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Regina Halmich schlägt Tyron Zeuge

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In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift des Verbandes Deutscher Sportjournalisten „sportjournalist“ widmet sich ein Artikel von Ulf Zimmermann dem Boxsport bzw. dem Profiboxen in Deutschland. Er unternimmt eine Bestandsaufnahme der Medien- bzw. TV-Präsens von Boxen in Deutschland.
Der Titel „Boxen am Boden“ nimmt das Ergebnis der Untersuchung vorweg. Mit der Niederlage von Wladimir Klitschko am 29. April 2017 gegen Anthony Joshua und seinem anschließenden Rücktritt am 03. August ging eine Ära zu Ende. Nicht nur Klitschko hat sich vom Boxen verabschiedet, sondern auch sein TV-Partner RTL. Zumindest macht RTL nun eine Pause, nachdem der auserkorene Klitschkonachfolger Marco Huck zwei Niederlagen in drei Kämpfen kassiert hat.
Zu Recht wird bemerkt, dass die Klitschko-Ära bei RTL den schleichenden Niedergang des Boxens verschleiert hat. Das ZDF stieg schon 2010 bei Universum Box-Promotion aus und verabschiedete sich damit vom Boxen. Die ARD folgte 2014 und beendete die Zusammenarbeit mit Sauerland. Das Interesse an den damaligen Protagonisten Arthur Abraham und Felix Sturm waren rapide gesunken. Hinzu kamen Widerstände innerhalb der ARD gegen das Boxen.
Sieht man mal vom Internet ab, bleiben nur Sat. 1 und MDR zurück. Der MDR überträgt die Veranstaltungen des SES-Boxstalls aus Magdeburg. In diesen Fällen sind wohl beide Seiten mit der Zusammenarbeit zufrieden. Sat. 1 zeigt manchmal noch Boxer aus dem Team Sauerland, das im Augenblick allerdings nur einen Weltmeister, nämlich Tyron Zeuge, hat.
Schaut man sich dann noch die Einschaltquoten an, dann sieht man, wie sehr das Boxen in Deutschland in die Knie gegangen ist.
Zur Hochzeit des Boxens erreichten Axel Schulz vs. Frans Botha (RTL, 9.12.1995) 18,03 Millionen Zuschauer, was einen Marktanteil von 68 % entspricht, Henry Maske vs. Graciano Rocchigiani II (RTL, 14.10.1995) 17,59 Millionen, gleich 73,2% und Henry Maske vs. Virgil Hill I (RTL, 23.11.1996) 17,52 Millionen, gleich 59,6%.
Die Gebrüder Klitschkos kamen dem noch mal sehr nahe. Wladimir Klitschko vs. David Haye (RTL, 2.7.2011) sahen 15,50 Millionen, Vitali Klitschko vs. Shannon Briggs (RTL, 16.10.2010) sahen 13,29 Millionen und Wladimir Klitschko vs. Ray Austin (RTL, 10.3.2007) sahen 12,89 Millionen.
Alle, die als Nachfolger von Henry Maske gehandelt wurden, erreichten niedrigere Quoten. Thomas Ulrich vs. Cleveland Nelson (Sat.1, 1.4.2000) erreichte 8,04 Millionen, Dariusz Michalczewski vs. Fabrice Tiozzo (ZDF, 25.2.2005) 7,87 Millionen und Luan Krasniqi vs. Lamon Brewster (ZDF, 28.9.2005) 7,62 Millionen.
In ähnlichen Regionen bewegte sich auch Regina Halmich. Halmich vs. Shmoulefeld Finer (ZDF, 30.11.2007) sahen 8,80 Millionen, Halmich vs. Elena Reid II (ZDF, 3.12.2005) sahen 6,49 Millionen und Halmich vs. Reka Krempf (ZDF, 13.1.2007) sahen 6,33 Millionen.
Tyron Zeuge verliert selbst im direkten Vergleich zu Regina Halmich. Zeuge vs. Paul Smith (Sat.1, 17.6.2017) interessierten 1,43 Millionen, Zeuge vs. lsaak Ekpo (Sat.1, 25.3.2017) 1,57 Millionen und Zeuge vs. Giovanni de Carolis (Sat.1, 5.11.2016) 1,72 Millionen.
Sat.1 Hauptkämpfer Tyron Zeuges Quoten jedenfalls bleiben weit hinter denen von Regina Halmich zurück. Er ist keine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Er ist eher bescheiden im Auftreten. Für seinen letzten Kampf gegen Paul Smith blieben 1,43 Millionen Menschen zur späten Abendstunde vor ihren Bildschirmen sitzen.
Sat. 1-Sportchef Alexander Rösner, der boxaffin betont: „Jede Sportart braucht nationale Identifikationsfiguren, so auch das Boxen.“ Die Frage aber, die sich dann automatisch stellte, lautete: Kommen denn neue Boxer, die in die Fußstapfen von Henry Maske, oder zumindest von Thomas Ulrich, Dariusz Michalczewski, Felix Sturm und Arthur Abraham treten können, ohne darin zu versinken.
Rösner und Team Sauerland verweisen auf den Supermittelgewichtler Leon Bauer (13 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Eine Schwalbe macht allerdings noch keinen Sommer und ein Sportler allein hält eine Sportart noch nicht am Leben. Matthias Bolhöfer, der RTL Sprecher, formulierte es so: „Es muss jemand sein, der hier eine hohe Akzeptanz hat. Die Zuschauer wollen Identifikation“.
„Nationale Identifikationsfiguren“ mit boxerischem Können, davon bin ich persönlich überzeugt, gibt es in Deutschland genug; und sie könnten auch eine „hohe Akzeptanz“ bei den Zuschauern erreichen. Das Problem ist nur, diese Boxer werden wohl noch einige Zeit brauchen, um zu reifen.
© Uwe Betker

