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Absteiger des Jahres

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Dominik Britsch.
Der bei Sauerland Event unter Vertrag stehende Britsch fiel in diesem Jahr mehr durch seine Haare, als durch seine boxerischen Leistungen auf. Meiner Meinung nach gewann er bereits im letzten Jahr seinen letzten Kampf gegen Billy Lyell am 22.10.2011 nicht. Aber die Punktrichter Mufadel Elghazaoui und Arno Pokrandt sahen das anders und machten ihn zum IBF Interkontinental Champion. 2012 sollte der Mittelgewichtler Britsch dann EU Champion der EBU werden. Im ersten Anlauf erreichte er gegen Roberto Santos, der damaligen 106 der unabhängigen Weltrangliste, am 25.02.2012 ein schmeichelhaftes Unentschieden. Es ist zu erwähnen, dass der Punktrichter Zvonko Rukavina Britsch mit unglaublichen 117:112 vorne hatte. Den Rückkampf, am 15.09.2012, verlor er dann durch TKO in Runde 8.
Von dem Mann, von dem Sauerland Geschäftsführer Christian Meyer mal sagte, er sei „einer der großen deutschen Hoffungsträger“, und den man deshalb nicht auf Fremdveranstaltungen lassen boxen wollte, obwohl man bei einem Purse Bid teilnahm, ist nur die Frage nach den Haaren geblieben. Mit welcher Frisur wird er wohl diesmal in den Ring steigen? Wird sein Trainer Ulli Wegner wieder zur Schere greifen müssen, damit er im Kampf etwas sieht?

Keine Lizenz? – Kein Problem für Sauerland Event! – Aber eines für die ARD

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Erst vor kurzem ließ Sauerland Event den Super Mittelgewichtler Baker Barakat (52 Kämpfe, 36 Siege, 24 durch KO, 12 Niederlagen, 5 durch KO, 4 Unentschieden) gegen Marcos Nader (15 Kämpfe, 15 Siege, 2 durch KO) im Vorprogramm zu der sogenannten Schwergewichtsweltmeisterschaft zwischen Alexander Povetkin und Marco Huck boxen. Problematisch an diesem Auftritt war, dass Barakat von der GBA (German Boxing Association) gesperrt war. Das hielt aber den größten deutschen Veranstalter nicht davon ab, ihn boxen zu lassen. Der in Syrien geborene Barakat hatte sich wohl flux eine andere Lizenz besorgt. Und was interessiert den berliner Veranstalter, dass ein Boxer, den er haben will, gesperrt ist?
Alles hat geklappt, wie Sauerland Event es wollte. Der Sauerland Boxer Nader gewann den 10 Runder nach Punkten. Die ARD schaute – wie immer – nicht so genau hin. Kaum jemanden interessierte es, dass damit der Glaubwürdigkeit des Boxens vorsätzlich ein Tritt in den Unterleib verpasst worden war.
