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Die Haare von Dominik Britsch, eine Absage mit Ansage und eine mäßige Leistung

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Der Kampf zwischen Dominik Britsch (27 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Benjamin Simon (23 Kämpfe, 22 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) fand nicht statt. Britsch wurde durch einen nicht unumstrittenen Sieg über Billy Lyell am 22.10.2011 IBF Intercontinental Meister im Mittelgewicht. Hiernach hätte er dann seinen Titel gegen Simon verteidigen sollen. Es kam, nachdem Sauerland Event und Arena Box Boxpromotion sich nicht über die Austragung einigen konnten, zu der üblichen Versteigerung. Arena bot 183.000 und Sauerland 131.400 US-Dollar.
Nun folgte ein unwürdiges, wenn auch vorhersehbares Spiel, eine Absage mit Ansage. Sauerland wollte seinen „deutschen Hoffnungsträger“ auf keiner Nicht-Sauerland Veranstaltung boxen lassen. Die Veranstaltung sollte dann auch vermutlich in der Türkei stattfinden. Auch glaubte kaum jemand, dass Sauerland Event das Risiko eingehen würde, Britsch gegen einen so unangenehmen Puncher wie Simon antreten zu lassen. Sie sagten das aber nicht direkt, sondern sie ließen sich Zeit, um etwas Anderes zu organisieren, nämlich eine EU-Meisterschaft. Wohlgemerkt eine EU-Meisterschaft, was so etwas ist, wie eine Europameisterschaft extra light. Als dann endlich ein Gegner für die EU-Meisterschaft gefunden war, Roberto Santos (26 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden), erklärte Sauerland-Geschäftsführer Christian Meyer: „Dominik ist einer der großen Deutschen Hoffnungsträger. Deshalb ziehen wir einen Kampf in Deutschland mit der ARD vor!“
Eine weitere Folge des geplatzten Kampfes war, dass Benjamin Simon nicht mehr mit Arena Box Boxpromotion zusammen arbeitet. Nun ist Robert Rolle der einzige Vertreter von Simon.
Was dann am 25.02.2012 folgte, war eine mittelprächtige Blamage. „El tigre de Benidorm“, der sich für diesen Titelkampf durch zwei Niederlagen in den letzten drei Kämpfen qualifiziert hatte und der vor dem Kampf die Nummer 106 in der unabhängigen Weltrangliste und die Nummer 3 in der spanischen Rangliste war, war entweder sehr viel stärker als erwartet oder Britsch war sehr viel schwächer als angenommen. Britsch kam über ein Unentschieden nicht hinaus. Zu erwähnen ist hier der Punktrichter Zvonko Rukavina, der Britsch aus unerfindlichen Gründen tatsächlich mit unglaublichen 117:112 vorne hatte.
Nach der schwachen Leistung von Britsch sieht es nicht mehr danach aus, als würde Sauerland Event das Risiko scheuen, seinen „deutschen Hoffnungsträger“ im Ausland auf einer Veranstaltung von einem Mitbewerber boxen zu lassen und dadurch den Zuschauern der ARD vorzuenthalten. Inzwischen sieht es nun eher danach aus, als hätte man schlicht davor Angst, Britsch gegen den brandgefährlichen Puncher Simon antreten zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn Britsch gegen Simon in der zweiten Hälfte des Kampfes so eingebrochen wäre…
Selbst die ARD, die die Zuschauer tatsächlich mit einem Bericht über die neue Frisur (Zöpfe) von Britsch auf den Kampf einstimmt, kam nach dem Kampf zu dem Schluss, dass bei Britsch Anspruch und Wirklichkeit doch etwas weit auseinanderklaffen. Er erhebt Anspruch auf Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Die Wirklichkeit bot aber gerade mal ein Unentschieden gegen Santos. Die Haare, die im Vorbericht eine so große Rolle gespielt hatten, wurden dann zu einer Art Running Gag für den ganzen Kampf. In einer Ringpause wurden dem „deutschen Hoffnungsträger“ ein paar seiner neuen Zöpfe abgeschnitten, die dann nach dem Kampf den Fernsehzuschauern gezeigt wurden.
© Uwe Betker