Vom Schreiben übers Boxen

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Beim Profiboxen ist es wie bei anderen Sportarten auch. Verbände, Vereine, Veranstalter und Sportler möchten von der Presse wahrgenommen werden. Sie möchten, dass über sie berichtet wird. Vor allem möchte sie natürlich, dass positiv über sie berichtet wird. Den Verbänden, Vereinen, Veranstaltern und selbst den Sportlern geht es nämlich häufig nicht um den Sport, sondern vielmehr ums Geld. Man kann den Begriff Geld auch z.B. ersetzen durch TV-Verträge, Werbeverträge, Sponsoren usw. Und wenn es nicht ums Geld geht, dann geht es um Posten, Einfluss und Wichtigkeit. Dementsprechend wollen alle eine positive Berichterstattung.
Die Sportredaktionen sind voll von Kollegen, die Fußballspezialisten und Allrounder sind. Aufgrund der Struktur der Medien können Verbände, Vereine, Veranstalter und Sportler recht sicher sein vor einer kritischen Berichterstattung. Einige Kollegen schrecken, nicht nur aus zeitökonomischen Gründen, vor „heißen Themen“, mit denen man sich unbeliebt machen kann, zurück. Wer unangenehm auffällt, könnte nämlich eventuell seinen Platz am Ring verlieren, nicht mehr das gewünschte exklusive Interview oder die Einladung zur After-Show-Party bekommen.
Es gibt die etwas zynische Definition des Sportjournalisten als eines Fans, der es auf die andere Seite des Zauns geschafft hat. Diejenigen, die es auf besagte andere Seite des Zauns geschafft haben, sind denjenigen, die mit Sport Geld verdienen, die liebsten. Fans sind nämlich häufig unkritisch. Fans haben über eine längere Zeit eine leidenschaftliche und emotionale Beziehung zu ihren Fanobjekten. Fans möchten in der Regel eine Berichterstattung, die ihrer Heldenverehrung Nahrung gibt. Fans möchten nicht, dass ihre Helden schaden nehmen. Und so kommt es, dass, wie beim Fußball, auch beim Boxen kaum jemand etwas von der Seuche Doping wissen will.
Beim Boxen sind die Sitten etwas rauer, als bei anderen Sportarten. So lauern schon mal irgendwelche Schläger Journalisten auf, um diese dann zu bedrohen. Ein Kopfgeld ist auch schon mal auf einen unliebsamen Journalisten ausgesetzt worden. Da sind dann Drohanrufe, die Verweigerung der Akkreditierung, Hausverbote oder die Streichung aus dem Presseverteiler noch zivilisierte Arten, mit Kritik umzugehen.
Hinzu kommen Kommentare in den sozialen Netzwerken von Personen, die sich berufen fühlen, etwas oder jemanden vor Kritikern zu schützen. Reaktionen dieser Art sind meist wie monosynaptische Reflexe. Es wird über den „Schreiberling“ gelästert, es wird ihm dann mangelnde Kompetenz oder fehlende Information vorgeworfen. Konkret wird nur selten auf Kritik geantwortet. Meist reicht den Verteidigern der Verweis auf mangelnde Detailkenntnisse oder noch besser, schwebende Verfahren, über die man sich nicht äußern könne.
Genau dies trifft den Zeitgeist. In den sozialen Medien werden Menschen von anderen, die sich oft hinter Pseudonymen verstecken, beleidigt und bedroht. Gerne fällt auch mal das Wort „Lügenpresse“. Denen, die dieses Wort so gerne benutzen, ist es dabei offensichtlich egal, dass dies ein Lieblingswort der Nationalsozialisten war, mit dem sie gegen Demokraten, Juden und Kommunisten hetzten.
Es gibt sie aber auch: die Intelligenten und die Vernünftigen. Damit meine ich diejenigen, die verstehen, dass, wenn hier Kritik geübt wird, es um die gemeinsame Sache geht, nämlich um den Boxsport. So ist es mir auch schon wiederholt passiert, dass Personen, die ich kritisiert hatte, später Freunde wurden. Denn es gibt ein gemeinsames Ziel: ein gutes Profiboxen.
Journalismus wird oft als vierte Gewalt im Staat bezeichnet, weil er zur öffentlichen Meinungsbildung beiträgt. Damit ist auch gesagt, dass es nicht die Aufgabe des Journalisten ist, Verbänden, Veranstaltern und Sportlern nach dem Mund zu reden, deren PR-Abteilung zu sein und dafür zu sorgen, dass sie wohlhabender werden und sich wohl fühlen. Vielmehr ist es seine Aufgabe, durch eine kritische Berichterstattung zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen.
© Uwe Betker

