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Eine sehr ungewöhnliche Boxveranstaltung

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Profiboxveranstaltungen finden an den verschiedensten Orten statt: Hallen jeglicher Größe, Auto- und Möbelhäuser, Fußballstadien und Aschenplätze, Marktplätze und Säle von Kneipen. Auch Messehallen waren schon häufig Austragungsort. Aber eine Messehalle während einer laufenden Publikumsmesse, das ist mir noch nicht unter gekommen. Die Zuschauer der Boxkämpfe waren m.a.W. die Messebesucher.
Halle 7 der Messe Essen war der Ort, wo am 18. November 2017, also am Samstag, mittags die Fäuste flogen. Die Messe „Mode, Heim und Handwerk“ selber ist eine Verbrauchermesse, auf der man wohl so ziemlich alles, was es auf er Welt gibt, kaufen kann: japanische Automobile, Handtaschen, Rolltore, heilende Steine, Rückenmassagen, Hosen und Mäntel, Schmuck und Dinge, die ich noch nie gesehen habe. Hinzu kommen die verschiedensten Selbsthilfegruppen, Imbisse, Hilfsorganisationen, Feldjäger, Handwerksorganisationen und Vereine. In besagter Halle 7 stellten sich hauptsächlich die verschiedensten lokalen Vereine vor, vor allem Sportvereine. Und hier nun wurde geboxt.
Bereits beim Wiegen am Vortag zeichnete sich ab, dass die Veranstaltung sehr ungewöhnlich werden würde. Im Vorprogramm zum Wiegen wurde schon mal Bauchtanz und Rockabilly Tanz und Gesang geboten. Letztgenanntes wurde von Mitgliedern der „Wirtschaftswunder-Revue“ grandios aufgeführt. Und zum Bauchtanz wäre zu sagen: Gab es je vorher Bauchtanz im Rahmen einer Boxveranstaltung? Am Kampftag selbst traten auch alle wieder auf, verstärkt durch eine Sängerin. Für mich sollte es ruhig mehr Bauchtänzerinnen und mehr Tänzer- und Sängerinnen von der „Erdbeerbrause“ Revue geben. Ringsprecher und Conférencier war Thomas Bielefeld, die Stimme des Boxens in Deutschland.
So ungewöhnlich wie der Veranstaltungsort war auch der Veranstalter. Denn dieser war die German Boxing Association. Vermutlich war es das erste Mal, dass ein deutscher Boxverband selber als Veranstalter fungierte. Das liegt wohl daran, dass die GBA hier zum einen Werbung für den Boxsport machen und zum anderen das karitative Projekt GIBEI (https://gibei.jimdo.com/) unterstützen wollte. Veranstalterin des WBF WM-Kampfes war die 15-jährige Ranee Schröder, die wohl immer noch die jüngste Promoterin der Welt sein dürfte.
Leider gab es insgesamt nur zwei Kämpfe zu sehen. Allein am Kampftag wurden drei Kämpfe krankheitsbedingt abgesagt. Mustafa Isa und Issac Maganga gaben ihr Profidebüt im Cruisergewicht. Isa, ein syrischer Flüchtling, dessen Lebensgeschichte schon durch die Medien gegangen ist, boxte abgeklärt und ruhig. Er machte von Anfang an Druck und trieb Maganga vor sich her. Mehrfach stellte er ihn an den Seilen und deckte ihn ein. Magangas etwas unorthodoxe Doppeldeckung blockte jedoch viele Schläge ab. Mit seinen Schlägen auf der Außenbahn war Maganga auch nicht ungefährlich. Die erste Runde war munter. Die zweite Runde wurde dann härter geführt. Das lag zum einen daran, dass Isa den Druck erhöhte, zum anderen daran, dass Maganga nun auch durch die Mitte schlug. In der dritten Runde erhöhte Isa erneut den Druck. Die Ecke von Maganga kam mit dem Wurf des Handtuchs einem Niederschlag zuvor.
Sieger durch TKO in Runde 3 nach 1:35 Minuten: Mustafa Isa.
Der Hauptkampf des Tages war die Weltmeisterschaft nach Version WBF im Cruisergewicht zwischen Serdar Sahin (29 Kämpfe, 27 Siege, 18 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Diego Javier Sanabria (82 Kämpfe, 60 Siege, 46 durch KO, 9 Niederlagen, 6 durch KO, 3 Unentschieden). Sahin, der über ein Jahr nicht geboxt hatte, zeigte schön systematisches und ruhiges Boxen. Besonders gefiel mir seine steife linke Führhand, mit der er den Kampf bestimmte. Nur wenige Male setzte Sahin, der Sven Ottke in der Ecke hatte, seine Rechte ein. Sanabria versuchte nur selten Aktionen, und wenn er es tat, dann kamen sie über die Außenbahn und waren für Sahin nur mäßig gefährlich. Die erste Runde war von Abtasten geprägt. Anfang der zweiten Runde stellte Sahin seinen Gegner an den Seilen. Eine Rechte zum Kopf über die Deckung, gefolgt von drei weiteren Schlägen – und Sanabria knickte ein, ging aber nicht zu Boden. Die gleiche Aktion, an gleicher Stelle, nur mit ein paar Schlägen mehr, ließ Sanabria am Ende der Runde erneut einknicken. Damit hatte Sahin den Schlüssel gefunden, mit dem Sanabria zu knacken war. In der dritten Runde nahm Sahin sich die Zeit, die Lücke zu suchen, die er dann auch fand. Ein harter Leberhaken, gefolgt von einer Rechten zum Kopf fällte Sanabria. Der kam zwar noch mal hoch, aber Ringrichter Mike Wissenbach zählte den noch schwankenden Mann aus.
Sieger durch KO in Runde 2, nach 1:55 Minuten: Serdar Sahin.
Es war eine sehr ungewöhnliche Boxveranstaltung, eine, die Werbung für den Boxsport machte. Es ist jetzt auch Zeit, Werbung fürs Boxen zu machen und das Publikum zurück an den Ring zu locken. Ich persönlich würde mir wünschen, dass jedes Jahr im Rahmen der „Mode, Heim und Handwerk“ so eine Veranstaltung stattfindet, mit hoffentlich dann mehr Kämpfen.
© Uwe Betker

