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Absteiger des Jahres

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Dominik Britsch.
Der bei Sauerland Event unter Vertrag stehende Britsch fiel in diesem Jahr mehr durch seine Haare, als durch seine boxerischen Leistungen auf. Meiner Meinung nach gewann er bereits im letzten Jahr seinen letzten Kampf gegen Billy Lyell am 22.10.2011 nicht. Aber die Punktrichter Mufadel Elghazaoui und Arno Pokrandt sahen das anders und machten ihn zum IBF Interkontinental Champion. 2012 sollte der Mittelgewichtler Britsch dann EU Champion der EBU werden. Im ersten Anlauf erreichte er gegen Roberto Santos, der damaligen 106 der unabhängigen Weltrangliste, am 25.02.2012 ein schmeichelhaftes Unentschieden. Es ist zu erwähnen, dass der Punktrichter Zvonko Rukavina Britsch mit unglaublichen 117:112 vorne hatte. Den Rückkampf, am 15.09.2012, verlor er dann durch TKO in Runde 8.
Von dem Mann, von dem Sauerland Geschäftsführer Christian Meyer mal sagte, er sei „einer der großen deutschen Hoffungsträger“, und den man deshalb nicht auf Fremdveranstaltungen lassen boxen wollte, obwohl man bei einem Purse Bid teilnahm, ist nur die Frage nach den Haaren geblieben. Mit welcher Frisur wird er wohl diesmal in den Ring steigen? Wird sein Trainer Ulli Wegner wieder zur Schere greifen müssen, damit er im Kampf etwas sieht?

Die Haare von Dominik Britsch, eine Absage mit Ansage und eine mäßige Leistung

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Der Kampf zwischen Dominik Britsch (27 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Benjamin Simon (23 Kämpfe, 22 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) fand nicht statt. Britsch wurde durch einen nicht unumstrittenen Sieg über Billy Lyell am 22.10.2011 IBF Intercontinental Meister im Mittelgewicht. Hiernach hätte er dann seinen Titel gegen Simon verteidigen sollen. Es kam, nachdem Sauerland Event und Arena Box Boxpromotion sich nicht über die Austragung einigen konnten, zu der üblichen Versteigerung. Arena bot 183.000 und Sauerland 131.400 US-Dollar.
Nun folgte ein unwürdiges, wenn auch vorhersehbares Spiel, eine Absage mit Ansage. Sauerland wollte seinen „deutschen Hoffnungsträger“ auf keiner Nicht-Sauerland Veranstaltung boxen lassen. Die Veranstaltung sollte dann auch vermutlich in der Türkei stattfinden. Auch glaubte kaum jemand, dass Sauerland Event das Risiko eingehen würde, Britsch gegen einen so unangenehmen Puncher wie Simon antreten zu lassen. Sie sagten das aber nicht direkt, sondern sie ließen sich Zeit, um etwas Anderes zu organisieren, nämlich eine EU-Meisterschaft. Wohlgemerkt eine EU-Meisterschaft, was so etwas ist, wie eine Europameisterschaft extra light. Als dann endlich ein Gegner für die EU-Meisterschaft gefunden war, Roberto Santos (26 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden), erklärte Sauerland-Geschäftsführer Christian Meyer: „Dominik ist einer der großen Deutschen Hoffnungsträger. Deshalb ziehen wir einen Kampf in Deutschland mit der ARD vor!“
Eine weitere Folge des geplatzten Kampfes war, dass Benjamin Simon nicht mehr mit Arena Box Boxpromotion zusammen arbeitet. Nun ist Robert Rolle der einzige Vertreter von Simon.
Was dann am 25.02.2012 folgte, war eine mittelprächtige Blamage. „El tigre de Benidorm“, der sich für diesen Titelkampf durch zwei Niederlagen in den letzten drei Kämpfen qualifiziert hatte und der vor dem Kampf die Nummer 106 in der unabhängigen Weltrangliste und die Nummer 3 in der spanischen Rangliste war, war entweder sehr viel stärker als erwartet oder Britsch war sehr viel schwächer als angenommen. Britsch kam über ein Unentschieden nicht hinaus. Zu erwähnen ist hier der Punktrichter Zvonko Rukavina, der Britsch aus unerfindlichen Gründen tatsächlich mit unglaublichen 117:112 vorne hatte.
Nach der schwachen Leistung von Britsch sieht es nicht mehr danach aus, als würde Sauerland Event das Risiko scheuen, seinen „deutschen Hoffnungsträger“ im Ausland auf einer Veranstaltung von einem Mitbewerber boxen zu lassen und dadurch den Zuschauern der ARD vorzuenthalten. Inzwischen sieht es nun eher danach aus, als hätte man schlicht davor Angst, Britsch gegen den brandgefährlichen Puncher Simon antreten zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn Britsch gegen Simon in der zweiten Hälfte des Kampfes so eingebrochen wäre…
Selbst die ARD, die die Zuschauer tatsächlich mit einem Bericht über die neue Frisur (Zöpfe) von Britsch auf den Kampf einstimmt, kam nach dem Kampf zu dem Schluss, dass bei Britsch Anspruch und Wirklichkeit doch etwas weit auseinanderklaffen. Er erhebt Anspruch auf Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Die Wirklichkeit bot aber gerade mal ein Unentschieden gegen Santos. Die Haare, die im Vorbericht eine so große Rolle gespielt hatten, wurden dann zu einer Art Running Gag für den ganzen Kampf. In einer Ringpause wurden dem „deutschen Hoffnungsträger“ ein paar seiner neuen Zöpfe abgeschnitten, die dann nach dem Kampf den Fernsehzuschauern gezeigt wurden.
© Uwe Betker

