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Rezension: „The Proper Puglist“ von Roger Zotti

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Das Buch „The Proper Puglist“ von Roger Zotti bietet eine Sammlung von 23 „Essays“ übers Profiboxen. Es ist ein mit 77 Seiten kurzes und dabei auch kurzweiliges Buch. Aufgrund seiner Struktur vereint es Betrachtungen des Autors zu verschiedenen Aspekten des amerikanischen Profiboxens, wobei die verbindende Klammer gebildet wird durch Interessen und Vorlieben des Autors. Es finden sich Essays, Rezensionen, Erinnerungen und sogar ein Gedicht.
Roger Zotti kann schreiben, und er ist ein Boxexperte. Er schreibt regelmäßig für das „International Boxing Research Organization Journal“. Er ist auch der Autor des Büchleins „Friday Night World“, das an dieser Stelle bereits zu einem früheren Zeitpunkt besprochen wurde.
In dem Buch „The Proper Puglist“ erfahren wir u. a. etwas über Walter Cartier, Jack Dempsey, Artie Diamant, Jake LaMotta, Nathan Mann, Rocky Marciano, Gil Turner, Coley Wallace.
„The Proper Puglist“ von Roger Zotti ist, wie gesagt, ein kleines Buch. Es eignet sich dennoch nicht so sehr dazu, es in einem Zuge durchzulesen. Ich habe immer mal wieder ein oder zwei Abschnitte gelesen, es beiseite gelegt und später erneut zur Hand genommen. Das hat mir einfach Spaß gemacht.
(C) Uwe Betker

Rezension: „Friday Night World“ von Roger Zotti

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Das Buch „Friday Night World“ von Roger Zotti trägt den Untertitel „A Tribute to Fighters of the 1950s“. Es ist ein seltsames, nur 130 Seiten langes, kurzweiliges Buch. Es handelt von Helden aus der Kindheit des Autors, also von US-Boxern der 50er Jahre. Es handelt aber auch vom Aufwachsen in New Haven und der Auseinandersetzung und Identifikation mit Boxern. Und es handelt von den „Friday Night Fights“, TV-Übertragungen von Boxkämpfen. Diese „Freitagabendkämpfe“ waren Vorbild für alle TV-Übertragungen, die später kamen. Letztlich bilden sie immer noch den Maßstab, der heute nur sehr selten erreicht wird. – Vielen Boxfans sind noch heute Herausforderer aus den 50er Jahren geläufig. Viele der heutigen Weltmeister kennen die gleichen Fans aber nicht. Das hat nun keineswegs mit verklärender Nostalgie etwas zu tun, sondern einfach mit der Qualität der Kämpfe von damals.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten stellt Zotti seine Lieblinsboxer vor: Jake LaMotta, Gaspar „Indio“ Ortega, Carmen Basilio, Tony DeMarco, Joe Giradello, Wes Bascom, Sugar Ray Robinson, Irish Bob Murphy, Rex Layne, Bob Baker, Clarence Henty, Bob Satterfield, Rocky Castellani, Rocky Marciano, Kid Gavilan, Gil Turner, Chico Veja, Johnny Bratton, Gene Fullmer, Joey Maxim und Walter Cartier. Es werden Kämpfe beschrieben, Anekdoten erzählt, Biographien angerissen und es werden deren Einschätzungen durch Zottis Verwandte und Freunde wiedergegeben.
Im zweiten Teil geht Zotti auf zehn Autoren und ihre Bücher ein. Hierbei konzentriert er sich wieder auf die Boxer aus den 50er Jahren, deren Kämpfe und Geschichten.
Der dritte und letzte Teil ist sehr viel kürzer als die vorangehenden und könnte kurz zusammengefasst werden unter dem Begriff: Vermischtes.
„Friday Night World“ von Roger Zotti ist aufgrund seiner Struktur ein etwas seltsames Buch. Aber Roger Zotti kann schreiben, und er ist ein Boxexperte. Er schreibt regelmäßig für das „International Boxing Research Organization Journal“. Vor allem aber ist das Buch kurzweilig – und es macht Spaß.
(C) Uwe Betker

Rezension: „Es sind schon viele Weltmeister Alkoholiker geworden …“ von Wolfgang Weggen

