorangegangene. Er war bereits nach 43,5 Sekunden zu Ende. Geplant war, dass der Junior Mittelgewichtler Arman Torosyan (12 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) gegen einen Herrn namens Aliaksandr Abramenka (61 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 43 Niederlagen, 24 durch KO, 1 Unentschieden) antreten sollte. Abramenka ging nach einer der ersten Berührungen seines delikaten und schmuck tätowierten Körpers zu Boden. Noch nie habe ich gesehen, dass die Wirkung eines Leberhakens sich so schnell entfaltet hätte. Dieses Schauspiel konnte man dann wenige Sekunden später, wieder mit offenem Mund, bewundern. Das Auszählen dauerte dann die üblichen 10 Sekunden.
Dieser frühzeitige KO führte dann zu einer sehr-sehr-sehr langen Pause, aber am Ende trat die Sambatänzerin wieder auf, erneut in Rot. Wieder hatte ihr Bikini einige wenige Quadratzentimeter mehr Stoff als der erste. Sie bewegte wieder die Hüften im Takt der Musik von Sänger Horace Brown. Habe ich schon erwähnt, dass ich für mehr Sambatänzerinnen beim Boxen bin?
Der dritte Kampf sollte nun der zweitlängste des Abends werden. In ihm trafen im Cruisergewicht Hizni Altunkaya (23 Kämpfe, 23 Siege, 15 durch KO) und Ismael Altintas (11 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) aufeinander. Altunkaya, der bessere Boxer, strahlte Selbstbewusstsein aus. Er dominierte den Kampf mit seinem Jab. Er ging bedächtig vor. Ein ums andere Mal postierte er sich vor seinem Gegner, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, um ihn zu studieren. Phasenweise machte er den Eindruck, als führe er mit angezogener Handbremse. Altintas suchte sein Heil in überfallartigen Angriffen und in Schlägen zum Kopf über die Außenbahn. Die vierte Runde war die beste des Kampfes. Am Anfang kam Altintas mit einem linken Kopfhaken durch. Dadurch ermutigt griff er beherzt an und kam ein ums andere Mal durch. Leider trat er zur nächsten Runde dann nicht mehr an, weil er sich die Hand verletzt hatte.
Hiernach trat der Rapper Mortis auf und sang zwei Lieder, wobei der geneigte Zuschauer auch wieder die Sambatänzerin bewundern konnte. Diesmal trug sie weiß und keine Federn, sondern eine Art Krone auf dem Kopf. Aber die Federn auf dem Rückten behielt sie bei. Ihr glitzernder Bikini hatte wieder sehr viel weniger Stoff. Ich bin unbedingt für mehr Sambatänzerinnen beim Boxen. Könnte man nicht vielleicht auch mehr als eine Tänzerin buchen?
Als nächstes stieg der Debütant Ehsan Maudodi in den Ring. Der vielversprechende Cruisergewichtler, dem sein Management den Kampfnamen Sokrates gegeben hat, boxte gegen Rudolf Murko (71 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 66 Niederlagen, 32 durch KO, 2 Unentschieden). Leider war der Kampf bereits nach 1:28 Min zu Ende. Maudodi begann stark, hatte aber zu wenig Zeit, um sein Können zu zeigen. Aus mir unerfindlichen Gründen ging Murko dreimal zu Boden. Schade! Ich hätte gerne mehr von Maudodi gesehen, der aus mir nicht recht verständlichen Gründen mehrfach als „KO Philosoph“ bezeichnet wurde. Ich könnte mir denken, dass er in naher Zukunft das Cruisergewicht aufmischt.
Hiernach trat der Sänger Fancy auf. Er gab ein Medley seiner größten Erfolge und eine weiteres Liede zum Besten. Zwar wusste er nicht in welcher Halle er sich befand, aber die Platzierungen in den Charts wusste er und er erwähnte sie beiläufig in seinem Medley. Fancy ging souverän mit dem Wunsch des Publikums um, welches lieber Rap hören wollte. Die Sambatänzerin tanzte wieder hinreißend. Sie trug ein kleines mit Pailletten besetztes Etwas und wieder diese neckischen Federn. Ich bin dafür, dass die Veranstalter von Boxveranstaltungen verpflichtet werden, zwischen den Kämpfen Sambatänzerinnen auftreten zu lassen.
Den vorletzten Kampf bestritten im Mittelgewicht Hamid Rahimi (24 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) und Bronislav Kubin (31 Kämpfe, 16 Siege, 9 durch KO, 14 Niederlagen, 6 durch KO, 1 Unentschieden). Schon nach wenigen Sekunden lief Kubin in eine Rechte zum Kopf rein, was ihn zu Boden brachte. Obwohl Rahimi das Tempo rausnahm, war Kubin wenig später schon wieder auf den Brettern. Der Kampf war nach 1:42 min zu Ende.
Der folgende Showact, der den Zuschauern in der Halle offensichtlich wieder gut gefiel, war der Veranstalter Prince Kay One. Leider trat die Sambatänzerin nicht wieder auf.
Der Hauptkampf im Schwergewicht zwischen Manuel Charr (27 Kämpfe, 26 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Kevin Johnson (36 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden) ging über die angesetzten 10 Runden. Am Ende stand Charr als einstimmiger Punktsieger (98:92, 98:92, 97:93) fest, aber bis dahin musste er hart arbeiten. Johnson ist unangenehm zu boxen. Er lässt seine Führhand fallen und deckt sich nur mit seiner Schlaghand. Viele Schläge blockt er mit seiner Schulter. In diesen Kampf ging er eher defensiv rein. Selten nur griff er an. Meist wartete er auf seine Konterchance. Am häufigsten punktete er mit seinen Graden zum Kopf. Charr war der aktivere Boxer. Er trieb, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, Johnson vor sich her und versuchte dessen Deckung zu knacken. Er verteilte seine Schläge gut. Erstaunlich wenige Schläge fanden aber ihr Ziel, und einen Wirkungstreffer habe ich überhaupt nicht gesehen. Johnson hatte die klareren Treffer, aber auch sehr viel weniger. Charr war der dominierende Mann, mit der sehr viel höheren Aktivität. Der Sieg von Charr war hart erarbeitet, aber ungefährdet.
Bei der Siegerehrung trat die Sambatänzerin leider nicht wieder auf. Habe ich schon gesagt, dass es auf Boxveranstaltungen viel zu wenig Sambatänzerinnen gibt?
© Uwe Betker