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Posts Tagged ‘Dominik Britsch

Huck Reloaded und andere Boxkämpfe

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Am 27.02.2016 war das Gerry Weber Stadion Austragungsort für die Show „Huck Reloaded“. Damit hat Marco Huck (43 Kämpfe, 39 Siege, 27 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) praktisch ein Wunder vollbracht, denn RTL übertrug seinen Kampf, trotz der KO-Niederlage, die er am 14.08.2015 in Newark, New Jersey, gegen den nicht sehr hoch eingeschätzten Krzysztof Głowacki einstecken musste. Wodurch er seinen WM Titel der WBO verloren hatte.
Leider hielt sich Huck Sports Promotion nicht an den Zeitplan. Angekündigt war, dass der erste Kampf um 19 Uhr beginnen sollte. Leider sah ich, als ich um 18:45 die Halle betrat, vom ersten Kampf nur noch, wie Slobodan Culum (28 Kämpfe, 11 Siege, 8 durch KO, 17 Niederlagen, 11 durch KO) ausgezählt wurde. Der Ringsprecher verkündete den Sieg des Halbschwergewichtlers Marco Nikolic (11 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO) durch KO in Runde 4 nach 2:52. Dass dieser Kampf vorgezogen wurde, ist für mich umso unverständlicher, weil es später Leerlauf und Pausen gab.
Im Super Mittelgewicht trafen dann Emin Atra (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) und Nikola Matic (45 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 32 Niederlagen, 6 durch KO) aufeinander. Der auf sechs Runden angesetzte Kampf gestaltete sich für Atra schwieriger, als vorher zu vermuten war. Atra begann sehr verhalten. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und studierte seinen Gegner. Dann kam er mit einem linken Körperhaken und einen rechten Kopfhaken durch und Matic zeigte sich beeindruckt – sogar zweimal. Das Ende für Matic schien nah. Es entstand der Eindruck, als wäre er beide Male eingeknickt. Aber er kam zurück in den Kampf. Er punktete mit seiner Führhand und versuchte, Schwinger ins Ziel zu bringen. In den folgenden Runden wogte der Kampf hin und her. Allerdings gab es nur relativ wenige Aktionen. Zwar störte Atras Führhand die Aktionen seines Gegner, aber sie trafen ihn nur sehr selten. In der zweiten Runde machte Atra dann mehr. Er zeigte auch gute Meidbewegungen. Dafür ging die dritte Runde wieder an Matic. Die vierte war ausgeglichen und die fünfte plätscherte so vor sich hin. Atra erhöhte aber zum Ende hin den Druck. Die sechste Runde war die beste des ganzen Kampfes. Die ersten zwei Minuten gehörten Matic, der es sogar mehrfach schaffte, sein Gegenüber an den Seilen zu stellen. Zum Ende hin kam Atra wieder auf. Er konnte auch noch eine schöne rechte Grade zum Kopf ins Ziel bringen. Am Ende stand schließlich ein recht knapper Punktsieg für Emin Atra (57:57, 59:55 und 58:56).
Ebenfalls im Super Mittelgewicht maßen Semir Bajrovic (18 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Gary Abajyan (57 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 24 Niederlagen, 4 durch KO) ihre Kräfte. Auch dieser Kampf ging hin und her. In der ersten Runde hatte Abajyan mehr vom Kampf. Er schob sich, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, an seinen Gegner heran und punktet mit seiner linken Graden, die manchmal ihr Ziel fand. In der zweiten Runde boxte Bajrovic weiter im Rückwärtsgang – machte aber mehr. Abajyan suchte den Infight, wo aber nicht viel passierte. In der dritten Runde punkte Abajyan wieder mit seinem Jab. Wenn ich es richtig gesehen habe, schlug Bajrovic in dieser Runde nur ein einziges Mal zu. In der vierten Runde wurde Bajrovic immer stärker. Er arbeitete nun mehr. Er versuchte, Abajyan mit Schwingern zu beeindrucken. Dieser verletzte sich irgendwann die linke Schulter, was ihn sichtlich behinderte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an, wodurch Semir Bajrovic Sieger durch TKO wurde.