Der schleichende Niedergang von Sauerland Event (2)

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Sauerland Event nahm wohl den Ausstieg des ZDFs aus dem Vertrag mit Universum Box-Promotion nicht zum Anlass über die eigenen Veranstaltungen und den generellen Umgang mit dem Boxen und dem Publikum nachzudenken. Das Verharren im Status Quo war zwar verständlich, schließlich hatte der berliner Veranstalter als einziger noch einen lukrativen Vertrag mit einem öffentlich-rechtlichen Sender, aber man kann es dennoch als einen gravierenden Fehler ansehen.
Sauerland war nun nahezu der unumschränkte Herrscher über das Boxen in Deutschland. Es gab keine direkte Konkurrenz mehr. Es gibt zwar noch Felix Sturm auf SAT 1 und Wladimir und Vitali Klitschko auf RTL, aber die sind keine Veranstalter im eigentlichen Sinne, sondern eher nur Selbstvermarkter. Sie haben keinen eigenen Boxstall und sie bauen auch keine anderen Boxer systematisch auf. Aber wie so häufig wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt, wird der Übriggebliebene träge und behäbig. Sauerland machte einfach so weiter, wie zuvor.
Wenn man sozusagen der größte und alles beherrschende deutsche Promoter ist, schauen alle einem ganz genau auf die Finger. Was die Zuschauer von der ARD im Groben zu sehen bekamen, war folgendes: Der einst als nahezu unschlagbar geltende Arthur Abraham musste sich ein ums andere Mal gegen bessere Boxer geschlagen geben. Dabei musste er diese Niederlagen alle in einem Turnier hinnehmen, das Sauerland sogar selbst ins Leben gerufen hatte. Sie sahen weiter, wie der russische Riese Nikolai Valuev, der auch vorher schon nicht immer sehr überzeugt hatte, erst gegen David Haye verlor und seither verletzungsbedingt nicht wieder boxte. Ob und wann Valuev wieder in den Ring steigt, steht wohl in den Sternen.
Weil Abraham verlor und Valuev nicht mehr boxte, wurden die Weltmeister der – wenn man so will – zweiten Reihe umso wichtiger für Sauerland als Hauptkämpfer. So bekam Muamer Hukic alias Marco Huck, der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, mehr Aufmerksamkeit. Dieses Mehr, auch an medialer Aufmerksamkeit nutzte er vor seinem Kampf gegen Denis Lebedev dazu, seinen Herausforderer übel zu beleidigen. Wohl noch angestachelt vom Echo in den Medien, legte er verbal dann später sogar noch einmal nach. Diese verbalen Kraftakte, blieben dann auch seine stärkste Leistung 2010. Im Kampf mit den Fäusten konnte Huck jedenfalls nur sehr knapp durch Mehrheitsentscheidung seinen Titel behalten, weil zwei Punktrichter den Kampfverlauf wohl nicht durch ihr Punkten wiedergeben konnten oder wollten. Die Folge: Ein, wie ich finde skandalöses Fehlurteil.
Das Selbstbewusstsein des Herrn Hukic war nach seinem Sieg nicht gerade angekratzt. Er sah sich nach dem Kampf als klaren Sieger, beglückwünschte sich zu seiner Leistung und dankte vor allem Gott – und nicht den Punktrichtern. Das offensichtliche Nichtanbieten eines Rückkampfes und das sehr zögerliche in Aussichtstellen einer Teilnahme an einem möglichen Super-Six-Turniers im Cruisergewicht durch Sauerland Event danach machte die ganze Sache auch nicht gerade erfreulicher. Dann setzte man Huck einen Gegner (Denis Lebedev) vor, von dem man absolut sicher sein konnte, dass er dem amtierenden Weltmeister niemals irgendwelche Schwierigkeiten machen würde.
Sebastian Sylvester konnte nur Mittelgewichtsweltmeister der IBF werden, weil Arthur Abraham diesen Titel aufgegeben hatte. Er gewann seinen Titel durch einen knappen Punktsieg mit Mehrheitsentscheidung gegen den nicht sehr starken Giovanni Lorenzo (19.09.2009). Danach verteidigte er seinen Titel durch einen TKO-Sieg gegen einen eher mittelmäßigen Boxer namens Billy Lyell (30.01.2010), der exakt ein Viertel seiner Profikämpfe verloren hatte. Dann folgte eine Pflichtverteidigung gegen Roman Karmazin (05.06.2010). Gegen ihn erreichte er nur mit Müh und Not ein nicht unumstrittenes Unentschieden. Natürlich, wir kennen das Muster schon: Es gab keinen Rückkampf, dafür aber einen leichteren Gegner (Mahir Oral). In der nächsten Pflichtverteidigung bekam er es dann mit Daniel Geale zu tun. Diesmal verlor er knapp nach Punkten
© Uwe Betker