Arthur Abraham und die Kriese von Sauerland Event

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Am Samstag, den14.01.2012 boxt in Offenburg Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) gegen Pablo Oscar Natalio Farias (20 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage). Dieses Aufeinandertreffen verspricht ein netter Kampf zu werden. Abraham, der ehemalige Weltmeister der IBF im Mittelgewicht, soll nach drei desaströsen Niederlagen wieder aufgebaut werden. Da kommt der Mann aus Argentinien ganz recht. Es ist kein besonders hart schlagender Gegner. Seinen letzten Kampf hatte er verloren und war dabei auch zu Boden gegangen. Er ist aber auch nur die Nummer 71 der unabhängigen Weltrangliste.
Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass Abraham gewinnen wird. Das wie, also durch KO oder nach Punkten, dürfte auch eine Frage der Stallregie sein. Es ist gut und es ist richtig zu versuchen, Arthur Abraham wieder aufzubauen. Man kann sich aber schon fragen, wofür er aufgebaut werden soll. Erklärtes Ziel ist es natürlich, dass Avetik Abrahamyan wieder Weltmeister werden soll – im Super Mittelgewicht. Es fragt sich aber, ob er realistischer Weise überhaupt einen der Weltmeister schlagen kann?
Erstaunlich ist, dass der Kampf Abraham gegen Farias Hauptkampf der ARD ist. Es gab Zeiten – und die sind noch gar nicht so lange her – da konnte man den Eindruck gewinnen, dass alles, was unterhalb einer Weltmeisterschaft rangierte, unter der Würde der ARD war. Und nun wird ein Kampf gezeigt, in dem es um Nichts geht. Offensichtlich ist Sauerland Event in einer sportlichen Krise. Sie haben mit einem Marco Huck (35 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) einen Weltmeister im Cruisergwicht, der wohl lieber sein Glück im Schwergewicht versuchen will als erneut in einer Pflichtverteidigung gegen Denis Lebedev (24 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage) anzutreten. Sie haben mit Yoan Pablo Hernandez (26 Kämpfe, 25 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) einen Weltmeister, der nur umstritten IBF Weltmeister im Cruisergewicht wurde. Sie haben mit Alexander Povetkin (23 Kämpfe, 23 Sieg, 16 durch KO) einen Weltmeister im Schwergewicht, den niemand auf der Welt als richtigen Weltmeister ansehen mag. Sie haben mit Robert Helenius (17 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO) einen Europameister, der seinen Titel auf eine sehr-sehr-sehr umstrittene Art gewonnen hat.
Sauerland Event fehlen offensichtlich die Hauptkämpfer. Daher sahen sie sich wohl gezwungen, um überhaupt Titelkämpfe in der Show zu haben, mit Sport Events Steinforth zu kooperieren, um von ihnen die Titelkämpfe, ohne die es wohl doch nicht geht, zu bekommen. Das hat zur Folge, dass Robert Stieglitz (42 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) jetzt auch in der ARD seinen WBO Super Mittelgewichtstitel gegen Henry Weber (16 Kämpfe, 15 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) verteidigen darf. Es darf diesmal sogar eine Frau auf einer Sauerland Show boxen. – Bekanntermaßen ist Wilfried Sauerland ein entschiedener Gegner des Frauenboxens. – Cecilia Braekhus (19 Kämpfe, 19 Sieg, 5 durch KO), die Weltmeisterin der WBC, WBA und WBO im Weltergewicht, wird geduldet, weil sie einen lukrativen TV-Vertrag hat. – Nun also darf Ramona Kühne (19 Kämpfe, 18 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) sich auf einer Sauerland Veranstaltung präsentieren und ihre WIBF, WBO und WBF Titel im Super Federgewicht gegen Renata Domsodi (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) verteidigen.
© Uwe Betker

