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Posts Tagged ‘Buchbesprechung

Rezension: „Boxing’s Strangest Fights“ von Graeme Kent

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Graeme Kent ist ein Autor, der schon jede Menge Bücher geschrieben hat, darunter auch einige über das Boxen. Sein Buch „Boxing’s Strangest Fights“ erschien zum ersten Mal 1991 und hat mittlerweile schon mehrere Auflagen erlebt. Das Konzept ist so simpel wie genial. Es werden einfach nur Geschichten von seltsamen Boxkämpfen erzählt.
Abgedeckt wird der Zeitraum von 1722 bis 1990, also mehr als 250 Jahre Boxen. Insgesamt werden 102 Geschichten erzählt, die zwischen 1 und 3 Seiten lang sind. „Boxing’s Strangest Fights“ ist also kein Buch, das man in einem Rutsch durchliest, sondern es ist ein Almanach, in dem man jeden Tag eine kleine Geschichte lesen kann.
Der Schwerpunkte dieser Auswahl liegt auf den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts und auf Groß Britannien. Leider gibt es hier, wie in fast keinem Boxbuch, ein Register, was das Wiederlesen des Buches oder die Recherche schon deutlich vereinfachen würde. Aber die Kämpfe werden in chronologischer Reihenfolge behandelt. Es finden sich im Buch Namen wie: Muhammad Ali, Abe Attell, Max Baer, Tommy Burns, George Carpentier, Marcel Cerdan, Primo Carnera, Jack Dempsey, Roberto Duran, Chris Eubank, Luis Angel Firpo, Bob Fitzsimmons, Jack Johnson, Ingemar Johansson, Harry Grebb, Mitch Green, Jake LaMotta, Joe Louis, Rocky Marciano, Archie Moore, Battling Nelson, Johnny Nelson, Ken Norton, Sandy Sadler, Max Schmeling, John L. Sullivan, Willie Pastrano, Ray Robinson, Mike Tyson, Jimmy Wilde und viele andere.
© Uwe Betker

Rezension: „Mit Links und 40 Fieber“ von Monty Gräßner

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Monty Gräßners Buch „Mit Links und 40 Fieber“ hat den Untertitel „Die außergewöhnliche Karriere des Boxweltmeisters Markus Beyer“. Es erschien 2009. Es ist haptisch ein ungewöhnlich schönes Buch. Es ist ca. 20 mal 13 Zentimeter groß, liegt gut in der Hand und ist sogar fadengeheftet. Für meinen Geschmack sind die Fotos allerdings etwas zu klein.
Die Karriere von Beyer wird über die klassische 15 Runden/Kapitel Distanz erzählt. Das Buch in ungewöhnlich gut und klar strukturiert. In jedem einzelnen Kapitel wechseln sich Gräßner und Beyer, wohl O-Töne aus Interviews, ab, und am Ende steht immer ein kurzes Interview mit einer dritten Person. Da das Buch von 2009 ist, finden sich hier auch Dinge, die in einer Neuauflage oder einer Überarbeitung wohl so nicht mehr stehen würden. Eineinhalb Kapitel haben sich auf jeden Fall überholt, weil sie über die Hochzeit und Liebe zu Daniela Haak gehen. Soweit ich es mitbekommen habe, gehen Beyer und Haak mittlerweile getrennte Wege. Das Kapitel über die diversen TV-Auftritte bei Stefan Raab und Co. interessierten mich auch nur mäßig.
Als primär am Boxen Interessiertem kommt mir der Boxer Beyer und seine Kämpfe doch etwas zu kurz. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob Kollege Gräßner ein Boxfachmann ist. Jedenfalls sehen die Interviews, in denen sowohl Weggefährten als auch Freunde und Verwandte von Beyer zu Wort kommen, nicht so danach aus. Einige Zuschreibungen von Personen sind zumindest ungenau. Andere fehlen komplett. Das Interview mit Kai Ebel ist absolut nichtssagend. Dafür ist das mit Ulli Wegner zu kurz; hier hätte man schon mal nachfragen können. Mit dem mit Joey Kelly konnte ich einfach nichts anfangen. Wilfried Sauerland erzählt, eigentlich hätte er Thomas Ullrich haben wollen, am Ende hätte es dann aber Streit um Geld gegeben. Leider wurde auch hier nicht nachgefragt. Ein Register wäre auch nicht schlecht gewesen. Gut gefiel mir dagegen, dass Gräßner schreibt, dass der Ex-Bundestrainer der Amateure Helmut Ranzer alle Interviewanfragen ignoriert hat.
„Mit Links und 40 Fieber“ lässt sich gut und flüssig lesen. Man bekommt es an einem verregneten Sonntagnachmittag durch. Besonders gut gefallen hat mir immer, wenn Beyer selber zu Wort kommt. Viele meiner Erwartungen wurden nicht erfüllt. Aber empfehlen kann man das Buch dennoch – schon, weil es im Internet sehr preiswert zu haben ist.
(C) Uwe Betker

