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Über das Doping im deutschen Profiboxen und die Verantwortung der TV-Sender

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Wenn man sich auf Boxveranstaltungen umhört, dann gibt es eine Frage die alle umtreibt: Wie werden sich aber die deutschen TV-Sender im Allgemeinen und Sat.1 im Besonderen zu dem immer größer werdenden Problem des Doping beim Profiboxen positionieren? Der Dopingfall Felix Sturm kann als Nagelprobe dafür betrachtet werden, wie die deutschen TV-Sender mit Doping im Berufsboxen umgehen wollen.
Es ist ruhig geworden um Felix Sturm. Wir erinnern uns: Felix Sturm war am 20.02.2016, in seinem Kampf gegen Fjodor Tschudinow – dabei ging es um den Titel Super Champion der WBA im Super Mittelgewicht – vermutlich gedopt. In seiner A-Probe fand sich die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol. Als dies bekannt wurde, stellte sich „ran“-Sportchef Alexander Rösner noch hinter Sturm. „Wir kennen Felix Sturm nur als fairen Sportsmann“. Der 37-jährige Sturm selbst stritt damals jegliches Fehlverhalten ab und kündigte an, die Öffnung der B-Probe veranlassen zu wollen. Seither hat aber keiner mehr etwas von der Öffnung der B-Probe gehört.
Nun sind verschiedene Möglichkeiten denkbar, wieso man nichts mehr vom Dopingfall Sturm gehört hat. Mir persönlich erscheinen die folgenden zwei am plausibelsten:
– Sturm hat die B-Probe öffnen lassen, seine Unschuld wurde bewiesen und dann hat er einfach nur vergessen, es der Öffentlichkeit auch mitzuteilen.
– Sturm hat die B-Probe gar nicht öffnen lassen.
Falls nun Sturm die B-Probe nicht hat öffnen lassen, kann man das wohl getrost als Schuldeingeständnis ansehen.
Spinnen wir den Gedanken einfach weiter: Wir werden weiter nichts von Sturms Urin und dem Hydroxy-Stanozolol hören. Sturm pausiert und steckt damit dann die bekannt drakonische Strafe des BDBs – die Höchststrafe für Doping ist, soweit ich weiß, ein Jahr, locker weg. Dann wird Sturm vermutlich wieder boxen wollen. Und er will natürlich, dass Sat.1 seinen Kampf überträgt und ihm dafür eine erkleckliche Summe auf sein Konto überweist. Wird Sat.1 dann wohl mitmachen?
Hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sind die deutschen Fernsehsender außer der Einschaltquote noch irgendwem oder -was verpflichtet, z.B. so etwas wie Ethik oder Moral?
Verlassen wir aber mal den Fall Sturm und stellen wir uns einfach vor, ein Boxer X will oder kann einen gegen ihn erhobenen Dopingvorwurf nicht entkräften. Damit ist er ein Doper. Punkt. Jemand der wissentlich dopt, betrügt ganz einfach jemand anderen. Dementsprechend ist ein Doper kein Sünder („Dopingsünder“), sondern ein Betrüger. Er hat einen Anderen gegebenenfalls um den Sieg, um einen Titel und um viel Geld betrogen.
Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass Profiboxer alle dopen, so ist davon auszugehen, dass solche kriminellen Betrüger den Sport für mindestens eine Generation zerstören. So etwas konnte man ja schon wunderbar am Radsport beobachten. Ein Jan Ulrich hat einer ganzen Generation von deutschen Fahrern die Möglichkeit auf Ruhm und gutes Geld genommen.
Jemand, der dopt, ist m. E. schlicht ein Krimineller. Wird ein TV-Sender dann weiter die Kämpfe des kriminellen Betrügers übertragen, nur weil er ein Quotengarant ist? Oder wird er die Kämpfe nicht übertragen, weil ein TV-Sender einen Betrüger nicht zusätzlich noch belohnen will.
Wie schon gesagt, es geht hier nicht um Adnan Catic, denn eventuell ist ja seine Unschuld bereits bewiesen. Es geht hier darum, ob deutsche TV Sender kriminelle Betrüger grundsätzlich belohnen wollen.
© Uwe Betker