Felix Sturm und der drittbesten Engländer

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Gratulation! Super Champion der WBA im Mittelgewicht Felix Sturm (40 Kämpfe, 36 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) verteidigte am Freitag, dem 02.12.2011 erfolgreich seinen Titel in Mannheim. Er erreichte gegen Martin Murray (24 Kämpfe, 23 Siege, 10 durch KO, 1 Unentschieden) ein Unentschieden. Die Punktrichter Jean-Francois Toupin, Pasquale Procopio und Ted Gimza werteten 116-112, 114-114 und 113-115. Das Ergebnis kann man getrost einen Arbeitssieg nennen, denn der Titelverteidiger tat sich recht schwer.
Es ist schon sehr erstaunlich, dass die Punktrichter so werteten. Zwar war der Kampf knapp, aber dass ihn einer der Punktrichter mit zwei Runden dem Herausforderer zusprach, scheint mir persönlich doch übertrieben. Hierbei könnte allerdings der letzte Kampf von Sturm, der sich tatsächlich Leonidas nennt, eine Rolle gespielt haben. In ihm konnte er nämlich am 25.06.2011 nur umstritten gegen Matthew Macklin gewinnen. Es könnte also für Sturm gefährlich werden, wenn Punktrichter nun anfangen sich zu merken, welche Boxer umstritten nach Punkten gewannen.
Kommentatoren meinten feststellen zu können, dass Sturm, den ich noch aus Amateurzeiten als Adnan Catic kenne, deutlich besser war, als in seinem vorherigen Kampf. Das ist unbestreitbar richtig. Nur boxte er diesmal schließlich gegen den Dritten der englischen Rangliste, bzw. der Nummer 31 der unabhängigen Weltrangliste. Wir erinnern uns: Sturm, den sein Management und sein TV-Sender uns immer noch als „Legende“ verkaufen wollen, war doch angetreten, die „Besten“ zu boxen, was er aber seit 2004 nicht mehr getan hat. Da kann man schon ins Grübeln kommen, ob Sturm jemals wieder einen wirklichen Weltklassemann boxen wird, bzw. ob er das überhaupt will und wie dann der Kampf wohl ausgeht?
© Uwe Betker

Einen Klitschko fordern und einen Rosi boxen

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Der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, Muamer Hukic alias Marco Huck (34 Kämpfe, 33 Siege, 24 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), fordert immer wieder gerne öffentlich den einen oder anderen der Schwergewichtsweltmeister mit dem Nachnamen Klitschko heraus. Das zeugt von einem großen Selbstbewusstsein. Erstaunlich ist jedoch, dass jemand, der von seinen Fähigkeiten so überzeugt ist, solche Gegner akzeptiert wie die, die ihm von seinem Veranstalter Sauerland Event vorgesetzt werden.
Am 22.11.2011 soll der in Ugao, Serbien geborene Huck gegen den Argentinier Rogelio Omar Rossi (20 Kämpfe, 17 Siege, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) boxen. Der ist zwar immerhin die Nummer 1 der argentinischen Rangliste, aber nur die Nummer 20 der unabhängigen Weltrangliste. Rossis letzter Gegner, den er besiegte, war die Nummer 259 in der Welt. Davor besiegte er die Nummer 22.
Nun könnte man meinen, dass jemand, der die Klitschkos ernsthaft herausfordern möchte, auch mal irgendwann gegen einen halbwegs starken und relativ gut gerankten Schwergewichtler boxt, um seiner Herausforderung Nachdruck zu verleihen. Huck macht das allerdings nicht. Nach seinem Punktsieg am 18.12.2010 gegen Denis Lebedev, den er ja vor allem den Punktrichtern Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo zu verdanken hat, kämpfte er nur noch gegen handverlesene Gegner. Am 04.02.2011 boxte und besiegte Ran Nakash und am 16.07.2011 Hernan Garay, die auf Position 25 und 31 in der unabhängigen Weltrangliste standen. Huck und Sauerland Event konnten oder wollten keinen Rückkampf mit Lebedev, dem man m. E. übel mitgespielt hatte.
Immerhin ist Rossi, wenn man der unabhängigen Rangliste halbwegs trauen mag, der beste Gegner nach seiner Pflichtverteidigung gegen Lebedev. Und er ist eben „nur“ die Nummer 22 in der Welt.
Man kann sich schon fragen, wie Huck überhaupt auf die Idee kommt, gegen einen Klitschko eine Chance haben zu können. Sein Management jedenfalls scheint ihm noch nicht einmal einen Sieg in einem Rückkampf gegen Lebedev zuzutrauen. Wie kann es ein Boxer mit einem so großen Ego aushalten, nur gegen so schwache Gegner anzutreten? Vielleicht will er aber nur gegen die Klitschkos antreten, um das Geld zu kassieren, wissend, dass er nicht gewinnen kann? Es könnte natürlich auch sein, dass er sich nur interessant machen will. Oder …
© Uwe Betker

