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Überlegungen zum Angebot von Jan Jungmayr an Tom Schwarz und Ulf Steinforth

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Das Angebot liegt auf dem Tisch. Jan Jungmayr will nach einer über zwanzigjährigen Pause innerhalb eines Jahres Deutscher Meister im Schwergewicht bei den Profis werden. Dabei hat er bis jetzt nichts, was ihn zu einem solchen Titelkampf qualifiziert. Er war ein erfolgreicher DDR-Amateurboxer, aber die DDR gibt es ja nun schon lange nicht mehr. Jungmayr ist auch schon 46 Jahre alt und seinen einzigen Profikampf hat er am 05.10.1997 bestritten. Er verlor damals nach Punkten gegen Peter Hrivnak, der damals folgenden Kampfrekord hatte: 10 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 6 durch KO. Auf dem ersten Blick erscheint die Herausforderung von Tom Schwarz (21 Kämpfe, 21 Siege, 13 durch KO), dem Deutschen Meister im Schwergewicht, also mutig und abwegig.
Studiert man das Angebot aber mal genauer, so kommt man nicht umhin zu festzustellen: Da ist jemand, der sich Gedanken gemacht und sich seine Sache sehr ganz genau überlegt hat. Das Angebot sieht nämlich so aus, dass jeder der Beteiligten dabei nur gewinnen kann. Der einzige, der etwas zu verlieren hat, ist Jan Jungmayr, der das Risiko eingeht, sich womöglich lächerlich zu machen.
Im einzelnen beinhaltet das Angebot: Das Profiboxen in Deutschland bekommt einen neuen TV-Sender, der Boxen überträgt. Das ist etwas, das jeder Boxfan sich nur wünschen kann. Dieser TV-Sender ist offensichtlich bereit, zwei Veranstaltungen mit Jungmayr zu übertragen und eine Öffentlichkeit hierfür zu schaffen. Es soll nämlich nicht nur die Veranstaltung übertragen werden, sondern der Sender will auch noch die Vorbereitungsphase von Jungmayr begleiten und hierüber berichten. Auch sieht es danach aus, als stünde der MDR, der Haussender von Steinforth, dem Projekt von Jungmayr positiv gegenüber.
Sollten Tom Schwarz und sein Veranstalter Ulf Steinforth das Angebot annehmen, dann können sich beide erst mal zurücklehnen und entspannt der Dinge harren, die da kommen. Jungmayr ist schließlich derjenige, der liefern muss. Er muss unter Beweis stellen, dass er ein würdiger Herausforderer für die Deutsche Meisterschaft ist. Dass er richtiger Herausforderer ist, will und muss er vor dem Kampf gegen Schwarz in einem anderen Kampf erstmal beweisen. Er muss gegen einen Schwergewichtler gewinnen, der in der Weltrangliste so weit oben steht, dass er um die Deutsche Meisterschaft boxen könnte, wenn er denn Deutscher wäre. M.a.W, das Risiko liegt bei Jungmayr.
Ein sehr schöner Nebeneffekt des ganzen Plans wäre noch, dass bei den Kämpfen von Jungmayr vorbildliche Dopingkontrollen nach den WADA-Richtlinien durchgeführt würden. Hinzu käme, dass erstmals eine reelle Chance besteht, dass alle deutschen Profiboxverbände, wenigsten in einer Gewichtsklasse, einen gemeinsamen Titelträger hätten.
Wenn also Tom Schwarz und sein Veranstalter Ulf Steinforth das Angebot annehmen, dann kann Schwarz nicht nur die wohl höchste Börse seiner Karriere kassieren, sondern er kann womöglich, sollten BDB, GBA, BDF mitspielen, nach fast 14 Jahren der erste Deutsche Meister im Profiboxen werden, der keinen Gegen-Meister hat.
Letztlich fallen mir also keine vernünftigen Gründe ein, die gegen einen Kampf zwischen Tom Schwarz und Jan Jungmayr sprechen könnten. Bleiben noch die irrationalen Gründe. Was kann gegen einen solchen Kampf sprechen? Eigentlich kann ich mir nur einen Grund vorstellen: Angst. Wenn es nicht zu diesem Kampf kommt, dann heißt das für mich, Ulf Steinforth und Tom Schwarz haben Angst. Steinforth hätte Angst davor, sein Deutscher Meister im Schwergewicht könnte einen dann 47-jährigen Mann womöglich nicht besiegen. Mit einer Niederlage würde sich seine Investition in Schwarz allerdings in Rauch auflösen. Und Schwarz hätte Angst, einen Mann zu boxen, von dem er nur einen Kampf zu sehen bekommen hat und den er folglich nicht vollständig ausrechnen kann.
Wir werden sehen, wie Steinforth und Schwarz auf das vorliegende Angebot reagieren werden.
Jeder kann das Angebot nun lesen.
(C) Uwe Betker