Da alles so gut geklappt hatte, setzte Sauerland Event nun noch einen drauf. Man wollte den zweiten Kampf zwischen David Haye (27 Kämpfe, 25 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Dereck Chisora (18 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen). Wir erinnern uns: Der erste Kampf der beiden fand statt während der Pressekonferenz nach dem Kampf von Vitali Klitschko gegen Chisora. Diese Auseinandersetzung begeisterte so sehr, dass Klitschko und sein Manager Bernd Bönte ihm, wie es aussah, Applaus spendeten. Die Veranstalter Sauerland Event und Frank Warren waren davon aber wohl auch so angetan, dass sie am 14. Juli die beiden sogar im Ring aufeinander treffen lassen wollten.
Dass der britische Verband (British Boxing Board of Control) Chisora nach seiner ersten Prügelei die Lizenz entzogen hatte, sollte dabei kein Hinderungsgrund sein. Da es gilt das londoner Stadion Upton Park zu füllen, war der luxemburger Boxverbandes F.L.B. (Fédération Luxembourgeoise de Boxe) den Veranstaltern zu Diensten und lizensierte Chisora.
Kalle Sauerland prognostizierte ganz unbescheiden: „Ich erwarte einen der meist diskutierten und spektakulärsten Kämpfe aller Zeiten“. Und er scheint Recht zu behalten. Es sind bereits 17.000 der 35.000 bis 40.000 Karten verkauft worden. Und der Kampf selbst verspricht auch gut zu werden. Allerdings geht es hier offensichtlich erst mal ums Geschäft, und da bleibt die Moral schon einmal auf der Strecke. Tatsache ist und bleibt nämlich, dass der britische Verband sich genötigt sah, Chisora wegen seines skandalösen Verhaltens vor und nach seinem letzten Kampf die Lizenz zu entziehen. Sauerland Event und Frank Warren, der Manager von Chisora, hebelten aber die Sanktionen des Verbandes aus.
Wenn es um Geschäfte geht, geht die Argumentation manchmal seltsame Wege. Der Geschäftsführer des Sauerland-Stalls, Christian Meyer, erklärte: „Moralisch ist das nicht verwerflich. Chisora ist nicht gesperrt worden, man hat ihm nur die Lizenz entzogen. Jetzt hat er eine andere. Wir haben schließlich Berufsfreiheit.” Das sagt nun einer der Männer, die erst unlängst einen gesperrten Boxer Barakat eingesetzt hatten. Mit seiner sehr freizügigen Auslegung von Berufsfreiheit hebelt Meyer jegliche Möglichkeit von Sanktionierungen für Boxer durch die Verbände aus. Was hier von ihm Freiheit genannt wird, nenne ich Verachtung, Verachtung gegenüber seriösen Verbänden und moralischen Standards.
Aber hier nun geschah etwas Wunderbares. Die ADR nun, die normalerweise bei mir den Eindruck erweckt, immer alles zu übertragen, was Sauerland Event anbietet, zog die Notbremse. Sie reagierte auf die immer lauter werdende Kritik an diesem Kampf und ließ verlauten: „Eine Übertragung der Boxveranstaltung am 14. Juli 2012 in London passt nicht zum Image und zum Selbstverständnis der ARD.“
Danke!
Endlich!
Endlich nimmt die ARD ihre Rolle als übertragender TV-Sender ernst und übernimmt Verantwortung für das Boxen.
Danke!
© Uwe Betker