DBV Müller auf Klassenfahrt

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Der Sportdirektor des Deutschen Boxverbandes (DBV) Michael Müller, von mir DBV Müller genannt, hat es, wie nicht wenige finden, bis heute nicht geschafft, den Verbleib des Geldes, das den Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya abgenommen wurde, aufzuklären. Wir erinnern uns: Den Boxerinnen wurden die besoldeten Trainer extra in Rechnung gestellt. Die einzige kolportierte Erklärung von DBV Müller: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse!“, hilft nicht wirklich weiter. Dies und die Tatsache, dass man seit Monaten einer Klärung des Sachverhaltes nicht näherkommt, lässt in mir den Verdacht aufkeimen, dass DBV Müller überhaupt nicht versteht, warum man von ihm Erklärungen erwartet.
Unternehmen wir nun also mal zusammen den Versuch, DBV Müller das zu erklären. Stellen wir uns für einen Moment vor, die WM in Antalya wäre eine Klassenfahrt und DBV Müller deren Organisator. Die Klassenfahrt verliefe auch ganz nett. Als dann die Schüler und Schülerinnen zurückkommen, möchten aber einige Eltern, die jeden Euro umdrehen müssen, wissen, wie denn der sehr happige Preis der Fahrt zustande gekommen ist. Der Aufstellung der Kosten ist dann zu entnehmen, dass den Schülern die begleitenden Lehrer in Rechnung gestellt wurde, und zwar in einer Weise, dass die Summe bei weitem die reinen Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Lehrer übersteigt, die schließlich Angestellte sind und dementsprechend vom Schulträger bezahlt werden. Auf Nachfragen erklärt der Organisator der Klassenfahrt: „Wenn wir eine Klassenfahrt machen, dann gibt es keine Kompromisse.“ Mehr an Aufklärung bekommen die Eltern nicht.
Die Eltern fragen sich zu Recht, wo das Geld ihrer Kinder geblieben ist, was ihnen für die besoldeten Lehrer abgenommen wurde? Dadurch, dass der Organisator hartnäckig keine Rechenschaft ablegt und auch zum Elternabend, wo er hätte Auskunft geben können, nicht erschien, schießen die Spekulationen nur so ins Kraut. Es drängen sich mehrere, nicht gerade schmeichelhafte Erklärungen auf:
1. Der Organisator der Klassenfahrt schanzt den begleitenden Lehrern eine unverschämt fette Prämie zu.
2. Der Organisator ist ein Betrüger und steckt sich das Geld in die eigene Tasche.
3. Der Organisator ist ein Betrüger und schiebt das Geld dem Schulleiter zu.
4. Der Organisator sammelt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld ein und zweckentfremdet es. Von dem Geld wurden nämlich das Büro des Schulleiters und das des Organisators neu eingerichtet.
Vermutlich gibt es noch andere Erklärungen, aber der Organisator der Klassenfahrt will einfach nicht erklären, wohin das Geld geflossen ist, das den Schülern berechnet worden ist.

