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Rezension: „Die Boxerin“ von Doris Masius

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Manche Bücher nehmen mit in fremde, ferne Welten. Manche bieten auch Einblicke in exotische Lebensformen. Beides trifft auf den Roman „Die Boxerin“ von Doris Masius zu. Das Buch von 1995 ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und kommt daher als autobiographischer Entwicklungsroman. „Der Ausdruck Entwicklungsroman bezeichnet einen Romantypus, in dem die geistig-seelische Entwicklung einer Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Umwelt dargestellt wird. Der Entwicklungsroman schildert den Reifeprozess des Protagonisten, der seine Erlebnisse und Erfahrungen reflektierend verarbeitet und seiner Persönlichkeit einverleibt.“ (Wikipedia)
Als Protagonisten begegnen wir einer großen und starken Frau. Sie ist abenteuerlustig, vor allem im sexuellen Bereich. – Mir kam zwischendurch beim Lesen auch der Verdacht, dass das Buch vor allem erotisch sein sollte. – Nach einer kurzen Ehe, entgeht sie einer Vergewaltigung, indem sie gegen den Vergewaltiger kämpft und gewinnt. Später trifft sie während eines Urlaubs eine Arbeitskollegin und beginnt mit ihr eine Affäre, in der das Ringen miteinander das Besondere ist. Über eine Annonce kommen die beiden Heldinnen in einen Club, in dem Männer und Frauen nackt miteinander kämpfen und kopulieren. Wir erfahren etwas über diverse Teilnahmen an Sessions in verschiedenen Clubs und Affären und den beruflichen Aufstieg der Protagonistin.
Soviel zur Handlung in den fernen Welten und den dortigen „exotischen Lebensformen“. Wer’s mag, kann das ja vielleicht goutieren. Mich persönlich hat es allerdings nicht besonders interessiert. Was mich aber vor allem unangenehm berührte, war die „Philosophie“, die da verbreitet wird und über die ich nur noch den Kopf schütteln kann. Beispiele gefällig?
„Es war normal, daß man sich in der Schule prügelte. Boxen war für Jungen in der Oberschule sogar Pflichtfach. Die Schule ist ja dazu da, daß jeder ausprobieren kann, wo seine Neigungen und Stärken im Leben liegen. Wie kann er feststellen, ob er vielleicht gern boxt, wenn er nicht — auch gegen seinen Willen — einige Male verprügelt wird?!“ (Seite 64)
„„Nun“, entgegnete ich, „ein junger Mann kann doch einfach in einen Ring- oder Boxverein eintreten; dort hat er doch alle Möglichkeiten.“
„Richtig“, entgegnete John, „aber dort herrscht die Philosophie des Sports: man sollte gewinnen, Sieger sein, trainieren, danach leben und so weiter. Sie gehen gern tanzen? Viele Leute tun das gern. Aber nur wenige möchten das auf einem Turniertanz machen, mit Nummern auf dem Rücken, Training und Kampfgericht. Millionen schwimmen gerne, im Meer, in irgendeinem Teich, vielleicht nackt, und sind glücklich, ohne daß ein Typ mit der Stoppuhr hinter ihnen her ist.
Ich denke, Ringen, Boxen und so weiter sind mehr Leidenschaft als Sport, sind dem Sex näher als den Medaillen.“ (Seite 67)
Soweit die Philosophie. Nun ja, mir ist das jedenfalls zu hoch. Wer weiß, vielleicht bin ich ja einfach nicht intellektuell genug, um sie durchdringen zu können. Wenn die Autorin dann auch noch Ausflüge in die Geschichte des Boxens unternimmt, dann wird es für mich so richtig ärgerlich.
„„Er erinnert mich an Max Baer, einen Weltmeister in den dreißiger Jahren, Amerikaner. Man nannte ihn das boxende Bierfaß. Angeblich trainierte er wenig, aß viel und trank Unmassen Bier, das er als Voraussetzung für erfolgreiches Boxen propagierte. Er schlug eine ganze Menge Champions seiner Epoche. Ja, ich denke, der Speck macht zwar unbeweglich, bremst aber ganz ordentlich die Schläge.““ (Seite 127)
Autsch, Frau Masius. Da hat wohl eine ihrer philosophierenden Personen Max Baer mit Tony Galento verwechselt.
Ich meine mich auch noch erinnern zu können, dass in dem Buch noch irgendetwas ähnlich historisch Fundiertes über Boxhandschuhe oder Kopfschutz stand. Vielleicht täuscht mich aber auch mein Gedächtnis. Mir sind ein paar Zettel aus dem Buch gefallen und noch mal nachzulesen, um die Textstellen zu suchen, dazu kann ich mich wirklich nicht durchringen. Ich bin mit „Die Boxerin“ von Doris Masius durch.
Die Autorin Masius, die in der Neuauflage des Buches offenbar auch Peter Paris heißt, lässt ihre/seine Hauptfigur, zusammengefasst, eine Art von geistig-seelischer Entwicklung nehmen, in der sie von einer Frau/Mädchen, die sich aus erotischen/sexuellen Gründen ritzt, zu einer Kämpferin wird, die sich schon mal mit Sicherheitsnadel irgendwelche Dekorationen an ihren Busen anhängt. – Vorausgesetzt, ich entsinne mich recht – wie gesagt, die Zettel. Ob das nun wirklich einen „Reifeprozess der Protagonistin“ darstellt, also, das mag ich nicht beurteilen. Immerhin kann ich sagen, ich habe das Buch gelesen.
© Uwe Betker