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(C) Uwe Betker

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5. März 2016 at 23:59

Foto: Gürtel

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(C) Uwe Betker

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27. Februar 2016 at 23:59

Foto: Gürtel

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(C) Uwe Betker

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24. November 2015 at 23:59

Lübecker Requiem

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Die geschätzt einhundert Zuschauer, die sich am 26.04.2014 in die Hansehalle Lübeck einfanden, kamen nicht für ein Requiem, sondern für eine Profiboxveranstaltung. Der Veranstalter Rolf Neumann stellte seine zweite Show auf die Beine. Zwei weitere waren für dieses Jahr geplant. Er schickte sich an, eine feste Größe im Boxgeschäft zu werden. Aber alles kam ganz anders. Die Fightcard der „2. Fight Night Hansestadt Lübeck“ sah 10 Kämpfe vor.
Den ersten Kampf bestritten im Cruisergewicht Helge Rippe (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Özgur Göcmen (5 Kämpfe, 3 Siege, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Das Aufeinandertreffen der beiden war kurz und – zumindest für Göcmen – schmerzhaft. Dieser versuchte sich hinter einer Doppeldeckung zu verschanzen, während Rippe seine harten Schläge gut auf Körper und Kopf verteilte. Göcmen wurde bald schon an den Seilen gestellt und kam nicht mehr weg. Ein rechter Haken ans Kinn fällte ihn. Schwer KO lag er minutenlang auf dem Ringboden. KO 1, 1:24min.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Ismael Özen (11 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Dusan Makula (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Der von Artur Grigorian trainierte Özen begann sehr passiv. Er behauptete zwar die Ringmitte, aber Makula setzte mehr Treffer. Im zweiten Durchgang wurde Özen aktiver und bestimmte von da an den Kampf. Sein Jab kam immer häufiger durch. Makula versuchte mit überfallartigen Angriffen zum Ziel zu kommen. In der hart umkämpften dritten Runde musste er zu Boden, weil Özen ihn getroffen hatte, als er aus der Balance war. Es wurde nicht als Niederschlag gewertet. In der vierten Runde zahlte sich die Geduld von Özen aus. Bei einem Schlagabtausch traf er seinen Gegner hart. Der versuchte noch mit einer schauspielerischen Einlage die Schlagwirkung zu kaschieren. Aber Özen ließ sich nicht täuschen. Er deckte ihn mit Schlägen ein, die ihn dann schließlich auch zu Boden zwangen. Makula wurde angezählt. Um Zeit zu gewinnen, spuckte er noch seinen Mundschutz aus. Aber auch diese Extrasekunden retteten ihn nicht. Der folgende Schlaghagel zwang ihn erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Sein Trainer hatte dann schließlich ein Einsehen und warf das Handtuch um seinen noch schwankenden Schützling vor weiteren Schlägen zu schützen. TKO 4, 2:45min
