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Vom Umgang mit Sperren

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Der im Super Mittelgewicht boxende Baker Barakat (52 Kämpfe, 36 Siege, 24 durch KO, 12 Niederlagen, 5 durch KO, 4 Unentschieden) ist ein fleißiger Boxer. Er boxte 2011 23-mal. Manchmal lag nur eine Woche zwischen den Kämpfen und im August waren es sogar nur 3 Tage. Schade, einige dieser Veranstaltungen hätte ich gerne besucht.
Seinen vorletzten Kampf bestritt er am 10.12.2011 gegen Khoren Gevor, den er dann nach Punkten gewann. Wir erinnern uns: Gevor war, wohl zu Recht, mit dem Punkturteil unzufrieden, verlor die Kontrolle über sich und schlug nach dem Ringrichter Hans Joachim Karge. Hiernach brach die Hölle los. Es kam zu Ausschreitungen. Der Ringsprecher Dirk Spiekermann hetzte verbal und Sicherheitskräfte real gegen Gevor. Hiernach wurde Baker Barakat, soweit ich informiert bin, von der GBA (German Boxing Association) gesperrt.
Eine Sperre kann aber wohl einen fleißigen Boxer nicht daran hindern zu boxen. So stieg er denn am 25.02.2012 wieder in den Ring. Nun könnte man vermuten, dass ein gesperrter deutscher Boxer, auch wenn er in Syrien geboren wurde, nur auf irgendeiner Kleinveranstaltung im nichteuropäischen Ausland noch einen Kampf bekommt. Weit gefehlt. Er boxte gegen Marcos Nader (15 Kämpfe, 15 Siege, 2 durch KO) in der Porsche-Arena in Stuttgart, im Vorprogramm zu der sogenannten Schwergewichtsweltmeisterschaft zwischen Alexander Povetkin und Marco Huck. Also der größte deutsche Veranstalter – und damit einer der größten Veranstalter der Welt -, Sauerland Event, verpflichtet einen gesperrten Boxer.
Hagen Döring, der Sportdirektor und Matchmaker von Sauerland Event interessierte es offensichtlich nicht, dass Barakat gesperrt war. Den Faustkämpfer Verband Austria (FVA)interessierte es ebenfalls nicht, dass Barakat gesperrt war. Auch die ARD, die wohl den Kampf gezeigt hatte – jedenfalls findet man ihn im Internet – interessierte nicht, dass Barakat gesperrt war.
Formalrechtlich hat schon alles irgendwie seine Richtigkeit. Barakat hatte sich wohl eine ausländische Lizenz besorgt, wie man mir erzählt hat eine niederländische, und damit durfte er dann wieder boxen.
Das Problem scheint mir hier zu sein, dass einige nationale Verbände einander nicht anerkennen. Hinzu kommt, dass jeder europäische Boxer sich eine außereuropäische Lizenz besorgen kann, um Sperren oder in Europa vorgeschriebene Gesundheitstests zu umgehen. Das ist schlicht den riesigen Lücken in den Regelwerken der einzelnen Verbände geschuldet. Das Schlimmste ist aber, dass diejenigen, die wirklich etwas gegen diesen Missstand tun könnten, nichts machen. Weder Veranstalter und noch Fernsehanstalten übernehmen hier Verantwortung. Es ist ihnen offensichtlich schlicht gleichgültig, ob ein Boxer irgendwo gesperrt ist oder nicht, solange er nur irgendeine Lizenz vorweisen kann, um den spärlichen Regeln Genüge zu tun.
In meinen Augen bestand doch für Sauerland Event und die ARD keine zwingende sportliche Notwenigkeit, Baker Barakat für Marcos Nader zu verpflichten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie von der Sperre nichts wussten. Warum als wurde ausgerechnet Barakat verpflichtet?
© Uwe Betker

Der BoxSport berichtet

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Die Zeitschrift der BoxSport berichtete über die Mechernicher Fight Night vom 10.12.2011 in einem Artikel mit den Titel: „Gevor prügelt wieder auf den Ringrichter ein“. Der Herausgeber Hans Reski meinte wohl, seine Leser über die Ausschreitungen in der Eifel informieren zu müssen. Jedoch stand er wohl nun vor einem Problem. Denn der BoxSport berichtet wohl prinzipiell über keine kleineren Veranstaltungen oder, anders ausgedrückt, über keine Veranstaltungen, die nicht vorher Werbung bei ihm gekauft haben.
Dem Artikel kann man nicht entnehmen, wer ihn geschrieben hat, was ich sehr bedauere. Ich hätte mich gerne persönlich mit dem Herrn oder der Dame unterhalten, der oder die doch wohl anwesend war. Man kann beim Lesen des Artikels zumindest den Eindruck bekommen, dass jemand vom BoxSport vor Ort war. Bedauerlicherweise habe ich am Ring aber keinen Mitarbeiter entdecken können. Ich hätte sehr gerne nach dem Tumult meine Eindrücke mit denen eines Kollegen abgeglichen. Wer auch immer diesen Artikel geschrieben haben mag, seine Wahrnehmung weicht jedenfalls in einigen entscheidenden Punkten von meiner ab.
Wenn man den Artikel liest, kann man auf die Idee kommen, Khoren Gevor und der Ringsprecher waren die Einzigen an diesem Abend, die an dem ganzen Skandal beteiligt waren. Da heißt es z.B.: „Gerade hatte Ringsprecher Dirk Spiekermann den Sieg für die Rote Ecke von Baker Barakat verkündet, da attackierte Gevor Ring- und Punktrichter Paji Peci mit einem satten Hieb. Zahlreiche Helfer stürmten in den Ring und versuchten, den tobenden Ex-Europameister unter Kontrolle zu bringen. Vergeblich.“
Jeder konnte sehen, dass Gevor den Ringrichter attackierte. Ob nun allerdings der Hieb ein „satter“ gewesen ist, kann ich persönlich nicht beurteilen, aber es sah für mich so aus, als hätte Gevor gar nicht getroffen. Ich weiß natürlich nicht, was der Autor sagen will, wenn er mitteilt: „Zahlreiche Helfer versuchten“ Gevor „unter Kontrolle zu bringen“. Für mich sah das doch eher so aus, als ob ein Mob versuchte, jemanden niederzuknüppeln. Einen Versuch der Deeskalation habe ich da auf keinen Fall erkennen können.
Weiter heißt es: „Kurz darauf kletterte Gevor wutschnaubend durch die Seile und setzte seine Randale im Publikum fort, pöbelte Zuschauer an und schmiss mit Stühlen um sich. (…) Mit großer Eskorte und unter gellendem Pfeifkonzert wurde der Armenier anschließend in die Kabine gebracht.“
Ich kann mich natürlich irren – und natürlich habe ich auch nicht alles gesehen – aber, dass hat der Berichterstatter die Menschenjagd auf Gevor nicht gesehen hat, ist mir rätselhaft. Es muss doch überall zu hören gewesen sein, wie Barakat namentlich Schläger anflehte, von Gevor abzulassen, weil er doch nur sein Kind suche und die Halle verlassen wolle. Aber der Autor hat dafür anderes gehört und gesehen. So hat er vor dem Kampf ein Versprechen von Gevor gehört, „sich anständig zu benehmen“. Und er hat beim Wiegen „Provokationen und Anfeindungen“ gesehen und gehört, die er oder sie aber nicht weiter benennt.
Wie schon gesagt, ich würde sehr gerne meine Wahrnehmung der Veranstaltung mit dem oder der Kollegin vom BoxSport abgleichen.
© Uwe Betker