Die Haare von Dominik Britsch, eine Absage mit Ansage und eine mäßige Leistung

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Der Kampf zwischen Dominik Britsch (27 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Benjamin Simon (23 Kämpfe, 22 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) fand nicht statt. Britsch wurde durch einen nicht unumstrittenen Sieg über Billy Lyell am 22.10.2011 IBF Intercontinental Meister im Mittelgewicht. Hiernach hätte er dann seinen Titel gegen Simon verteidigen sollen. Es kam, nachdem Sauerland Event und Arena Box Boxpromotion sich nicht über die Austragung einigen konnten, zu der üblichen Versteigerung. Arena bot 183.000 und Sauerland 131.400 US-Dollar.
Nun folgte ein unwürdiges, wenn auch vorhersehbares Spiel, eine Absage mit Ansage. Sauerland wollte seinen „deutschen Hoffnungsträger“ auf keiner Nicht-Sauerland Veranstaltung boxen lassen. Die Veranstaltung sollte dann auch vermutlich in der Türkei stattfinden. Auch glaubte kaum jemand, dass Sauerland Event das Risiko eingehen würde, Britsch gegen einen so unangenehmen Puncher wie Simon antreten zu lassen. Sie sagten das aber nicht direkt, sondern sie ließen sich Zeit, um etwas Anderes zu organisieren, nämlich eine EU-Meisterschaft. Wohlgemerkt eine EU-Meisterschaft, was so etwas ist, wie eine Europameisterschaft extra light. Als dann endlich ein Gegner für die EU-Meisterschaft gefunden war, Roberto Santos (26 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden), erklärte Sauerland-Geschäftsführer Christian Meyer: „Dominik ist einer der großen Deutschen Hoffnungsträger. Deshalb ziehen wir einen Kampf in Deutschland mit der ARD vor!“
Eine weitere Folge des geplatzten Kampfes war, dass Benjamin Simon nicht mehr mit Arena Box Boxpromotion zusammen arbeitet. Nun ist Robert Rolle der einzige Vertreter von Simon.
Was dann am 25.02.2012 folgte, war eine mittelprächtige Blamage. „El tigre de Benidorm“, der sich für diesen Titelkampf durch zwei Niederlagen in den letzten drei Kämpfen qualifiziert hatte und der vor dem Kampf die Nummer 106 in der unabhängigen Weltrangliste und die Nummer 3 in der spanischen Rangliste war, war entweder sehr viel stärker als erwartet oder Britsch war sehr viel schwächer als angenommen. Britsch kam über ein Unentschieden nicht hinaus. Zu erwähnen ist hier der Punktrichter Zvonko Rukavina, der Britsch aus unerfindlichen Gründen tatsächlich mit unglaublichen 117:112 vorne hatte.
Nach der schwachen Leistung von Britsch sieht es nicht mehr danach aus, als würde Sauerland Event das Risiko scheuen, seinen „deutschen Hoffnungsträger“ im Ausland auf einer Veranstaltung von einem Mitbewerber boxen zu lassen und dadurch den Zuschauern der ARD vorzuenthalten. Inzwischen sieht es nun eher danach aus, als hätte man schlicht davor Angst, Britsch gegen den brandgefährlichen Puncher Simon antreten zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn Britsch gegen Simon in der zweiten Hälfte des Kampfes so eingebrochen wäre…
Selbst die ARD, die die Zuschauer tatsächlich mit einem Bericht über die neue Frisur (Zöpfe) von Britsch auf den Kampf einstimmt, kam nach dem Kampf zu dem Schluss, dass bei Britsch Anspruch und Wirklichkeit doch etwas weit auseinanderklaffen. Er erhebt Anspruch auf Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Die Wirklichkeit bot aber gerade mal ein Unentschieden gegen Santos. Die Haare, die im Vorbericht eine so große Rolle gespielt hatten, wurden dann zu einer Art Running Gag für den ganzen Kampf. In einer Ringpause wurden dem „deutschen Hoffnungsträger“ ein paar seiner neuen Zöpfe abgeschnitten, die dann nach dem Kampf den Fernsehzuschauern gezeigt wurden.
© Uwe Betker

Hepatitis oder was?

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Am 30. Mai 2009 sollte der WBA Weltmeister im Schwergewicht Ruslan Chagaev in Helsinki, Finnland, gegen Nikolai Valuev boxen. Chagaev hatte zwei Jahre vorher, am 14.04.2007, Valuev besiegt und ihm den Titel abgenommen. Zum Rückkampf kam es aber nicht, weil im Blut von Chagaev Hepatis B Antikörper nachgewiesen wurden. Das hieß nicht, dass der Weltmeister akut krank und ansteckend war, sondern nur, dass er einmal krank gewesen war. Die finnische Boxkommission untersagte den Kampf und der Geschäftsführer von Veranstalter Sauerland Event Christian Meyer verkündete: „Unsere Priorität gilt Nikolais Gesundheit. Und die konnte nicht garantiert werden.“
Die ganze Affäre hinterließ einen unguten Nachgeschmack. Chagaev war seinen Titel los und Valuev durfte gegen den vermeintlich schwächeren David Haye um diesen Titel boxen. Hartnäckig hielten sich die Gerüchte, es wäre schon lange bekannt gewesen, dass im Blut von Chagaev Hepatis B Antikörper sein sollten. Was mich persönlich überrascht, ist nun eine erneute Kampfansetzung von Sauerland Event mit Chagaev. Der Sauerland Boxer Alexander Povetkin (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO), der „zaghafte Zar“, soll am 27.08.2011 in Erfurt gegen ihn boxen. Die Blutwerte von Chagaev (29 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) werden sich nicht geändert haben. Wieso lässt Sauerland Povetkin aber dann gegen ihn boxen? Haben sich nun die Prioritäten beim berliner Veranstalter verschoben?
© Uwe Betker

Die ARD, die Rundfunkgebühren und das Boxen (2)