Der dritte Kampf fand im Mittelgewicht statt. Hier trafen Omar Siala (39 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 15 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) und Pavel Hermann (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 8 durch KO) aufeinander. Die erste Runde wurde von beiden extrem schnell geführt. Beide waren schnell auf den Beinen und umkreisten sich. Am Ende der Runde kam Siala mit einem linken Haken durch und Hermann musste runter. Auch er spuckte seinen Mundschutz aus, um sich Extrasekunden zu verschaffen – mit Erfolg. Kurz drauf kam der Gong. Die folgende Runde war dann sowas wie eine Jagd auf Hermann. Dieser konnte boxerisch seinem Gegner kaum etwas entgegensetzen. Mitte der Runde spuckte er erneut seinen Mundschutz aus, um Sekunden für eine Verschnaufpause zu schinden. Wofür er ermahnt wurde. Das Ende der Runde gestaltete sich identisch zur Vorrunde. Der Unterschied war nur, dass Hermann zur dritten Runde nicht mehr antrat. TKO 3
Die folgende Begegnung im Cruisergewicht war sehr seltsam. Der sehr schlaksig wirkende Mohamed Soltby (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO), der von Arthur Grigorian trainiert wird, traf auf Martin Stensky (31 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 30 Niederlagen, 29 durch KO). Stensky ging zweimal nach nicht besonders hart wirkenden linken Kopfhaken runter. Als er das zweite Mal hoch kam hielt er sich den rechten Ellbogen und gab auf. TKO 1, 2:17 min.
Auch der folgende Kampf, der im Mittelgewicht ausgetragen wurde, ging nicht über die Distanz und wirkte auch eher merkwürdig. Chris Hermann (24 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) trat gegen Sabri Ulas Göcmen (22 Kämpfe, 10 Siege, 12 Niederlagen, 11 durch KO) an. Hermann wirkte stabil und boxte druckvoll. Er verteilte seine Schläge schön. In der zweiten Runde stellte Hermann seinen Gegner mehrfach an den Seilen. Einmal ging Göcmen auch zu Boden, was aber mehr das Resultat eines unbeabsichtigten Tiefschlags war. In der Ringpause gab er dann auf. TKO 3
Der folgende Kampf im Halbmittelgewicht war der erste, der über die angesetzte Distanz ging. In ihm trafen Arman Torosyan (13 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Artem Karasev (14 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. In den ersten beiden Runden schlug Torosyan nur sehr selten und wenn, dann meist mit der Linken. Die traf dann regelmäßig den rechten Handschuh von Karasev. Der wiederum traf immer wieder mit seinem rechten Cross den Kopf seines Gegners. Im dritten Durchgang war dann Torosyan etwas aktiver, wobei er am Anfang der Runde noch einmal zurück in seine Ecke musste, weil sein Trainer seinen Mundschutz vergessen hatte. Auch die vierte Runde konnte er für sich entscheiden. Er schaffte es sogar, dass Karasev am Ende der Runde aus der Nase blutete. Die folgenden zwei Runden gehörten dann wieder Karasev, nicht zuletzt deshalb, weil sein Gegner einfach zu inaktiv war und nur sehr selten die Führhand benutzte. Karasev glaubte irrtümlicherweise, der Kampf wäre auf sechs Runden angesetzt worden. Obwohl er sich in den letzten zwei Runden doch etwas verausgabt hatte, konnte er Torosyan, der sein Arbeitstempo partout nicht erhöhen wollte, aber dennoch weiter dominieren. Zu Beginn der letzten Runde rief sein Trainer Torosyan in den Ring zu: „Nach Punkten kannst du nicht mehr gewinnen, du musst ihn KO schlagen.