Die Angst von Sauerland Event

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Die Angst geht um bei Sauerland Event, die Angst keinen Hauptkämpfer mehr für die ARD zu haben. Daher wird wohl auch alles getan, diejenigen, die man denn hat, auch zu behalten. Diese Angst ist auch nicht ganz unberechtigt. Erst verliert Arthur Abraham desaströs gegen Carl Froch (27.11.2010) im Super-Six-Turnier. Dann offenbart der WBO Weltmeister im Cruisergewicht Muamer Hukic alias Marco Huck in seinem letzten Kampf mentale, physische und technische Schwächen. – Ich erinnere noch einmal: Er durfte seinen Titel nur behalten, obwohl er von Denis Lebedev (18.12.2010) klar geschlagen wurde, weil zwei Punktrichter (Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo) wohl partout den Kampfverlauf nicht durch ihre Punktwertung wiedergeben wollten.
Nun gilt es das zu verteidigen, was man hat. Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) hat den Titel des Weltmeisters im Mittelgewicht der IBF, und diesen Titel gilt es um jeden Preis zu verteidigen. Der berliner Veranstalter wählt den sichersten Weg einen Titel zu verteidigen. Man sucht sich einen Gegner, der überhaupt keine Gefahr für den eigenen Boxer darstellt. Diesen Gegner hat man in Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) gefunden. Der Herr aus Aulnay-sous-Bois/Frankreich ist die Nummer 41 der Weltrangliste und immerhin die Nummer 2 der französischen Rangliste – wie aber wohl jeder weiß, liegt in Frankreich das Profiboxen danieder.
In den Regionen der unabhängigen Weltrangliste, in denen sich Bouadla tummelt, sind auch der nächste Gegner von Felix Sturm, Ronald Hearns, und Mahir Oral, der letzte Gegner von Sylvester, zu finden. In dem Kampfrekord des Herausforderers gibt es nur einen bekannten Namen, nämlich Gennady Golvkin. Und der heutige WBA-Weltmeister im Mittelgewicht besiegte ihn in seinem neunten Kampf (07.09.2007) klar nach Punkten.
Nach meiner Meinung boxt Herr Sylvester mit Bouadla nun schon den dritten Gegner innerhalb eines Jahres (Billy Lyell am 30.01.2010 und Mahir Oral am 30.10.2010), der in einem WM-Kampf nichts zu suchen hat.
Die Angst geht um bei Sauerland Event, die Angst…
© Uwe Betker

