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Posts Tagged ‘David Haye

Weltmeister, Hausmeister, Jägermeister und Waldmeister

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Am 27.08.2011 boxt Alexander Povetkin (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO) in Erfurt gegen Ruslan Chagaev (29 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden). In dem Aufeinandertreffen des zaghaften Zaren, der Nummer 14 der unabhängigen Weltrangliste, und des weißen Tyson, der Nummer 13, geht es um den vakanten Weltmeistertitel der WBA im Schwergewicht. Vakante Titel?
Der Weltmeister der WBA David Haye verlor am 02.07.2011 diesen Titel an Wladimir Klitschko. Kaum hatte Klitschko den WBA Gürtel in seine Vitrine gelegt, verwandelte dieser Weltverband seinen Weltmeistertitel in etwas, was sich „Super Champion“ schimpft. Povetkin und Chagaev boxen nun um den „regulären“ WM-Titel.
Nun stellt sich natürlich die Frage, welchen sportlichen Wert ein solcher Weltmeistertitel der WBA noch hat. Natürlich hat dieser Titel einen gewissen Wert, besonders für den Veranstalter Sauerland Event und den übertragenden TV-Sender ARD. Und dieser Wert ist mit Sicherheit höher einzuschätzen als der Titel Hausmeister, Jägermeister und Waldmeister.
© Uwe Betker

Wladimir Klitschko weltmeisterlich

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Auf youtube (http://www.youtube.com/watch?v=CYnL5dZ2eBk&feature=share) ist ein Video mit dem Titel „Wladimir Klitschko’s Haye summary“ zu sehen. Bereits über eine Million Menschen haben es sich angeschaut. Und es ist auch tatsächlich absolut sehenswert. Man erblickt dort Klitschko wortlos den Zuschauern zunicken. Dabei hält er nacheinander zunächst die geschmacklosen Köpfbilder von David Haye hoch. Dann gibt es ein Bild aus dem Kampf, auf dem Haye zu sehen ist, wie er ihn auf dem Boden kniend umklammert. Es folgt ein Bild, das beide Klitschko Brüder nach dem Kampf mit allen WM-Gürteln zeigt. Schließlich kommt noch ein Bild von Hayes geschwollenem kleinen Zeh und zum Abschluss eine englische Boulevardzeitung, die titelt „Hero Toe Zero“.
Eine Minute und 49 Sekunden lang sagt Wladimir Klitschko kein Wort. Er verzieht nur ein wenig das Gesicht und lässt die Bilder für sich sprechen. Ein weltmeisterlicher Rückblick auf den Klitschko Haye Kampf.
© Uwe Betker