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5. Punkturteile, die den Ruf des Athleten, des Senders, des Veranstalters und des Sports beschädigen, sollten nicht akzeptiert werden. Verschieben Punktrichter Kämpfe zugunsten des „Heimboxers“, kann man einen sofortigen oder baldigen Rückkampf ansetzen.
6. Punktrichter, die offensichtlich Dinge wie „Heimvorteil“ und „Weltmeisterbonus“ – Dinge, die die Regelwerke ja auch gar nicht vorsehen – in ihre Wertung einfließen lassen oder die versuchen durch vorauseilenden Gehorsam sich dem Veranstalter anzudienen, könnte man ja auch für drei Jahre die Möglichkeit geben, erst mal auf anderen Veranstaltungen ihr Handwerk neu zu erlernen. Oder, um es anders auszudrücken: Ich finde, dass Punktrichter, die sich diskreditiert haben, drei Jahre lang nicht mehr bei Sauerland Veranstaltungen, die schließlich mit Rundfunkgebühren bezahlt werden, eingesetzt werden dürften. Damit wird das Boxen sauberer, und es bekommt mittelfristig auch einen besseren und seriöseren Ruf, was im Interesse aller Beteiligten sein dürfte.
7. Im Vorprogramm kann man auch ausgewählte und sehr gute Weltmeisterschaften im Frauenboxen zeigen. Halten diese Kämpfe das, was man sich von ihnen versprochen hat, kann man sie nach dem Hauptkampf zeigen. Es ist nicht so, als gäbe es keine sehr guten Frauenboxkämpfe, sondern es gibt nur zu viele zu schlechte Matchmaker und dann auch zu viele Veranstalter und TV-Sender, die keine Ahnung von Frauenboxen haben. Gerade hier ist es möglich, großen Sport für relativ wenig Geld zu zeigen. Die Einschaltquoten von Regina Halmich haben seinerzeit doch bewiesen, dass es eine prinzipielle Akzeptanz beim Publikum für diesen Sport gibt.
8. Für mich gibt es auch keinen Grund, warum die ARD Boxkämpfe der unteren Gewichtsklassen ausschließt. Unterhalb des Mittegewichts gibt es durchaus sehr gutes Boxen, das bis jetzt nur nicht gezeigt wird. Mir scheint, es gibt bei den unteren Gewichtsklassen aber ein Vermittlungsproblem. Die Kommentatoren am Ring wären nämlich gezwungen, mehr Fachwissen einzubringen, weil in den unteren Gewichtsklassen das Boxen einfach um ein Vielfaches schneller, technischer und für ungeübte Augen schlechter zu sehen ist.
9. Die Kommentatoren von Boxkämpfen sollten sich primär und verstärkt wieder als Journalisten definieren, die über ein Sportereignis berichten, und nicht als Teil des Doppel-Teams Sauerland-ARD auftreten. Eine schlechte Leistung ist eine schlechte Leistung und muss auch so benannt werden und ein Betrug ist ein Betrug. Keiner will Verrenkungen mit „Heimvorteil“ und „Weltmeisterbonus“. Eine der Stärken der ARD ist doch der Journalismus! Wieso gibt es den dann nicht beim Boxen?
10. Die Kommentatoren sollten ihre Informationen zum jeweiligen Boxkampf nicht nur von den Trainern, Boxern und Angestellten von Sauerland beziehen, sondern auch unabhängige Informationsquellen nutzen.
11. Die so genannten Experten, zumeist ehemalige Boxer, könnten, meiner Meinung nach, auch ruhig etwas ehrlicher und härter analysieren und dafür weniger charmant plaudern. Wenn dann auch mal Meinungen aufeinanderprallen, können die Zuschauer das schon aushalten, wenn nicht sogar genießen.
12. Entscheidungsträger der ARD sollten prinzipiell keinen Urlaub bei Herrn Sauerland in Südafrika machen.