Boxen in der Kunst: „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main

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Es ist mir ein Bedürfnis, eine Ausstellung zu loben und zu empfehlen: „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main. Sie läuft noch bis zum 25. Februar 2018. „Soziale Spannungen, politische Kämpfe, gesellschaftliche Umbrüche, aber auch künstlerische Revolutionen und Neuerungen charakterisieren die Weimarer Republik. In einer großen Themenausstellung wirft die Schirn Kunsthalle Frankfurt (…) einen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918 bis 1933. Direkte, ironische, wütende, anklagende und oftmals auch prophetische Werke verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und am Übergang. Die Probleme der Zeit bewegten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zu einer Spiegelung der Wirklichkeit und des Alltags, auf der Suche nach einem neuen Realismus oder „Naturalismus“. Mit individueller Handschrift hielten sie die Geschichten ihrer Zeitgenossen einprägsam fest: Die Verarbeitung des Ersten Weltkriegs mit Darstellungen von versehrten Soldaten und von „Kriegsgewinnlern“, die Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die Großstadt mit ihrer Vergnügungsindustrie und die zunehmende Prostitution, die politischen Unruhen und wirtschaftlichen Abgründe werden ebenso verhandelt wie das Rollenbild der Neuen Frau, die Debatten um die Paragrafen 175 und 218 – Homosexualität und Abtreibung –, die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung oder die wachsende Begeisterung für den Sport. (…)
Die Schirn vereint 190 Gemälde, Grafiken und Skulpturen von 62 bekannten sowie bislang weniger beachteten Künstlerinnen und Künstlern, darunter Max Beckmann, Kate Diehn, Bitt, Otto Dix, Dodo, Conrad Felixmüller, George Grosz, Carl Grossberg, Hans und Lea Grundig, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Alice Lex, Nerlinger, Elfriede Lohse, Wächtler, Jeanne Mammen, Oskar Nerlinger, Franz Radziwill, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Richard Ziegler. Historische Filme, Zeitschriften, Plakate und Fotografien liefern darüber hinaus Hintergrundinformationen.“ (Pressetext Schirn Kunsthalle Frankfurt)
Wie ich durch die Ausstellung ging, die Bilder, Grafiken, Plakate, Skulpturen usw. betrachtete, da fiel mir sehr schnell auf, in wie hohem Maße Boxen bzw. Boxer ein Thema der Zeit, also der Weimarer Republik, war. Sieben Exponate haben mit dem Boxen zu tun oder bilden Boxer ab. Keine Sportart ist häufiger zu finden. Interessant ist, dass es dabei nicht nur um eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Sport des Boxens und mit den Boxern geht. Vielmehr zeigt sich hier die Bedeutung dieses Sports für die Gesellschaft an sich. Denn Boxen stellt hier sehr viel mehr dar als nur einen Sport oder einen Beruf.
Die Weimarer Republik, 1918 bis 1933, war eine Gesellschaft im Umbruch. Eine Gesellschaft, in der große Teile der Bevölkerung der Politik und den Politiker misstrauten, politische Extreme Zulauf fanden, breite Bevölkerungsschichten verunsichert waren … Gleichzeitig war es eine Zeit des rasanten gesellschaftlichen Wandels und der Modernisierung.
Das Boxen kam praktisch mit den heimkehrenden Kriegsgefangenen aus England nach Deutschland. Innerhalb kürzester Zeit wurde Boxen sehr populär. Natürlich bedeutete diese Popularität des Boxens nicht, dass plötzlich ganz viele Menschen Spaß daran fanden, im Ring aufeinander einzuschlagen, bzw. dem zuzusehen. Boxen traf vielmehr den Nerv der Zeit. Boxen repräsentierte den Geist der Zeit, und das in vielen Facetten, was die Ausstellung auch deutlich zeigt.
Zum einen finden wir natürlich die Abbildung des Boxers an sich, als Darstellung eines schönen, wohlproportionierten, nackten oder fast nackten Mannes. In diese Kategorie fallen zwei Skulpturen. Die erste Skulptur ist etwas über 40 Zentimeter groß und wurde von Reneé Sintenis geschaffen. Sie trägt den Titel „Der Boxer“. Renée Sintenis, die eigentlich Renate Alice hieß, schuf das Werk 1925. Es bildet den Mittelgewichtsboxer Erich Brandl (24 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 4 Unentschieden) ab.
Die zweite Skulptur, mit 54 Zentimetern ein wenig größer, ist von Rudolf Belling. Auch sie ist betitelt: „Der Boxer“ und stellt Max Schmeling, nackt und in stilisierter Form, dar. Sie entstand 1929, also noch bevor Schmeling Schwergewichtsweltmeister wurde. Beide Skulpturen wurden offenbar von Alfred Flechtheim angeregt oder in Auftrag gegeben.

