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Foto: Özlem Sahin vs. Corina Carlescu (mit Conny Mittermeier)

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(C) Uwe Betker

Written by betker

10. September 2011 at 23:59

Foto: Özlem Sahin vs. Corina Carlescu

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(C) Uwe Betker

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28. August 2011 at 23:59

Foto: Özlem Sahin vs. Corina Carlescu

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(c) Uwe Betker

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8. August 2011 at 23:59

Eine interessante Veranstaltung in Göppingen

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3.200 Zuschauer sahen am 15.07.2011 eine zum Teil hochklassige und immer interessante Boxshow von Arena Box-Promotion in Göppingen. Im ersten Kampf des Abends bestritt Noel Gevor seinen zweiten Profikampf. Die im Cruisergewicht angesetzte Begegnung war ein typischer Aufbaukampf und dementsprechend kurz. Der Tscheche Vaclav Fiala hatte dem Sohn von Khoren Gevor nichts entgegenzusetzen. Schon früh brachte er mit einer Links-Rechts-Kombination zum Kopf Fiala in Schwierigkeiten. Der folgende Schlaghagel zwang ihn dann zu Boden. Er kam zwar noch einmal hoch, aber bereits eine Aktion später musste er erneut runter. Noch einmal stellte er sich dem Kampf. Wenige Treffer später drehte er sich jedoch ab, und der Ringrichter beendete die einseitige Begegnung. Noel Gevor (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) überzeugte, und man darf auf seine weitere Entwicklung gespannt sein. Vaclav Fiala (9 Kämpfe, 9 Niederlagen, 8 durch KO) wird wohl weiter als lebender Sandsack sein Zubrot verdienen.
Im folgenden Kampf war das Weltergewichtstalent Timo Schwarzkopf zu sehen. Schwarzkopf wird von Conny Mittermeier in Stuttgart trainiert. Obwohl Mittermeier Schwarzkopf vor der ersten Runde sagte: „Mach nichts, guck ihn dir nur an“, ging Yauheni Pashkelevich (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) am Ende der Runde doch zu Boden. In die zweite Runde wurde Schwarzkopf dann mit einen „jetzt kannst du loslegen“ geschickt. Das machte er dann auch. Eine Linke zum Körper und eine Rechte zum Kopf fällten schließlich den Mann aus Minsk/Weißrussland. Schwarzkopf (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) ist offensichtlich ein sehr hart schlagender Boxer, der auch weiß, dass man das Publikum unterhalten sollte. Das tat er, indem er nach der Siegerehrung einen Salto rückwärts machte. Es würde mich nicht wundern, wenn wir den noch sehr häufig zu sehen bekommen.
Ebenfalls im Weltergewicht boxten Petar Zivkovic (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) aus Belgrad/Serbien und Laszlo Szekeres (23 Kämpfe, 9 Siege, 2 durch KO, 11 Niederlagen, 7 durch KO) aus Nagykanizsa/Ungarn gegeneinander. Von der ersten Sekunde an war zu spüren, dass es sehr schnell zugehen würde. Zivkovic traf mit einer Linken zum Kopf und einer Rechten zum Körper, und sein Gegenüber musste runter. Er kam noch mal hoch. Der Serbe verschwendete dann auch noch Zeit, indem er mit Gewalt und zu wenig Konzentration den KO erzwingen wollte. Kaum boxte er wieder ruhiger, kam er auch schon mit einem Leberhaken durch, der den Kampf beendete.
