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Foto: Manuel Charr und Freddie Roach

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LosAngeles-1
(C) Diamond Boy Promotion

Written by betker

29. Dezember 2014 at 23:59

Boxen und Homosexualität

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Nach seriösen Schätzungen ist jeder 10te Deutsche homosexuell. D.h. in jeder Fußballmannschaft ist mindestens einer oder eine homosexuell – statistisch gesehen. Das führt natürlich immer wieder zu einem heiteren „Schwule Raten“ bei der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dann hört man so etwas wie: „Der sieht doch schwul aus. – Der läuft wie ein Schwuler. “ usw. Tatsache ist, dass sich bis jetzt kein bekannter Fußballer in Deutschland als Homosexueller geoutet hat. Vermutlich ist das auch nicht ratsam. Der bekannteste bekennende schwule Fußballer ist Justinus Soni Fashanu. Der englische Fußballprofi wagte in seiner aktiven Zeit ein Coming-out. Am Ende erhängte er sich in seiner Garage.
Den 10% Homosexuellen steht eine statistisch nicht erfasste Zahl von Homophoben gegenüber. Man braucht nur zu irgendeinem Fußballspiel zu gehen, um eine Unzahl von homosexuellenfeindlichen Sprüchen zu hören, und das ohne dass ein bekennender Homosexueller auf dem Platz steht. Das ist auch ein Grund dafür, dass bis jetzt kein homosexueller Spitzensportler den Schritt in die Öffentlichkeit wagte.
Nun hat der Federgewichtler und bekennende Schwule Orlando Cruz (24 Kämpfe, 20 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) am 12.12.2013 gegen Orlando Salido einen WM Kampf bestritten und durch TKO verloren. Wie nicht anders zu erwarten war, waren die internationalen Medien begeistert. Endlich outete sich ein Spitzensportler und endlich hatte man eine Story. Es gab eine Unmenge an Vorberichten und sogar Berichte über seine Niederlage. Eine große deutsche Zeitung titelte: „Schwuler Boxer weint nach verlorenem WM-Kampf“.
Einige Kollegen meinten zu wissen, dass Cruz der erste bekennende, homosexuelle aktive Profiboxer ist, was Unsinn ist. Die für Universum Box-Promotion boxende Michele Aboro (21 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO) war eine bekennende Lesbe, war ihrer Karriere nicht gut tat. Obwohl sie Weltmeisterin in Super Bantamgewicht und mit Sicherheit die beste Boxerin ihrer Zeit war, wenn nicht sogar eine der besten Boxerinnen aller Zeiten, konnte oder wollte man sie nicht vermarkten. Zu offensichtlich war es, dass sie Frauen liebt. Sie bekam schlicht keine Kämpfe mehr.
Andere Journalisten erinnerten sich an den Fall Emile Griffith (112 Kämpfe, 85 Siege, 23 durch KO, 24 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Griffith war einer der ganz großen Boxer. Sein Kampfrekord liest sich wie ein Who Is Who des Boxens seiner Zeit. Er war Weltmeister im Welter-, Junior Mittelgewicht und Mittelgewicht. Griffith boxte dreimal gegen Benny Kid Paret. Beim Wiegen vor ihrem letzten Kampf am 24.03.1962 im Madison Square Garden in New York, heizte Paret die Stimmung auf, indem er Griffith verbal mit homosexellenfeindlichen Sprüchen beleidigte.
Der Kampf war brutal und episch. Griffith musste in der sechsten Runde zu Boden, wurde angezählt und kam wieder hoch. Hiernach zermürbte er seinen Gegner. In der zwölften Runde stellte er Paret in einer Ringecke und ließ ihn nicht mehr raus. Paret, der nicht umfallen konnte nahm Schlag um Schlag. Als der Ringrichter endlich dazwischen ging, rutschte Paret zu Boden. Noch im Ring fiel er ins Koma. Zehn Tage später starb er im Krankenhaus. Millionen Menschen hatten den Kampf im Fernseher gesehen.