Geiz ist nicht geil

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Auch wenn die Werbung es uns einzubläuen versucht, Geiz ist nicht geil. Dies sieht man z.B. beim Profiboxen. Es ist kein Geheimnis, dass Eurosport versucht, so wenig Geld wie irgend möglich für Boxen auszugeben. Nun aber hat der international operierende Spartensender offenbar ein ganz neues Konzept. Es wird nämlich wohl gar nichts mehr gezahlt. Wie soll man es sich denn sonst erklären, dass der Beirut geborene Syrier und in Deutschland boxende Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO), der sich auch Manuel Charr oder Diamond Boy nennt, am 18.11.2011 in Cuxhaven umsonst boxt.
Bisher kannte man diese Form von Ausbeutung, so nenne ich es jedenfalls, nur vom Frauenboxen. Der hamburger Promoter Erol Ceylan zahlt der Nummer 34 der unabhängigen Weltrangliste keine Börse. Dafür bekommt er einen Titelkampf. Er darf um den vakanten WBC International Silver Titel boxen, was wohl eher ein Blech als ein Silbertitel ist. Obwohl der Kampf bereits in ein paar Tagen stattfindet, gibt es auch noch keinen offiziellen Gegner. Das verheißt nichts Gutes.
Offensichtlich will Eurosport auf Kosten der Qualität Geld sparen. Es ist nun schon seit geraumer Zeit zu beobachten, dass TV-Sender immer weniger Geld für das Produkt Boxen ausgeben wollen. Das hat wohl zum einen mit der wirtschaftlichen Gesamtlage zu tun. Vor allem aber dürfte es daran liegen, dass zu viele der großen Veranstalter den Fernsehanstalten zu häufig zu schlechte Shows untergejubelt haben und dafür auch noch zu viel Geld kassiert haben. Das geht allerdings auch mit einer mangelnden Kontrolle und fehlender Sachkompetent der Fernsehmacher ein. Dennoch kann doch wohl nicht sein, dass die TV-Stationen nun Programm machen, ohne die Athleten zu entlohnen. Wenn Geiz so geil ist und die Verantwortlichen von Eurosport es in Ordnung finden, dass man für erbrachte Leistung nicht bezahlt wird, wieso arbeiten sie dann nicht selbst ein paar Monate für umsonst?
© Uwe Betker

Written by betker

19. Oktober 2011 at 23:59

3mal Weltergewicht: Akmal Sadullaer, Erve Mbongo und Robert Tlatlik

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Am Freitag, dem 30.09.2011 gab es im Freudenreich Professional Boxing Gym in Düsseldorf wieder eine sehr unterhaltsame Boxshow, bei der es auch drei Profiboxkämpfe im Weltergewicht zu sehen gab.
Im ersten Kampf trafen Akmal Sadullaer auf Marvin Meier. Beide gaben ihr Profidebüt. Meier versuchte am Anfang das Geschehen im Ring durch seine boxerischen Mittel zu bestimmen. Sadullaer hingegen wartete auf seine Chance zu kontern, was er mit weiten rechten Schwingern versuchte. Meier hatte zunächst auch Erfolg und rüttelte seinen Gegner sogar einmal durch. Hierdurch jedoch weckte er Sadullaer erst. Der setzte nun auch seine Führhand sporadisch ein und wurde stärker.
Anfangs der zweiten Runde kam Sadullaer dann mit einer unvorbereiteten Rechten durch, die Meier sichtlich beeindruckte. Sadullaer trieb Meier nun regelrecht vor sich her. Eine weitere Rechte zum Kopf – und Meier musste angezählt werden. Der rang schwer nach Luft und war zu diesem Zeitpunkt bereits ein geschlagener Mann. Es folgte ein Niederschlag, der aber nicht als solcher gewertet wurde und ein weiterer, der dann gewertet wurde. Zur dritten Runde trat Meier vernünftigerweise nicht mehr an. TKO in Runde 3
Den zweiten Kampf bestritten Erve Mbongo (14 Kämpfe, 13 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Patriyk Wolke (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Mbongo war in allen Belangen seinem Gegner überlegen. In der ersten Runde dominierte er mit der Führhand. Seine Schlaghand setzte er fast überhaupt nicht ein. Dennoch traf er nahezu nach Belieben. Es schien fast so, als würde er mit Wolke nur spielen. In der zweiten Runde wurde dann aber aus dem Spiel Ernst. Mbongo erhöhte den Druck. Er schlug eine Kombination nach der anderen zu Körper und Kopf. Schließlich musste Wolke zu Boden. Bevor die dritte Runde richtig anfing, warf die Ecke von Wolke das Handtuch. TKO in Runde 3.
Den letzten und besten Profikampf des Abends lieferten sich Robert Tlatlik (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Suleyman Dag (35 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 28 Niederlagen, 19 durch KO). Es war ein klassisches Aufeinandertreffen: Ein junger aufstrebender Boxer trat gegen einen mit allen Wassern gewaschenen Handlungsreisenden in Sachen Boxen an. Tlatlik arbeitete systematisch und suchte seine Chancen. Dag versuchte immer wieder durch überfallartige Angriffe zum Ziel zu kommen bzw. seinen Gegner zu überraschen. In dem sehr intensiven und schnellen ersten Durchgang kam er auch einmal damit durch.
In den folgenden drei Runden wurde die physische und technische Überlegenheit von Tlaltlik immer deutlicher. Dag zeigte die hohe Kunst des Überlebens im Ring. Er klammert und spuckte den Mundschutz aus, um Zeit zu schinden. Er zeigte alle kleinen Fouls und Nickeligkeiten, die er in seinen vier Jahren als Profi gelernt hatte, und die es seinem Gegner schwer machten.
In der dritten Runde suchte Tlatlik dann, durch seinen Trainer Stefan Freudenreich angetrieben, den KO-Erfolg. Dag schaffte es, obwohl er viele harte Treffer nehmen musste, immer wieder, entweder sich zu entziehen oder einfach nicht runter zu gehen. Bis zur letzten Sekunde der vierten und letzten Runde wurde der Kampf hart geführt. Es war mitreißend. Einstimmiger Punktsieg für Robert Tlatlik.
(C) Uwe Betker