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK. VON OTTO DIX BIS JEANNE MAMMEN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017, Foto: Norbert Miguletz

Alfred Flechtheim war wahrscheinlich der bedeutendste Gallerist der Weimarer Republik und er war außerdem ein bekennender Boxfan. In seiner legendären Kunstzeitschrift „Der Querschnitt“ wurden nicht nur Photos von Boxern, sondern auch Boxberichte abgedruckt. Flechtheim stellte Sintenis und Belling aus.
Beide Kleinskulpturen bilden unterschiedlich populäre Boxer ihrer Zeit ab. Zugleich wird hier einem Schönheitsideal von Männlichkeit gehuldigt, dem beide Männer entsprechen. Beide sind aufgrund ihrer Pose eindeutig als Boxer zu erkennen.
Ein Ölbild von Conrad Felixmüller heißt: „Der Schattenboxer“. Das Bild von 1921 zeigt, in der Mitte positioniert, einen verhärmten Mann in braunem Jackett, Boxhandschuhen und einer blauen Schiebermütze. Links, im Hintergrund, stehen zwei Damen in Trikot. Sie erinnern an Revuetänzerinnen. Rechts, ebenfalls im Hintergrund, findet sich ein Mann im blauen Anzug, mit braunen Schaftstiefeln oder Gamaschen. Er hat sein Hände zu Fäusten geballt und schaut hoch in die Ecke. Die alles beherrschende Figur ist jedoch der „Schattenboxer“, der im Vordergrund steht. Er hat ein sehr schmales und spitzes Gesicht. Seine Augenpartie ist durch das Schild seiner Mütze beschattet. Seine Augen sind nur Schlitze, sie könnten auch zugeschwollen sein. Seine Rechte lässt er schlaff herunterhängen und seine Linke hebt er nur bis zur Gürtellinie an. Bedrohlich oder gefährlich wirkt der „Schattenboxer“ gar nicht. Er sieht eher wie ein geschlagener Mann aus.
Damit bildet der „Schattenboxer“ von Felixmüller so etwas wie den Gegenpol zu den zwei oben beschriebenen Skulpturen. Hier sehen wir nicht mehr den gut aussehenden, strahlenden Sieger und Helden, den wir bewundern, sondern einen ausgemergelten Verlierer.
Da ist der untersetzte Mann, der uns seine gereckte rechte Faust drohend vorhält, schon noch mal von einem ganz anderen Kaliber. Auf dem Aquarell „Kraft und Tücke“ von Rudolf Schlichter ist ein nicht mehr ganz junger Mann mit freiem Oberkörper zu sehen. Er trägt eine seltsame, rote Kopfbedeckung. Mit seiner linken Faust stützt er sich auf einen Tisch. Dabei wirkt er einfach nur gemein und hinterhältig.
Damit wären wir dann auch schon bei einem weiteren Aspekt, der durch das Boxen versinnbildlicht wird, nämlich Gewalt, die durchaus bedrohlich wirken kann.
Auf derselben Ebene würde ich auch die Lithographie von Karl Hubbuch „Im Rausch des Irrens“ aus dem Jahre 1923 ansiedeln. Auf dem Bild, auf dem es von Gewalt und Schreckennur so wimmelt, sind eine Vergewaltigung, ein Mord, das Ausweiden eines Tieres und viele andere Brutalitäten zu sehen – und, im Hintergrund, auch ein Boxkampf. Das Boxen steht ebenfalls für eine existenzbedrohende Gewalt.