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Der Hamburger Sportjournalist und Boxexperte Wolfgang Weggen legte 2006 die Biographie von Eckhard Dagge, dem zweiten deutschen Boxweltmeister, vor. Das Buch stellt eine Art Flickwerk dar, komponiert aus Erinnerungen von Zeitgenossen und Freunden, persönliche Erinnerungen des Autors und zeitgenössischen Berichten sowie Darstellungen von Weggen. Aus diesem Material lässt er ein komplexes Bild von Dagge und der Zeit, in der er lebte, erwachsen. Um es direkt zu sagen: Weggen hat eines der besten deutschen Box-Bücher, das ich je gelesen habe, geschrieben und daher ist es für, wie ich meine, jeden historisch interessierten Boxfan einfach ein Muss.
Die Lebensgeschichte von Eckhard Dagge, einem Mann mit Ecken und Kanten, wird lebendig nachgezeichnet. Es ist die Geschichte eines Mannes, der dem Alkohol verfallen war. Angefangen bei den überraschend wilden Anfängen bei Schlägereien auf dem Dorf in Probsteierhagen in Schleswig-Holstein, über seine Phase beim Bundesgrenzschutz, wo er zum Boxsport kommt. Weitere Stationen folgen: die Amateurkarriere, der Wechsel ins Profilager, die Weltmeisterschaft im Superweltergewicht, der Verlust des Titels und sein Absturz in Krankheit, Sterben und Tod. Und immer ist auch die Alkoholsucht von Dagge Thema.
Die Biographie zeichnet nicht nur das Leben und die große deutsche Boxkarriere von Dagge nach, sondern sie bietet auch ein Zeitgemälde von der verschwundenen Bundesrepublik der sechziger und siebziger Jahre. Eine Zeit, in der die Landjugend sich am Wochenende zum Vergnügen prügelte. Eine Zeit, in der es normal war als Mann zu saufen und sich zu schlagen. Eine Zeit schließlich, in der Boxkämpfe kaum je ihren Weg ins Fernsehen fanden.
Dem Buch merkt man an, dass sein Autor vom Boulevardjournalismus, Bild und Hamburger Morgenpost, kommt. Die Sprache ist sehr bildhaft und lebendig. Es lässt sich schnell runter lesen, was schon ein Vergnügen ist. Damit lässt sich Weggen aber auch anmerken, dass er seinen Dagge verehrt. Er hat – und will – keine Distanz zum Gegenstand seines Buches. Es geht hier darum ihm, Eckhard Dagge, ein Denkmal zu errichten. Und er, Weggen, ist dabei gewesen, was er dann dem Leser, nicht ganz ohne Eitelkeit, auch sagt.
Natürlich wird auch der Ursprung des berühmten Zitats: „Es sind schon viele Weltmeister Alkoholiker geworden. Aber ich bin der erste Alkoholiker, der Weltmeister wurde“, welches der vollständige Titel des Buches ist, geklärt. Da die Biographie eine Hagiographie ist, wird die Richtigkeit dieses Zitats allerdings niemals in Frage gestellt.
Ich persönlich hätte mir mehr und größere Fotos gewünscht. Auch wäre es schön gewesen, wenn der Autor etwas mehr zur gesellschaftlichen Verortung des Profiboxens im Deutschland jener Zeit geschrieben hätte. Welcher junge Leser kann mit Namen wie Fritz Gretzschel und Willy Zeller, nacheinander die Manager von Dagge, schon noch etwas anfangen? Das gleiche trifft auch auf die Namen von Dagges Gegnern zu. Dementsprechend wird das Buch nur für jemanden mit Vorkenntnissen zu einem komplett ungetrübten Lesevergnügen. Aber, wie ich schon gesagt habe und hier noch mal wiederholen möchte: Bei diesem Buch handelt es sich um eines der besten deutschen Box-Bücher überhaupt. Es ist ein Muss.
(C) Uwe Betker