Written by betker

3. Oktober 2011 at 23:59

Ein wahrer Champion braucht keinen Weltmeistergürtel (2)

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Seine KO-Erfolge ließen den Bantamgewichtler Pimentel zu einem Zuschauermagneten werden. Zunächst musste er jedoch am 16.08.1963 gegen einen anderen Liebling der Fans antreten, den Ranglistenboxer Jose „Portillo“ Lopez. Lopez hatte zuvor von 38 Kämpfen nur einen verloren, und er war wie Pimentel ein KO-König. 8.500 Zuschauer kamen ins Olympic Auditorium in Los Angeles, um das Aufeinandertreffen der beiden zu verfolgen. „Ich hatte alle gegen mich: Der Promoter [George Parnassus, der später eine entscheidende Rolle in Pimentels Karriere spielen sollte] war gegen mich, weil Lopez einer seiner Fighter war. Die Punktrichter waren gegen mich. Was aber am allerschlimmsten war, die Boxfans waren auch gegen mich. Ich musste als erster in den Ring steigen, und sie buhten mich aus. Aber Gott sei Dank endete der Kampf damit, dass meine Hand nach acht großartigen Runden hochgehalten wurde.“ Diese Begegnung hielt, was das Publikum von ihm versprechen konnte. Es war ein offener Schlagabtausch, der klären sollte, wer der Härtere war. In der achten Runde schlug Pimentel im Infight Lopez KO. Dabei waren seine Fäuste nur fünf Zentimeter vom Kopf seines Gegners entfernt, als er die entscheidenden Schläge abfeuerte. Damit wurde Pimentel zum Star und zum Liebling der Boxfans links und rechts der mexikanischen Grenze.
Als er am 05.10.1963 das nächste Mal in den Ring stieg, traf er auf seinen alten Bekannten Trino Savala. Diesmal überließ er die Entscheidung nicht den Punktrichtern. Er gewann durch KO in Runde 2.
Am Ende des Jahres, am 18. Dezember, füllte er erneut eine Riesenhalle, die Los Angeles Sports Arena, bis auf den letzten Platz. Dort schlug er den Spitzenboxer Ray Asis von den Philippinen. Pimentel war zu diesem Zeitpunkt die Nummer sechs und Asis die Nummer zehn der Weltrangliste. „Vor dem Kampf, in der Umkleidekabine, sagte ich zu Kabakoff und zu meinem Bruder Joe [Jose Luis], dass ich Asis KO geschlagen habe. Kabakoff schaute meinen Bruder an und meinte, dass ich zu viele Schläge abbekommen hätte. Einen Tag später druckten die Zeitungen das Photo, auf dem Ringrichter John Thomas meine Hand zum Sieg hebt und Ray Asis auf dem Boden liegt.“ Pimentel war auf dem Höhepunkt seines Könnens, er schien unschlagbar, und ein Kampf um die Weltmeisterschaft im Bantamgewicht erschien nur folgerichtig.
Der Promoter Tony Padilla aus San Antonio/Texas, wollte einen Kampf zwischen Pimentel und dem amtierenden brasilianischen Weltmeister Eder Jofre Mitte 1964 veranstalten. Er war aber nur ein Strohmann für den einflussreichen und mächtigen Promoter George Parnassus. Pimentel bereitete sich in seinem Trainingslager vor. Der Vorverkauf für den Kampf in San Antonio zwischen einem südamerikanischen Weltmeister und einem mexikanischen Herausforderer, die beide niemals zuvor in Texas aufgetreten waren, lief sehr schlecht. Kurz vor dem Kampf hatte Jofre noch fast 5 kg Übergewicht. Es sah alles danach aus, als ob Jofre nicht mehr rechtzeitig das Limit