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Ein sonniger Samstagvormittag im Freudenreich Professional Boxing Gym in Düsseldorf

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Das Freudenreich Professional Boxing Gym in Düsseldorf war am Samstag, dem 19.04.2014, am Morgen Schauplatz von zwei interessanten Trainingseinheiten. Robert Tlatlik (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) absolvierte sein Abschlusssparring, bevor er nächste Woche gegen Bihes Barakat (22 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) in den Ring steigt. Der Junior Weltergewichtler Tlatlik machte acht Runden Sparring mit dem Super Mittelgewichtler Jay Spencer (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO). Tlatlik, der von Stefan Freudenreich trainiert wird, hielt dem Druck des erheblich schwereren Boxers stand und arbeitete noch einmal an seiner Deckung und seiner Beinarbeit.
Joseph Parker (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO), der neuseeländische Schwergewichtler, bereitete sich auf seinen Kampf gegen Sherman Williams (52 Kämpfe, 36 Siege, 19 durch KO, 13 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) vor. In diesem Kampf soll es um zwei Gürtel der WBO gehen. Parker, der ehemalige Ausnahmeboxer der Amateure, ist bereits Neuseeländischer Meister. Der 22-jährige ist zurzeit die Nummer 83 in der Welt.
Er absolvierte zuerst dreimal drei Minuten Seilspringen und danach noch mal die gleiche Zeit Schattenboxen. Hiernach stieg er in den Ring und machte mit seinem Trainer Kevin Barry, der früher auch schon David Tua trainiert hatte, sechs Runden Pratzenarbeit. Ich muss gestehen, dass mich selten eine Pratzenarbeit so überzeugt hat. Parker schlug sehr schnell, extrem hart und variabel. Nun können Trainingsleistungen zwar nur bedingt als Gradmesser für das Potential eines Boxers angesehen werden, aber was Parker da gezeigt hat, das war schon vom Feinsten.
Sowohl Robert Tlatlik als auch Joseph Parker boxen am nächsten Samstag, dem 26.04.2014, im Vorprogramm des Kampfes Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai in Oberhausen.
© Uwe Betker

Die Glaubwürdigkeit von Wladimir Klitschko

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Noch vor kurzem machte sich die ganze Boxwelt Sorgen um Wladimir Klitschko (58 Kämpfe, 55 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Der in Semipalatinsk, im heutigen Kasachstan, geborene Boxer hatte sich nämlich kurz vor seinem Kampf gegen Dereck Chisora bei „einer Links-Rechts-Kombination beim Pratzentraining mit Coach Emanuel Steward“ einen Muskelfaserriss zugezogen. „Die Schmerzen waren extrem“, berichtete der zweifache Weltmeister im Schwergewicht. Natürlich zeigte er sich enttäuscht: „Ich konnte mich danach kaum bewegen. Es tut mir schrecklich leid für die vielen Fans, die in die SAP-Arena nach Mannheim kommen wollten. Aber so kann ich nicht antreten.“
Dabei hatte er sich doch so auf den Kampf gefreut, wo schon sein Kampf gegen David Tua (55 Kämpfe, 51 Siege, 43 durch KO, 3 Niederlagen und 2 Unentschieden) gescheitert war, weil Tua mehr als die angebotenen 400.000 Dollar an Börse haben wollte. Denn der Ukrainer sah es als seine Aufgabe an, Dereck Chisora (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) mit Geld und der Chance Weltmeister zu werden in den Ring zu locken, um ihn dort öffentlich dafür zu strafen, dass dieser ein „Frauenschläger“ ist.
Der Ukrainer zeigte sich verärgert: „Ich war in der Form meines Lebens, habe mich selten so stark gefühlt. Doch nun bin ich total enttäuscht, kann nicht antreten.“ Aber die Verletzung war zu schwerwiegend und zu schmerzhaft. „Ein 3,5 Zentimeter langer Muskelfaserriss des großen schrägen Bauchmuskels stoppt den 1,98 Meter-Hünen.“ Eine Kernspintomographie zeigte sogar eine „Einblutung im Bauchmuskel“. Gleichwohl glaubte der Engländer Chisora der medizinischen Verlautbarung nicht und nannte ihn einen „Kneifer“.
Tatsächlich scheint Herr Klitschko dann auch durch eine wundersame Blitzheilung schnell genesen zu sein. Wie berichtet wird, wurde er bereits 10 Tage nach seiner WM-Absage gesund und munter in Palm Beach/ Florida gesehen, wie er Golf spielte. Natürlich sind Blitz- und Spontanheilungen möglich, auch bei ukrainischen Boxern. Gleichzeitig frage ich mich aber schon, ob ein so gebildeter Mann wie Klitschko, ein promovierter Akademiker, nicht eigentlich wissen müsste, welchem Verdacht er sich da aussetzt. Schließlich ist eine so schnelle Genesung für jeden, der schon mal einen Muskelfaserriss hatte, nur schwer vorstellbar. Die Glaubwürdigkeit von Wladimir Klitschko hat durch sein Golfspiel, jedenfalls für mich, ganz erheblich gelitten.
© Uwe Betker