Von Boxexperten im Fernsehen

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Wikipedia definiert den Experten wie folgt: „Experte, von lateinisch expertus ‚erprobt‘, (auch Fachmann/Fachfrau, Pl. Fachleute , Fach- oder Sachkundiger, Spezialist) ist ein Schlagwort und bezeichnet als solches eine Person, die über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt oder der diese Eigenschaften zugeschrieben werden. Neben dem theoretischen Wissen kann eine kompetente Anwendung desselben, also praktisches Handlungswissen, für einen Experten kennzeichnend sein.“ Also ein Experte ist ein Fachmann. Ein Boxexperte ist dann ein Fachmann in Sachen Boxen. So weit, so banal.
Ein Grundproblem mit Experten ist nun aber, dass sie zwar fachkundig sein mögen, also über ein überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet verfügen, nur heißt das noch lange nicht, dass sie Andere auch daran teilhaben lassen – und das auch dann nicht, wenn sie öffentlich als Experten auftreten. Als bestes Beispiel können da die Boxexperten im Fernsehen herangezogen werden. Einschränkend muss ich hier sagen: Das gilt vor allem für Experten im deutschen Fernsehen. Z.B. die amerikanischen Experten nämlich sind sehr viel kritischer als die deutschen. Das hat grob gesagt vor allem drei Gründe: 1. Die Bindung zwischen TV Sender und Veranstalter ist in den Staaten nicht so eng. 2. In den USA gibt es mehr Zuschauer, die sich tatsächlich fürs Boxen interessieren. 3. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es dort eine wirklich kritische Berichterstattung über Boxen, die sogar Tradition hat. Hierzulande herrscht dagegen mehr so was wie Hofberichterstattung.
Ein Beispiel zur Illustration:
Henry Maske, der ehemalige Weltmeister im Halbschwergewicht, nutzte seine Popularität als Boxer, um nach Beendigung seiner Karriere als Boxexperte für die ARD zu fungieren. Von 2007 an kommentierte er die Veranstaltungen seines ehemaligen Veranstalters Sauerland Event. Hierbei wurde er, positiv ausgedrückt, seinem Image als Gentleman gerecht. Negativ ausgedrückt, beschönigte er, was gezeigt wurde und er schreckte auch nicht davor zurück, die schlimmsten Fehlentscheidungen, wie z.B. den Punktsieg von Marco Huck über Denis Lebedev am 19.12.2010, schönzureden. Willfährig versicherte er den Zuschauern und dem ihn bezahlenden TV Sender, das, was sie zu sehen bekamen, sei gut gewesen.
Erst nachdem die ARD ihren Ausstieg aus dem Boxen à la Sauerland verkündet hatte, zeigte sich Maske ein einziges Mal kritisch. Nach dem Kampf von Firat Arslan gegen den IBF-Weltmeister Yoan Pablo Hernandez am 16.08.2014 sagte er in der ARD, er habe Arslan als Sieger gesehen. Nun könnte man ja meinen, dass Maske zum Ende seiner ARD-Experten-Karriere doch wenigsten einmal die Fernsehzuschauer von seinem überdurchschnittlich umfangreichen Wissen hätte profitieren lassen. Man kann die Sache aber auch anders verstehen. Zur selben Zeit nämlich ging das Gerücht um, Henry Maske werde in Zukunft für Z! Promotion der Brüder Zastrow tätig sein und die hätten sich nun um einen TV-Vertrag bei der ARD bemüht. Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf zeigten sich die Verantwortlichen von Sauerland recht dünnhäutig. Ulli Wegner kündigte Maske öffentlich seine Freundschaft auf und Wilfried Sauerland stellte Maskes Fähigkeit als Experte fürs Boxen in Frage. Leider habe ich das Video von der Pressekonferenz nicht mehr im Internet gefunden.
Kritik ist ja nun auch nicht gerade etwas, was ein TV-Sender oder ein Veranstalter von einem Experten hören will. So wurde z.B. Axel Schulz als Experte bei SAT.1 abgelöst, als er es doch am 25.06.2011 tatsächlich gewagt hatte, die Leistung von Felix Sturm gegen Matthew Macklin zu kritisieren.
Man kann natürlich verstehen, dass ein TV-Sender, der schließlich Geld zahlt für eine Veranstaltung, von einem Experten, den er auch bezahlt, nicht unbedingt hören will, dass das, was da gekauft wurde von schlechter Qualität ist. Gleichzeitig möchte ich den Verantwortlichen der Fernsehsender aber zu bedenken geben, dass mit jeder Show die schöngeredet und mit jeder Fehlentscheidung, die weggeredet wird, ihr Produkt an Glaubwürdigkeit verliert – genauso wie auch die Experten. Allen Beteiligten würde ein mehr an Mut und Rückgrat da m. E. schon gut tun.
© Uwe Betker