Die Nebelkerze von Z!-Promotion

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Als Nebelkerze bezeichnet man zum einen eine Rauchgranate und zum anderen eine rhetorische Taktik der Ablenkung oder Verschleierung. So belehrt uns Wikipedia. Natürlich geht Hagen Döring, der sportlichem Direktor von Z!-Promotion, nicht hin, zieht den Stift einer Rauchgranate und wirft sie in die Gegend. – Das hoffe ich jedenfalls. Nein, vielmehr versucht er, für seinen Arbeitgeber und für Erkan Teper das Beste herauszuholen. Und dafür hat er eine große Nebelkerze gezündet: Z!-Promotion droht, den BDB und die EBU zu verklagen, wenn beide Tepers Dopingsperre nicht aufheben. Das, finde ich, kann man schon als Nebelkerze ansehen.
Döring argumentiert, bei den Auswertungen der durch die NADA zertifizierten Agentur handele es sich nicht um Mess-, sondern um Schätzwerte. Weiter führt er an, die Ergebnisse lägen auch noch in einem Bereich, in dem ohnehin „nur Abschätzungen getroffen werden können, welche keine (insbesondere juristische) Verwertbarkeit haben“. Daraus wiederum zieht Döring die Schlussfolgerung: „Teper war nicht gedopt“, da doch „keine aussagekräftige Analyse“ vorläge. Wohlgemerkt spricht er hier von dem Kampf, den sein Schützling gegen David Price am 17. Juli 2015 in Ludwigsburg absolvierte.
Bei realen Nebelkerzen muss man schon warten, bis sich der Rauch verzogen hat. Bei rhetorischen Nebelkerzen hilft ein Blick auf die Fakten.
1. Erkan Teper ist ein überführter Dopingsünder
Der Ahlener Profiboxer Erkan Teper (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) war am 13.06.2014 in München, in seinem Europameisterschaftskampf im Schwergewicht gegen den Franzosen Newfel Ouatah, gedopt. Nachdem er sich zunächst zu den Vorwürfen gegenüber dem BDB nicht äußern wollte, gestand er später und zeigte sich reuig. Er bekam eine Sperre von sechs Monaten.
2. Erkan Teper hat durch sein erwiesenes Doping Newfel Ouatah finanziell geschädigt
Wer dopt, betrügt. Teper hat gedopt und dadurch wurde Newfel Ouatah um den Sieg und damit um den Europameistertitel gebracht. Mit dem Sieg und dem Titel hätte er andere Kämpfe und andere Börsen bekommen.
3. Erkan Tepers Umgang mit Dopingvorwürfen ist – nun ja – überraschungsarm
Teper reagiert auf auffällige A-Proben von ihm immer gleich. Er äußert sich erst einmal nicht. So auch, nachdem wieder mal eine seiner A-Proben in einer Europameisterschaft auffiel. Diesmal war es die Dopingprobe, die ihm nach seinem Kampf vom 17.07.2015 gegen David Price, wieder einer Europameisterschaft, abgenommen worden war. Und wieder äußerte er sich nicht gegenüber dem Bund Deutscher Berufsboxer.
4. Erkan Teper war (wohl) im Besitz Dopingmittel
Im April 2015 sollen bei Durchsuchungen von Tepers Auto und seinem Hotelzimmer in der Sportschule Vitalis im Bayerischen Wald verschiedene verbotene Substanzen (Clenbuterol, Testosteron, Wachstumshormone und Metandienon) gefunden worden sein.
5. Gegen Erkan Teper wird ermittelt
Gegen Teper ermittelt die Staatsanwaltschaft München I in zwei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des unerlaubten Besitzes von Arzneimitteln in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken im Sport.
Ich gehe davon aus, der Rauch der Nebelkerze von Hagen Döring hat sich jetzt etwas verzogen. Natürlich gilt auch für Teper die Unschuldsvermutung, oder Präsumtion der Unschuld. Bei den oben aufgezählten Fakten fällt es dem unbeteiligten Zuschauer aber schon sehr-sehr-sehr schwer, an Tepers Unschuld zu glauben. Wieso aber fährt Hagen Döring so ein großes Geschütz auf: die Androhung von Klagen und Schadensersatzforderungen von 1.000.000 und 500.000 Euro? Warum gehen Erkan Teper, Hagen Döring, Alexander Zastrow und Boris Zastrow denn nicht einfach hin und fordern die Öffnung der B-Probe? Wenn Döring und die Brüder Zastrow doch davon so überzeugt sind, dass ihr Hoffnungsträger Teper unschuldig ist, warum wollen sie es dann nicht beweisen?
© Uwe Betker