Der wohl schlechteste Kampf des Abends, dafür aber einer der interessantesten, war das Aufeinandertreffen von WBC Weltmeister, bzw. Silber Champion, im Weltergewicht Selcuk Aydin (22 Kämpfe, 22 Siege, 17 durch KO) und Raman Dzekhkanau (13 Kämpfe, 10 Sieg, 10 durch KO, 3 Niederlagen 2 durch KO). Die Begegnung war auf acht Runden angesetzt. Vorher konnte man sich nicht vorstellen, dass der Boxheld aus Trabzon/Türkei sich gegen den Boxer aus Dokszyce/Weißrussland so schwer tun würde. Erst schien Aydin abgeklärt ans Werk zu gehen. Er schlug wenig, traf aber gut. Eine Rechte zur Schläfe fällte Dzekhkanau. Dass Aydin seinen hilflos auf dem Boden sitzenden Gegner dann aber noch mit einem Schlag an den Kopf traktierte, war nicht nur unsportlich, sondern auch unnötig. Der Ringrichter bestrafte dieses grobe Foul allerdings nicht, was mir völlig unverständlich ist.
Nach dieser Aktion kippte der Kampf, Aydin verlor den Faden bzw. Dzekhkanau zwang ihm seinen Kampf auf. Er ließ à la Klitschko seine Führhand ausgestreckt. Er drosch Heumacher, meist auf die Deckung. Es entbrannte eine muntere Keilerei. Im vierten Durchgang verließen dann jedoch Dzekhkanau langsam die Kräfte und Aydin kam besser durch. Endlich ging in Runde fünf Dzekhkanau zu Boden und wurde ausgezählt. Anschließend ließ er sich von dem Publikum feiern. Der Sieger bekam weniger Applaus.
Im fünften Kampf des Abends zeigte die Schwergewichtshoffnung Erkan Teper eine sehr souveräne und abgeklärte Leistung. Der ungeschlagene Mann aus Ahlen, bekam es in seinem sechsten Profikampf mit Jakov Gospic zu tun. Es ging dabei um die „Mediterranean Championship“ der WBC, was immer das auch sein mag. Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der Schützling von Mittermeier aufgebaut wird und wie viel sein Veranstalter ihm schon zutraut. Jakov Gospic aus Zedar/Kroatien (12 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ist nämlich durchaus kein schlechter Boxer.
Teper und Gospic boten einen technisch sehr schönen Schwergewichtskampf, bei dem Teper, dank seiner präziseren Schläge und seiner guten Deckung die Oberhand behielt. Teper zermürbte seinen Gegner systematisch, der zuvor noch nie vorzeitig verloren hatte. In der neunten Runde erhöhte er den Druck. Er kam mit zwei Rechten zum Kopf durch, die Gospic zwangen, mit dem Knie auf den Boden zu gehen. Zwar reklamierte er Schwierigkeiten mit seinem Tiefschutz, aber die folgenden Sekunden straften ihn Lügen. Ein brutaler, wunderschön geschlagener Aufwärtshaken schlug ihn KO.
Der ebenfalls ungeschlagene Nikola Sjekloca aus Budva/Montenegro bekam es im Super Mittelgewicht mit dem Skandalboxer Khoren Gevor zu tun. Wir erinnern uns: In seinem letzten Kampf, am 09.04.2011, hatte er den WBO Supermittelgewichtschampion Robert Stieglitz herausgefordert. Nach einer Unsportlichkeit disqualifizierte der Ringrichter Manfred Küchler Gevor, worauf dieser dann den Ringrichter schlug. Es sah jedoch für mich so aus, als wäre Küchler vorher von dem Delegierten Jean-Marcel Nartz, der wiederum wohl der Trauzeuge des Veranstalters Ulf Steinforth war, dazu aufgefordert worden.