Ich hoffe aufrichtig, dass DBV Müller nun besser versteht, warum es zwingend notwendig ist, eine detaillierte Abrechnung der WM in Antalya vorzulegen. DBV Müller sollte sich auch einmal ernsthaft in einer Mußestunde fragen, ob er einen solchen Organisator von Klassenfahrten an den Schulen seiner eigenen Kinder oder Enkelkinder für tragbar hielte?
© Uwe Betker

Written by betker

19. August 2011 at 23:59

DBV Müller und der Kopfschutz

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Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxverbandes (DBV), den ich, um ihn nicht mit anderen Müllern zu verwechseln, DBV Müller nenne, konnte oder wollte nicht die Zeit finden, bei dem letzten DBV Kongress zu erscheinen, um über sein Finanzgebaren Rechenschaft abzulegen. Dafür schaffte DBV Müller es aber dann, unlängst dem Nachrichtenmagazin Spiegel (28/2011 vom 11.07.1011) ein Interview zu geben. Dabei wird offenkundig, dass er explizit gegen den Kopfschutz beim Amateurboxen ist.
Beeindruckend und interessant ist, wie er argumentiert. DBV Müllers erstes und wohl wichtigstes Argument lautet: „Der Kopfschutz stört enorm. Er verrutscht, wenn die Haare nass sind, und ist unhygienisch. Der Weltverband Aiba schreibt vor, dass der Veranstalter den Schutz stellt. Niemand zieht sich gern eine Lederhaube über, die gerade ein Gegner vollgeschwitzt hat. Außerdem verhindert die Vorschrift, dass Amateurboxen zeitgemäß wird.“
Wenn ich DBV Müller nun richtig verstehe, ist er vor allem gegen den Kopfschutz, weil die Veranstalter den Kämpfern nicht genügend Kopfschutze zur Verfügung stellen können. Dadurch seien die Boxer gezwungen, welche zu tragen, die von einem Vorgänger durchgeschwitzt wurden. Auf Nachfrage erläutert DBV Müller, was er unter zweitgemäßem Boxen versteht. „Modernes Boxen ist auch die Fähigkeit, Schläge zu erkennen und ihnen auszuweichen. Das haben wir zuletzt im Profikampf Wladimir Klitschko gegen David Haye gesehen. Der Schutz versperrt die Sicht, der Boxer fühlt sich wie in einer Ritterrüstung und kann diese Reflexe nur bedingt trainieren.“ DBV Müller erklärt hier wohl ernsthaft, dass „die Fähigkeit, Schläge zu erkennen und ihnen auszuweichen“ nicht im Training, sondern im Wettkampf trainiert wird. Wohlgemerkt DBV Müller ist Sportdirektor des DBV.
Auf den Einwurf, dass es Fachärzte gibt, die vor einer Regeländerung warnen, wegen des Risikos von Folgeschäden, entgegnet er: „Wenn gleich gute Boxer gegeneinander antreten, kommt es selten zu Volltreffern. Wenn doch, sind die mit Kopfschutz fast genauso schlimm.“ DBV Müller geht also davon aus, dass bei den vielen Amateurboxveranstaltungen, die jedes Wochenenden überall in Deutschland stattfinden, immer nur gleich starke Boxer aufeinander treffen.
Eine ernsthafte Diskussion über Sinn und Unsinn des Kopfschutzes ist sinnvoll und überfällig. Aber das, was DBV Müller hier als Argumentation vorlegt, halte ich schlicht für nicht ernst zu nehmen und eines hauptamtlichen Funktionärs des Fachverbandes für unwürdig. Eventuell hat ja der Pressesprecher des DBV Alexander Mazur noch immer recht, denn er beschrieb DBV Müller, der erst vor kurzem vom Rudern zum Boxen gekommen ist, wie folgt: „Michael Müller ist vielleicht kein ausgewiesener Box-Experte, doch das ist nicht schlimm. Wir brauchen jemanden, der von Finanzen, Marketing und Sponsoren Ahnung hat.“
Ich persönlich würde mir nämlich wünschen, DBV Müller würde endlich Rechenschaft über das Geld der Boxerinnen abgeben, anstatt eine Kopfschutzdiskussion auf diesem Niveau anzuzetteln.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Juli 2011 at 23:59

