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Ist die Karriere von Povetkin schon vorbei?

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Alexander Wladimirowitsch Povetkin hat seinen letzten Gegner Teke Oruh durch KO in Runde 5 besiegt – soweit, so überraschungsarm. Povetkin zeigte sich im Olympischen Sportpalast in Chekhov. Der Kampf war in Deutschland, soweit ich weiß, weder im Fernsehen noch im Internet zu sehen. Daher muss man sich auf die Informationen von Povetkins Veranstalter verlassen, und die sind schon bemerkenswert.
Die Website von Sauerland Event schreibt: „Povetkin verbuchte vor heimischer Kulisse von Beginn an leichte Vorteile für sich. Mit Kopf- und Körpertreffern sicherte er sich Runde um Runde. Der 32-jährige Oruh versuchte mit Kontern dagegen zu halten und verwickelte den Kontrahenten mehrfach in einen direkten Schlagabtausch. Dabei sah der von Teddy Atlas gecoachte russische Lokalmatador nicht immer gut aus.“
Lese ich richtig? „Leichte Vorteile“? und sah beim Schlagabtausch „nicht immer gut aus“? – Und das schreibt Sauerland Event? Hier muss man sich doch noch mal vor Augen führen, gegen wen Povetkin hier angetreten ist. Immerhin sollte er doch vor kurzem noch als Pflichtherausforderer gegen Wladimir Klitschko boxen, bis er wohl beschloss, auf seinen Trainer Teddy Atlas zu hören und sich lieber krank zu melden.
Zur Erinnerung: Herr Oruh stand vor diesem Kampf fast zwei Jahren lang nicht mehr im Ring. Er war in der unabhängigen Weltrangliste nicht (mehr) gelistet. Seine beiden letzten Kämpfe hatte er verloren. Und gegen einen solchen Boxer sieht ein Povetkin „nicht immer gut aus“?
Vor dem Kampf hieß es noch auf Seiten von Sauerland Event, dass dieser Kampf von Povetkin nur ein leichter Aufgalopp werden sollte vor einem schweren Kampf am 30. Oktober. Nun heißt es: „Wie am Rande der Veranstaltung in Chekhov bekannt wurde, gibt es jetzt andere Pläne.“ Weiß der Veranstalter Sauerland Event etwa nichts von den Plänen seines Boxers Povetkin und dessen Trainer Atlas. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, dass es Meinungsverschiedenheiten zwischen Veranstalter und Boxer gibt. Jedenfalls ist eine so offene Kritik an seinem eigenen Boxer schon sehr auffällig.
Der letzte Kampf und Sieg des „zaghaften Zaren“ wirft, für mich zumindest, mehr Fragen auf, als er Antworten gibt: Wie ist es möglich, dass Povetkin sich unter einem so renommierten Trainer wie Teddy Atlas nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt? Gegen wen soll Povetkin denn als nächstes noch boxen? Oder anders gefragt: Ist die Karriere von Povetkin schon vorbei, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat?
© Uwe Betker

Povetkin der zaghafte Zar (3.)

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Alexander Wladimirowitsch Povetkin„erwartet ein heißer Oktober 2010“ – angeblich. Erst soll der Russe am 16. Oktober im Olimpyskiy Sports Palace seiner Heimatstadt Chekhov bei Moskau in den Ring steigen. Wenige Tage später, am 30. Oktober, soll er dann in Rostock wieder ran und „gegen einen international erfahrenen Gegner antreten“ – was immer das auch heißen mag.

Sein erster Gegner soll ein „African Prince“,  der in Amerika lebende Nigerianer Teke Oruh (14-2, 6KOs), sein. Statt gegen Wladimir Klitschko zu boxen, tritt der „Zar“ gegen einen Gegner an, der seit fast zwei Jahren nicht mehr im Ring gestanden hat. Seine beiden letzten Kämpfe verlor er und in seinem Kampfrekord taucht kein Namen auf, den man kennen sollte. Allerdings ging er auch gegen keinen seiner Gegner auf die Bretter – was aber wohl nicht viel heißt.

Herr Oruh spielt das Spiel perfekt mit. Vorab ließ er schon einmal verlauten, dass er nach einem Sieg gegen Povetkin gegen Wladimir Klitschko antreten will. Wahrscheinlich ist es nun gerade nicht, dass es dazu kommen wird, aber immerhin gibt er sich nicht zaghaft wie andere Schwergewichtler, die Reißaus nehmen, wenn sie in Gefahr geraten, gegen einen Klitschko antreten zu können.

Nun kann es natürlich sein, dass ich Oruhs boxerische und kämpferische Fähigkeite komplett falsch einschätze. In meinen Augen wird dieser Kampf aber eher nur ein leichtes Sparring werden. Ich vermute sogar, Povetkin muss in der Sparringsphase vor dem Kampf gegen härtere und bessere Boxer antreten. Offensichtlich soll hier ein leichtes Sparring als Wettkampf verkauft werden.

Dass Povetkin dann noch Ende Oktober in Rostock wieder in den Ring steigen soll, zeigt sehr deutlich, für wie stark Sauerland Event Povetkins Gegner hält. Wieso lässt man Povetkin nicht seine zwei Kämpfe hintereinander an einem Abend absolvieren? Das wäre einmal vermutlich eine größere sportliche Herausforderung für den russischen Boxer, zum anderen aber wohl auch unterhaltsamer für das Publikum.

© Uwe Betker