Bei dem Kampf ging es um die WBC International Championship. Vorab haben einige Boxexperten vermutet, Gevor bekäme hier eine sehr leichte Aufgabe gestellt. Gevor selbst schien für mich auch ziemlich überrascht. Er fand kein probates Mittel gegen die steifen Graden. Mindestens zweimal war er angeschlagen. Nur selten kam er mit seinem Cross durch: Auch wenn er ein ums andere Mal Sjekloca den Infight aufzwängen konnte, war dies doch zu wenig, um den Kampf gewinnen zu können. Die Karriere von Khoren Gevor (38 Kämpfe, 31 Siege, 16 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO), dem viermaligen WM-Herausforderer, scheint sich dem Ende zu nähern. Was ihn dazu getrieben hat, die zwei Personen in seine Ecke zu nehmen, die dort waren, weiß ich nicht. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass seine Sekundanten vollständig überfordert und ihm keine Hilfe waren. Es würde mich nicht wundern, wenn irgendein Weltmeister im Supermittelgewicht nun auf die Idee kommen würde gegen Nikola Sjekloca zu boxen.
Firat Arslan (37 Kämpfe, 31 Siege, 20 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) meldete sich mit einer starken Leistung zurück. Der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBA boxte gegen den guten Lubos Suda (30 Kämpfe, 23 Siege, 15 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Arslan hatte gegen ihn am 12.12.2003 in Prag schon mal einstimmig nach Punkten verloren. Dieses Mal wirkte Arslan allerdings so kompakt und druckvoll wie nie zuvor. Er verteilte seine Schläge sehr gut, wobei er immer wieder mit Aufwärtshaken durchkam. Kaum konzentrierte sich Suda darauf, diese zu vermeiden, trafen ihn die Körperhaken. In der vierten Runde zwangen Leberhaken ihn zweimal zu Boden. In der folgenden Runde schickten wiederum Leberhaken ihn zweimal zu Boden, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach. Veranstalter Ahmet Öner möchte am liebsten Arslan gegen den WBO-Weltmeister Marco Huck kämpfen lassen. Dies wäre mit Sicherheit ein sehenswerter Kampf. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass das Management von Huck freiwillig einem solchen Kampf zustimmen würde.
Der letzte Kampf des Abends wurde von Frauen bestritten. Özlem Sahin maß ihre Kräfte mit Corina Carlescu. Dabei ging es um die Weltmeisterschaft der WIBF im Junior Fliegengewicht. Der Kampf fand auf einem technisch sehr hohen Niveau statt und wurde bis zur letzten Sekunde verbissen und hart geführt.
Sahin machte den Kampf und trieb ihre Gegnerin vor sich her. Zu keinem Zeitpunkt konnte diese ihren Reichweitenvorteil von sieben Zentimetern nutzen. Ihre gefährlichste Waffe waren ihre kurzen Kopfhaken. Sahin agierte hinter einer sehr stabilen Deckung und suchte die Lücke, die sie auch fand, um ihre Treffer zu setzen. In den letzten zwei Runden verschärfte Sahin noch einmal das Tempo des ohnehin schnellen Gefechts, nachdem sie in den Runden 7 und 8 den Druck herausgenommen hatte. Sie suchte den KO Erfolg, konnte aber letztlich Carlescu nicht vorzeitig besiegen, sondern nur einstimmig nach Punkten.
Es wird sich zeigen, ob die Rumänin Corina Carlescu (12 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) sich nun wieder vermehrt dem Boxen zuwendet, oder ob sie sich lieber weiter aufs Thai- und Kickboxen konzentrieren wird. Von Özlem Sahin (14 Kämpfe, 13 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) werden wir wohl noch mehr zu sehen bekommen – leider aber nicht auf Eurosport, das offenbar kein Frauenboxen zeigen will. Der türkische Sender Show TV, der über Satellit zu empfangen ist, zeigte Sahin als Hauptkampf des Abends live.
© Uwe Betker