Im vierten Kampf, der im Mittelgewicht stattfand, boxten Dominik Britsch (35 Kämpfe, 32 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Slavisa Simeunovic (34 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO, 15 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Um es gleich vorweg zu sagen, am Ende des Achtrunders stand ein einstimmiger Punktsieg für Britsch. Die Punktrichter gaben ihm jeder alle Runden. Britsch und Simeunovic arbeiteten viel. Aber Britsch war seinem Gegner in allen Belangen überlegen. Er verteilte seine Schläge gut. Er punktete schön mit der Führhand. Er setzte klare Treffer. Man hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es könnte ein vorzeitiges Ende geben.
Als nächstes stieg Besar Nimani (22 Kämpfe, 21 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) in den Ring. Der Super Weltergewichtler stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihm zu rechnen ist und dass er einen Titelkampf verdient. Er demontierte Chris Herrmann (31 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 10 Niederlagen, 9 durch KO) geradezu. Um es noch deutlicher zu sagen: Es sah so aus, als würde eine Katze mit einer Maus spielen. Nimani agierte, Herrmann reagierte. Nimani wechselte immer wieder die Auslage und spielte. Er trieb sein Gegenüber ein bisschen durch den Ring, dann schlug er ein paar Kopfhaken und dann nahm er das Tempo und den Druck wieder etwas raus. In der zweiten Runde ging Herrmann dann in einer neutralen Ecke zu Boden und wurde angezählt. In der dritten Runde machte Nimani dann etwas mehr. Er setzte Herrmann mit ein paar Kopfhaken unter Druck, um ihn dann mit einem Leberhaken zu Boden zu schicken. Herrmann stellte sich noch mal dem Kampf, musste aber nach einer Linken zum Kopf erneut zu Boden. Ein umsichtiger Ringrichter Arnold Golger beendete den ungleichen Kampf. – Es wird langsam Zeit, dass Besar Nimani einen Titelkampf bekommt.
Hiernach stieg Cecilia Braekhus (28 Kämpfe, 28 Siege, 7 durch KO) in den Ring. Sie vereidigte eindrucksvoll ihre Weltmeistertitel der WBC, WBA, IBF, WBO und IBO im Weltergewicht gegen Chris Namus (26 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Obwohl Namus in der unabhängigen Weltrangliste ganz weit oben steht, hatte sie nicht den Hauch einer Chance gegen Braekhus. Über zehn Runden lang zeigte die amtierende Weltmeisterin ihr, was sie boxerisch alles besser kann. Braekhus zeigte einen sehr guten Jab und gutes und variables Boxen. Namus zeigte Kampfgeist und den Willen zu gewinnen. Immer wieder wurde sie abgekontert. Nur sehr selten konnte sie einen Treffer landen. Cecilia Braekhus war einfach zu überlgen. Die Punktrichter waren sich einig, ihr alle Runden zu geben.
Den Schluss bildete dann das vierte Aufeinandertreffen von Marco Huck und Ola Afolabi (31 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 4 Unentschieden). Der übertragende Fernsehsender sprach von einer WM – es ging um den Weltmeistertitel der IBO im Cruisergewicht. Es fielen auch Worte wie „Thron“ besteigen u.s.w. Es muss aber schon gesagt werden, dass die International Boxing Organization im Männerboxen doch ein nur unbedeutender Verband ist. Gleichwohl war der Kampf interessant. Huck war hoch motiviert. Wie am Anfang seiner Karriere schlug er viel auf dem Hinterkopf, zog mit dem Ellenbogen durch, schubste und schlug. Für eines seiner vielen Fouls bekam er sogar vom Ringrichter einen Punktabzug. Den Zuschauern in der Halle gefiel das überhaupt nicht; sie quittierten die Strafe mit Pfiffen und Buhrufen. Huck machte alles in allem das, was seine Zuschauer von ihm sehen wollten. Er kämpfte schmutzig und verprügelte seinen Gegner. Der 31-jährige Afolabi wirkte alt und verbraucht. Hucks Führhand war schneller als seine. Und Huck wollte den Sieg. Zur elften Runde trat Afolabi nicht mehr an.
© Uwe Betker