Es wäre vielleicht hilfreich, wenn die ARD einen Boxfachmann abstellen oder engagieren würde, der sich um die Einhaltung der oben aufgeführten Punkte kümmern könnte und die Interessen der ARD und der Gebührenzahler auch offensiv gegenüber Sauerland vertreten würde. Auch wäre es wünschenswert, wenn dieser Fachmann bereits frühzeitig bei der Planung von Veranstaltungen einbezogen wäre um frühzeitig Kontrollen und Einfluss ausüben zu können.

Es hört sich vielleicht naiv an, aber ich bin nun mal der Überzeugung, dass derjenige, der zahlt, auch die Musik bestimmt. Wieso übernimmt die ARD nicht Verantwortung und zeigt ihren Zuschauern besseres und saubereres Boxen. Sie hat auf jeden Fall dafür alle Möglichkeiten. Nun ist nur die Frage, ob sie auch den Mut und den Willen hat, es zu tun.
© Uwe Betker

Die ARD, die Rundfunkgebühren und das Boxen (1)

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Bis vor kurzem sah es so aus, als sei es eine reine Formsache, dass die ARD ihren Vertrag mit Sauerland Event um drei Jahre verlängert. In den Medien wurde eine Gesamtsumme von 54 Millionen Euro bzw. 1,5 Millionen Euro pro Veranstaltung kolportiert, was allerdings vom Geschäftsführer von Sauerland, Christian Meyer, dementiert wurde. Nun haben die Gremien der ARD den Vertrag nicht abgenickt, sondern blockiert. Es sieht so aus, als würden die Intendanten der einzelnen Sendeanstalten ihren gegenseitigen Animositäten und persönlichen Eitelkeiten über die Medien freien Lauf lassen. Das Profiboxen ist hier nur Spielwiese.
Die Quoten sprechen fürs Boxen, auch wenn einige Intendanten Radfahren oder Rhythmische Sportgymnastik vorziehen mögen. Aber einige Vertreter von Sendeanstalten bezweifeln „die Verhältnismäßigkeit des Millionendeals, und ob Boxkämpfe überhaupt ins öffentlich-rechtliche Programm passen.“ Über das Passen des Boxens kann man wohl getrost hinweggehen, denn das scheinen mir eher Pseudo-Bedenken zu sein. Wenn Boxen nicht ins öffentlich-rechtliche Programm passt, dann passt überhaupt kein Sport ins Programm, auch und vor allem kein Fußball. Denn alles, was man dem Boxen zum Vorwurf machen kann, kann man auch über den Fußball sagen. Über die Verhältnismäßigkeit aber, lohnt es sich schon nachzudenken.
Ein langfristiges und finanziell starkes Engagement von der ARD bei Sauerland Event halte ich für richtig und wichtig. Gleichzeitig sollte die ARD sich aber ihrer Verantwortung gegenüber den Zuschauern und dem Sport stärker bewusst werden und ihre Zusammenarbeit mit Sauerland anders gestalten. Wenn Rundfunkgebühren, die von jedem Haushalt in Deutschland entrichtet werden müssen, dazu verwendet werden, die Übertragung von Boxveranstaltungen zu bezahlen, muss die ARD es auch als ihre Pflicht ansehen, darauf zu achten, dass diese Gelder in einer, nenne ich es mal, ethischen Weise ausgegeben werden. Will die ARD nicht den gleichen Weg gehen wie das ZDF und ihren sowie den Ruf des Boxens ruinieren, dann muss die ARD auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Für mich stellt sich hier allerdings die Frage, ob die ARD das auch wirklich will. Ich jedenfalls habe manchmal schon den Eindruck, dass sie es nicht will.
Wenn die ARD sich jedoch mit dem Juwel Boxen langfristig weiter schmücken und gute Einschaltquoten erzielen will, ohne sich und den Sport zu beschädigen, dann muss sie wohl etwas ändern. Hier ein paar Vorschläge:

1. Die ARD gibt nicht allein dem berliner Veranstalter das ganze Geld, das sie für Boxen zur Verfügung hat. Es käme ja vermutlich auch kein deutscher TV-Sender auf die Idee, nur die Fußballspiele des aktuellen Deutschen Meisters Borussia Dortmund zu übertragen und alle anderen zu ignorieren. Dementsprechend macht es auch keinen Sinn so zu tun, als ob Boxen in Deutschland nur aus dem besteht, was Sauerland Event anbietet. Sinnvoll wäre es also, Sauerland nur einen Anteil von dem Geld zu garantieren. Damit hätten beide, Veranstalter und Sender, eine Planungssicherheit. Gleichzeitig aber hätte man dann noch die Möglichkeit, weitere Kämpfe oder Veranstaltungen hinzuzukaufen. Von den besten 25 Boxern der Welt, boxt nur Steve Cunningham (Position 17) bei der ARD – und dann auch noch nur im Vorprogramm. Hier sitzt also der Zuschauer nicht in der ersten Reihe, sondern eher hinter der Säule.
2. Zugekauft werden könnten dann die Megafights weltweit. Es könnte dann auch die Sauerland Veranstaltung auf den gleichen Abend gelegt werden, wie z.B. die Kämpfe von Manny Pacquiao. Der Fernsehzuschauer hätte dann die Möglichkeit erst die deutsche Veranstaltung zu sehen und anschließend noch einen großen Kampf aus dem Ausland.
3. Zugekauft werden könnten außerdem noch besonders interessante oder viel versprechende Kämpfe mit deutscher Beteiligung, wo die Boxer bei Veranstaltern unter Vertrag sind, die keine TV-Verträge haben. Und warum sollten diese Kämpfe dann nicht sogar auch im Rahmen der Sauerland-Shows oder in Kooperation von zwei Promotern stattfinden?
4. Die Qualität der Kämpfe müsste einfach stärker kontrolliert werden. Es ist ja so, dass ein Weltmeister z.B. einmal im Jahr seinen Titel gegen einen Pflichtherausforderer verteidigen muss. Mindestens bei einer der freiwilligen Titelverteidigungen sollte der Herausforderer ein Top Ten Mann sein. Warum sollte dann die ARD dabei dann einen Gegner akzeptieren, der schlechter als auf Position 35 der unabhängigen Weltrangliste steht?
© Uwe Betker

Ein E-Mail-Wechsel zwischen Christian Meyer (Sauerland Event) und Uwe Betker (box-blog.de)

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In einem meiner letzten Beiträge im Blog (15. April 2011) ging es um die ARD, Sauerland Event, 1,5 Millionen Euro pro Show, Rundfunkgebühren, Kontrolle und Sachkompetenz der ARD, Frauenboxen und um die unteren Gewichtsklassen. Hierauf hat der Geschäftsführer von Sauerland Event, Christian Meyer, reagiert und mir eine recht ausführliche und interessante Mail als Erwiderung geschickt. Hier möchte ich nun sein E-Mail und meine Erwiderung darauf in zwei Teilen wiedergeben.

Christian Meyer schrieb:

Hallo Uwe!
Die kolportierten, veröffentlichten Zahlen stimmen leider nicht, und damit auch nicht deine Umrechnung pro Kampf.
Wieso gibt es keine Kontrolle? Die Kontrolle findet alleine schon dadurch statt, dass Kämpfe, die die ARD nicht möchte, auch nicht von der ARD gezeigt werden.
Kohl und das ZDF sind letztendlich daran gescheitert, dass sie Frauenboxen gezeigt haben; und dass über eine lange Zeit. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir mit Boxen der Herren richtig liegen. Regina Halmich war erfolgreich im Ring und beim Publikum – aber das ist lange her. Ähnlich lange wie die Erfolge von Katy Witt oder Steffi Graf.
Wir konzentrieren uns auf Boxen in/aus Deutschland. Da sind wir ab dem Mittelgewicht wesentlich besser aufgestellt, als in den unteren Gewichtsklassen. Wenn sich dies ändert, werden wir hier sicherlich unsere Politik ändern. Nebenbei, Oktay Urkal hat auch erfolgreich auf der ARD geboxt.