Written by betker

11. Juli 2011 at 23:59

Mühe allein genügt nicht

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Wladimir Klitschko besiegte am 02. Juli David Haye in einem Fußballstadion in Hamburg. Damit erfüllte er den großen Traum seiner Familie. Nun sind alle wichtigen Schwergewichtstitel vereint im Schoße der ukrainischen Familie Klitschko. Die Klitschko Fans und der übertragende deutsche Fernsehsender RTL jubeln. Und mir drängt sich der Eindruck auf, alle hatten sich, mehr oder weniger, bemüht.
David Haye (27 Kämpfe, 25 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) verlor seinen Titel der WBA, den er Nikolay Valuev am 07.11.2009 in Nürnberg abgenommen hatte, gegen den besten Schwergewichtler des letzten Jahrzehnts. Er bemühte sich sehr erfolgreich den Schlägen von Klitschko auszuweichen und seinem Gegenüber seinen Kampf aufzuzwingen. Immer wieder versuchte er, durch Konter zu punkten oder sogar zu einem vorzeitigen Sieg zu kommen. Aber trotz aller Mühe hat es zu einem Sieg dann doch nicht gereicht.
Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen) musste sich gegen Haye abmühen. Zu unangenehm boxte dieser und zu überraschend kamen seine Angriffe. Klitschko hatte schon seine liebe Mühe, einen Punktsieg nach Hause zu fahren. Daher war er auch nur vernünftig, dass er sich nicht die Mühe machte zu versuchen, seine vollmundige Ankündigung, Haye bestrafen zu wollen, auch umzusetzen.
Der Ringrichter Genaro Rodriguez hatte keine Mühe mit dem Kampf und zeigte eine tadellose und souveräne Leistung. Er ist, wenn ich mich recht entsinne, derjenige, der die Unart Klitschkos, sich auf den Gegner zu legen, mit einem Punktabzug bestrafte. Später zählte er Haye nach einem Wischer auch an, um ihn dafür zu bestrafen, dass er sich immer fallen ließ. Die Bemühungen von Rodriguez reichten für eine großartige Ringrichterleistung.
Die Punktrichter gaben sich in unterschiedlicher Weise Mühe. Einer der Drei, nämlich Stanley Christodoulou, gab sich Mühe, den Verlauf des Kampfes durch seine Punktwertung wiederzugeben. Er wertete 110:116. Seine zwei Kollegen Michael Pernick und Adalaide Byrd sahen den Kampf sehr viel einseitiger und sehr viel deutlicher für den in Semipalatinsk, Kasachstan geborenen Boxer. Sie werteten 108:118 und 109:117. Der RTL Kommentator Tobias Drews formulierte vor dem Kampf, dass einige Punktrichter schon mal dazu neigen, in vorauseilendem Gehorsam im Sinne des Veranstalters zu punkten. Man kann sich schon fragen, ob sich Michael Pernick und Adalaide Byrd nicht weniger Mühe geben sollten, jedenfalls darin, dem Veranstalter servile zu Diensten zu sein.
Der schon angesprochene Tobias Drews gab sich die ersten zwei Drittel des Kampfes über redlich Mühe, den Kampf weitestgehend objektiv zu werten und zu kommentieren. Dann, als ob er über den Punktestand informiert worden sei, nahm er einen Teil des vorher Gesagten zurück und lobte nur noch Klitschko. Schade, ich hätte mir hier doch ein wenig mehr an Streben nach Unabhängigkeit gewünscht.
Sein Kollege, der RTL Reporter Kai Ebel, gab sich am wenigsten Mühe. Er machte nicht einmal den Versuch, seine Verärgerung darüber, dass sich irgendwelche Personen ins Bild drängelten, zu verbergen. Er raunzte irgendeinen, wohl ein Klitschko Fan, der seinen Weg in den Ring gefunden hatte, vor laufender Kamera an.
RTL sprach davon, dass der Kampf zwischen Wladimir Klitschko und David Haye der beste Schwergewichtskampf der letzten Jahre gewesen sei. Das ist unbestritten richtig. Aber trotz aller Mühe der vielen Beteiligten ist der Kampf auch nicht mehr als eben halt der beste Schwergewichtskampf der letzten Jahre. Dies wiederum wirft letztlich nur ein sehr grelles Licht auf den Zustand der Schwergewichtsszene. Oder, um es noch mal mit den Worten des Werbespruchs eines großen Kafferösters der Mitte der 70er Jahre zu sagen: „Mühe allein genügt nicht.“ – Das, was zählt, was den Geschmack am Boxen zu einem Genuss machen könnte, fehlt leider noch immer.
© Uwe Betker