“ Aber Torosyan konnte einfach den Druck nicht erhöhen. Am Ende der achten Runde feierte Karasev sich als Sieger und das Publikum sah es genauso. Aber er – und auch die Zuschauer – hatte die Rechnung ohne das Kampfgericht vom BDF gemacht. Die Punktrichter gaben den Sieg durch Mehrheitsentscheidung dem Mann aus Berlin. Dieser musste sich die Pfiffe und die Unmutsäußerungen der Zuschauer gefallen lassen. Die Punktrichter werteten 78:74, 77:75 und 76:77. Es war übrigens Matthias Kranz, der Punktrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, der richtig lag. Der Punktsieg für Torosyan ist eine böse Fehlentscheidung.
Auch der nun folgende Frauenboxkampf ging über die Distanz. Im Minimumgewicht boxten Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unterschieden) gegen Elke Beinwachs (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Die ungeschlagene Sahin ist erheblich kleiner als ihre Gegnerin. Trotzdem hatte sie kaum Schwierigkeiten, die Distanz zu verkürzen und selber mit der Führhand zu punkten. Sie boxte variabler, druckvoller und aggressiver. Gleichwohl hielt Beinwachs dagegen, wodurch sich ein munterer Kampf entwickelte, der der beste des Abends war. Am Ende der sechs Runden stand ein klarer und einstimmiger Punktsieg für Sahin fest.
Der achte Kampf des Abends, der auf vier Runden im Halbschwergewicht angesetzt war, ging glücklicherweise nicht über die Distanz. Am Ende siegte Sami Said (5 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage) durch TKO 2, 1:51. Selten kamen mir 291 Sekunden so lang vor. Der Debütant Maruen Chabbouh hüpfte durch den Ring und versuchte wohl durch hartes Auftreten auf den Ringboden seinen Gegner zum Umfallen zu bringen oder zumindest zu beeindrucken. Manchmal schlug er auch zu, aber zumeist war er zu weit von seinem Gegner entfernt um ihn auch nur zu berühren. Said machte irgendwie nichts und ging langsam durch den Ring. Kam er seinem Gegner zu nah, drehte dieser sich ab. Said machte dann in der folgenden Runde mehr und irgendwie wurde dann Chabbouh vom Ringrichter aus dem Kampf genommen, wodurch dann das groteske aber unamüsante Theater zu Ende war.
Danach gab es eine Pause, die dann immer länger wurde. Per Lautsprecher wurde der Ringarzt zum Ring gerufen, dann waren alle Offiziellen verschwunden. Dann ergriff Ringsprecher Gerhard Müller das Mikrofon und erklärte dem wartenden Publikum, der Veranstalter Rolf Neumann sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Offensichtlich war er nach Hause gefahrenen, um etwas zu holen. Es gab eine Schweigeminute und danach wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Athleten, Trainer, Manager und Offiziellen versammelten sich noch mal. Es wurde die weitere Vorgehensweise besprochen, schließlich hatten ja die Boxer ihre Börsen noch nicht bekommen.
Das also war das Lübecker Requiem. Ein Veranstalter, der auszog, das Boxen zu bereichern, starb vor der Zeit. Ob seine letzte Veranstaltung nun eines Requiems für ihn würdig war, kann man nicht sagen. Zu heterogen war die Qualität der Kämpfe. Ob die zwei abgesagten Kämpfe, von dem einer der erste Titelkampf des BDF sein sollte, das Gesamtbild geändert hätte, darüber kann man auch nur spekulieren.