Rezension: Ricky Hatton’s Vegas Tales

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Das Buch „Ricky Hatton’s Vegas Tales“ des ehemaligen Weltmeisters der IBF im Halbweltergewicht und der WBA im Weltergewicht, Ricky Hatton, ist vor allen Dingen unterhaltsam und schnell zu lesen. Es trägt den selbstironischen Untertitel: „Me in Las Vegas, what could possibly go wrong?” Damit ist der Ton des Buches schon gut getroffen. Hatton erzählt von seinen zweieinhalb Jahren in Las Vegas, die finanziell zwar schon sehr erfolgreich waren, sportlich aber weniger. Er bestritt dort sechs Kämpfe. Von denen konnte er vier, nämlich gegen Juan Urango, Jose Luis Castillo, Juan Lazcano und Paul Malignaggi, gewinnen. Seine beiden wichtigsten Kämpfe allerdings, nämlich Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao, verlor er.
Sein Ghostwriter Justyn Barnes, der sich auf das Schreiben von Sportbüchern, davon viele über Manchester United, spezialisiert hat und sich als Ghostwriter von Sportlerautobiographien einen Namen gemacht hat, trifft den Ton von Hattons Sprache gut. Der hatte offenbar wirklich eine tolle Zeit in den USA, und das merkt man dem Buch an. Beim Lesen stellt sich rasch das Gefühl ein, Hatton würde eine amüsante oder witzige Anekdote nach der anderen erzählen. Dabei macht er auch Witze über sich selbst. Die Stärke des Buches liegt vor allem in seinem Unterhaltungswert. Es ist kurzweilig und man bekommt die 282 Seiten sehr schnell runter gelesen. Und es hat auch noch ein ausführliches Register, das die Suche nach Kämpfen, Personen etc. erleichtert.
Die Erinnerungen von Hatton werden ergänzt durch die von Wegbegleitern. Gegner kommen nicht zu Wort. Das letzte Drittel des Buches wirkt ein wenig langgezogen. “Ricky´s Top Ten Vegas Tear-Ups”, also Hattons Auswahl der besten Kämpfe in Las Vegas und “Rick´s Dream Fight Card” wirken etwas gezwungen originell. Erik Morales vs. Marco Antonio Barrera I wertet er als besten Kampf und er lässt Mike Tyson gegen Muhammad Ali siegen.
Ricky Hatton’s Vegas Tales ist in erster Linie ein Buch für Hatton Fans. Für Nichtfans weist es unübersehbare Lücken auf. Eine Beschreibung, oder Nachbetrachtung der sechs Kämpfe gibt es da beispielsweise nicht. Hatton äußert sich auch kaum über Gründe für die Niederlagen oder Trainer- und Managerwechsel. Diese Erinnerungen sind eben nicht analytisch, sie wollen vielmehr witzig anekdotisch sein. Ein Muss für die Bibliothek ist dieses Buch folglich nicht. Aber es ist, wie schon gesagt, witzig und schnell und einfach zu lesen. Es wäre daher z.B. die richtige Wahl ein träges Wochenende. Bestellen kann man das Buch im Internet oder es auch in Großbritannien im Buchhandel erwerben. Ich habe meines vor kurzem in London bei Waterstones Piccadilly, nicht mein Lieblingsbuchladen in London, gekauft. Es war auf fünf Pfund heruntergesetzt, dafür aber von Ricky Hatton signiert.
© Uwe Betker

Rezension: The Onion Picker von Gary B. Youmans

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Der Autor Gary B. Youmans lebt und arbeitet in Syracuse, im Bundesstaat New York. Er schrieb einige Bücher über Football. Er ist auch noch Drehbuchautor. Er kann schreiben und daher ist sein Buch The Onion Picker, Carmen Basilio and Boxing in the 1950s (Carmen Basilio & Sugar Ray Robinson slug it out for the Middleweigt Championship of the World!) eine informative, kurzweilige und amüsante Lektüre für einen oder eineinhalb entspannte Tage.
Formal handelt The Onion Picker von Carmen Basilio (79 Kämpfe, 56 Siege, 26 durch KO, 16 Niederlagen, 2 durch KO, 7 Unentschieden). Er war Weltmeister im Weltergewicht von 1955 bis 1956 und von 1956 bis 1957; außerdem war er Weltmeister im Mittelgewicht 1957 bis 1958. Er war sicher kein Filigrantechniker. Er war vielmehr ein aggressiv nach vorne gehender Boxer, der seine Gegner mit harten Körper- und Kopfhaken fällen wollte. Er war ein Liebling der Massen und er war der Gegenentwurf zu Sugar Ray Robinson (202 Kämpfe, 175 Siege, 109 durch KO, 19 Niederlagen, 1 durch KO, 6 Unentschieden) dem Pound for Pound besten Boxer aller Zeiten. Genau diesen Robinson schlug Basilio am 23.09.1957 nach Punkten, in einem der besten Kämpfe aller Zeiten, und nahm ihm den Mittelgewichtstitel ab.
Youmans konzentriert sich in seinem Buch auf die Rivalität zwischen den beiden. Das heißt aber auch, dass das Buch nur bedingt als eine Biographie von Basilio verstanden werden kann. Die Konstruktion ist etwas seltsam. Zum einen folgt der Leser in groben Zügen der Biographie von Basilio, wobei die Zeit bis zur Weltmeisterschaft im Weltergewicht und nach seiner Niederlage im Rückkampf gegen Robinson nur ganz skizzenhaft oder gar nicht abgehandelt wird. Das Material, das er hier verarbeitet hat, besteht aus bekannten und unbekannten Zitaten und stammt auch aus selbst geführten Interviews.
Der Autor beleuchtet das Profiboxen der fünfziger Jahren in den USA. Er behandelt m.a.W. die Unterwanderung des Boxens durch die Mafia, die Rolle, die Joe Luis darin spielte und wie er versuchte, die Mafia wieder los zu werden. Aber es geht auch um die großen Boxer der Zeit: Jake LaMotta, Bobo Olsen, Johnny Saxton, Joey Maxim, Kid Gavilan, Tony DeMarco u.a.
Für jemanden, der schon eine große Bibliothek von Boxbüchern besitzt, bietet dieses Buch nur wenig Neues. Auch hätte ich mir mehr über Carmen Basilio gewünscht. Aber, wie gesagt, das Buch ist gut geschrieben und lässt sich schnell runter lesen und, was eventuell das Wichtigste ist, es ist unterhaltsam. Es ist also ganz die richtige Lektüre für ein entspanntes Wochenende oder einen entschleunigten Urlaubstag. – The Onion Picker von Gary B. Youmans kann man im Internet gebraucht und auch neu bestellen.
© Uwe Betker