Der DBV, das Geld und die Frauen (3)

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Irgendwie bewundere ich auch die Begründung des Sportdirektors und Generalsekretärs des Deutschen Boxverbandes (DBV) Michael Müller dafür, dass die Teilnehmerinnen der U17 / U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya die Kosten für die Betreuer mittragen mussten. Das klingt doch schon ziemlich dreist, wenn er da sagt: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse. Die jungen Damen haben das legitime Recht von den Besten betreut zu werden. Es gab wie bei allen wichtigen Turnieren einen Arzt, einen Physiotherapeuten, Trainer und Betreuer. Die dafür anfallenden Kosten gehen in die Gesamtkosten ein und werden, wie anfänglich erwähnt, durch die Anzahl des gesamten Teams geteilt. Fest angestellt waren in Antalya übrigens nur die beiden Bundestrainer. Finanziert wird jedoch jedes Team-Mitglied, unabhängig von der Anstellung.“
Der DBV macht wohl wirklich keine Kompromisse. Zwar hat der DBV schon, soweit ich weiß, Boxer nur mit einem Trainer zu WMs geschickt. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Vielleicht irrt sich aber auch Herr Müller oder er weiß es nicht besser, weil er zu dieser Zeit noch hauptberuflich mit Rudern beschäftigt war. Bleibt ja auch noch die Frage, wieso Herr Müller eigentlich die Sportart gewechselt hat und was ihn denn als Sportdirektor und Generalsekretär für die Amateurboxer qualifiziert?
Wenn ich so lese, wie Herr Müller wortreich erklärt, dass die Kosten für Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten „in die Gesamtkosten“ eingehen und „durch die Anzahl des gesamten Teams geteilt“ werden, habe ich doch irgendwie das Gefühl, gerade eine Nebelbombe explodieren zu sehen. Wenn ich dann versuche, Herrn Müllers Sprachgebrauch nachzuvollziehen, dann kriege ich den Eindruck, das Team besteht nur aus den Boxerinnen, denn nur die haben schließlich gezahlt. Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten haben nichts gezahlt und gehören dann also auch nicht zum Team. Ich hoffe Herr Müller hat das dem Bundestrainer Zoltan Lunka und seinem Kollegen auch schon gesagt.
Das Team, die Athletinnen, mussten also die Kosten für Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten aufbringen. Ich sage es noch mal etwas genauer: Bei einer Aufteilung von 10 Boxerinnen zu 5 Betreuern mussten dann je 2 Boxerinnen jeweils 1.567 Euro aufbringen. Jeder Trainer, jeder Betreuer und jeder Physiotherapeut kostete somit 3.134 Euro. Flüge, Übernachtungen und Essen sollten aber doch für jeden gleich viel kosten. Dann bleiben aber noch pro Begeleitperson 1.567 Euro übrig, die ich mir nicht erklären kann.
Herr Müller erklärte: „Fest angestellt waren in Antalya übrigens nur die beiden Bundestrainer. Finanziert wird jedoch jedes Team-Mitglied, unabhängig von der Anstellung.“ – Diesen Satz muss man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen. Sagt Herr Müller da nicht allen Ernstes, dass die beim DBV festangestellten Trainer, obwohl sie ihr Gehalt vom DBV bekommen, zusätzlich noch einmal finanziert wurden? Wo ist das Geld denn geblieben, bei Zoltan Lunka und seinem Kollegen, die jeder zusätzlich zu ihrem Gehalt noch mal schätzungsweise 1.567 Euro bekommen haben, oder beim DBV? Oder?
© Uwe Betker

Written by betker

20. Mai 2011 at 23:59