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Posts Tagged ‘Carl Froch

Eine Chance für Arthur Abraham

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Arthur Abraham verlor am 14.05.2011 erwartungsgemäß gegen Andre Ward. Ward (24 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO) zieht damit ins Finale des Super Six Turniers ein. Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen) ist ausgeschieden. Nach drei Niederlagen in vier Kämpfen im Super Mittelgewicht stellt sich die Frage, wie es mit Abraham weitergeht.
Arthur Abraham überzeugte in seiner ersten Zeit als Profi durch seinen Ehrgeiz, seinen Willen zu gewinnen und durch seine Schlaghärte. Um den hungrigen Boxer besser vermarkten zu können, setzte man ihm eine Schlumpfmütze auf und ließ ihn unter den Klängen von Vader Abrahams „Das Lied der Schlümpfe“ zum Ring gehen. Der Schlumpfboxer war geboren.
Nachdem ihm juristisch die „Schlumpferei“ untersagt worden war, kürte ihn sein Veranstalter Sauerland Event kurzerhand zum König, setzte ihm eine Krone auf, gab ihm einen goldenen Umhang und vermarktete ihn fortan als King Arthur.
Nach seinen zwei Niederlagen in Folge (Andre Dirrell am 27.03.2010 und am Carl Froch 27.11.2010) – wobei letztere schon einer Selbstdemontage gleichkam – erkannte Abraham, dass Krone und Umhang ausgedient haben. Zu seinem letzten Kampf ging er in einen einfachen Mantel gehüllt.
Obwohl Abraham seinen letzten Kampf verlor, zeigte er in den Anfangs- und in den Schlussrunden etwas von dem, was ihn als Boxer einst ausgezeichnet hat: Härte gegen sich und seinen Gegner und Wille zum Sieg. Es bleibt abzuwarten, ob Arthur Abraham es will und auch schafft, sich neu zu definieren. Ich sehe in den Niederlagen eine reelle Chance für Abraham, sich als Boxer neu zu etablieren und sich neu – ohne Mütze oder Krone – zu erfinden.
Abraham könnte beispielsweise zurückgehen ins Mittelgewicht, wo er gegen Felix Sturm (38 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), den WBA Super Champion, antreten könnte. Oder er könnte versuchen, Sebastian Sylvester „zu rächen“ und seinen alten IBF Titel von Daniel Geale (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) wiederzuholen. Er könnte aber auch im Super Mittelgewicht bleiben, um hier zu versuchen, Robert Stieglitz (42 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) seinen WBO Titel abzunehmen. Auch könnte er gegen einen anderen großen Puncher, Kelly Pavlik (39 Kämpfe, 37 Siege, 32 durch KO, 2 Niederlagen), antreten. Er hat also noch viele Möglichkeiten.
© Uwe Betker

Die Angst von Sauerland Event

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Die Angst geht um bei Sauerland Event, die Angst keinen Hauptkämpfer mehr für die ARD zu haben. Daher wird wohl auch alles getan, diejenigen, die man denn hat, auch zu behalten. Diese Angst ist auch nicht ganz unberechtigt. Erst verliert Arthur Abraham desaströs gegen Carl Froch (27.11.2010) im Super-Six-Turnier. Dann offenbart der WBO Weltmeister im Cruisergewicht Muamer Hukic alias Marco Huck in seinem letzten Kampf mentale, physische und technische Schwächen. – Ich erinnere noch einmal: Er durfte seinen Titel nur behalten, obwohl er von Denis Lebedev (18.12.2010) klar geschlagen wurde, weil zwei Punktrichter (Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo) wohl partout den Kampfverlauf nicht durch ihre Punktwertung wiedergeben wollten.
Nun gilt es das zu verteidigen, was man hat. Sebastian Sylvester (38 Kämpfe, 34 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) hat den Titel des Weltmeisters im Mittelgewicht der IBF, und diesen Titel gilt es um jeden Preis zu verteidigen. Der berliner Veranstalter wählt den sichersten Weg einen Titel zu verteidigen. Man sucht sich einen Gegner, der überhaupt keine Gefahr für den eigenen Boxer darstellt. Diesen Gegner hat man in Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) gefunden. Der Herr aus Aulnay-sous-Bois/Frankreich ist die Nummer 41 der Weltrangliste und immerhin die Nummer 2 der französischen Rangliste – wie aber wohl jeder weiß, liegt in Frankreich das Profiboxen danieder.
In den Regionen der unabhängigen Weltrangliste, in denen sich Bouadla tummelt, sind auch der nächste Gegner von Felix Sturm, Ronald Hearns, und Mahir Oral, der letzte Gegner von Sylvester, zu finden. In dem Kampfrekord des Herausforderers gibt es nur einen bekannten Namen, nämlich Gennady Golvkin. Und der heutige WBA-Weltmeister im Mittelgewicht besiegte ihn in seinem neunten Kampf (07.09.2007) klar nach Punkten.
Nach meiner Meinung boxt Herr Sylvester mit Bouadla nun schon den dritten Gegner innerhalb eines Jahres (Billy Lyell am 30.01.2010 und Mahir Oral am 30.10.2010), der in einem WM-Kampf nichts zu suchen hat.
Die Angst geht um bei Sauerland Event, die Angst…
© Uwe Betker