Ein großer Frauenboxkampf wirft seinen Schatten voraus

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Ende April wird es vermutlich zu einem großen Frauenboxkampf in Deutschland kommen. Elina Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) muss ihre Titel der WIBF und GBU (Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union) im Federgewicht gegen Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) verteidigen. Dailydaits Veranstalter Khalil BoxPromotion hat die Pflichtverteidigung von „Elin the Machine“ (- Wie kann man sich selber nur zu einem Ding erklären?) ersteigert.
Besonders brisant wird das Aufeinandertreffen der Beiden dadurch, dass 2011 Tissen Dailydait und ihren Trainer Thorsten Brück bei einer Veranstaltung aus dem Saal hat entfernen lassen. Offensichtlich wollten Tissen und ihr Management nicht, dass ein zukünftige Gegnerin und direkte Konkurrentin sie boxen sehen könnte.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Tissen, ihre Promoterin Miriam Bohn und ihr Trainer Maiki Hundt nicht Angst bekommen. Auch größere Veranstalter (z.B. Sauerland Event) und bekanntere Boxer (Dominik Britsch) haben es schließlich schon vorgezogen, sich aus einer Pflicht herauszustehlen und lieber einen Titel niederzulegen, als einen schweren Gegner auf einer Fremdveranstaltung zu boxen. Im Falle von Sauerland Event und Dominik Britsch hat es allerdings beiden nichts genutzt. Sauerland büßte erheblich an Glaubwürdigkeit ein, weil der Titel erst dann zurückgegeben wurde, als die Versteigerung der Pflichtverteidigung verloren war. Und der Mittelgewichtler Dominik Britsch mutierte von „einem der größten deutschen Hoffnungsträger“, zum „Absteiger des Jahres 2012“ – der mit den Haaren.
Man kann nur hoffen, dass der Kampf zwischen Elina Tissen und Goda Dailydait stattfinden wird, denn er verspricht ein großer zu werden.
© Uwe Betker

Absteiger des Jahres

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Dominik Britsch.
Der bei Sauerland Event unter Vertrag stehende Britsch fiel in diesem Jahr mehr durch seine Haare, als durch seine boxerischen Leistungen auf. Meiner Meinung nach gewann er bereits im letzten Jahr seinen letzten Kampf gegen Billy Lyell am 22.10.2011 nicht. Aber die Punktrichter Mufadel Elghazaoui und Arno Pokrandt sahen das anders und machten ihn zum IBF Interkontinental Champion. 2012 sollte der Mittelgewichtler Britsch dann EU Champion der EBU werden. Im ersten Anlauf erreichte er gegen Roberto Santos, der damaligen 106 der unabhängigen Weltrangliste, am 25.02.2012 ein schmeichelhaftes Unentschieden. Es ist zu erwähnen, dass der Punktrichter Zvonko Rukavina Britsch mit unglaublichen 117:112 vorne hatte. Den Rückkampf, am 15.09.2012, verlor er dann durch TKO in Runde 8.
Von dem Mann, von dem Sauerland Geschäftsführer Christian Meyer mal sagte, er sei „einer der großen deutschen Hoffungsträger“, und den man deshalb nicht auf Fremdveranstaltungen lassen boxen wollte, obwohl man bei einem Purse Bid teilnahm, ist nur die Frage nach den Haaren geblieben. Mit welcher Frisur wird er wohl diesmal in den Ring steigen? Wird sein Trainer Ulli Wegner wieder zur Schere greifen müssen, damit er im Kampf etwas sieht?