Griffith boxte weiter, aber er versuchte nie wieder, einen seiner Gegner KO zu schlagen. In seiner zweiten Autobiographie von 2008 machte er seine Homosexualität öffentlich, was für einen Skandal sorgte. Griffith kommentierte die Reaktionen u. a. wie folgt: „Ich muss immer daran denken, wie seltsam das ist… Ich töte einen Mann, und die meisten Leute verstehen das und verzeihen mir. Hingegen, ich liebe einen Mann, und so viele halten das für eine unverzeihliche Sünde, was mich zu einem schlechten Menschen macht. Wenn ich auch nicht im Gefängnis gelandet bin, so war ich trotzdem fast mein ganzes Leben lang eingesperrt.“
Die Zuschauer, die den Cruz vs. Salido Kampf in Las Vegas verfolgten, reagierten wie man es erwarten konnte. Sie buhten Cruz aus und beschimpften ihn. Es gab sogar Sprechchöre, die ihn als Stricher bezeichneten. Offensichtlich gab es im Thomas & Mack Center eine große Anzahl an homophoben Boxfans. Homophobie wird in den Sozialwissenschaften „unter den Begriff gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gefasst“, d.h. sie ist nicht krankhaft abnorm, sondern eher nur banal dumm.
Wikipedia definiert: „Homophobie bezeichnet also einerseits eine irrationale Angst vor den eigenen, nicht in das Selbstbild passenden und deshalb abgewehrten und ins Unbewusste verdrängten, weiblichen bzw. männlichen Persönlichkeitsanteilen und andererseits die daraus resultierenden Gefühle wie Ekel, Verachtung und Hass und drittens die durch homophobe Personen in die Gesellschaft getragenen Vorurteile, Verfolgungstendenzen und Gewaltpotentiale. Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei Homophobie – wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus – um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen.“ Ganz platt ausgedrückt: Homophob sind die Männer und Frauen, die eigentlich selber homosexuell sind und sich nicht trauen.
Offen gelebte und selbstbestimmte Sexualität kann sich ein Spitzensportler, der mit seinem Sport Geld verdienen will, nicht leisten. Dementsprechend wirkt es immer ein wenig seltsam, wenn jemand einen anderen als vermeintlichen Homosexuellen outet. Der wohl bekannteste Fall eines Outing von einem Fremden war das von Rosa von Praunheim. Der Schwulenaktivist und bekennende Homosexuelle von Prauheim oder auch Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, geboren als Holger Radtke, bezeichnete am 10. Dezember 1991 den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling in der Sendung „Explosiv – Der heiße Stuhl“ von RTL-Plus als schwul. Später nannte er dies einen „Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise“.
Manuel Charr (26 Kämpfe, 25 Siege,15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) oder auch Diamond Boy, geboren als Mahmoud Omeirat Charr, bezeichnete im September den Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko in der Sendung „Promi Big Brother“ von SAT1 als schwul. Leider sind seine altruistischen Gründe hierfür unbekannt.
Mich persönlich interessiert nun die sexuelle Orientierung von Menschen immer nur dann, wenn ich selber an ihnen als Sexpartner interessiert bin. D.h. mir ist es egal, was Orlando Cruz, Wladimir Klitschko und Manuel Charr im Bett so machen. Mich interessiert nur, was sie im Ring machen.
© Uwe Betker