PS: Jean-Marcel Nartz verwehrt sich gegen den Eindruck, dass er dem Ringrichter Manfred Küchler irgendwelche Anweisungen  gegeben habe.

Interview mit Özlem Sahin

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Die ungeschlagene Özlem Sahin (13 Kämpfe, 12 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) boxt am 15. Juli in Göppingen um die Weltmeisterschaft im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF. Die in Trabzon, Türkei geborene und in Ludwigsburg lebende Sahin bekommt es dabei mit Corina Carlescu (11 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden) aus Rumänien zu tun.
Das Interview wurde vor zwei Wochen spät abends, nach dem Training telefonisch geführt.

Betker:
Danke, dass Sie Zeit für mich haben.
Sahin:
Es ist etwas spät geworden. Ich komme gerade vom Training und ich musste noch etwas essen, weil ich einen Riesenhunger hatte. Daher war ich schnell in einem türkischen Imbiss.
Betker:
Was haben Sie gegessen?
Sahin:
[lachend] Wollen Sie das wirklich wissen? [ernsthaft] Ich habe richtig viel totes Fleisch gegessen, dazu Brot. Ich mag es, wenn ich in die Soße mein Brot rein tunke. Wir Schwaben sind Nass-Esser. Wir mögen viel Soße. Wenn ich zum Türken gehe und türkisch esse, esse ich das türkische Gericht auf schwäbische Art – mit viel Soße! Wenn Sie es genau wissen möchten: Es war „Et Sote“, das sind in Streifen geschnittene Fleischstücke mit Paprikaschoten, Petersilie, Tomatenmark usw. Lecker!
Betker:
Das hört sich nicht danach an, als ob Sie für Ihren nächsten Kampf Gewicht machen müssen.
Sahin:
Ich mache doch Gewicht. Wenn ich nicht oder nur wenig trainiere, wiege ich um die 48 Kilo, also exakt das Limit vom Minimumgewicht [47,627 kg, Anm. U.B.]. Wenn ich dann richtig trainiere, nehme ich ab, wenn ich nicht aufpasse. Ich muss sehr viel essen, um nicht zu leicht zu werden. Deshalb ist es ja auch so schwer für mich, oberhalb des Minimumgewichts zu boxen. Höher als das Juniorfliegengewicht [48,988 kg, Anm. U.B.] kann ich nicht gehen. Ich muss ganz viel essen und vor allem fett essen, damit ich überhaupt das Limit für meinen Kampf im Juniorfliegengewicht bringe. Es hört sich schon etwas seltsam an, aber ich habe mit dem Gewicht machen die gleichen Schwierigkeiten, die andere Boxer oder Boxerinnen haben, die hungern müssen, nur eben andersherum. Es gibt bestimmt jetzt Frauen und Männer die sagen: „Dein Problem will ich auch haben!“, das verstehe ich, aber nicht zunehmen zu können, ist auch ein Problem. Aber ehrlich gesagt: „Ich liebe mich so, wie ich bin.“
Betker:
Wie war Ihr Training heute?
Sahin:
Es war ein sehr hartes Training, bei dem ich sechs Runden Sparring mit einem sehr guten Kadetten gemacht habe. Es ist relativ schwierig, passende Sparringspartner zu finden. Die meisten Frauen und Männer sind einfach viel zu schwer für mich. Daher versuchen wir immer starke Jugendliche für das Sparring zu finden. Mein Trainer Conny Mittermeier war ganz zufrieden. Als er mir die Handschuhe auszog, sagte er: „Wenn du am 15. so boxt, wirst du Weltmeisterin!“
Betker:
Das heißt, Sie sind optimistisch, Weltmeisterin zu werden.
Sahin:
Natürlich bin ich optimistisch. Ich habe während der letzten Jahre mein ganzes Leben den zwei Zielen untergeordnet, Weltmeisterin zu werden und natürlich auch ein gute Mitarbeiterin bei der Robert BOSCH GmbH zu sein, wo ich seit 19 Jahren arbeite. Wenn ich das mit der Arbeit und dem Boxen nicht unter einen Hut bekommen hätte, hätte ich auch sportlich nicht die Freiräume wie bisher! Um auf die Frage zurück zu kommen: Ich will Weltmeisterin werden, und ich werde Weltmeisterin! Aber nach jedem Training und nach jedem Kampf bin ich unsicher. Ich weiß dann einfach nicht, wie ich wirklich war. Ich bin mit mir überkritisch. Es gibt immer etwas, was ich besser machen möchte. Ich bin selber meine größte Kritikerin! Daher bin ich dann auch ganz froh, wenn Conny mich hier stoppt, immer weiter darüber nachzudenken, was ich hätte noch besser oder anders machen können. Also ich fühle mich gut und freue mich auf den Kampf.
Da fällt mir noch etwas ein zu Conny: Ich trainiere ja erst seit Oktober 2010 bei Conny. Vorher war ich acht Jahre bei Achim Böhme in Ludwigsburg beim MBC Ludwigsburg. Hier möchte ihm dafür danken, dass er mich in der Zeit mit Herz und Seele betreut und trainiert hat. – Conny war, bis ich zu ihm kam, kein großer Freund des Frauenboxens. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob er jetzt Frauenboxen mag. Aber Hauptsache ist, dass er mit mir arbeiten will. [lachend] Wer kann mir schon widerstehen. [ernsthaft] Ich meinte: Ich musste ihn mit meinem Fleiß überzeugen. Conny ist immer noch etwas förmlich mir gegenüber. Darauf habe ich ihn auch einmal angesprochen. Daraufhin hat er mir gesagt, ich nehme dich erst in den Arm, wenn du Weltmeisterin geworden bist. Es wird jetzt also Zeit.