Ein Plädoyer für Mindeststandards von Boxverbänden

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Die Glaubwürdigkeit des deutschen Profiboxens nimmt rasant ab. Mal werden positive Dopingergebnisse gar nicht gemeldet, mal werden überführte Doper nur so lange gesperrt, dass es einem unaufmerksamen Zuschauer gar nicht erst auffällt und dann werden Ergebnisse von Punktrichterentscheidungen ein paar Monate später mal eben einfach geändert. Manchmal habe ich das Gefühl, jeden Monat gibt es einen neuen Skandal und alle werden ausgesessen und es ändert sich nichts. Lediglich die Glaubwürdigkeit nimmt immer weiter ab.
Da Profiboxverbände keiner staatlichen und kaum einer publizistischen Kontrolle unterliegen, können sie im Prinzip schalten und walten wie sie möchten. Werden sie mal verklagt, vertrauen sie darauf, dass die Richter sich der Tragweite der Ungeheuerlichkeiten, die da passieren, überhaupt gar nicht bewusst werden, nicht verstehen können oder wollen. Juristisch sind die ganzen Skandale kaum aufzuarbeiten. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass die Verbände eingetragene Vereine sind. Das nämlich erlaubt es den Verbänden, sich zu verhalten, wie sie es eben tun. Und der deutsche Staat ist nun mal leider nicht willens, die Sportverbände zu kontrollieren. So haben wir denn dieses immer größer werdende Problem des Glaubwürdigkeitsschwundes.
Dabei gäbe es ein simples Mittel, dem entgegenzutreten und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die Boxverbände müssten nur einfache Mindeststandards einhalten. Sicher, es ist geradezu peinlich, Mindeststandards einzufordern, denn die müssten doch wohl selbstverständlich sein. Sind sie aber nicht. Die nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber wären diese Mindeststandards eingehalten worden, wäre die Glaubwürdigkeit des Profiboxens nicht so massiv ramponiert worden.

– Der Verband hält sich an die eigenen Regeln.
– Der Verband hält sich an die internationalen Regeln.
– Der Verband sieht sich als Vertreter aller Mitglieder, unabhängig davon wie viel Geld sie für den Verband generieren.
– Der Verband vertritt im gleichermaße die Interessen ausländischer Boxer.
– Der Verband sieht sich nicht als Interessensvertreter oder als Exekutive einzelner nationaler Veranstalter.
– Alle Vertreter und Offiziellen sind frei von finanziellen Interessen, die mit dem Boxsport zu tun haben. Das heißt, wer als Veranstalter, Matchmaker, Manager, Trainer, Securityanbieter oder sonst wie als Dienstleister im Bereich Profiboxen tätig ist, darf keine offizielle Position im Verband innehaben.
– Die Titelsituation wird transparent gemacht. Der Verband veröffentlicht für jeden einsehbar, welcher nationale Titel von wem gehalten wird und welche Titel vakant sind.
– Zu jedem Kampf wird die Punktwertung transparent gemacht. Bei jedem Punkturteil wird die Punktwertung verkündet. Es wird transparent gemacht, welcher Punktrichter wie gewertet hat und das wird dann auch bei boxrec eingetragen.
– Tatsachenentscheidungen von Kampfgerichten werden prinzipiell nicht geändert.
– Werden Punkturteile geändert, werden die Gründe transparent gemacht und öffentlich genannt. Alle Beteiligten (Boxer, Trainer, Manager, nationale und internationale Verbände und auch die Öffentlichkeit) werden über die Änderung eines Urteils und deren Gründe informiert.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter werden nicht mehr eingesetzt. Wenn ein Punkt- oder Ringrichter den Beweis erbracht hat, dass er unfähig, unwillig oder indisponiert ist, wird er gesperrt, damit er genug Zeit für Nachschulungen hat. Die Sperre wird öffentlich gemacht.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter werden auch dann gesperrt, wenn sie angeblich psychisch labil sind und mit Selbstmord drohen.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter, die nach einer Sperre ihr Handwerk immer noch nicht beherrschen, werden von allen offiziellen Funktionen im nationalen Verband sowie internationalen Verbänden ausgeschlossen.
– Kämpfe von Boxerinnen und Boxern, die von anderen nationalen und internationalen Verbänden gesperrt sind, dürfen nicht sanktioniert werden.
– Doping wird bestraft. Doping muss bestraft werden, und die Strafe muss für den Doper, der nichts anderes als ein Betrüger ist, spürbar und empfindlich sein.
– Doping wird veröffentlicht. Jedes Doping wird transparent gemacht. Jede Dopingstrafe veröffentlicht (Suspension List).
– Doping wird kontrolliert, und zwar nicht nur nach Titelkämpfen. Will man ernsthaft gegen das Doping vorgehen, so muss es auch unangemeldete Kontrollen gegen.
Wie schon gesagt, dies sind einfache Mindeststandards und man sollte eigentlich erwarten können, dass die Boxverbände sie auch einhalten. Wenn mich nicht die Realität im Profiboxen eines Besseren belehrt hätte, würde ich mich nicht der Peinlichkeit aussetzten, solche Selbstverständlichkeiten hier noch aufzuschreiben. Aber diese Selbstverständlichen sind eben nicht selbstverständlich. Daher ist es auch notwendig, Mindeststandards einzufordern.
(C) Uwe Betker