Epilog: Im Internet kursiert das Gerücht, dass Rolf Neumann lebt und seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Um sich vor der Auszahlung der Börsen zu drücken. Ob diese Behauptung richtig ist, ist zurzeit nicht zu klären. – Vor der Veranstaltung haben mehrere Personen einige Boxer angeschrieben, um ihnen die Absage der Veranstaltung mitzuteilen.
(C) Uwe Betker

Vorweihnachtliches Boxen in Halle (Saale)

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Die Säle der Hotelkette Maritim scheinen Orte zu sein, die gutes Boxen anziehen. Am 21.12.2012, also an dem Tag, an dem nach der Meinung von einigen esoterisch Angehauchten die Welt untergehen sollte, fand in Halle an der Saale die 1. Hallesche Boxnacht statt. Zirka 500 Zuschauer fanden kurz vor Weihnachten den Weg in den Ballsaal und sie sahen eine gute und solide Show.

Den ersten Kampf bestritten Robert Maess (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Ahmed Hammoodi (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Halbmittelgewicht, und es war durchaus spektakulär. Maess, der größere und bessere Boxer, hatte seine liebe Not mit dem aggressiv noch vorne gehenden Hammoodi, der sein Glück in Schwingern und Haken suchte. Die ersten drei Runden gingen klar an Hammoodi. In der dritten Runde schickte er Maess sogar mit einem Haken zu Boden, woraufhin eine wilde und kurzweilige Keilerei begann. In der folgenden Runde drehte sich dann der Kampf. Hammoodi bekam offensichtlich Konditionsprobleme und Maess fing an zu kontern. Dem etwas unsauber boxenden Hammoodi wurde ein Punkt abgezogen wegen Haltens. Warum ihm dann aber später von Ringrichter Ottmar Schmidt noch einmal ein Punkt abgezogen, hat sich allerdings meiner Kenntnis und meiner Wahrnehmung entzogen. In der fünften Runde wurden dann die Konditionsprobleme von Hammoodi immer schlimmer. Er kam schließlich gar vom Schwung seiner eigenen Schläge ins Torkeln. Eine Linke zum Kinn zwang ihn zuletzt in einer neutralen Ecke zu Boden. Zwar kam er noch mal wieder hoch, wurde aber im Stehen ausgezählt. KO in Runde 5 nach 2 Minuten und 10 Sekunden.

Ein paar Worte zu dem Kampfgericht. Die 1. Hallesche Boxnacht war die zweite Veranstaltung des neu gegründeten Bundes Deutscher Faustkämpfer (BDF). Der BDF ist nunmehr der dritte deutsche Verband. Den Punkt- und Ringrichtern war anzumerken, dass sie alle vom Amateurboxen kommen. Dementsprechend war ihr Agieren manchmal ein wenig nervös und nicht eindeutig und souverän genug. Man kann aber auch feststellen, dass dies den Ausgang keines Kampfes beeinflusste und dass in allen Kämpfen der Sieger seinen Sieg auch verdient hatte – etwas, was in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit war.

In der zweiten Ansetzung des Abends bekam es Halbeschwergewichtler Rashad Karimov (28 Kämpfe, 26 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen) mit Artsem Hurbo (18 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 13 Niederlagen, 12 durch KO, 1 Unentschieden) zu tun. Karimov wirkte in seinem systematischen Tun unterkühlt. Er verfolgte seinen ihm in allen Belangen unterlegenen Gegner und schickte ihn zu Boden. Er knockte ihn dann endgültig aus, nachdem er ihn noch einmal in dem Kampf gelassen hatte: KO in Runde 1, nach 2 Minuten 55.

Der folgende Frauenboxkampf hielt eine faustdicke Überraschung bereit. Sara Schnell gab ihr Debüt bei den Profis im Mittelgewicht. Ihre Gegnerin, Nathalie John (3 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 NC) aus Karlsruhe hatte vorher nur zwei Kämpfe bestritten, von denen sie keinen gewinnen konnte.
Die erste Runde war noch ausgeglichen. Am Anfang kam John mit ihrer unorthodox geschlagenen Rechten zum Kopf mehrfach gut durch. Hiernach hatte sich Schnell darauf eingestellt und traf selber. Die folgende Runde, ein richtiggehendes Gewürge, ging dann auch an sie. In den letzten beiden Runden boxte Schnell planlos. Sie versuchte mit Schwingern zu treffen, wurde aber immer wieder abgekontert. Am Ende blutete die Debütantin aus der Nase. Punktsieg nach 4 Runden für John, durch Mehrheitsentscheidung.