Ein Pas de deux mit Mahmoud Omeirat Charr und Frank Michael Maass

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Wieso muss ich immer wieder in deutschen Boxringen Ringrichter sehen, die bei mir den Eindruck erwecken, nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen, sondern sich zum Büttel der Veranstalter zu machen? Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ringrichters? Gibt man den Begriff „Ringrichter“ bei Wikipedia ein, so wird man schnell zu dem Synonym Kampfrichter weitergeleitet, und dort ist zu lesen: „Als Kampfrichter werden alle unparteiischen Personen bezeichnet, die die Überwachung und Einhaltung der Regeln bei einer Sportveranstaltung sicherstellen.“ Also nochmals: Ein Ringrichter soll unparteiisch sein. Außerdem soll er darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden.
Wieso versucht dann aber kein Ringrichter ernsthaft, bei dem syrischen Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr nennt und der sich den Kampfnamen Diamond Boy gegeben hat, auf der Einhaltung der Regeln zu bestehen. Ein Beispiel: In seinem letzten Kampf – dem ersten nach einer mehrmonatigen Knieverletzung – bekam es Charr (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO) mit Robert Hawkins (38, Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 16 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Der 40jährige Hawkins ist ein alter Haudegen, der gerne als Aufbaugegner genommen wird. So hat er schon gegen Eddie Chambers (09.09.2005), Samuel Peter (15.12.2005), David Tua (22.02.2007, Denis Boytsov (26.04.2008) und Oleg Maskaev (06.09.2008) geboxt und – verloren.
In der ersten Runde des Kampfes waren Charr und Maass als Paar noch nicht so richtig aufeinander eingestimmt. Der Ringrichter Frank Michael Maass ermahnte den Boxer, nicht mit der Innenhand zu schlagen und nicht mit dem Elleboxen zu stoßen bzw. zu schlagen. Aber schon am Ende der Runde zeigten sie sich besser eingespielt: Charr drückte mit der Linken den Kopf seines Gegners runter, hielt ihn fest und schlug mit der Rechten mehrfach zu. Maass, der direkt daneben stand, übersah das. Danach war das Muster etabliert. Maass sah keine Ellebogeneinsätze mehr und störte auch sonst kaum noch die Kampfführung von Charr.
Am Ende der vierten Runde kam es dann zum Höhepunkt im Tanz der Beiden: Charr stieß mehrfach mit der Schulter zu, und als er damit keine Wirkung erzielte und sein Gegner sich auch noch beschwerte, gab er noch einen Kopfstoß. Der Ringrichter, der direkt dabei stand, reagierte, ganz Tanzpartner, indem er sagte „Pass auf. Hör auf damit.“
Versuchen wir, die Situation des Ringrichter nachzuvollziehen! Ein Mensch wird Ringrichter, weil er in den Ring will, und er will natürlich bei den Großen in den Ring. So ein Ausflug mit Unterbringung in einem meist guten Hotel, einer netten After-Show-Party und einer kleinen Aufwandsentschädigung, die man mit nach Hause nehmen kann, ist schließlich eine angenehme Sache. Ich gönne sie auch jedem Punkt- und Ringrichter von ganzem Herzen. Aber muss dabei die Anbiederung an den jeweiligen Veranstalter wirklich so weit gehen, dass selbst gröbste Regelverstöße nicht mehr geahndet werden? Vielleicht ist ja gerade dieser, wie ich finde, devote vorauseilende Gehorsam einer der Gründe dafür, dass dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) der Ruf vorauseilt, das vollstreckende Organ von Klaus-Peter Kohl und Universum Box-Promotion zu sein?
Von einem Ringrichter muss man erwarten können, dass er wenigsten die gröbsten Unsportlichkeiten und Fouls des Heimboxers ahndet. Hier sind wir noch nicht einmal auf der Ebene der Unparteilichkeit. Ein absichtlicher Kopfstoß stellt den Versuch dar, seinen Gegner durch unlautere Mittel zu verletzen. Der Ringrichter ist hier in der Pflicht, die Gesundheit dieses Boxers zu schützen. Ein Punktabzug für einen absichtlichen Kopfstoß wäre das absolute Minimum gewesen.
Aber was Maas und Charr da zeigten, hatte meiner Meinung nach nur noch sehr bedingt etwas zu tun mit einem Ringrichter-Boxer-Verhältnis. Es erinnerte mich vielmehr an einen Pas de deux, diesen Paartanz in einer Ballettaufführung. Hawkins, der auf das Ringrichterverhalten recht aufgebracht reagierte, erklärte Maass: „Come on. Ist OK.“ Das hätte er gar nicht erst sagen müssen, denn wenn er diese Aktion von Charr nicht OK gefunden hätte, hätte er Charr ja disqualifizieren müssen. Aber wer möchte schon, dass sein Tanzpartner disqualifiziert wird.
© Uwe Betker