Written by betker

31. Juli 2016 at 23:59

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Ein Perfekter Sonntagnachmittag: 27 Kämpfe, eine Band und zwei Go-Go-Tänzerinnen

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An einem Sonntag Nachmittag und Abend gibt es doch kaum etwas Besseres, was man tun könnte, als Boxen zu gucken. Am 1. März war Hoensbroek, bei Heerlen, der Ort, wo man gewesen sein sollte. Die Halle dort ist relativ klein; sie fasst einen Hochring, links und rechts davon ein paar Stuhlreihen, dahinter eine Bühne mit Stühlen und Tischen, eine Theke und jede Menge Stehplätze – ein guter Ort also fürs Boxen. Es gab 22 Amateurkämpfe, und es fand das Finale der Südniederländischen Meisterschaft statt. Dann gab es noch einen Semi-Profikampf und 4 Profikämpfe zu sehen. Insgesamt waren es also 27 Kämpfe. In den Pausen spielte eine kleine Band und, was immer noch viel zu selten dargeboten wird, zwei Go-Go-Tänzerinnen zeigten ihr Können.
Den ersten Profikampf des Abends bestritten Melvin Wassing (7 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Azad Dogru (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 5 durch KO) im Weltergewicht. Wassing zeigte eine schöne steife Linke, die immer wieder ihr Ziel fand. Nach ungefähr einer Minute stellte er seinen Gegner in einer neutralen Ecke und deckte ihn mit einer kleinen Kombination ein, die Dogru zu Boden schickte. Hierauf suchte dieser sein Heil in Schwingern, die aber nicht ihr Ziel fanden. Kurze Zeit später fand sich Dogru erneut auf dem Ringboden wieder. Diesmal wurde er jedoch nicht angezählt, weil er nach einer Rangelei und einem Dreher gestoßen worden war. Kurze Zeit später stellte Wassing ihn aber wieder in der neutralen Ecke. Er kam mit einer schönen linken Graden zum Kopf und einem rechten Körperhaken durch und Dogru musste zu Boden, wo er angezählt wurde.
Wassing kam offensichtlich in die zweite Runde mit dem Vorsatz, seinem Gegner den Rest zu geben. Der musste dann auch schon bei der ersten ernst zu nehmenden Aktion wieder runter. Hiernach versuchte sich Dogru durch tiefes Auspendeln zu schützen, aber Wassing kam mit einem linken und rechten Körpertreffer durch, die sein Gegenüber erneut zu Boden zwangen. Hier nun hatte der Ringrichter genug gesehen und brach das ungleich gewordene Duell ab. TKO Runde 2 nach 0:40 Sekunden.
Im folgenden Kampf trafen René Oeffner (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und und Selim Sarialioglu (7 Kämpfe, 7 Niederlagen, 7 durch KO) im Supermittelgewicht aufeinander. Zwar besetzte Sarialioglu die Ringmitte, aber Oeffner punktete schön mit seiner steifen Führhand. Immer wieder konnte Oeffner seinen Gegner mit seiner steifen rechten Graden zum Kopf abkontern. Die erste Runde war ausgesprochen schön. Leider gab es keine weitere, weil Sarialioglu, aufgrund einer Verletzung der linken Schulter, nicht mehr zur zweiten Runde antrat. TKO 2 nach 0 Sekunden.
Der folgende Kampf war noch kürzer, aber dafür spektakulärer. Andranik Mirzoyan, der sein Profidebüt gab, traf auf Chauki Harnasi (17 Kämpfe, 17 Niederlagen, 8 durch KO) im Halbschwergewicht. Mirzoyan wirkte sehr stabil und fokussiert. Man hatte den Eindruck, dass jeder seiner Schläge, die er gut verteilte, entscheidend für den Kampf hätte sein können. Er trieb seinen Gegner vor sich her und suchte den KO. Bald schon hatte er Harnasi an den Seilen gestellt und kam mit einer Linken zum Kopf, gefolgt von einem Leberhaken durch. Harnasi wurde ausgezählt. KO in Runde 1 nach 2:17 min.
Der Hauptkampf war auf sechs Runden angesetzt. In ihm trafen Somay Bilal (5 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO) und Arnaud Dimidschtein (16 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) im Halbweltergewicht aufeinander. Bilal, ein Rechtsausleger, boxte lässig mit hängender Deckung, sich auf seine schnellen und gute Reflexe verlassend. Er dominierte den Kampf. Er schlug meist ein- oder zweimal eine Führhand, um dann mit seiner Schlaghand nachzuziehen. Leider kam es zu einigen unschönen Zusammenstößen mit den Köpfen, weil beide Boxer immer wieder nach Aktionen in den Mann reingingen. In den zweiten Durchgang ging Bilal mit dem offensichtlichen Vorsatz, eine vorzeitige Entscheidung zu suchen. Immer wieder kam er mit seiner rechten Führhand, gefolgt von seiner linken Schlaghand, häufig als Haken geschlagen, durch. Mitte der dritten Runde, die noch intensiver als die vorangegangene geführt worden war, zog sich Dimidschtein einen Cut rechtsseitig im Haaransatz zu. Der Ringarzt brach den Kampf ab. TKO Runde 3 nach 1:35 min.
Für mich war nicht erkennbar, wie es zu der Cutverletzung gekommen war. Auch hätte ich, den Kampf wohl noch eine Weile weiter laufen lassen. Aber ich bin kein Arzt und habe die Wunde auch nicht von Nahem gesehen.
Hoensbroek bei Heerlen war der Ort, an dem man am 1. März gewesen sein musste. Der Veranstalter Patrick Driessen hat wieder einmal eine großartige Veranstaltung auf die Beine gestellt. Die Amateurkämpfe waren gut, die Life Band, die in den Pausen spielte, war hörenswert, die Go-Go-Tänzerinnen waren ein Augenschmaus – habe ich schon erwähnt, dass Go-Go-Tänzerinnen, wie ich finde, durchaus eine Bereicherung für den Boxsport darstellen? – und die Profikämpfe waren so, wie sie sein sollten, nämlich hart und gut. Mindestens dreien der vier Boxer, die dort gewonnen haben, traue ich noch einiges zu. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung. – Herr Driessen, hiermit möchte ich mich schon jetzt für ihre nächste Veranstaltung akkreditieren.
(C) Uwe Betker