Geiz ist nicht geil

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Auch wenn die Werbung es uns einzubläuen versucht, Geiz ist nicht geil. Dies sieht man z.B. beim Profiboxen. Es ist kein Geheimnis, dass Eurosport versucht, so wenig Geld wie irgend möglich für Boxen auszugeben. Nun aber hat der international operierende Spartensender offenbar ein ganz neues Konzept. Es wird nämlich wohl gar nichts mehr gezahlt. Wie soll man es sich denn sonst erklären, dass der Beirut geborene Syrier und in Deutschland boxende Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO), der sich auch Manuel Charr oder Diamond Boy nennt, am 18.11.2011 in Cuxhaven umsonst boxt.
Bisher kannte man diese Form von Ausbeutung, so nenne ich es jedenfalls, nur vom Frauenboxen. Der hamburger Promoter Erol Ceylan zahlt der Nummer 34 der unabhängigen Weltrangliste keine Börse. Dafür bekommt er einen Titelkampf. Er darf um den vakanten WBC International Silver Titel boxen, was wohl eher ein Blech als ein Silbertitel ist. Obwohl der Kampf bereits in ein paar Tagen stattfindet, gibt es auch noch keinen offiziellen Gegner. Das verheißt nichts Gutes.
Offensichtlich will Eurosport auf Kosten der Qualität Geld sparen. Es ist nun schon seit geraumer Zeit zu beobachten, dass TV-Sender immer weniger Geld für das Produkt Boxen ausgeben wollen. Das hat wohl zum einen mit der wirtschaftlichen Gesamtlage zu tun. Vor allem aber dürfte es daran liegen, dass zu viele der großen Veranstalter den Fernsehanstalten zu häufig zu schlechte Shows untergejubelt haben und dafür auch noch zu viel Geld kassiert haben. Das geht allerdings auch mit einer mangelnden Kontrolle und fehlender Sachkompetent der Fernsehmacher ein. Dennoch kann doch wohl nicht sein, dass die TV-Stationen nun Programm machen, ohne die Athleten zu entlohnen. Wenn Geiz so geil ist und die Verantwortlichen von Eurosport es in Ordnung finden, dass man für erbrachte Leistung nicht bezahlt wird, wieso arbeiten sie dann nicht selbst ein paar Monate für umsonst?
© Uwe Betker

Written by betker

19. Oktober 2011 at 23:59

Manuel Charr und die Ironie

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Der in Beirut geborene Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr (17 Kämpfe. 17 Siege, 9 durch KO) mit syrischer Staatsangehörigkeit, der sich Manuel Charr nennt, begann seine Profi-Karriere bei Sauerland Event. Nachdem er in einen Zwischenfall unweit des Kurfürstendamms in Berlin verwickelt war, bei dem ein Mann mit mehreren Messerstichen verletzt wurde, so dass er durch eine Notoperation gerettet werden musste, wechselte der selbsternannte „Diamond Boy“ erst zu Universum Box-Promotion und jetzt unlängst wohl zu Sturm Box-Promotion. Es sieht nun allerdings danach aus, als ob sich die Karriere der „größten deutsch-arabischen Schwergewichtshoffnung“, als welche sich Charr gerne darstellte, auf absehbare Zeit nicht weiter entwickeln kann. Charr wurde vor kurzem von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen „eine Autoschieberbande, die 60 Luxuskarossen gestohlen und für 2,5 Mio. Euro verkauft haben soll“, verhaftet.
Charr selbst sieht sich offenbar ganz anders als die Polizei, denn zur Erklärung seines Kampfnamens schreibt er auf seiner Website: „Diamant heißt auf griechisch Adamos. Das bedeutet unbezwingbar. Diamondboy ist hart wie ein Diamant, „unschlagbar“ charmant. Ich bin ebenso höflich wie seriös. Doch vor allem zeichne ich mich durch Ehrlichkeit und Vertrauen in der Zusammenarbeit aus. Eben jung, dynamisch, stark! Unverwechselbar.“
Oder ist das Ironie?
© Uwe Betker

