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Rezension: „Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson

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Das Internet verleitet mich manchmal zu blinden Bücherkäufen. Bei meinen Ausflügen im Internet stieß ich so auf eine Anzeige, in der nur ein schlechter Scan vom Cover zu sehen war. Kein Autor wurde genannt, keine Inhaltsangabe gegeben – nichts. Aber das Kaufrisiko war gering. Inklusive Versand sollte das Buch weniger als eine Packung Zigarettentabak kosten – und dabei rauche ich seit einer kleinen Ewigkeit schon nicht mehr.
Das Exemplar des „Old Holborn Book of Boxing“, das ich bekam, war ein vergilbtes Taschenbuch, 160 Seiten stark und auf relativ schlechtem Papier gedruckt. In der Mitte finden sich auf 16 Seiten aus glattem und dickem Papier sogar Fotos; sie füllen jeweils eine Seite, einige sind sogar in Farbe. Es ist zu vermuten, dass dieses Buch nicht über den Buchhandel vertrieben wurde. Man findet auch keinen aufgedruckten Preis. Offenbar war es Teil einer Werbekampagne für die englische Zigarettentabakmarke „Old Holborn“. Dem Inhalt ist zu entnehmen, dass es 1969 erschien ist. Der Herausgeber ist Peter Wilson, der auch viele der Texte selber geschrieben hat. Nun muss man wissen, dass Wilson von Mitte der 30er Jahre bis in die 70er Jahre hinein im Daily Mirror über Boxen schrieb. Und wie er schrieb!
Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung, die einen kurzen Abriss der Geschichte des Boxens präsentiert. Es folgt ein Abschnitt mit dem Titel „Twelve fights I shall never forget“. Hier beschreibt Wilson und/oder erzählt zwölf Kämpfe nach, bei denen er selbst am Ring saß und die für ihn aus ganz verschiedenen, zum Teil sehr subjektiven Gründen, unvergesslich waren:
Rocky Marciano vs. Jersey Joe Walcott (23.09.1952)
Joe Louis vs. Max Schmeling II (22.06.1938)
Sonny Liston vs. Floyd Patterson I (25.08.1962)
Cassius Clay vs. Cleveland Williams (14.11.1966)
Archie Moore vs. Yvon Durelle II (12.08.1959)
Sugar Ray Robinson vs. Joey Maxim (25.06.1952)
Sugar Ray Robinson vs. Carmen Basilio (23.09.1957)
Henry Armstrong vs. Ernie Roderick (25.05.1939)
Ike Williams vs. Ronnie James (04.09.1945)
Sand Saddler vs. Ray Famechon (25.10.1954)
Eder Jofre vs. Johnny Caldwell (18.01.1962)
Benny Lynch vs. Peter Kane (13.10.1937)
Wie Wilson schreibt, ist schon wirklich beeindruckend. Er ist ein großer Könner der Boxjournalistik. Diese zwölf Beschreibungen der Kämpfe sind mit das Beste, was ich an Kampfberichten je gelesen habe. – Einfach nur großartig. Wenn man sich an Begriffen, die heute nicht mehr politisch korrekt sind, nicht stößt, entdeckt man einen Großmeister des Sportjournalismus. Seine Sprache ist schön, klar, präzise und manchmal sogar poetisch.
Es folgt eine Portraitgalerie der Britischen Meister, unter ihnen Henry Cooper, der auch das Cover ziert, Ken Buchanan und Alan Rudkin. – Gibt es heute einen Verband in Deutschland, der in allen Gewichtsklassen Meister hat?
Es gibt einen großen Artikel über Jimmy Wilde, der im Erscheinungsjahr gestorben ist. Wilde, the Mighty Atom, war einer der besten Fliegengewichtler aller Zeiten. Das Büchlein enthält noch ein Box-Quiz, einen Artikel übers Amateurboxen, gefolgt von Kurzportraits aller amtierenden britischen Amateurmeister. Hinzu kommen Artikel über Veranstalter, über die Geldanlagen erfolgreicher Boxer, Frauen im Boxen, Henry Cooper, Cutmen, Ringrichter und ein Foto-Quiz.
Den Abschluss bildet eine Liste der Weltmeister von 1872 bis 1969. Wobei die amtierenden Weltmeister (Muhammad Ali, Joe Frazier, Jimmy Ellis, Bob Foster, Nino Benvenutti, Curtis Cokes, Amando Ramos, Johnny Famechon, Lionel Rose, Efren Torres) noch jeweils in einem Kurzportrait vorgestellt werden. Zum Schluss erfahren wir dann noch die Auflösung des Bilderquiz.
„Old Holborn Book of Boxing“, herausgegeben von Peter Wilson = 160 Seiten voll Spaß und Unterhaltung. Wo bekommt man für weniger als eine Packung Zigarettentabak noch so viel geboten? Nur im Internet.
© Uwe Betker