Fernsehen und Boxen in Deutschland

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Wenn eine deutsche Fernsehanstalt über eine Debatte im Deutschen Bundestag oder über die Kurse an der Börse oder über einen spektakulären Prozess berichten möchte, dann tut sie das – und sie tut das, ohne dafür Geld zu zahlen. Will dieselbe Fernsehanstalt nun aber über Sportveranstaltungen berichten, z. B. Bundesligafußball oder Profiboxen, dann muss sie die bezahlen. M.E. erwirbt der Zahlende dadurch aber natürlich auch Rechte an dem gekauften Produkt und knüpft an den Kauf Erwartungen.
Das Fernsehen zahlt Millionenbeträge für Sportrechte. Das schafft dann auch einen Legitimierungsdruck, aus dem sich Fragen ergeben: War es denn richtig, einen Vertrag abzuschließen mit diesem oder jenem Promoter? Ist es überhaupt vorstellbar, dass ein Fernsehreporter sich auf diesem Hintergrund zu sagen traut, bei dem folgenden Kampf handele es sich um eine schlechte Kampfansetzung, die ihr Geld nicht wert ist? Wohl kaum! Der TV Sportreporter hat schließlich nicht nur die Aufgabe, über die Veranstaltung zu berichten, sondern er muss sie verkaufen. Der Journalist hört hier auf, Berichterstatter zu sein, er wird zum Verkäufer.
Gleichzeitig gilt es, die Wünsche und Erwartungen der Zuschauer zu bedienen. Eine Berichterstattung wollen die allerdings meist gar nicht, sondern mehr Fan-TV – zumindest beim Fußball. Sie wollen vor allem nicht, dass ihr Lieblingsclub vom Moderator schlecht geredet wird. Von Seiten der TV-Sender sollte man hier nun zumindest Neutralität erwarten. Man kann sich allerdings schon auch fragen, ob eine solche Neutralität überhaupt möglich ist bei den Erwartungen und Summen, die da im Spiel sind. Dass dieses Spannungsfeld existiert, ist unbestritten.
Was die Erwartungen von Fußballzuschauern betrifft, so können wir uns schon ein ziemlich genaues Bild machen. Die Frage, die sich hier nun stellt, ist, was die Zuschauer wohl von einer Übertragung von Profiboxveranstaltungen erwarten?
Ich möchte nämlich behaupten, dass sich die Zuschauer, die sich im Fernsehen Fußball und die, die sich Boxen anschauen, unterscheiden. Damit möchte ich nicht gesagt haben, dass es sich dabei nicht um dieselben Zuschauer handeln könnte. Die Mehrzahl derjenigen, die sich Fußball anschauen, sind Fußballfans, die ihre Lieblingsclubs und ihre Lieblingsspieler haben – und sie bringen auch ein gerüttelt Maß an Fachwissen mit. Demgegenüber haben zwar die Zuschauer von Boxveranstaltungen auch Lieblingsboxer, aber sie interessieren sich in der Regel nicht fürs Boxen allgemein oder für ein Boxen jenseits der übertragenen Veranstaltung. Dementsprechend ist es mit dem Fachwissen dieser Zuschauer auch nicht sehr weit her. Profiboxen wird von der Mehrzahl der Fernsehzuschauer als Event angesehen und als solches auch konsumiert.
Wenn man akzeptiert, dass ein großer Teil der Zuschauer Boxen als ein Event ansieht und die emotionale Bindung an einzelne Boxer nur gering ist, dann könnte man daraus m.E. aber auch die Konsequenz ziehen, den Zuschauern auch gutes Boxen zu bieten. Es ist doch schließlich gar nicht nötig, Boxer, die sowieso kaum jemand kennt, mit einfachen Gegnern zu füttern, nur damit der Veranstalter einen Weltmeister mehr unter Vertrag hat.
In der Süddeutschen Zeitung war unlängst der Vorwurf zu lesen – wieder mal bezogen auf den Fußball -, manche Sportjournalisten seien Fans, die es hinter die Absperrung geschafft hätten. Damit sollte ihre mangelnde Distanz, Neutralität und Kritikfähigkeit beschrieben werden. Wir erinnern uns auch noch daran, wie Journalisten dafür Schelte bekamen, dass sie, für die meisten der Fans an den Fernsehgeräten und auch für ihre Kollegen, Jürgen Klopp und Per Mertesacker zu forsch interviewt hatten. Immerhin wird aber beim liebsten Sport der Deutschen wenigsten hin und wieder noch kritisch nachgefragt. Beim Boxen dagegen gibt es kaum Journalisten, die auch selbst Fans des Sportes sind, und nur sehr wenige sind Experten. Das merkt man dann der Berichterstattung auch an.
Wieso müssen eigentlich alle Journalisten immer Allrounder sein, mit dem Anspruch, über alle Sportarten alles zu wissen? Dabei täte eine Spezialisierung sowohl der Branche als auch der Sportart gut. Fachleute könnten die Fernsehsender immerhin davor bewahren, teures Geld für schlechte und mittelmäßige Veranstaltungen auszugeben. Dadurch könnten dann die TV-Sender auch vielen Kritiken ihrer Arbeit die Spitze nehmen. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auch heute noch Boxen zeigen würden, hätten sie in der Vergangenheit nicht gefühlt so viele schlechte und unnötige Hauptkämpfe gezeigt, Fehlentscheidungen schön geredet und bekannt hörige und devote Punktrichter akzeptiert.
Mehr Fachleute unter den Journalisten könnten die Berichterstattung verändern. Wir wissen, dass Sportjournalismus seinen Ursprung nicht in der Motivation hat, kritisch oder gar investigativ zu berichten. Die Tour de France war schließlich vor allem eine Marketingidee einer Sportzeitung von 1903. Der Kicker und die Fußballwoche waren auch schon die offiziellen Organe des Verbandes. Ähnlich sieht es auch im Boxsport aus. Nur wenn man auch etwas von dem Sport versteht, kann man angemessen darüber berichten und ist unabhängig von Pressemappen und von den Einschätzungen der Trainer, Boxer und Veranstalter.
Zugegeben, eine etwas kritischere Berichterstattung ist zum einen zeitaufwendiger und zum anderen auch mit gewissen Risiken verbunden. Viele deutsche Veranstalter sind dünnhäutig und reagieren auf Kritik nicht gerade souverän. Als Journalist findet man sich dann schnell schon mal hinter einer Säule sitzend oder ganz hinten. Akkreditierungsanträge werden abgelehnt. Zur After-Show-Party wird man nicht mehr eingeladen. Man fliegt aus dem Presseverteiler. Man wird nicht mehr gegrüßt und man bekommt keine Interviewtermine mehr oder sogar gleich Hausverbot. Kurz gesagt, dünnhäutige Veranstalter versuchen kritische Journalisten von Informationsquellen abzuschneiden und für vermeintliches Fehlverhalten zu bestrafen. Das ist alles unbequem.
Trotzdem entscheiden letztlich die Sender selber über die Qualität von TV-Boxveranstaltungen. Dessen sollten sie sich auch bewusst werden und danach handeln.
© Uwe Betker

Written by betker

20. Dezember 2014 at 23:59

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Böse und dunkle Gedanken über den BoxSport