In dem folgenden Kampf im Weltergewicht zwischen Puryia Haidari (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Marcen Gierke (60 Kämpfe, 10 Siege, 48 Niederlagen, 18 durch KO, 2 Unentschieden) wurde dann wieder Boxen auf hohem technischen Niveau gezeigt. Obwohl der Kampf relativ einseitig war – Haidari gewann jede Runde -, war er doch recht kurzweilig. Das war nicht zuletzt dem sehr erfahrenen Gierke geschuldet, der seinem Gegner genug Widerstand entgegenbrachte, um den Kampf auf seinem Niveau zu halten. Alle Punktrichter werteten 40:36 für Haidari.

Der folgende fünfte Kampf, war einer der Höhepunkt des Abends. Der ungeschlagene Timo Schwarzkopf (9 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO) boxte im Weltergewicht gegen Alexander Pligovka (7 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 3 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden). Schwarzkopf studierte den größeren Pligovka während der ersten Hälfte der Runde eins, um ihn dann mehr und mehr unter Druck zu setzen. In Runde 2 sah es schon so aus, als ob Schwarzkopf zu einem frühen KO-Erfolg kommen könnte. Immer wieder traf er hart. Er zeigte variables Boxen. Sein Gegner kämpfte ums Überleben. Erstaunlich war, dass Pligovka, der kurzfristig eingesprungen war, eine so gute Leistung zeigte.
In der vierten Runde musste Pligovka nach einem Leberhaken zu Boden, aber er kam rechtzeitig wieder hoch und erreichte den Gong. In der Folgezeit musste Pligovka viel einstecken. In der sechsten und letzten Runde ging er erneut nach einem Körpertreffer zu Boden. Der Punktsieg von Schwarzkopf (60:52, 60:52 und 60:52) war einstimmig.

Im nächsten Kampf gab Lelito Lopez Lopez im Halbmittelgewicht gegen Hawal Garib (28 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 25 Niederlagen, 14 durch KO) sein Profidebüt. Lopez boxte furios. Er zeigte schnelle Hände und verteilte gut auf Körper und Kopf. Er schickte Garib dreimal zu Boden, wobei nach dem dritten Niederschlag sein Gegenüber nicht schnell genug mehr hoch kam. KO in Runde 1 nach 2 Minuten 50 Sekunden. Die Unarten, wie Fans und Familienangehörige abzuklatschen, während der Gegner angezählt wird und die neutrale Ecke während des Zählens zu verlassen sind seiner Jugend, Lopez ist erst 19 Jahre alt, seiner Nervosität und seiner Unerfahrenheit geschuldet. Dies sollte er aber bald abgelegt haben.

Das Profidebüt seines um 2 Jahre älteren Bruders, Ronny Lopez Lopez, war noch kürzer. Der Supermittelgewichtler trat gegen Andy Thiele (25 Kämpfe, 1 Sieg, 22 Niederlagen, 12 durch KO, 2 Unentschieden), den notorischen Aufbaugegner aus Berlin an. Bevor der Kampf richtig angefangen hatte, kam es zu einem unbeabsichtigten Kopfstoß, der es Thiele unmöglich machte den Kampf fortzusetzen. TKO in Runde 1 nach 1 Minute 10. – Man darf gespannt sein, wie sich die Brüder Lopez entwickeln werden. Potential haben sie und auch schon eine lautstarke Gruppe von Fans.

Steve Krökel (40 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 21 Niederlagen, 6 durch KO, 2 Unentschieden) und John Mifuba (7 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch K0, 4 Niederlagen, 3 durch KO) trafen im Halbschwergewicht aufeinander. Krökel schickte sein Gegenüber bereits im ersten Durchgang durch eine rechte Gerade auf die Stirn zu Boden. Aber ab der dritten Runde hatte er seinen Gegner nicht mehr im Griff. Er hatte offensichtlich Schwierigkeiten mit der Rechtsauslage von Mifuba. Die folgenden Runden quälte er sich und konnte kaum Treffer setzen. Es schien fast so, als ob er sich das Leben selbst schwer machte. Er versäumte es schlicht gerade zu boxen. Die Punkrichter werteten alle für ihn (59:56, 60:54 und 59:54), wobei ich selbst den Kampf sehr viel knapper gepunktet hatte.

