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Vorweihnachtliches Boxen in Düren

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Kurz vor Weihnachten, am 16.12.2017, war es die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren, wo man als Freund des gepflegten Kampfsports gewesen sein sollte. Baktash Saidi hatte eine schöne Veranstaltung auf die Beine gestellt. Es gab insgesamt 21 Kämpfe zu sehen, 8 K1-Kämpfe, 10 Amateurboxkämpfe und 3 Profiboxkämpfe. Den Anfang machten zwei K1-Kämpfer, die beide nur knapp die Höhe des zweiten Seils erreichten. Einer von diesen beiden war der Sohn des Veranstalters. Nach drei mal einer Minute gab es ein gerechtes Unentschieden.

Den Anfang bei den Boxprofis machten im Super Mittelgewicht Alpay Yaman und Mesud Guenay (6 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Yaman schob sich, hinter einer Doppeldeckung verschanzt, heran und versuchte zu explodieren. Guenay, ein Schützling von Yusuf Kanguel
versuchte, dagegen seinen Reichweitenvorteil auszuspielen und sich seinen Gegner durch lange Hände und schnelle Beine vom Hals zu halten. Das machte er auch ziemlich gut. Yaman kam nur ganz selten mit seinem Jab durch. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck. Es kam so auch zu mehr Schlagabtäuschen und Yaman kam nun auch mehrfach schön zum Kopf durch. In der dritten Runde ließ der Druck von Yaman wieder etwas nach, wodurch Guenay wieder besser mit seinen langen Händen punkten konnte. In der vierten Runde suchte Guenay den KO, den er allerdings nicht erreichte. Für meinen Geschmack ging er viel zu wenig zum Körper. Der GBA Ring- und Punktrichter Kazim Kurnaz wertete 40:37. „Einstimmiger“ Punktsieger: Alpay Yaman. – Ich haber den Kampf eher als Unentschieden gesehen.
Anschließend stiegen ebenfalls im Super Mittelgewicht Timo Rost (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Mohamed Boulahya (8 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Sechsrunder in den Ring. Die erste Runde, wie auch alle folgenden Runden, wurde extrem schnell und hart geführt. Boulahya machte Druck und versuchte Wirkungstreffer ins Ziel zu bringen. Rost war schnell auf den Beinen und ließ ihn oft in Leere laufen. Es gab nur wenige Treffer. In der zweiten Runde übernahm Rost das Kommando im Ring. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Am Ende der Runde stellte er Boulahya in dessen Ecke und kam mit drei harten rechten Kopfhaken durch. In der dritten Runde gab es mehr harte Schlagabtäusche. In der folgenden vierten Runde nahm Rost, der Mann von Trainer Rüdiger May, die Jagd auf. Nach ca. einer Minute sah es so aus, als würde Boulahya nach einer Kombination zum Kopf einknicken und am Ende der Runde wurde ihm ein Punkt wegen Haltens abgezogen. In der fünften Runde tanzte Timo um Boulahya und punktete immer wieder mit Kontern. In der sechsten Runde wurde der Kampf etwas ruppig. Beide suchten den KO. Die Punktwertung: 57:56. Sieger nach Punkten Timo Rost.
Den letzten Kampf des Abends bestritt der Veranstalter Baktash Saidi (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) selbst. Er boxte im Super Weltergewicht gegen Suleyman Dag (99 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO, 89 Niederlagen, 61 durch KO), der ganz kurzfristig für den erkrankten Ersatzgegner eingesprungen war. Dag versuchte zu kreisen und zum Körper zu gehen. Baktash wartete zunächst ab, um dann zum Körper zu gehen. Er spielte mit Dag. In der zweiten Runde machte Saidi mehr Druck. Er ging mehr zum Körper und bewegte sich schneller. In der dritten Runde kam dann das erwartete Ende. Dag musste erst nach einer Linken zum Körper und dann nach einer rechten Graden zum Solarplexus zu Boden. Das Handtuch beendete dann den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 1:57 Minuten: Baktash Saidi.
Die Rurtalhalle in Lendersdorf/Düren war Austragungsort für eine kleine und schöne vorweihnachtliche Kampfsportveranstaltung. Es gab keine Geschenke, dafür aber Schläge. Dem Publikum gefiel es und am Ende wurden auch keine Weihnachtslieder gesungen.
(C) Uwe Betker

In memoriam Stefan Raaff

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Der kölner Kickboxer, Trainer und Boxprofi Stefan Raaff ist tot. Der 45-Jährige ist am Montagabend auf einer Straße in Köln durch mehrere Schüsse in den Bauch getötet worden. Liest man den Bericht des kölner Express über diese Ereignisse, so kann man den Eindruck bekommen, Raaff sei Mitglied der „Hells Angels“ gewesen und sein Tod stünde damit in Zusammenhang.
Ich kannte Stefan Raaff und ich habe ihn als einen sehr netten Mann, fairen Sportsmann und guten Boxer kennen und schätzen gelernt. Ich kannte ihn nicht so gut, dass ich ihn meinen Freund hätte nennen können und ich bin mir der Tatsache bewusst, dass man einem Menschen immer nur vor und nicht in den Kopf gucken kann. Aber ich habe doch einige Zweifel an der Rockergeschichte.
Dass Raaff etwas mit den „Hells Angels“ zu tun gehabt haben soll, davon habe ich seltsamerweise nie etwas gehört. Ich kenne auch keinen, der davon etwas gehört hätte. Was aber am meisten dabei überrascht, ist, dass die „Hells Angels“ selbst nicht bestätigt haben, dass einer von ihnen getötet wurde. Angeblich bestreiten sie sogar, dass Raaff jemals ihre Kutte getragen hat. Ich habe also meine Zweifel daran, dass diese Geschichte überhaupt stimmt. Mir kommt es eher so vor, als wollte dort jemand den guten Ruf von Raaff beschädigen.
Der Cruisergewichtler Stefan Raaff (11 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) bleibt mir in Erinnerung als einer, der das Boxen gelebt hat. Er trat gegen Alexander Frenkel (04.11.2006) und Yoan Pablo Hernandez (07.06.2008) an, obwohl er wusste, dass er gegen sie keine Chance hatte. Er war ein Boxer, der die Herausforderung liebte. Er bot seinen Zuschauern immer eine gute Show, ob er nun siegte oder verlor. Er hatte in und um Köln viele Fans und er galt als loyaler Freund. Er veranstaltete auch selber kleine Shows. Männer wie Raaff halten das Boxen in Deutschland am Leben.
Tschüs Stefan.
© Uwe Betker