würde bringen können. Parnassus, „der Don King der 60er“, teilte Pimentel deshalb mit, dass er aufgrund des schlechten Vorverkaufs seine und Jofres Börse halbieren müsste, damit der Kampf überhaupt stattfinden könnte. Pimentel reiste daraufhin einen Tag vor der offiziellen Absage des Kampftermins ab. Diese Abreise gab Parnassus die Möglichkeit, Pimentel für den geplatzten Kampf verantwortlich zu machen. Er behauptete, Pimentel habe seinen Gegner beim Training gesehen und Angst bekommen. Er ließ seine Beziehungen zum Präsidenten der WBC spielen, der Pimentel für ein Jahr sperrte.
Pimentel sagt dazu: „Tatsache ist: Jesus Pimentel hätte der neue Champion werden können. George Parnasssus ist dafür verantwortlich, dass ich nicht Weltmeister wurde. Er und der Präsident der WBC hielten mich bis zu meinem letzten Kampf von einem Titelkampf fern. Parnassus kontrollierte alle Manager und alle Boxer aus Mexiko, aber nicht meinen Manager Harry Kabakoff.“
Wenn Pimentel Parnasssus als „den Don King der 60er“ Jahre beschreibt, ist dies eine Untertreibung. Denn was den Einfluss angeht, so ist Don King im Vergleich zu George Parnasssus ein Kleinringveranstalter. Parnasssus war der Initiator für die Gründung des WBC (World Boxing Council). Er brachte die Seuche der Gründungen immer neuer Boxverbände in die Welt, unter der der Sport noch heute leidet. Der WBC gilt heute als ein seriöser Verband. Jedoch waren die Anfänge alles andere als das. Thomas Hauser, einer der renommiertesten Boxkenner der Welt, brachte es auf den Punkt, als er schrieb, dass der WBC in jener Zeit „nicht mehr als ein korrupter Scherz“ war.
Die Sperre jedenfalls verhinderte, dass Pimentel in der Folgezeit bei großen Veranstaltungen boxen konnte. Das wiederum kostete ihn seinen Platz als Nummer eins der Weltrangliste. Pimentel blieb jedoch fleißig und umging die Sperre, indem er in Mexiko weiterboxte. Er boxte jeden, der ihm vorgesetzt wurde, und viele seiner Gegner waren Boxer der Weltspitze. Dennoch kam er seinem Titelkampf nicht näher. Man ließ ihn mehr als sieben Jahre warten! In diesen sieben Jahren war er ununterbrochen unter den ersten zehn im Bantamgewicht.
Am 30. August 1964 in Culican endete Pimentels KO-Serie. Sein Gegner Mauro Miranda schaffte es, den Schlussgong stehend zu erreichen. Pimentel gewann nach Punkten. Weitere Spitzenboxer, die er in der Folgezeit besiegte, waren Rudolfo Cruz („Der Rudolfo-Cruz-Kampf war ein sehr harter Kampf. Ich habe noch nicht einmal Geld dafür bekommen, wegen meiner Sperre“), Fernando Soto und Alex Benitez.
In der Zwischenzeit war der Japaner Masahiko „Fighting“ Harada Weltmeister geworden. Doch auch er trat nicht gegen Pimentel an und das, obwohl Pimentel einen Vertrag mit Harada hatte, der ihn zu einem Kampf verpflichtete. Schon Anfang 1964 sollten beide gegeneinander antreten. Der Kampf fand jedoch nicht statt, weil Pimentel sich vorher verletzt hatte. Der Veranstalter des geplanten Kampfes Pimentel-Harada war – Parnassus. Parnassus wollte den Weltmeisterschaftskampf mit Jofre vorziehen und den Kampf mit Harada dann nachholen. Aber beide Kämpfe fanden nie statt.
© Uwe Betker