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Wenn ich den BoxSport schon einmal geschenkt bekomme, denn gekauft bekommt man ihn wohl nur auf Flughäfen und auf großen Bahnhöfen, bin ich immer wieder gerührt, dass es dieses Fachblatt für Boxen noch gibt. Voll Ehrfurcht öffne ich es dann und bin überrascht, wie wenig ich hier übers Boxen finde, was mich überhaupt interessiert.
Wenn ich den BoxSport dann wieder zuklappe und das Magazin von außen noch einmal genauer betrachte, das Papier befühle und eventuell daran rieche, beschleichen mich böse und dunkle Vorstellungen, die vermutlich komplett aus der Luft gegriffen sind. Dennoch möchte ich diese Gedanken hier niederschreiben, um sie einmal loszuwerden – sozusagen als Exorzismus. Eventuell werde ich ja hiernach wieder zu einem Abonnenten.
Hier nun meine vollkommen abwegigen Gedanken:
Der Boxsport berichtet gar nicht übers Boxen. Der Boxsport berichtet prinzipiell nur über ein paar wenige Boxer, nämlich die in Deutschland boxenden Weltmeister, und dann noch über einige wenige Veranstalter, nämlich die großen. Über Veranstaltungen wird nur berichtet, wenn der Promoter vorher Werbung geschaltet hat. Dementsprechend gibt der BoxSport den Sport des Boxens ähnlich exakt wieder, wie die Zeitschrift Gala alle Gesellschaftsschichten widerspiegelt.
Der Chefredakteur und Herausgeber Hans Reski, genehmigt sich selber ein Gehalt von 12.000 Euro monatlich, also etwas über 60% des Gesamtbudgets für die Zeitschrift. Das erklärt dann auch, warum die Autoren und Fotografen so schlecht bezahlt werden. Hinzu kommen noch einmal 20% der Einnahmen durch Werbung und Anzeigen, die Reski selber akquiriert. Wenn er also vor oder während einer Veranstaltung ein paar Seiten Werbung an den Veranstalter verkauft bekommt, dann könnte sich auch sein Blick auf diese Veranstaltung verändern. Jeder ist viel milder gestimmt, wenn er satt und zufrieden ist.
Ich bin jetzt total erleichtert, dass ich diesen Exorzismus vollzogen habe. Die vollkommen abwegigen und absolut unzutreffenden Gedanken, die ich hier mitgeteilt habe, sind verschwunden und ich bin erleichtert und glücklich. Aber wo habe ich nur die Postkarte für das Abo gelassen?
© Uwe Betker