Wuchtiger und ähnlich gewalttätig kommt das Gemälde „Weimarer Fasching“ von Horst Naumann aus dem Jahr 1928/29 daher, das im ersten Raum hängt. Aus dem Zentrum heraus sieht den Betrachter ein Soldat im flammenroten Waffenrock an. Auf seinem Stahlhelm ist ein Hakenkreuz. Um ihn herum findet sich ein Panorama der Gesellschaft der Weimarer Republik: Politiker (Hindenburg und Ebert), Demagogen (Redner) ein Vertreter des Klerus (Mönch), ein Proletarier (ganzkörpertätowierter Arbeiter) und auch die Hochfinanz ist verteten (durch die Leuchtreklame einer Bank und Bündel von amerikanischen Dollars). Das alles wirkt sehr bedrohlich. Am Himmel fliegen auch schon Kriegsflugzeuge, ein Soldat mit Säbel hat einen Knüppel in der Hand, moderne Wohnhäuser brennen, Panzer rollen, ein Soldat mit Gasmaske kommt durch eine Giftgaswolke hindurch auf den Zuschauer zu und ein elektrischer Stuhl steht bereit. Aber auch die Vergnügungsindustrie hat ihren Platz mit tanzenden Revuegirls; die gespreizten bestrumpften Beine einer Dame werden in die Luft gestreckt und man sieht einen Boxer, der seinen Bizeps anspannt. Außerdem ist da noch ein Sarg, ein Zeppelin, Kriegsgräber, marschierende Soldaten und ein Auge, das alles sieht. Naumann malt ein düsteres Bild der Weimarer Republik. Boxen steht dabei für Gewalt und Vergnügungssucht.

Horst Naumann, Weimarer Fasching, um 1928/29, Öl auf Leinwand, 91 x 71 cm, Albertinum / Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, © Nachlass Naumann, Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel / Hans-Peter Klut

In der humoristischen Illustration aus dem Simplicissimus aus dem Jahre 1929 von Jeanne Mammen wird nur über einen Boxer gesprochen. Da sagt einen Dame in Trikot und kurzem Rock zu einer Dame im Matrosenoutfit: „Mein Boxer trainiert uff Meistertitel un´ mein Rejierungsrat uff Jroße Koalition – wat bleibt een´ da übrig als det Restchen Fasching!“
„Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main zeigt deutlich, dass das Boxen „die“ Sportart der Weimarer Republik war. Kein Sport repräsentiert die Modernität mehr – und auch die damit einhergehenden Ängste in einer sich schnell verändernden Gesellschaft. Daher wird das Boxen auch ambivalent dargestellt. Boxen ist mehr als nur ein Sport und daher geht es bei seiner Abbildung und der seiner Protagonisten auch immer um mehr. Boxen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.
© Uwe Betker

Written by betker

10. Februar 2018 at 23:59

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Rezension: “Boxing Made Easy” von Anonymous