Quo vadis Sauerland Event? (2)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen Sauerland Event ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Weltmeister behalten ihre Titel unter dubiosen Umständen. Der Veranstalter sitzt den Unmut der Zuschauer aus, wohl hoffend, dass sich der Zorn verflüchtigt und ihre so noch einmal davon gekommenen Weltmeister gegen schwächere Gegner besser aussehen. Offensichtlich sind sie ängstlich darauf bedacht, keinem Gegner, der durch eine umstrittene Punktentscheidung verlor, einen Rückkampf zu gewähren. Zu groß ist ist wohl konkret nun ihre Angst, ihre beiden technisch doch eher limitierten Weltmeister, Muamer Hukic alias Marco Huck und Sebastian Sylvester, zu verlieren. Immerhin sind sie ja Weltmeister und damit Hauptkämpfer. Dem Profit wird hier wohl die Glaubwürdigkeit geopfert.
Um Glaubwürdigkeit geht es in meinen Augen auch bei der Auswahl der Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen. Auch hier sehe ich Erosionserscheinungen. Zum einen gibt es das „Sorgenkind“ Alexander Wladimirowitsch Povetkin, den Zaghaften Zar, der zwar immer noch als möglicher Gegner von Wladimir Klitschko gehandelt wird, dem aber immer, wenn ein solcher Kampf bevorsteht, etwas dazwischen kommt. Beim ersten Mal war es eine Verletzung, die er sich in den Tiefen der russischen Wäldern zugezogen hatte und beim zweiten Mal die Bedenken sein neuer Trainer Teddy Atlas in dem Dschungel von New York. Stattdessen boxte er dann Gegner aus der fünften oder sechsten Reihe. Da gab es zuerst ein „El Monstruo“ Javier Mora (29 Kämpfe, 22 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), dann kam ein „African Prince“, Teke Oruh (16 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), und danach „Stone Man“ Nicolai Firtha (27 Kämpfe, 19 Sieg, 8 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden).
Povetkin hat sich unter seinem neuen Trainer wohl nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt, was auch Wilfried Sauerland zuletzt vor laufenden Kameras verkündete. An dieser Stelle kann man sich nun auch fragen, warum solche Aufbaukämpfe ohne Bedeutung, ohne Spannung und – was am schlimmsten ist – auch ohne Unterhaltungswert zum Teil von der ARD gezeigt werden. Mich persönlich beschleicht da schon das Gefühl, dass hier auf zweierlei Weise für die Zuschauer Potemkinsche Dörfer aufgebaut werden. Zum einen soll uns hier wohl ein Boxer, der, so wie es aussieht, vermutlich nie ein würdiger Herausforderer für einen WM-Kampf im Schwergewicht werden wird, jedenfalls nicht solange Boxer von der Klasse der Klitschkos Titelträger sind, als große russische Schwergewichtshoffnung verkauft werden. Zum anderen werden uns da offenbar schwache Aufbaugegner als starke Schwergewichtsprüfungen verkauft.
Die Qualität der Gegner von Sebastian Sylvester wird, wie mir scheint, konsequent gesenkt. Zuerst boxte er in diesem Jahr gegen einen schwachen Billy Lyell (28 Kämpfe, 21 Sieg, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Danach kam die Geschichte mit der Korrektur des Punktzettels, gegen Roman Karmazin (05.06.2010), so dass gerade noch ein Unentschieden erreichte wurde. Hernach gab man ihm mit Mahir Oral (30.10.2010) einen Gegner, den man als Gegner nach einem schweren Kampf gerade mal so durchgehen lassen kann. Der nächste Gegner Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) senkt das Niveau noch einmal erheblich. Der Franzose ist lediglich die Nummer 50 der unabhängigen Weltrangliste.
Beschämend grotesk war für mich auch die letzte Kampfansetzung von der Weltmeisterin im Weltergewicht nach Version WBA, WBC und WBO Cecilia Braekhus. Sie boxte doch tatsächlich Eva Halasi, die in der unabhängigen Weltrangliste zwar auf Position 30 geführt wurde und für ihre bisherigen Kämpfe aber sage und schreibe 0 Punkte bekommen hatte, als genauso viele, wie sie auch die Letzte der Rangliste hat.
Die Kampfpaarungen wachsen sich m. E. mehr und mehr zu einem Problem aus. Mir drängt sich der Verdacht auf, Sauerland Event könnte in einen Teufelskreis gefangen sein. Ihre technisch limitierten Weltmeister Hukic und Sylvester sehen in ihren Pflichtverteidigungen schlecht aus. Sie gewinnen aber unter dubiosen Umständen. Rückkämpfe werden, weil zu gefährlich, nicht gewährt. Stattdessen werden immer unwürdigere Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen gefunden. Hinzu kommt bei ihrer weiblichen Weltmeisterin die Schwierigkeit, überhaupt gute Gegnerinnen zu finden, die ihrer „First Lady“ gleichzeitig aber nicht gefährlich werden können.
Die Stärke von Sauerland Event war es einmal, dass sie bei den Paarungen besser waren als Universum Box-Promotion. Das Matchmaking von Universum war „berühmt“. Wie formulierte es einst doch noch Darius Michalczewski, als er gefragt wurde, wer sein nächster Gegner sein sollte: „Irgendein Kater Carlo.“ Dem setzte Sauerland Event früher Qualität entgegen. Heute scheinen sie jedoch nur noch auf Sicherung des Erreichten zu setzen. Damit setzt sie sich aber womöglich der Gefahr aus, genau so zu enden wie der Boxstall von Klaus-Peter Kohl.
© Uwe Betker