Written by betker

5. März 2011 at 23:59

Ein Pas de deux mit Mahmoud Omeirat Charr und Frank Michael Maass

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Wieso muss ich immer wieder in deutschen Boxringen Ringrichter sehen, die bei mir den Eindruck erwecken, nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen, sondern sich zum Büttel der Veranstalter zu machen? Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ringrichters? Gibt man den Begriff „Ringrichter“ bei Wikipedia ein, so wird man schnell zu dem Synonym Kampfrichter weitergeleitet, und dort ist zu lesen: „Als Kampfrichter werden alle unparteiischen Personen bezeichnet, die die Überwachung und Einhaltung der Regeln bei einer Sportveranstaltung sicherstellen.“ Also nochmals: Ein Ringrichter soll unparteiisch sein. Außerdem soll er darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden.
Wieso versucht dann aber kein Ringrichter ernsthaft, bei dem syrischen Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr nennt und der sich den Kampfnamen Diamond Boy gegeben hat, auf der Einhaltung der Regeln zu bestehen. Ein Beispiel: In seinem letzten Kampf – dem ersten nach einer mehrmonatigen Knieverletzung – bekam es Charr (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO) mit Robert Hawkins (38, Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 16 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Der 40jährige Hawkins ist ein alter Haudegen, der gerne als Aufbaugegner genommen wird. So hat er schon gegen Eddie Chambers (09.09.2005), Samuel Peter (15.12.2005), David Tua (22.02.2007, Denis Boytsov (26.04.2008) und Oleg Maskaev (06.09.2008) geboxt und – verloren.
In der ersten Runde des Kampfes waren Charr und Maass als Paar noch nicht so richtig aufeinander eingestimmt. Der Ringrichter Frank Michael Maass ermahnte den Boxer, nicht mit der Innenhand zu schlagen und nicht mit dem Elleboxen zu stoßen bzw. zu schlagen. Aber schon am Ende der Runde zeigten sie sich besser eingespielt: Charr drückte mit der Linken den Kopf seines Gegners runter, hielt ihn fest und schlug mit der Rechten mehrfach zu. Maass, der direkt daneben stand, übersah das. Danach war das Muster etabliert. Maass sah keine Ellebogeneinsätze mehr und störte auch sonst kaum noch die Kampfführung von Charr.
Am Ende der vierten Runde kam es dann zum Höhepunkt im Tanz der Beiden: Charr stieß mehrfach mit der Schulter zu, und als er damit keine Wirkung erzielte und sein Gegner sich auch noch beschwerte, gab er noch einen Kopfstoß. Der Ringrichter, der direkt dabei stand, reagierte, ganz Tanzpartner, indem er sagte „Pass auf. Hör auf damit.“
Versuchen wir, die Situation des Ringrichter nachzuvollziehen! Ein Mensch wird Ringrichter, weil er in den Ring will, und er will natürlich bei den Großen in den Ring. So ein Ausflug mit Unterbringung in einem meist guten Hotel, einer netten After-Show-Party und einer kleinen Aufwandsentschädigung, die man mit nach Hause nehmen kann, ist schließlich eine angenehme Sache. Ich gönne sie auch jedem Punkt- und Ringrichter von ganzem Herzen. Aber muss dabei die Anbiederung an den jeweiligen Veranstalter wirklich so weit gehen, dass selbst gröbste Regelverstöße nicht mehr geahndet werden? Vielleicht ist ja gerade dieser, wie ich finde, devote vorauseilende Gehorsam einer der Gründe dafür, dass dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) der Ruf vorauseilt, das vollstreckende Organ von Klaus-Peter Kohl und Universum Box-Promotion zu sein?
Von einem Ringrichter muss man erwarten können, dass er wenigsten die gröbsten Unsportlichkeiten und Fouls des Heimboxers ahndet. Hier sind wir noch nicht einmal auf der Ebene der Unparteilichkeit. Ein absichtlicher Kopfstoß stellt den Versuch dar, seinen Gegner durch unlautere Mittel zu verletzen. Der Ringrichter ist hier in der Pflicht, die Gesundheit dieses Boxers zu schützen. Ein Punktabzug für einen absichtlichen Kopfstoß wäre das absolute Minimum gewesen.
Aber was Maas und Charr da zeigten, hatte meiner Meinung nach nur noch sehr bedingt etwas zu tun mit einem Ringrichter-Boxer-Verhältnis. Es erinnerte mich vielmehr an einen Pas de deux, diesen Paartanz in einer Ballettaufführung. Hawkins, der auf das Ringrichterverhalten recht aufgebracht reagierte, erklärte Maass: „Come on. Ist OK.“ Das hätte er gar nicht erst sagen müssen, denn wenn er diese Aktion von Charr nicht OK gefunden hätte, hätte er Charr ja disqualifizieren müssen. Aber wer möchte schon, dass sein Tanzpartner disqualifiziert wird.
© Uwe Betker