Die Klitschko und die Langweile

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Vitali und Wladimir Klitschko erinnern mich in gewisser Weise an Herold Johnson (87 Kämpfe, 76 Siege, 32 durch KO, 11 Niederlagen 5 durch KO), den großen Halbschwergewichtler der 50er und 60er Jahre, der als einer der besten Techniker aller Zeiten gilt. Johnson war auch derjenige, der Gustav „Bubi“ Scholz (96 Kämpfe, 88 Siege, 46 durch KO, 2 Niederlagen, 6 Unentschieden) am 23.06.1962 den Weltmeistertitel verwehrte. Johnsons Kämpfe wurden nie vom amerikanischen Fernsehen übertragen. Die damaligen Verantwortlichen gingen davon aus, dass Johnsons Maß an boxerischer Perfektion für das Publikum nur langweilig sein könnte.
Die Klitschko Brüder sind nicht perfekt, auch wenn sich unlängst eine Moderatorin eines Kulturmagazins im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei einer Besprechung der Klitschko-Dokumentation hierzu verstiegen hat. Die beiden ukrainischen Brüder sind weit von der boxerischen Perfektion eines Herold Johnson entfernt, aber sie haben etwas mit ihm gemeinsam, das mich langweilt, nämlich ihre Dominanz.
Die Klitschkos beherrschen das Schwergewicht so deutlich, dass es schon langweilig ist. Spannung kann nur entstehen, wenn es einen Unsicherheitsfaktor gibt. Muhammad Ali (61 Kämpfe, 56 Siege, 37 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) wurde erst zum Größten durch seine epischen Ringschlachten mit Joe Frazier (37 Kämpfe, 32 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Die Klitschkos haben keinen Frazier. Sie haben keinen Erzrivalen. Daher gibt es auch keine Spannung und ich empfinde es einfach nur als langweilig und uninteressant.
Offensichtlich bin ich aber mit meinem Gefühl der Langweile nicht alleine. Wie ließe es sich denn sonst erklären, dass so viele für David Haye sind – und das, obwohl seine Bewerbung des nun bevorstehenden Kampfes an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten ist. Das Klitschko Management prahlt gerne damit, in wie viele Länder die Kämpfe übertragen werden. Es fällt aber auf, dass viele Klitschko-Kämpfe von dem großen Bezahlfernsehsender HBO nicht übertragen werden. Und HBO ist nun mal weltweit immer noch das Maß aller Dinge, jedenfalls was das Boxen angeht.
© Uwe Betker

Der einzige Deutsche

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Wladimir Klitschko gegen David Haye, Ola Afolabi gegen Terry Dunstan, Ashley Sexton gegen Mike Robinson, Gabor Veto gegen James Kimori, Tony Harrison gegen Uwe Tritschler und Ryan Aston gegen einen noch zu bestimmenden Gegner, das ist bis jetzt die Kampffolge für den 02.07 2011 in der Imtech-Arena in Hamburg Altona. Ich spreche von dem lang ersehnten Kampf Klitschko gegen Haye. Die Veranstaltung findet in Deutschland statt. Der Veranstalter K2 ist ein deutscher Promoter. Der deutsche Fernsehsender RTL überträgt den Kampf in die ganze Welt. Der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) führt die Aufsicht über die Veranstaltung. Die Mehrheit der Zuschauer im Stadion werden Deutsche sein.
Trotzdem findet die Veranstaltung praktisch unter Ausschluss der Deutschen statt, nämlich der deutschen Boxer. Sechs Boxer kommen aus Großbritannien, ein Boxer kommt aus der Ukraine, einer aus den USA, einer aus Ungarn, einer aus Kenia und einer sogar aus Deutschland. Uwe Tritschler, der im Junior Mittelgewicht boxt, ist der einzige deutsche Boxer, den die Klitschkos bei ihrer Megaveranstaltung boxen lassen. Um es zu präzisieren, die Klitschkos lassen Uwe Tritschler (8 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) nur auf ihrer Veranstaltung boxen, weil sie wollen, dass er verliert. Er soll als Aufbaugegner für den Amerikaner Tony Harrison fungieren. Harrison gibt sein Profidebüt.
Vitali und Wladimir Klitschko wurden in Deutschland groß und sehr-sehr reich. Ein deutscher Veranstalter und deutsche Fans haben einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet, dass die Klitschkos das wurden, was sie heute sind. Aber die beiden Vorzeigeathleten verspüren offensichtlich keinerlei Verpflichtung dazu, etwas, von dem was sie empfangen haben, zurückzugeben. Es wäre ein Leichtes für sie, deutsche Boxer zu fördern. Sie müssten sie nur auf ihren Veranstaltungen boxen lassen und ihnen gute Gegner geben. Damit würden sie zum einen das Profiboxen in Deutschland fördern und zum anderen für ein für die Zuschauer in den Arenen attraktives Rahmenprogramm sorgen. Ganz offensichtlich wollen sie aber beides nicht.
Der einzige Boxer, der ein ganz kleines bisschen mittelbar durch die Klitschkos gefördert wird, ist der talentierte, in der Schweiz lebende ungarische Junior Weltergewichtler Gabor Veto (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO). Er darf tatsächlich des Öfteren auf ihren Veranstaltungen kämpfen, weil wohl Tom Löffler vom Klitschko Management sich für Veto stark macht.
Ich drücke dem einzigen Deutschen Uwe Tritschler die Daumen.
© Uwe Betker