Mehdi Bouadla – ein unwürdiger Gegner

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Sebastian Sylvester boxt am 22.01.2011 im Jahnsportforum in Neubrandenburg gegen Mehdi Bouadla. Formulieren wir es anders: Der IBF Weltmeister im Mittelgewicht verteidigt seinen Titel gegen Mehdi Bouadla. Wer zum Teufel ist Mehdi Bouadla?
Einen solchen Mann für einen WM-Kampf zu buchen ist, nach meiner Meinung eine ziemliche Dreistigkeit. Der Herr aus Aulnay-sous-Bois, Frankreich, ist der Dritter, nicht etwa der Zweite und erst recht nicht der Erste der unabhängigen französischen Rangliste. Er ist die Nummer 50 der unabhängigen Weltrangliste. In der Mittelgewichts Rangliste der IBF vom November ist er nicht, aber wie sollte er auch, unter den Top-15 zu finden. Aber er ist ja wohl auch ein Super Mittelgewichtler, denn er wird von der IBF als ein solcher auf Platz 14 geführt. Zu diesem Platz kam er wohl, weil er Anfang 2010 den vakanten IBF International Titel, was immer das auch heißen mag, errang. Sein Gegner bei diesem „Titelkampf“ (22.01.2010) war Francisco Antonio Mora, ein alternder argentinischer Haudegen, der seine beste Zeit wohl schon seit längerer Zeit hinter sich hat. Mora erlitt vorher eine Niederlage, und damit qualifizierte er sich für diesen „Titelkampf“ – so viel zu der Bedeutung des IBF International Titel.
Bouadla steht jedenfalls in einer IBF Rangliste. Aber es bleibt zu fragen, was ihn darüber hinaus eigentlich noch zu einem Herausforderer für die Weltmeisterschaft qualifiziert? Sein Kampfrekord (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) sagt uns nur, dass er kein Puncher ist. Der einzige Namen in seinem Rekord, der einem bekannt vorkommen sollte, ist Gennady Golovkin. Golovkin, ein kasachischer Boxer, von dem Universum Box-Promotion noch meint, ihn unter Vertrag zu haben, ist Interims Weltmeister im Mittelgewicht der WBA. Er schlug in seinem 9ten Kampf (07.09.2007), also einen Aufbaukampf, Bouadla.
Sebastian Sylvester ist nicht der beste Mittelgewichtler der Welt und daher bekommt er von seinem Veranstalter Sauerland Event auch in seinen freiwilligen Titelverteidigungen nicht die stärksten Gegner (Billy Lyll am 30.01.2010 und Mahir Oral 30.10.2010) vorgesetzt. Aber muss es denn wirklich ein Gegner sein, der in der unabhängigen Weltrangliste nur an Position 50 steht? Was ist mit Sauerland Event los, dass sie schon wieder – ich erinnere hier an die letzte unsägliche Gegnerin von Cecilla Braekhus – einen so unwürdigen Gegner für eine WM den Zuschauern präsentieren wollen?
© Uwe Betker