Die Haare von Dominik Britsch, eine Absage mit Ansage und eine mäßige Leistung

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Der Kampf zwischen Dominik Britsch (27 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Benjamin Simon (23 Kämpfe, 22 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) fand nicht statt. Britsch wurde durch einen nicht unumstrittenen Sieg über Billy Lyell am 22.10.2011 IBF Intercontinental Meister im Mittelgewicht. Hiernach hätte er dann seinen Titel gegen Simon verteidigen sollen. Es kam, nachdem Sauerland Event und Arena Box Boxpromotion sich nicht über die Austragung einigen konnten, zu der üblichen Versteigerung. Arena bot 183.000 und Sauerland 131.400 US-Dollar.
Nun folgte ein unwürdiges, wenn auch vorhersehbares Spiel, eine Absage mit Ansage. Sauerland wollte seinen „deutschen Hoffnungsträger“ auf keiner Nicht-Sauerland Veranstaltung boxen lassen. Die Veranstaltung sollte dann auch vermutlich in der Türkei stattfinden. Auch glaubte kaum jemand, dass Sauerland Event das Risiko eingehen würde, Britsch gegen einen so unangenehmen Puncher wie Simon antreten zu lassen. Sie sagten das aber nicht direkt, sondern sie ließen sich Zeit, um etwas Anderes zu organisieren, nämlich eine EU-Meisterschaft. Wohlgemerkt eine EU-Meisterschaft, was so etwas ist, wie eine Europameisterschaft extra light. Als dann endlich ein Gegner für die EU-Meisterschaft gefunden war, Roberto Santos (26 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden), erklärte Sauerland-Geschäftsführer Christian Meyer: „Dominik ist einer der großen Deutschen Hoffnungsträger. Deshalb ziehen wir einen Kampf in Deutschland mit der ARD vor!“
Eine weitere Folge des geplatzten Kampfes war, dass Benjamin Simon nicht mehr mit Arena Box Boxpromotion zusammen arbeitet. Nun ist Robert Rolle der einzige Vertreter von Simon.
Was dann am 25.02.2012 folgte, war eine mittelprächtige Blamage. „El tigre de Benidorm“, der sich für diesen Titelkampf durch zwei Niederlagen in den letzten drei Kämpfen qualifiziert hatte und der vor dem Kampf die Nummer 106 in der unabhängigen Weltrangliste und die Nummer 3 in der spanischen Rangliste war, war entweder sehr viel stärker als erwartet oder Britsch war sehr viel schwächer als angenommen. Britsch kam über ein Unentschieden nicht hinaus. Zu erwähnen ist hier der Punktrichter Zvonko Rukavina, der Britsch aus unerfindlichen Gründen tatsächlich mit unglaublichen 117:112 vorne hatte.
Nach der schwachen Leistung von Britsch sieht es nicht mehr danach aus, als würde Sauerland Event das Risiko scheuen, seinen „deutschen Hoffnungsträger“ im Ausland auf einer Veranstaltung von einem Mitbewerber boxen zu lassen und dadurch den Zuschauern der ARD vorzuenthalten. Inzwischen sieht es nun eher danach aus, als hätte man schlicht davor Angst, Britsch gegen den brandgefährlichen Puncher Simon antreten zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn Britsch gegen Simon in der zweiten Hälfte des Kampfes so eingebrochen wäre…
Selbst die ARD, die die Zuschauer tatsächlich mit einem Bericht über die neue Frisur (Zöpfe) von Britsch auf den Kampf einstimmt, kam nach dem Kampf zu dem Schluss, dass bei Britsch Anspruch und Wirklichkeit doch etwas weit auseinanderklaffen. Er erhebt Anspruch auf Europameisterschaft und Weltmeisterschaft. Die Wirklichkeit bot aber gerade mal ein Unentschieden gegen Santos. Die Haare, die im Vorbericht eine so große Rolle gespielt hatten, wurden dann zu einer Art Running Gag für den ganzen Kampf. In einer Ringpause wurden dem „deutschen Hoffnungsträger“ ein paar seiner neuen Zöpfe abgeschnitten, die dann nach dem Kampf den Fernsehzuschauern gezeigt wurden.
© Uwe Betker