Rezension: „Knock Out“ von Steve Monroe

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Bis ich einen Zugang zum Ulysses von James Joyce fand, habe ich drei Anläufe gebraucht. Gleich drei Mal habe ich die erste Episode gelesen, die auf und im Martello Tower spielt und in der Stephen Dedalus von seinem Mitbewohner Buck Mulligan gekränkt wird. Dann endlich hatte mich das Buch gepackt und ließ mich nicht mehr los. Für mich ist der Ulysses eines der besten Bücher überhaupt, wenn nicht das Beste schlechthin.
Auch das Buch Knock Out von Steve Monroe habe ich mehrfach in die Hand genommen. Ich ihm immer wieder eine Chance – aber jetzt gebe ich auf. Ich komme einfach nicht über Seite 50 hinweg.
Knock Out soll ein Buch über das Boxen sein in Form eines Kriminalromans. Es spielt 1957 in Chicago. Alles an Versatzstücken für einen Roman übers Boxen, was man sich nur vorstellen kann, ist vorhanden: Ein schwarzer Schwergewichtler, der Weltmeister werden soll, ein rassistischer und krimineller Manager, ein origineller Trainer, versoffene, servile und verfressene Journalisten, die nichts mitbekommen, Kriminelle und Buchmacher.
Aber gehen wir mal auf die Sachebene. Was Monroe da übers Training schreibt z.B., ist nur halb gar. Aus Sparringshandschuhen macht er Trainingshandschuhe. Immer wieder ist von Handbandagen die Rede. Und dann die seltsamen Schlagkombinationen, die da eingeübt werden. Richtig gravierende Fehler sind es ja nicht, nur ganze viele Ungenauigkeiten, die darauf schließen lassen, dass der Autor nicht wirklich im (Profi-)Boxen zu Hause ist.
Was mich aber am meisten geärgert hat, ist die Sprache. Monroe versucht originell zu sein. Er versucht, Umgangssprache und Slang einzufangen. Das hat aber nur zur Folge, dass es kaum einen Absatz gibt, bei dem ich mich nicht über mindestens einen Satz ärgern muss. Beispiel:
„Sein graues T-Shirt und die Trainingshose waren nass, und die Muskeln an den Oberarmen wirkten wie Pampelmusen.“ (S. 36)
„Wenn du ihn mit dem Haken in den Rippen erwischst, dann lässt er den rechten Ellenbogen fallen. Das gibt dir Gelegenheit, ihm in der oberen Etage ein Pfund zu verkaufen“ (S. 37)
„Juniors Ansicht nach hätte er jederzeit für einen Löffelbagger einspringen und mit bloßen Händen Eisenbahnschwellen ausreißen könne.“ (S. 47)
„Crandy schnitt ihm mit einem jähen Sidestep nach links den Weg ab und ging mit linken und rechten Körperhaken hart in den Mann, als dresche er mit Schlegeln auf eine Trommel ein.“ (S. 48)
„Crandy stürzte sich auf ihn, sein rechter Aufwärtshaken war eine Granate.“ (S. 49)
„Crandy fuhr die Luft aus dem Leib wie einem beinahe Ertrunkenen das Wasser.“ (S. 49)
„Wie ein Buddhist legte Williams das Gesicht auf die Matte, gerade so, als bete er sie an.“ (S. 50)
Um es gleich zu verraten, Crandy Williams ging schließlich KO. Und ich warf das Handtuch und gab auf. Ich sollte den Ulysses von James Joyce ein drittes Mal lesen. Auch da geht es um Boxen, aber das ist eine andere Geschichte, die noch viel Recherchearbeit erfordert.
© Uwe Betker