Im neunten Kampf boxte Özlem Sahin (15 Kämpfe, 14 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) nach 17 Monaten das erste Mal wieder. Die Interimsweltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF bestritt einen Sechsrunder im Minimumgewicht. Damit durfte sie zum ersten Mal in ihrer eigentlichen Gewichtsklasse boxen. Ihre Gegnerin war Agnes Draxler (5 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Die erst 18-jährige Draxler startete furios. Unerschrocken griff sie Sahin an. Sahin begann verhalten und studierte ihre Gegnerin. Dann konterte sie mit einem linken Cross und übernahm das Kommando im Ring. Sie trieb ihre Gegnerin, die sich immer wieder zum Kampf stellte, vor sich her. Am Ende des ersten Durchgangs wurde Draxler angezählt und sie erreichte nur mit Müh und Not die Ringpause. Im zweiten Durchgang machte Sahin da weiter, wo sie eine Minute vorher aufgehört hatte. Sie suchte den vorzeitigen Sieg, und sie bekam ihn. Der Ringrichter brach den Kampf nach 1 Minute und 10 ab, um die Gesundheit der tapferen Draxler zu schützen. Die zahlreich angereisten Fans feierten ein beindruckendes Comeback von Sahin. Offensichtlich ist sie während ihrer Ringabstinenz noch besser geworden, auch scheint sie im Minimumgewicht stärker zu sein als im Junior Fliegengewicht.

Den folgenden Kampf bestritten Marko Angermann (28 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO, 16 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden) und Patrik Linkert (7 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unterschieden) im Halbschwergewicht. Auch dieser Kampf endete überraschend. Der Lokalmatador Angermann startete stark. Aber bereits in der dritten und vierten Runde bekam er so massive Konditionsprobleme, dass er seinen Mundschutz ausspuckte, um Zeit zur Erholung zu gewinnen. In Runde 6 und 7 bekam er so etwas wie die zweite Luft. Er holte aus und versuchte Schwinger ins Ziel zu bringen, dann nahm er sich Auszeiten, indem er sich abdrehte und drauf hoffte, von Linkertn nicht geschlagen zu werden, was dieser auch nicht tat.
In Runde 8 baute er dann wieder rasant ab und kassierte harte Schläge. Als er sich dann nach 1 Minute und 25 erneut abdrehte, interpretierte der Ringrichter dies als Aufgabe. Offensichtlich waren die angesetzten 8 Runden zu lang für Angermann.

Den Hauptkampf des Abends bestritten Ramon Belaev (10 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO) und Frank Horache Horta (45 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO, 5 Unentschieden) im Super Weltergewicht. Dem sehr hoch eingeschätzten Belaev wurde in seinem zehnten Kampf ein sehr erfahrener Gegner vorgesetzt.
Der Kampf war auf sehr hohem technischem Niveau. Belaev, der boxende Puncher, versuchte sich den KO zu erarbeiten. Horta, der Ringfuchs, versuchte mit schnellen Händen sein Gegenüber aus dem Rhythmus zu bringen. In dem zum Teil sehr intensiv geführten Gefecht behielt Belaev in fast allen Runden die Oberhand. Aber Horta zeigte auf, dass Belaev als Profi noch nicht ganz ausgereift ist.
In der siebten und der achten Runde musste Horta zu Boden, dass eine Mal nach einem Körper-, dass andere Mal nach einem Kopftreffer. Aber Horta schaffte es, den Schlussgong zu erreichen. Die Punktrichter gaben einstimmig (80:70, 79:73 und 80:72) Belaev den Sieg.
© Uwe Betker