Boxen im Ballsaal

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Magdeburg ist der Sitz von Sport Events Steinforth, und daher war auch die Veranstaltung unter dem Titel „Schwere Jungs“ am 16.11.2012 in einem Ballsaal des Maritim Hotels in Magdeburg ein Heimspiel. Der Ballsaal war ein edler Rahmen für die wirklich gute Veranstaltung.
Im ersten Kampf bekam es Toni Thes (11 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) im Halbschwergewicht mit Freddy Lemmer (16 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO) zu tun. Eigentlich sollte ein junger und aufstrebender Boxer wie Thes kein Problem mit einem 42 Jahre alten Mann wie Lemmer haben. Aber Thes tat sich erstaunlich schwer. Dabei sah es in der ersten Runde so aus, als könnte sich der Mann aus Magdeburg seiner Aufgabe schnell entledigen. Er war ganz offensichtlich der bessere Boxer. Und dem Mann aus Bad Aussee in Österreich ist anzusehen, dass er von einer anderen Kampfsportart kommt. Aber immerhin hatte er seine letzten vier Kämpfe alle gewonnen. Immer wieder sah es so aus, als würde Lemmer gleich KO gehen. Bereits in der dritten Runde begann er schwer zu atmen und bekam einen Punktabzug wegen Haltens. Aber die folgende musste ich ihm auf meinen Punktzettel dann wieder geben. Thes fand gegen den Rechtsausleger einfach kein Rezept. Je länger der Kampf dauerte, umso mehr Sympathie bekam ich für Lemmer und hoffte, dass er es über die Runden schafft. Das tat er auch. Thes gewann des Sechsrunder einstimmig nach Punkten (60:53, 60:53 und 60:53).
In der gleichen Gewichtsklasse kämpfte Moritz Stahl (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) mit Josef Obeslo (9 Kämpfe, 1 Sieg, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Der Magdeburger Stahl kam in den Kampf, um ihn durch KO zu gewinnen. Ungestüm ging er nach vorne. Am Anfang der dritten Runde kam er mit einer linken Graden zum Kopf durch und Obeslo ging runter. Nach dem Anzählen stellte er sich erneut zum Kampf. Zwei rechte Graden zum Kopf ließen ihn in die Seile fallen. Hier nun ging Ringrichter Oliver Brien schützend dazwischen. TKO nach 1:42.
Der Düsseldorfer Schwergewichtler Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) zeigte gegen Istvan Ruzsinsky (11 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) eine beeindruckende Leistung. Nach einigen wenigen Aktionen hatte er seinen ungarischen Gegner in die Defensive gedrängt. Tief abgeduckt sich hinter seiner Doppeldeckung versteckend versuchte Ruzsinsky sich heran zuschieben. Tomala schlug eine Rechte zur Schläfe, die seinen Gegner auf die Knie zwang, wo er angezählt wurde. Diese Rechte war sensationell. Es ist eine Ewigkeit her, dass ich solch einen Schlag in einem deutschen Ring gesehen habe. Der Rest war reine Formsache. Vier Rechte zu Körper und Kopf zwangen den Ungarn zum Abdrehen. Der Ringrichter ging dazwischen und bewahrte ihn vor einem schweren KO. TKO nach 1:14.
Der vierte Kampf machte qualitativ da weiter, wo der vorherige aufgehört hatte. Im Halbschwergewicht boxten Dominic Bösel (9 Kämpfe, 9 Siege, 3 durch KO) gegen Zoltan Kiss Jr. (38, Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 11 Niederlagen, 10 durch KO, 3 Unentschieden) – eine ziemlich mutige Ansetzung. Immerhin ist Kiss ungarischer Meister und er besitzt einen eindeutig positiven Kampfrekord. Bösel wurde von vielen lautstarken Fans angefeuert. Bereits Mitte der ersten Runde hatte er seinen Gegner nahe am KO; nach einem schönen Leberhaken ging er auf die Knie. Jedoch schaffte er es, sich noch in die dritte Runde zu retten. Bösel, der ohne Hast arbeitete, beeindruckte besonders durch die Präzision seiner Schläge. Ende der dritten Runde kam er mit harten Links-Rechts-Kombinationen zum Kopf durch, die Kiss fast über die Seile schickten. Der Ringrichter verhinderte durch sein Einschreiten, dass er aus dem Ring geschlagen wurde. TKO nach 2:55.