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Das Büchlein “Boxing Made Easy” von einem unbekannten Autor, der sich als einen Schüler von Mendosa (sic) und Humpfrey (sic) bezeichnet, erschien zuerst 1865. Es ist Boxlehrwerk mit zehn Holzschnitten und hat einem Umfang von 46 Seiten. Mit Hilfe dieser Schrift lernt man Schritt für Schritt das Boxen, so wie man es vor einhundertfünfzig Jahren machte.
Auf Seite 5f. ist zu lesen: “Before yon begin to learn boxing, it will be necessary to provide yourself and your friend with a pair of mufflers, or gloves stuffed with wool, und similar in make to fencing gloves, except indeed that they are larger und more liable, if a blow with the back hand knuckles of the double fixt be struek, to prevent a wound. A blow, however, with the double fist ought not to be struck by either party, whether in learning the lessons or in sparring, since where there is no enmity, the possibility of hurting may as well be avoided. A straight blow at the face, or a blow at the mark, may be hit with the back of the hand or of the fingers; and a round blow at the face, or a blow at the ribs, with the palm of the hand.”
1865 benutze man gerade die Vorläufer der Boxhandschuhe, die so genanten “Muffler”, oder man bastelte sich selber welche. Man schlug irgendwie auf seinen Gegner ein. Innenahndschläge waren, wie oben zu lesen, normal und regelkonform. Der Leser bekommt einen guten Eindruck, wie vor 150 Jahre geboxt wurde. Der anonyme Autor stellt zum Beispiel die Methoden der Deckung, nach Daniel Mendoza und Richard Humphries gegenüber.

Daniel Mendoza (05. 07.1764 – 03.09. 1836) war ein englischer Boxer der Bare-Knuckle-Ära. Als „Englische Meister“ war er damals auch der inoffizielle Weltmeister. Er portugiesisch-sephardischer Herkunft und gilt als Erneuerer des Boxens. Er war nur 72 Kilogramm schwere und war der erste bewegliche Boxer. Richard Humphries war sein Mentor, und die Beiden boxten 1788 drei Kämpfe gegeneinander. Ihre Kämpfe hatten eine ähnliche Bedeutung wie die Ali-Frazier-Triologie.
Am Ende des Schrift gibt es noch eine kleine Exkursion zum Wrestling und einen Gegenüberstellung von siebzehn Boxern, mit Kurportraits und der Einschätzung ihrer Stärke. Der anonyme Autor scheint, Augenzeuge oder Besucher der Boxakademie von Mendoza, denn er schreibt, dass er einige der genannten Boxer tranigeren gesehen hat.
Es gibt einen netten und preiswerten indischen Reprint von dem Büchlein. Wer sich für „Old School Boxen“ interessiert, und eine Vorstellung bekommen möchte wie früher geboxt wurde, sei dieses Buch wärmsten ans Herz gelegt.
© Uwe Betker

Foto: Neue Handschuhe

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(C) Uwe Betker

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20. September 2016 at 23:59

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Rezension: “Dandy” von Daniel Patrick Joseph

