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Die Unschuldsvermutung und die AIBA

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Erst vor kurzem berichtete der britische Sender BBC, was dann auch durch die Medien ging, ein Geschäftsmann aus Aserbaidschan hätte den Weltverband des Amateurboxens, heute olympisches Boxen genannt, AIBA, mit 6,5 Millionen Euro bestochen und dafür als Gegenleistung zwei olympische Goldmedaillen verlangt.
Nun gilt ja im Allgemeinen die Unschuldsvermutung. Man sollte also so lange von der Unschuld ausgehen, bis die Schuld eindeutig bewiesen ist. Eigentlich halte ich von der Unschuldsvermutung ziemlich viel. Aber dieses Mal fällt es mir doch sehr schwer, von der Unschuld der AIBA auszugehen. Woran liegt das bloß?
Nun ja, vielleicht hat es damit zu tun, dass die AIBA, die International Boxing Association, Mitte letzten Jahres, wohl unter massiver Verletzung der eigenen Statuten, einfach mal so einem Teil ihrer Mitglieder das Stimmrecht bei der Generalversammlung entzogen hat, vermutlich um die Wiederwahl des Präsidenten der AIBA Dr. Ching-Kuo Wu zu gewährleisten.
Eventuell spielt dabei eine Rolle, dass die AIBA allem Augenschein nach ihre finanzielle Situation gegenüber ihren Mitgliedern einfach nicht offenlegen will.
Es könnte dann aber auch daran liegen, dass die AIBA nationale Verbände – keine Angst der deutsche ist nicht darunter -, die es wagen, gegen Statutenverletzungen zu protestieren, erst vor die Disziplinarkommission bringt und dann mit Geldstrafen, sehr saftigen Bearbeitungsgebühren, belegt und einzelne Mitglieder suspendiert.
Aber vielleicht hängen die Gründe dafür, dass es mir so schwer fällt, an die Unschuld der AIBA zu glauben, aber auch mit dem so folgsamen und treuen deutschen Mitglied, dem Deutschen Boxsport-Verband (DBV) zusammen. Dessen Präsident Jürgen Kyas sagte zu den Vorwürfen: „Es ist so hinterhältig und perfide, das olympische Boxen in die Schmuddelecke stellen zu wollen.“ Und der Sportdirektor Michael Müller, den ich, um ihn nicht zu verwechseln, DBV Müller nenne, bezeichnete die Anschuldigungen als „größtes Windei aller Zeiten“. Leider konnten beide Herren aber nichts Weiteres zur Entkräftung der Vorwürfe beitragen.
Also eventuell liegt es ja daran, dass der DBV bis heute nicht erklärt hat, wo das Geld geblieben ist, das den Boxerinnen der Weltmeisterschaft in Antalya für die Trainer in Rechnung gestellt worden war, obwohl sie doch vom DBV besoldet werden. Überhaupt gibt es wohl immer noch offene Fragen, was die Abrechnung der WM angeht.
Mir fällt dann auch wieder ein, dass der DBV es sich ja offenbar angewöhnt hat, Kritiker mit Schadensersatzforderungen und Verbände, denen Kritiker vorstehen, mit dem Ausschluss zu bedrohen.
Und dann war da ja schließlich auch noch die Sache, dass der DBV es nötig hatte, eine Meldung herauszugeben, in der mitgeteilt wurde, bei dem 51. DBV Kongress in Worms hätten die Mitglieder eine Ehrenerklärung für den schon oben genannten DBV-Präsident Jürgen Kyas abgegeben. Seltsam mutet dabei nur an, dass besagte Mitglieder das wohl gar nicht gemacht haben. Der ebenfalls schon oben erwähnte DBV Müller war derjenige, der diese Meldung an den Pressewart gab.
Mir fällt es wirklich unglaublich schwer, an die Unschuld der AIBA zu glauben. – Aber ich bemühe mich!
© Uwe Betker