Der folgende Kampf war der schlechteste des Abends. Dennis Ronert (13 Kämpfe, 13 Siege, 10 durch KO) boxte gegen Tamas Bayzath (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Dieser Kampf entwickelte sich nämlich schnell zu einer Keilerei, und leider noch einer ziemlich langweiligen. Absolut unverständlich war mir, warum beide Boxer ganz auf die Führhandarbeit verzichteten und sich auf Schwinger auf die Deckung beschränkten. Ronert gewann schließlich den Sechsrunder einstimmig nach Punkten (59:56, 58:56, 58:55). Das sehr sachkundige Publikum verabschiedete den Ungarn Bayzath danach mit fast so viel Applaus wie Ronert.
So lang der Vorgängerkampf war, so kurz war der nachfolgende Kampf. Francesco Pianeta (29 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 1 Unentschieden) bekam es im Schwergewicht mit Nelson Dario Dominguez (17 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) zu tun. Der Argentinier versuchte vor allem mit Schwingern, Halten und Beschwerden über vermeintlich illegale Schläge auf den Hinterkopf zu seinem Ziel zu kommen. Bevor der Kampf erst richtig angefangen hatte, schlug bei ihm dann aber eine linke Gerade zum Kopf ein, die ihn fällte. Auf dem Boden, an den Seilen sitzend, machte er keine Anstalten noch einmal aufzustehen, worauf der Ringrichter den Kampf abbrach. Es sah so aus, als ob Dominguez keine Lust mehr gehabt hätte und nun, nachdem er zuerst den Clown gegeben hatte, auch noch den Spielverderber machen würde. Der Eindruck aber trog, denn er hatte sich einen Knochen an der rechten Augenhöhle gebrochen. TKO nach 2:31.
Den Hauptkampf des wirklich guten Kampabends bestritt Robin Krasniqi (31 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen). Diesen Kampf kann man als so etwas wie einen Aufwärmkampf bezeichnen, denn Krasniqi ist ja der Pflichtherausforderer des Weltmeisters der WBO Nathan Cleverly (25 Kämpfe, 25 Siege, 12 durch KO) – und dieser Kampf soll nun bald stattfinden. Max Heyman (41 Kämpfe, 25 Siege, 14 durch KO, 12 Niederlagen 6 durch KO, 4 Unentschieden) hatte kein Mittel gegen den aggressiv nach vorne gehenden Krasniqi. Ende der ersten Runde stellte der WBO-International-Titelverteidiger Krasniqi seinen Gegner in einer Ecke. Nach mehreren Treffern ging dieser dann mit dem Knie runter und wurde von WBO Ringrichter Manfred Küchler, der, wenn ich recht informiert bin, noch immer vom BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) gesperrt ist, angezählt.
In der dritten Runde stellte Krasniqi ihn erneut in einer Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Mehrere harte Rechte trafen ihr Ziel. Heyman ging zu Boden und wurde angezählt. Ringrichter Küchler gab, obwohl Heyman rechtzeitig wieder stand und auch klar und kampfbereit schien, den Kampf nicht wieder frei. Für mich kam der Abbruch zu früh. Jedoch gab es keinen Zweifel daran, dass Heyman KO gegangen wäre.TKO nach 2:45.
Magdeburg ist definitiv eine Reise wert, um dort Boxen zu gucken. – Eigentlich hätte neben mir ein Redakteur der Zeitschrift BoxSport sitzen sollen. Der Sitz blieb aber leer. Da bin ich gespannt, was der BoxSport über die Veranstaltung zu berichten weiß.
© Uwe Betker