Henry Cooper bekommt ein Denkmal

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Auch fünf Jahre nach seinem Tod ist der große englische Schwergewichtler Henry Cooper (* 3. Mai 1934 in London; † 1. Mai 2011 in Oxted, Surrey) noch unvergessen. Zur Legende wurde Cooper (55 Kämpfe, 40 Siege, 27 durch KO, 14 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden) durch seinen Kampf am 18. Juni 1963 im Wembley-Stadion gegen den späteren Weltmeister Cassius Clay. In der vierten Runde streckte er Clay in diesem Kampf mit einem schönen linken Haken zum Kinn nieder. Der Gong rettete Clay vor dem Auszählen. Und dann kam die sagenumwobene Geschichte mit Clays geplatztem Handschuh, der ausgewechselt werden musste. In der fünften Runde wurde Cooper aufgrund von Platzwunden aus dem Kampf genommen. Cooper war anfällig für Cutverletzungen, besonders an den Augenbrauen.
Cooper boxte Profikämpfe u. a. gegen Ingemar Johansson, Hans Kalbfell, Heinz Neuhaus, Erich Schöppner, Zora Folley, Brian London, Floyd Patterson – und zweimal gegen Muhammad Ali. Er war ein Gentleman durch und durch, der sehr viel Zeit und Energie für karitative Projekte aufwendete. Im Jahre 2000 wurde Cooper von Königin Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben.
Nun gibt es eine Initiative der London Ex-Boxers Association, die Geld für ein Cooper Denkmal sammeln will. Das Denkmal soll im Stadtteil Bellingham errichtet werden, in dem Cooper aufwuchs und das Boxer erlernte.
Ich frage mich, warum gibt es kein Denkmal für Max Schmeling in Berlin, für Peter Müller in Köln und für Rukeli Trollmann in Hannover? Und wie wäre mit einem Max Schmeling Museum es in Hollenstedt?
© Uwe Betker

Gastbeitrag von Jean-Marcel Nartz: Die Klasse aller Klassen

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Seit 1892 gab es stets in der Klasse aller Klassen Ausnahmeboxer, die die Szene beherrschten. Es gab immer einen Superstar, der als unbesiegbar galt, was allerdings nicht immer stimmte, denn so manch unbekannter Herausforderer sorgte mit einen Schlag für eine Sensation. Das ist das, was das zahlende Publikum so liebt am Schwergewichtsboxen.
Kommen wir zu einigen Stars, die als unschlagbar galten, aber alle dann doch, außer Rocky Marciano, irgendwann mal verloren. Es begann 1899 mit dem Amerikaner James J. Jeffries, der bis 1904 sechsmal den Titel verteidigte. Damals gab es noch keine Rundenzahlen. Es ging immer bis zur Dunkelheit – immer bis zur totalen Entscheidung. 25 Runden waren damals nicht unüblich und wenn es Flutlicht gegeben hätte, dann wäre es auch länger gegangen!
Später war es dann von 1919 bis 1923 Jack Dempsey, der fünfmal den Titel verteidigte und dann sensationell gegen Gene Tunney verlor. Dann kam Max Schmeling, der einmal den Titel verteidigte und dann wechselte alles nach jeden Kampf, bis 1937 Joe Louis kam, der bis 1948 25 (!) mal den Titel verteidigte. Dann kam der einzige Schwergewichtsweltmeister, der ungeschlagen abtrat, Rocky Marciano, der von 1952 bis 1955 sechsmal den Titel verteidigte.
Zu bedenken ist bis 1962, dass es immer nur einen Verband gab und nicht 17 wie heute! 1964 kam Cassius Clay (später Muhammad Ali), der Liston stoppte und bis zu seiner Verhaftung wegen Fahnenflucht 1967 achtmal seinen WBC-Titel verteidigte und erst 1974 wieder Champion wurde, wo er bis 1978 neunmal den Titel verteidigte. Er war und ist der Größte aller Zeiten! In Abwesenheit von Ali dominierte der Strassenfighter Joe Frazier von 1969 bis 1973 als Titelträger mit acht Titelverteidigungen. Es folgte George Foreman von 1973-1974 mit zwei Titelverteidigungen, bevor in den Kampf gegen Ali antrat und vorzeitig verlor.V on 1978 bis 1985 war Larry Holmes der neue Superweltmeister, der zwanzigmal den Titel verteidigte, ehe ihn Michael Spinks über 15(!) Runden auspunktete. 1986 kam, sah und siegte nur noch der damals jüngste Weltmeister aller Zeiten im Schwergewicht, Mike Tyson, der bis 1990 zehnmal den Titel verteidigte. Evander Holyfield verteidigte bis 1994 dreimal den Titel, den er dann an Michael Moorer verlor, diesen sich 1996 von WBA-Weltmeister Tyson wieder holte und 1999 nach drei Titelverteidigungen an Lennox Lewis wieder verlor. Lewis war mit kurzer Unterbrechung von 1993 bis 2003 WBC-Weltmeister und hat den Titel 22 mal verteidigt.
WBO-Weltmeister war Vitali Klitschko von 1999 bis 2000 und verteidigte zweimal den Titel. Dann wurde er von 2004-2014 WBC-Weltmeister mit 11 Titelverteidigungen.Von 2000 bis 2003 war dann Wladimir Klitschko WBO-Weltmeister mit 5 Titelverteidigungen.2006 holte er sich den IBF-Titel. Es folgten bis zum heutigen Tag den Titelgewinne von WBA-und-WBO und insgesamt 15 Titelverteidigungen. Der achtunddreißigjährige Klitschko hat die Weltranglisten rauf und runter geboxt und außer Überheblichkeit und Unachtsamkeit kann ihn keiner stoppen.
(C) Jean-Marcel Nartz