Betker: Wie gehen Sie mit dem täglich steigenden Druck um?
Sahin: Mir wurde gesagt, dass ich weniger lache und weniger lächle. Mir selber ist etwas anderes aufgefallen. Vor ein paar Tagen war schönes Sonnenwetter und ich wollte noch mit meinem Motorrad zur Entspannung eine kleine Runde drehen. Ich fuhr los und bemerkte: Es geht nicht. Ich kehrte praktisch direkt wieder um. Ich hatte einfach nicht die spezifische Konzentration, die man für das Motorradfahren braucht.
Betker:
Ihre Gegnerin ist die Rumänin Corina Carlescu.
Sahin:
Ja, das ist richtig.
Betker:
Was können Sie mir über sie sagen?
Sahin:
Sie ist eine harte und zähe Boxerin. Sie hat schon zweimal in Deutschland geboxt. Ich habe sie einmal live gesehen. Das eine Mal, 2008, boxte sie in Karlsruhe gegen Bettina Völker, wo ich auch am Ring saß. Und das andere Mal, 2009, kämpfte sie in Dorsten gegen Pia Mazelanik. Sie hat zwar beide Kämpfe nach Punkten verloren, aber es waren beides sehr enge und sehr intensive Kämpfe. Einige sagen sogar, dass man den Ausgang auch hätte andersherum sehen können. Aber das sehe ich nicht so. Sie ist aber ein harter Brocken und sie bringt Schlagkraft mit. Sie kommt schließlich aus dem Bantamgewicht, also drei Gewichtsklassen über dem Juniorfliegengewicht. Es wird also ein hartes Stück Arbeit werden.
Betker:
Sie hat seit 2009 nicht mehr gekämpft.
Sahin:
Das stimmt nicht. Sie hat keine Kämpfe als Profiboxerin gemacht, aber sie hat viel als Thai- und Kickboxerin gekämpft. Wenn ich da richtig informiert bin, hat sie um die 45 Thai- und Kickboxkämpfe gemacht. Corina Carlescu ist eine wirklich erfahrene Kämpferin, die genau weiß, was sie macht. Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen.
Betker:
Sie sind 153 cm groß.
Sahin:
Ja.
Betker:
Corina Carlescu ist 160 cm groß. Sie ist sieben Zentimeter größer als sie und hat eine dementsprechend größere Reichweite.
Sahin:
Das bin ich eigentlich schon fast gewöhnt. Ich boxe immer gegen Frauen, die größer sind als ich. So ist es eben. Das Leben ist ja kein Wunschkonzert, bei dem man das bekommt, was man sich wünscht. Da ich ja auch nicht mehr wachsen werde, muss ich mich mit solchen Tatsachen abfinden. [lachend] Bin nur kurz, aber nicht klein.
Betker:
Haben Sie sich bereits eine Strategie zurechtgelegt?
Sahin:
Conny hat sich nur zwei Runden von einem Carlescu Kampf angesehen. Dann hat er den Fernseher ausgemacht und hat mir gesagt, dass ich sie niederkämpfen muss. Die Boxerin mit dem größeren Willen wird gewinnen. Corina Carlescu ist eine echte Kämpferin – so wie ich. Der Kampf mit ihr wird der schwerste Kampf meines Lebens. Es wird auf jeden Fall ein sehr harter und spannender Kampf. Sie wird bis zur letzten Sekunde alles geben.
Betker:
Sie boxen um den Titel der WIBF [Women’s International Boxing Federation].
Sahin:
Es war mir ein besonderes Anliegen um den WIBF-Titel zu boxen. Es ist als Boxerin schwierig, Kämpfe zu bekommen. Am Anfang meiner Profikarriere hat Jürgen Lutz aus Karlsruhe, der Vizepräsident der WIBF, mich mehrfach auf Veranstaltungen von sich boxen lassen. Ich bin nach jedem Kampf zu ihm hin gegangen und habe mich dafür bedankt. Er sagte jedesmal: Wenn es dir damit ernst ist, sorge dafür, das dein erster WM-Kampf ein WIBF-Kampf ist. Als Arena Box-Promotion mich dann fragte, um welchen WM Gürtel ich am liebsten boxen möchte, habe ich gesagt: WIBF. Ich halte mein Wort. Wenn ich jemandem mein Wort gebe, dann halte ich es auch. Es ist wie ein Vertrag nur viel sicherer, keine Hintertüren und keine Ausstiegsklauseln – eben mein Wort.
Ich möchte mich hier ausdrücklich bei meinem Chef Herrn Klitzke von der Firma Bosch, bei der ich arbeite, bei der Firma Gazi und bei Arena Box-Promotion dafür bedanken, dass sie mich unterstützt haben und unterstützen. Nur durch sie ist es mir überhaupt möglich, um die Weltmeisterschaft zu boxen.
Betker:
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Sahin:
Zuerst einmal natürlich, den nächsten Kampf zu gewinnen und Weltmeisterin zu werden. Dann möchte ich noch so viele WM-Kämpfe wie möglich, in meinen beiden Heimaten, nämlich in Deutschland und der Türkei, machen. Und natürlich wünsche ich mir Gesundheit.
© Uwe Betker