Der schleichende Niedergang von Sauerland Event (2)

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Sauerland Event nahm wohl den Ausstieg des ZDFs aus dem Vertrag mit Universum Box-Promotion nicht zum Anlass über die eigenen Veranstaltungen und den generellen Umgang mit dem Boxen und dem Publikum nachzudenken. Das Verharren im Status Quo war zwar verständlich, schließlich hatte der berliner Veranstalter als einziger noch einen lukrativen Vertrag mit einem öffentlich-rechtlichen Sender, aber man kann es dennoch als einen gravierenden Fehler ansehen.
Sauerland war nun nahezu der unumschränkte Herrscher über das Boxen in Deutschland. Es gab keine direkte Konkurrenz mehr. Es gibt zwar noch Felix Sturm auf SAT 1 und Wladimir und Vitali Klitschko auf RTL, aber die sind keine Veranstalter im eigentlichen Sinne, sondern eher nur Selbstvermarkter. Sie haben keinen eigenen Boxstall und sie bauen auch keine anderen Boxer systematisch auf. Aber wie so häufig wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt, wird der Übriggebliebene träge und behäbig. Sauerland machte einfach so weiter, wie zuvor.
Wenn man sozusagen der größte und alles beherrschende deutsche Promoter ist, schauen alle einem ganz genau auf die Finger. Was die Zuschauer von der ARD im Groben zu sehen bekamen, war folgendes: Der einst als nahezu unschlagbar geltende Arthur Abraham musste sich ein ums andere Mal gegen bessere Boxer geschlagen geben. Dabei musste er diese Niederlagen alle in einem Turnier hinnehmen, das Sauerland sogar selbst ins Leben gerufen hatte. Sie sahen weiter, wie der russische Riese Nikolai Valuev, der auch vorher schon nicht immer sehr überzeugt hatte, erst gegen David Haye verlor und seither verletzungsbedingt nicht wieder boxte. Ob und wann Valuev wieder in den Ring steigt, steht wohl in den Sternen.
Weil Abraham verlor und Valuev nicht mehr boxte, wurden die Weltmeister der – wenn man so will – zweiten Reihe umso wichtiger für Sauerland als Hauptkämpfer. So bekam Muamer Hukic alias Marco Huck, der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, mehr Aufmerksamkeit. Dieses Mehr, auch an medialer Aufmerksamkeit nutzte er vor seinem Kampf gegen Denis Lebedev dazu, seinen Herausforderer übel zu beleidigen. Wohl noch angestachelt vom Echo in den Medien, legte er verbal dann später sogar noch einmal nach. Diese verbalen Kraftakte, blieben dann auch seine stärkste Leistung 2010. Im Kampf mit den Fäusten konnte Huck jedenfalls nur sehr knapp durch Mehrheitsentscheidung seinen Titel behalten, weil zwei Punktrichter den Kampfverlauf wohl nicht durch ihr Punkten wiedergeben konnten oder wollten. Die Folge: Ein, wie ich finde skandalöses Fehlurteil.
Das Selbstbewusstsein des Herrn Hukic war nach seinem Sieg nicht gerade angekratzt. Er sah sich nach dem Kampf als klaren Sieger, beglückwünschte sich zu seiner Leistung und dankte vor allem Gott – und nicht den Punktrichtern. Das offensichtliche Nichtanbieten eines Rückkampfes und das sehr zögerliche in Aussichtstellen einer Teilnahme an einem möglichen Super-Six-Turniers im Cruisergewicht durch Sauerland Event danach machte die ganze Sache auch nicht gerade erfreulicher. Dann setzte man Huck einen Gegner (Denis Lebedev) vor, von dem man absolut sicher sein konnte, dass er dem amtierenden Weltmeister niemals irgendwelche Schwierigkeiten machen würde.
Sebastian Sylvester konnte nur Mittelgewichtsweltmeister der IBF werden, weil Arthur Abraham diesen Titel aufgegeben hatte. Er gewann seinen Titel durch einen knappen Punktsieg mit Mehrheitsentscheidung gegen den nicht sehr starken Giovanni Lorenzo (19.09.2009). Danach verteidigte er seinen Titel durch einen TKO-Sieg gegen einen eher mittelmäßigen Boxer namens Billy Lyell (30.01.2010), der exakt ein Viertel seiner Profikämpfe verloren hatte. Dann folgte eine Pflichtverteidigung gegen Roman Karmazin (05.06.2010). Gegen ihn erreichte er nur mit Müh und Not ein nicht unumstrittenes Unentschieden. Natürlich, wir kennen das Muster schon: Es gab keinen Rückkampf, dafür aber einen leichteren Gegner (Mahir Oral). In der nächsten Pflichtverteidigung bekam er es dann mit Daniel Geale zu tun. Diesmal verlor er knapp nach Punkten
© Uwe Betker