Schülertheater (2.)

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Mit dem Abgang von David Tua wurde das Publikum in die Pause geschickt. Der zweite Akt beginnt mit einem Paukenschlag. Das Klitschko-Management zaubert einen neuen Gegner aus dem Hut: Dereck Chisora.
Für Dereck Chisora (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) spricht, jedenfalls aus der Sicht von Wladimir Klitschko, dass die Nummer 13 der unabhängigen Weltrangliste noch relativ unerfahren ist. Hinzu kommt, dass er mit einer KO-Quote von 64% kein harter Puncher ist. Dieses Risiko wäre dann schon einmal weitgehend eliminiert. Zum Vergleich: Wladimir Klitschko hat eine KO-Quote von 84%, und seinen ersten Titelkampf hatte er nach 35 Kämpfen, also mehr als doppelt so vielen wie Chisora. Klitschko wurde als Amateur Militärweltmeister (1995) und als Nachrücker für seinen Bruder Vitali Olympiasieger (1996). Chisora wurde lediglich englischer Meister (2006). Auch an Erfahrung und an technischer Fähigkeit ist Klitschko seinem Wunschgegner weit überlegen. Auch die körperlichen Voraussetzungen sprechen für den Titelverteidiger. Klitschko ist 1,99 Meter groß und hat eine Reichweite von 2,06 Meter, der Mann aus Zimbabwe ist mit seiner Größe von 1,87 Meter und einer Reichweite von 1,88 Meter erheblich kleiner. Einen Vergleich der Namen in den jeweiligen Kampfrekorden spare ich mir. Wenn man sich all die Daten ansieht, scheint der Kampf für Herrn Klitschko ähnlich anstrengend zu werden wie ein mittelschwerer Tag im Büro.
Das einzige, was für den 26jährigen Chisora spricht, ist, dass er den Kampf wohl wirklich will, im Gegensatz zu anderen, die, so scheint es manchmal, schon einen Schnupfen oder sonst etwas bekommen, wenn sie nur an einen Klitschko denken. Jedenfalls sagte er unlängst über sich, er sei der „hungrigste Boxer“, gegen den Klitschko je gekämpft habe. Weiter: „Ich werde ihn aus seiner Bequemlichkeit reißen. Ich kann es kaum erwarten. Die Gelegenheit dazu hat an meine Tür geklopft, und ich habe sie eingelassen.“
Der IBF-, WBO- und IBO-Weltmeister im Schwergewicht und Akademiker konnte natürlich solche Äußerungen nicht unkommentiert lassen und erwiderte: „Ich werde dafür sorgen, dass du deine Worte isst. Ich liebe es, Farbe in dein Gesicht zu malen.“ Damit hätten wir denn schon den Höhepunkt bzw. das Ende des zweiten Aktes unserer Schüleraufführung erreicht.
Im folgenden dritten und letzten Akt kommt es folgerichtig zum tragischen Moment. Der ist, dass im Vorfeld nicht geklärt wurde, ob Chisora überhaupt kämpfen kann. Anfang November muss er sich nämlich wegen Diebstahls mit Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er hat sich auch schon schuldig bekannt.
Es könnte also sein, dass einer der Protagonisten unserer Aufführung eine Haftstrafe verbüßen muss. Es ist schon tragisch, dass offensichtlich keiner sich im Vorfeld um solche Kleinigkeiten gekümmert hat. Ich kann mir schlechterdings auch nicht vorstellen, dass die Straftat vom 28. Mai 2010 ein Staatsgeheimnis war. Hat dort ein Schüler seine Hausaufgaben etwa nicht gemacht?
Wie schon gesagt: Schülertheater.
Angeblich suchen die Klitschkos bereits einen anderen Gegner – aber das ist ein neues Theaterstück.
© Uwe Betker