„… es hat aber nicht geklappt.“

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Der letzte Kampf von Arthur Abraham lässt mich ratlos zurück. Es ist nicht die Tatsache, dass Abraham nach Punkten verloren hat – ich bin sowieso nur von einer fifty-fifty Chance ausgegangen -, sondern die Art und Weise wie die Niederlage zu Stande kam.
Vor dem Kampf musste jedem klar gewesen sein, dass Carl Froch (28 Kämpfe, 27 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) aus Nottingham der bessere Boxer ist. Dass er unangenehm zu boxen sein würde und dass er versuchen würde, seinen Reichweitenvorteil auszuspielen, das waren alles bekannte Faktoren.
Was mich aber überraschte, das war, dass Abraham (33 Kämpfe, 31 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen) sich so scheinbar kampflos geschlagen gab. Die Punktrichter werteten sehr zutreffend 109-119 und zweimal 108-120. Ein einziger Punktrichter gab Abraham eine einzige Runde.
Vor dem Kampf konnte ich mir nicht vorstellen, dass am Ende die Punktrichter entscheiden würden. Beide Boxer haben schließlich einen guten bis sehr guten Punch. Abraham konnte einen so guten Boxer wie Froch nur durch Kampf besiegen. Genau das ist es auch, was mich so ratlos macht, denn Abraham hat diesen Kampf nicht gesucht. Das, was seine Stärke ist und was ihn, bei all seinen technischen und boxerischen Unzulänglichkeiten, über andere Boxer hinaushebt, ist normalerweise sein unbedingter Wille zu siegen. Den aber zeigte er in Helsinki überhaupt nicht. Seine Erklärung nach Verkündung der Niederlage bringt keinen wirklichen Erkenntnisgewinn: „Ich habe immer auf dem Knockout gewartet, es hat aber nicht geklappt.“
© Uwe Betker

Written by betker

28. November 2010 at 23:59

Welchen Sinn macht noch das Super Six Turnier?

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Es war eine gute Idee. Die Idee nämlich, die sechs besten oder zumindest sechs sehr gute Boxer einer Gewichtsklasse in einem Turnier gegeneinander antreten zu lassen. Am Ende sollten es der WBA-Supermittelgewichtsweltmeister Mikkel Kessler aus Dänemark, der WBC-Weltmeister Carl Froch aus England, der IBF-Mittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham (29) aus Deutschland, der ehemalige Weltmeister Jermain Taylor aus den USA sowie Andre Ward und Andre Dirrell auch aus den USA unter sich ausmachen. Die paritätische Vergabe der Plätze an drei Europäer und drei US-Amerikaner ist dem un-amerikanischen Fernsehmarkt geschuldet und war auch die größte strukturelle Schwäche des Turniers. Lucian Bute, Károly Balzsay und Robert Stieglitz blieben, weil Europäer, außen vor. Auch ein Kelly Pavlik hätte das Turnier bereichert.

Der erste, der aus dem Turnier ausstieg war Jermain Taylor. Taylor ging bereits vorher der Ruf voraus, durch seine beiden Niederlagen in Folge gegen Pavlik und seiner KO-Niederlage gegen Froch „weich“ geworden zu sein. Es wurde nämlich behauptet, dass er die Schläge nicht mehr verträgt. Es kam so wie befürchtet. Taylor ging in seinem ersten Kampf gegen Abraham KO und zog sich aus dem Turnier zurück. Mikkel Kessler erklärte auf einer Pressekonferenz, dass er wegen einer Augenverletzung seine Teilnahme am Turnier abbrechen müsse. Sprach’s und setzte sich, trotz Augenverletzung, in sein Auto und fuhr von dannen. Und nun stieg mit Andre Dirrell, der Abraham besiegte, auch der dritte Teilnehmer aus. Dirells Management teilte mit, sein Schützling habe „neurologische Probleme“.

Damit stellt sich nun die Frage, ob die mit rund 50 Millionen Dollar dotierte Bestenermittlung überhaupt noch Sinn macht. Immerhin sind von den ursprünglich Angetretenen nur noch die Hälfte übrig. Auch muss man sich im Hinblick auf ein geplantes Nachfolgeturnier im Cruisergewicht fragen, ob ein Turnier von zwei bis drei Jahren Dauer überhaupt praktikabel ist.

© Uwe Betker