Schon wieder Schülertheater

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Theateraufführungen von Schülern sind in der Regel, wenn man sich nicht gerade auf der Seite der vor Stolz geblendeten Eltern befindet, einfach nur grauenhaft. Halbtalentierte und untalentierte Laien mühen sich da ab. Schülertheater ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man als Professionalität bezeichnen könnte. Kleinere, manchmal auch größere Pannen sowie Mängel in der Organisation sind quasi schon eingeplant. An ein solch unprofessionelles Bemühen fühle ich mich erinnert, wenn ich die letzte Meldung höre, die Wladimir Klitschko, sein Management und sein TV-Sender verlautbaren ließen.
Zu erfahren war, dass die am 3. Mai in Hamburg und die am 4. Mai in London geplanten Pressekonferenzen für den Mega-Kampf zwischen dem IBF und WBO Weltmeister im Schwergewicht Wladimir Klitschko (58 Kämpfe, 55 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und dem WBA Weltmeister David Haye (25 Kämpfe, 24 Sieg, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) kurzfristig abgesagt wurden. Diese Pressekonferenzen waren geplant, um das Interesse für die Titelvereinigung, die am 2. Juli in der Hamburger Imtech Arena stattfinden sollte, zu schüren.
Der übertragende TV-Sender RTL begründete den Ausfall damit, dass sich zum einen der Kartenverkauf verzögert habe und zum anderen „noch offene Punkte in den Vertragsverhandlungen“ seien. Man muss sich das noch einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen, um es auch richtig würdigen zu können: „Grund dafür sind noch offene Punkte in den Vertragsverhandlungen.“
RTL spricht allen Ernstes von „offenen Punkten in den Vertragsverhandlungen.“ Ich weiß natürlich nicht, wie das Management der Klitschkos und Wladimir Klitschko Geschäfte machen. Normalerweise kann aber man doch erst ein Produkt verkaufen, wenn man dieses auch besitzt. Ich bin einfach nur erstaunt darüber, dass offensichtlich keine gültigen, vollständigen und unterschriebenen Verträge existieren. Es wird also eine Veranstaltungen beworben, und es werden eventuell sogar Eintrittskarten verkauft, obwohl noch gar nicht feststeht, ob der Kampf überhaupt zu Stande kommt. In meiner grenzenlosen Naivität, aber ich bin ja auch kein „Businessman“, gehe ich davon aus, dass man erst die Verträge macht und dann die Karten für die Veranstaltung verkauft. Das Klitschko Management, wie berichtet wird, rechnet schließlich damit „dass das lange erwartete Duell in über 150 Ländern live oder zeitversetzt gezeigt wird. Der Kampf soll 25 Millionen Euro an TV-Geldern und Ticket-Erlösen bringen.“
© Uwe Betker