Uwe Betker schrieb:

Lieber Christian!
Vielen Dank für deine Mail. Offensichtlich bin ich, wie viele andere auch, einem Irrtum aufgesessen. Ich selber bin mir nicht mehr sicher, wo ich zum ersten Mal las, dass Sauerland Event 54 Millionen Euro für drei Jahre (2013-2015) bekommen soll. Aber ich bin mir sehr sicher Anfang März in der normalerweise gut informierten Süddeutschen Zeitung diese Zahlen auch gelesen zu haben. Schön wäre natürlich, wenn du jetzt die richtigen Zahlen auf den Tisch legen würdest.
Feststellen kann man aber sicherlich, dass Sauerland Event eine erkleckliche Summe von der ARD bekommt, und dass dieses Geld Rundfunkgebühren sind, die jeder Haushalt in Deutschland zu entrichten hat. Damit sind wir dann auch schon beim Fragekomplex der Kontrolle der ARD. Du schreibst: „Die Kontrolle findet alleine dadurch statt, dass Kämpfe, die die ARD nicht möchte, auch nicht von der ARD gezeigt werden.“ Dies wird wohl so sein. Mir ist natürlich klar, dass ein Veranstalter kein Interesse daran hat, seinen Boxern/Weltmeistern in jedem Kampf einen Gegner vorzusetzen, der eine gute Chance hat zu gewinnen. Das wäre zwar gut für die Zuschauer, aber schlecht fürs Geschäft. Daher ist eine gewisse Beimischung von Gegnern, die keine Siegchance haben und als Schlachtvieh geholt werden, verständlich.
Ob Kontrolle da ist oder nicht, sieht man am besten daran, wie diese Kontrolle funktioniert. Wenn sich ein Weltmeister einmal im Jahr mit einem guten Boxer misst und dann entweder nur ein sehr schmeichelhaftes Unentschieden oder ein skandalöser Sieg herauskommt, so dass in der Folge nur wieder „No-Hoper“ der Welt in Deutschland um einen Titel boxen dürfen, dann hat für mich Kontrolle versagt. Zudem ist mir persönlich ein guter Gegner im Jahr für einen Weltmeister auch zu wenig. – So komme ich auf den Gedanken, dass eine Kontrolle nicht stattfindet.
Die Einschätzung: „Kohl und das ZDF sind letztendlich daran gescheitert, dass sie Frauenboxen gezeigt haben“, kann ich nicht teilen. Universum Box-Promotion und das ZDF sind meiner Meinung nach an etwas ganz anderem gescheitert, nämlich am mangelnden Respekt gegenüber ihren Zuschauern. Das Matchmaking von Taouab Mohamed Hedi stellte – jedenfalls ist die meine Einschätzung – zum Teil geradezu eine Beleidigung der Zuschauer dar. Den Zuschauern wurden, ich nehme hier die Endzeit von Universum explizit aus, entsetzlich schlechte Kämpfe gezeigt. In dieser Reihe sind auch die Frauenboxkämpfe zu sehen. Das Boxen von Klaus-Peter Kohl ist daran gescheitert, dass er zu lange zu viele zu schlechte Boxkämpfe von Männern und Frauen gezeigt hat.
Es ist mitnichten so, dass es im Frauenboxen keine guten quotenträchtigen Boxerinnen gäbe. Sie werden nur nicht gezeigt. Eine neue Katy Witt oder Steffi Graf kann keiner übersehen, denn spätestens wenn sie bei den Olympischen Spielen oder bei der French Open gewinnen, kennt jeder sie. Solche Veranstaltungen gibt es im Boxen leider nicht. Daher ist es sehr gut möglich, dass die beste, attraktivste, und quotenträchtigste Boxerin der Welt Weltmeisterin werden kann, und keiner hat sie im Fernsehen gesehen.
Was die „Aufstellung“ von Sauerland Event im Mittelgewicht angeht, so kann das doch kein Zufall sein. Ihr habt, wenn ich es recht überblicke, keinen einzigen Boxer unterhalb vom Mittelgewicht. Ich kann hier kaum an einen Zufall glauben. Und was Oktay Urkal angeht, so war der doch wohl der letzte Boxer, der unterhalb des Mittelgewichts bei euch gekämpft hat.
© Uwe Betker

Written by betker

20. April 2011 at 23:59

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