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Der Autor Daniel P. Joseph ist der Sohn von Dandy Dillon (47 Kämpfe, 20 Siege, 9 durch KO, 18 Niederlagen, 3 durch KO, 9 Unentschieden), einem Federgewichtsboxer, der zwischen 1920 und 1927 aktiv war. Sein Vater starb, als Joseph siebzehn Jahre alt war. Vermutlich kannte er seinen Vater kaum. Die Eltern waren geschieden und der Autor lebte wohl bei seiner Mutter. In den letzten Jahres seines Lebens hatte Dillon auch psychische Probleme. Mit dieser Biographie versucht Joseph, seinem Vater, fast ein halbes Jahrhundert nach dessen Tod, ein Denkmal zu setzen. In seinen eigenen Worten klingt das so: “Writing the story of my father’s life was a labour of love.” Herausgekommen ist ein schmales Bändchen von 136 Seiten.
Danny Dillon wird am14.07.1903 in Grigoriopol in Moldawien, als Moishe Josofsky geboren. Seine Eltern fliehen vor den antijüdischen Pogromen des russischen Zarenreichs in die USA. Dort fängt Dillon, zusammen mit seinem Bruder, an zu boxen. Mit 16 Jahren wird er Profiboxer. Er ist einer von vielen jüdischen Boxern dieser Zeit. Er wird schnell bekannt und macht schnell Karriere. Aber der ganz große Erfolg bleibt ihm verwehrt. Nachdem er seine Boxhandschuhe an den berühmten Nagel gehängt hat, ist er als Trainer, Boxmanager, Restaurantbesitzer, Kneipenbesitzer, Taxifahrer und Verschiedenes mehr tätig. Hinzu kommen mehrere Ehen und verschiedene Kinder. Er stirbt am 28.02.1968 mit 64 Jahren.
Als Grundlage für das Buch, so der Autor, dienten ihm Sammelalben mit Zeitungsausschnitten und Internetrecherchen. Ein Grossteil des Buches besteht aus Beschreibungen der einzelnen Kämpfe, Runde für Runde. Der Sohn von Dandy Dillon verlässt sich dabei doch offensichtlich sehr aufs Internet. Er ist stolz darauf, dass sein Vater mit 17, in seinem zwölften Kampf, Champion wurde; er wurde Kanadischer Meister im Fliegengewicht. Er besiegte am 08.12.1920 Percy Buzza, den amtierenden Kanadischen Meister im Bantamgewicht. Das kann man auch nachlesen auf boxrec. Es bleibt aber weiterer Klärungsbedarf. Da sind noch einige Fragen offen, Fragen, wie: Wieso wird ein us-amerikanischer Boxer eigentlich kanadischer Meister? Wieso hat er den Titel nicht verteidigt, wenn er doch so stolz darauf war?
Bei einmal gewecktem Misstrauen stolpert man dann über immer mehr Ungereimtheiten. Am 06.09.1920 besiegte Dillon, seinem Sohn zufolge, Battling Baker, den Schottischen Meister. Dieser Kampf aber war Bakers Profidebüt. Auch, was ich da an Kampfbeschreibungen zu lesen bekomme, erscheint mir doch ziemlich unwahrscheinlich. Ich kann mir auch schlechterdings nicht vorstellen, dass Zeitungen in den zwanziger Jahren über jeden Kampf Runde für Runde berichtet haben. Die Abläufe der Kämpfe ähneln einander schon ein bisschen sehr. Viele Niederlagen sollen Fehlurteile gewesen sein. Aber belegt wird das, wenn ich es richtig gelesen habe, nur ein einziges Mal mit einem Zitat aus einer Zeitung.
Das Buch hangelt sich am Kampfrekord von Dillon entlang. Von seinem Leben erfährt man dagegen nicht so viel. Die Vorgeschichte, die Flucht vor den Pogromen, aber auch das Leben nach dem Boxen wird nur grob skizziert. Da stellt sich bei mir fast der Eindruck ein, der Autor hatte hierüber so gut wie keine Informationen. Wohlgemerkt der Autor ist der Sohn. Kein Wort verliert er auch darüber, wie Dandy Dillon so als Vater war.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, “Dandy” von Daniel Patrick Joseph ist ein seltsames Buch. Es ist schmal, unterhaltsam und man hat es schnell gelesen. Aber, eine Biographie von Dandy Dillon ist es irgendwie nicht. Vielmehr erscheint es eher als das Produkt der Suche eines um die 60 Jahre alten Mannes nach seinem Vater, den er wohl nie richtig gekannt hat. Der Wunsch springt einen an, sein Vater möge mehr gewesen sein als nur einer von vielen guten jüdischen Boxern seiner Zeit, der Wunsch, sein Vater möge etwas Besonderes gewesen sein. Als würde die Erinnerung an einen Vater Dandy Dillon, der ein ganz besonderer Boxer gewesen wäre, seiner Abwesenheit als Vater nachträglich doch noch einen gewissen Sinn geben können. Daher erscheint mir das Buch nicht nur zwiespältig, sondern auch als ein trauriges Vergnügen.
© Uwe Betker

Foto: Handschuhe

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(C) Uwe Betker

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6. Juni 2016 at 23:59

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(C) Uwe Betker

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19. Oktober 2015 at 23:59

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