Schülertheater (1.)

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Es erinnert schon ein wenig an eine Schülertheateraufführung in der Mittelstufe, und keine besonders gute, was uns im Vorfeld zum nächsten Kampf von Wladimir Klitschko am 11. Dezember in Mannheim so geboten wird. Erst gab es keinen Gegner für die Verteidigung der beiden WM-Titel. Dann gab es einen. Dann gab es wieder keinen. Dann wurde ein neuer präsentiert. Der will auch, aber ob er darf, steht noch nicht fest.
Am Anfang stand die Suche nach einem Gegner für Wladimir Klitschko. Logische Namen wie Alexander Povetkin und Nikolai Valuev fallen Verletzungs- oder Trainerbedingt aus. David Haye ist offensichtlich zu teuer und wohl zu gefährlich. Tomasz Adamek ist zu – keine Ahnung was. Verwirrt?
Lehnen wir uns doch einfach zurück und schauen uns die Aufführung an.
Der Vorhang geht auf:
Das Management des besten Schwergewichtlers der Welt kommt auf die Idee, wenn man schon keinen starken Gegner für einen Kampf zu ihren Bedingungen finden kann oder will, so könnte man vielleicht doch wenigstens einen klangvollen Namen als Kontrahenten engagieren. Ihre Wahl fiel auf David Tua.
Die Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste hat nun tatsächlich schon einen beeindruckenden Kampfrekord (55 Kämpfe, 51 Siege, 43 durch KO 43, 3 Niederlagen und 2 Unentschieden). Allerdings hätte man sich einen Klitschko-Tua-Kampf doch ein paar Jahre früher gewünscht. Aber damals waren die Klitschkos noch nicht so dominant wie heute und Tua viel gefährlicher. Aber wie es im Boxen so geht, man bekommt eben nicht immer das, was man sich wünscht. Klitschko-Kämpfe, die man sich wünscht, bekommt man noch viel seltener.
Aus dem Tua-Kampf wurde dann nichts. Angeblich wurden Tua 400.000 Dollar für den Kampf geboten. Für 400.000 Dollar muss zwar eine alte Frau lange stricken, aber als Angebot für einen WM-Kampf gegen einen Klitschko scheint die Summe doch ein wenig arg klein zu sein. So sah es jedenfalls auch Tuas Manager Cedric Kushner, denn der brach sofort die Verhandlungen ab.
Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass so viele Verhandlungen mit potentiellen Gegnern der Klitschkos immer wieder platzen. Hier sei nur der Name David Haye nochmals erwähnt. Sollte etwa etwas an dem Gerücht dran sein, das den Gebrüdern Klitschko extreme Geldgier nachsagt?
Ende erster Akt.
© Uwe Betker