Ein guter Ersatz

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Der Veranstalter Sauerland Event fand schnell einen Ersatz für Giacobbe Fragomeni (31 Kämpfe, 27 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Der ehemalige Europameister und Weltmeister der WBC im Cruisergewicht sollte am 02.04.2011 in Halle/Westfalen gegen den amtierenden Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO Muamer Hukic alias Marco Huck (32 Kämpfe, 31 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) boxen. Der Italiener Fragomeni musste den Kampf absagen, nachdem er sich im Sparring eine Cutverletzung zugezogen hatte. Nun wird er ersetzt durch Ran Nakash (25 Kämpfe, 25 Siege, 18 durch KO). Der 32-jährige Nakash wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 25 geführt, bei der WBC sogar auf 15 und bei der WBA auf 14. Interessanterweise erscheint der israelische Boxer jedoch nicht in der Rangliste der WBO.
Obwohl der bullig wirkende Nakash so weit oben in den Ranglisten steht, dürfte er aber kaum eine Chance gegen Huck haben. Zu groß sind seine technischen Defizite. Die einzige Chance, die er haben dürfte, ist es, mit einem seiner Haken, die er offensichtlich gerne schlägt, durchzukommen und durch KO zu gewinnen. Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Weltmeister vorzeitig gewinnt.
Berücksichtigt man die Kürze der verbleibenden Zeit, so ist Nakash ein guter Ersatz für Fragomeni, obwohl Huck wohl einen kurzen und relativ leichten Arbeitstag haben dürfte. Es wäre ihm auch zu gönnen, wenn da nicht sein letzter Kampf gegen Denis Lebedev vom 19.12.2010 wäre. Wir erinnern uns: Die zwei Punkrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo schanzten Huck den Sieg zu. Sauerland Event ließ sogar den spanischen Punktrichter Manuel Oliver Palomo nachher, aus mir unbekannten Gründen, noch mal auf einer seiner Veranstaltungen punkten.
Es ist immer noch die Frage nicht geklärt, wie Marco Huck und sein Management mit diesen Makel umgehen will. Wird es einen Rückkampf gegen Denis Lebedev (22 Kämpfe, 21 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage) geben? Wird es ein Super-Six-Turnier im Cruisergewicht geben und lässt man Lebedev daran teilnehmen? Oder will man das „Problem Lebedev“ aussitzen, in der Hoffnung dass irgendwann die Öffentlichkeit vergessen hat, dass Huck eigentlich gegen Lebedev verloren hatte und sich eigentlich nicht mehr Weltmeister nennen dürfte.
© Uwe Betker

Brennende Sorge um Wladimir Klitschko

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Ich mache mir ernsthaft Sorgen um den Weltmeister im Schwergewicht nach Version IBF und WBO, Wladimir Klitschko. Die Sorge um ihn brennt in mir, denn er musste nun zum zweiten Mal seine in Mannheim geplante Titelverteidigung gegen den britischen Meister und Commonwealth-Champion Dereck Chisora (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) absagen. Mit fiebriger Erregung harrte die Welt dem Kampf am 30. April entgegen. Wollte doch der Ukrainer gegen Chisora boxen, um ihn öffentlich dafür zu strafen, dass dieser ein „Frauenschläger“ ist.
Was mir nun wirklich Sorge bereitet, ist nicht die Absage als solche oder, dass der „Frauenschläger“ schon wieder seiner Strafe entgangen ist, sondern die Tatsache, dass dieselbe Verletzung, die bereits zur ersten Absage geführt hatte, noch nicht vollständig ausgeheilt ist. Das sind, wie ich finde, geradezu besorgniserregende Nachrichten, die mich fast um meinen Schlaf bringen. Wir erinnern uns: Wladimir Klitschko (58 Kämpfe, 55 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO), unser in Semipalatinsk im heutigen Kasachstan geborener Weltmeister, zog sich bei „einer Links-Rechts-Kombination beim Pratzentraining mit Coach Emanuel Steward“ einen Muskelfaserriss zu, der sogar zu einer „Einblutung im Bauchmuskel“ führte. „Die Schmerzen waren extrem“, so dass an einen Faustkampf nicht zu denken war.
Wie erleichtert war ich da, als ich hörte, dass ein paar Tage später unser boxender Akademiker während seiner Rekonvaleszenz in Palm Beach/ Florida Golf spielte. Wie wohl jeder weiß, ist Golfspielen die optimale physiotherapeutische Übung bei Verletzungen der Bauchmuskulatur. Aber offensichtlich hat selbst die härteste Quälerei in der Physiotherapie und auf dem Golfplatz sowie alle Kunst der Mediziner nicht ausgereicht, Klitschko wieder fit zu machen. Der behandelnde Sportmediziner Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sagte dazu: „Bei vorliegendem Krankheitsbild ist die exakte Rehabilitationszeit schwer vorhersagbar. Ein Kampf im April mit dem jetzigen Beginn einer intensiven Vorbereitungsphase wäre ein zu großes Risiko.“
Wie schon gesagt, der Gesundheitszustand von Wladimir Klitschko versetzt mich in große Sorge. Gleichzeitig nehme ich mit wachsendem Befremden zur Kenntnis, wie Kleingläubige diese Absage in einen Zusammenhang stellen mit dem wohl am 25. Juni oder am 2. Juli endgültig bevorstehenden Kampf eines Klitschkos gegen den WBA-Weltmeister David Haye (25 Kämpfe, 24 Sieg, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO).
© Uwe Betker

Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wär,…

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Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wär, dann wär die nächste Kampfansetzung für den amtierenden Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO vielleicht richtig gut. Muamer Hukic alias Marco Huck (32 Kämpfe, 31 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) boxt am 02.04.2011 in Halle/Westfalen gegen den ehemaligen Europameister und Weltmeister der WBC im Cruisergewicht Giacobbe Fragomeni (31 Kämpfe, 27 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden).
Fragomeni könnte man durchaus als würdigen Herausforderer für Huck betrachten, wenn man ihn auch für eine lösbare Aufgabe halten könnte, weil er keinen Punch hat und von seinen letzten 3 Kämpfen 2 verloren hat. Aber damit tut man ihm unrecht. Er ist immerhin die Nummer 27 der unabhängigen Weltrangliste. Er verlor seinen WM-Gürtel gegen keinen geringeren als Zsolt Erdei – und das auch nur knapp. Der Kampf, der am 21.11.2009 stattgefunden hat, war so hart, dass Erdei anschließend beschloss, wieder in seiner alten Gewichtsklasse, dem Halbschwergewicht anzutreten. Eine seiner anderen Niederlagen musste der Mann aus Mailand gegen David Haye (17.11.2006) hinnehmen. Das war jener David Haye, der jetzt Weltmeister der WBA im Schwergewicht ist.
Fragomeni wäre also schon ein guter Gegner, wenn da nicht diese unerledigte Geschichte mit Denis Lebedev vom 19.12.2010 wäre. Es hat wohl keiner, der den Kampf gesehen hat, vergessen, dass Huck nur deshalb noch Weltmeister ist, weil zwei Punkrichter (Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo, ich nenne ihre Namen immer wieder, in der schwachen Hoffnung, sie hier nie wieder zu sehen) partout nicht dem Kampfverlauf entsprechend punkten wollten und ihm dadurch den Sieg zugeschanzt haben.
Es bleibt also ein fader Beigeschmack, weil es scheint, als hätte Marco Huck nicht den Mut dazu, Denis Lebedev (22 Kämpfe, 21 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage) einen Rückkampf zu geben. Und Sauerland Event scheint seinem Weltmeister Huck auch einen Sieg gegen ihn nicht zuzutrauen. Wie kann man es sich denn sonst erklären, dass ein Kampf der förmlich nach einer Neuauflage schreit und mit Sicherheit eine gute Einschaltquote erzielen würde, nicht stattfinden soll. Das Super-Six-Turnier im Cruisergewicht ist auch keine Option. Erst unlängst, nämlich in der Pressekonferenz nach der Veranstaltung in Mülheim, wurde mitgeteilt, dass noch gar nicht feststünde, ob und wann dieses Turnier stattfinden soll. Deswegen kann ich eine Kampfansetzung Huck gegen Fragomeni auch nicht gut finden, sondern ich halte sie für schlecht. Selbst wenn Huck diesen Kampf super eindrucksvoll gewinnt, verliert er, in meinen Augen, an Reputation und sein Veranstalter Sauerland Event an Glaubwürdigkeit.
© Uwe Betker