Mülheimer Nachlese (2)

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5. Kampf im Mittelgewicht über 8 Runden: Joe Rea (Großbritannien) vs. Dominik Britsch (Deutschland): Sieger Britsch (einstimmig) nach Punkten
Dominik Britsch (jetzt 21 Kämpfe, 21 Siege, 7 durch KO) hat mich richtig beeindruckt. Sein Gegner, der Nordire Joe Rea (jetzt 11 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden), war ein sehr zäher Gegner, der sich wirklich bemühte, es ihm schwer zu machen. In diesem Kampf zeigte sich dann, warum sein Trainer Ulli Wegner so große Stücke auf Britsch hält. Besonders gefallen hat mir, wie er zum Körper arbeitet. Seine Körperhaken waren wirklich sehr sehenswert.
6. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, IBF-Weltmeisterschaft: Steve Cunningham (USA) vs. Enad Licina (Deutschland): Sieger Cunningham (einstimmig) nach Punkten
Das Aufeinandertreffen von Steve Cunningham (jetzt 25 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen) und Enad Licina (jetzt 21 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen) hielt das, was ich von ihm erwartet hatte. Cunningham zeigte seine unglaublich elegante und effektive Deckungsarbeit. Dies minimalistische Anheben der Schulter, mit dem er Schläge abwehrt, ist einfach großartig. Auch sonst zeigte er sich als Minimalist. Die ganze Zeit über war er stets nur ein bisschen besser als sein Gegner. Bei der Pressekonferenz nach der Veranstaltung erklärte er, er sei in der Woche vor dem Kampf drei Tage lang krank gewesen. Ein grippaler Infekt hat ich geschwächt und er spürte ein Brennen in der Lunge, auch während des Kampfes. Aber auch Licina zeigte eine so starke Leistung, dass man von ihm noch einiges erwarten kann. Wenn Cunningham einen richtigen Punch hätte, den er aber leider nicht hat, wäre er wohl der Megastar des Boxens. Aber es war trotzdem ein Genuss, ihn boxen zu sehen.
7. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, WBA-Interims-Weltmeisterschaft: Steve Herelius (Frankreich) vs. Yoan Pablo Hernandez (Kuba): Sieger Hernandez durch KO in der siebten Runde
Jeder hat gesehen, wie Herelius (jetzt 24 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, I Unentschieden) den Hinterausgang suchte. Interessant fand ich, dass Hernandez (jetzt 25 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) mit dem ihm von Ulli Wegner antrainierten Boxstil Erfolg hatte. Zwar hatte ich zwischendurch schon auch das Gefühl, dass es dem Boxstil von Hernandez nicht so gut getan hat, das Kubanische ausgetrieben zu bekommen. Aber wen kümmern Stilfragen. Er ist immerhin so Weltmeister geworden. Da muss ich meine Meinung wohl revidieren. Beeindruckt hat mich schließlich, wie Hernandez – sehr unkubanisch – abwartete, sich Zeit ließ, als offensichtlich wurde, dass Herelius reif für den KO war.
8. Kampf im Super-Mittelgewicht über 10 Runden: Stjepan Bozic (Kroatien) vs. Arthur Abraham (Deutschland): Sieger Abraham durch technischen KO in der zweiten Runde
Der Kampf selber brachte wohl keinen Erkenntnisgewinn. Bemerkenswert fand ich, dass sich in der Pressekonferenz ein Kommunikationsproblem bemerkbar machte. Abraham (jetzt 34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen) sprach davon, dass er mit diesem Kampf das Ringgefühl hätte wiederbekommen wollen. Wegner widersprach ihm und sagte, Ringgefühl bekäme man auch im Training. Es sei vielmehr in diesem Kampf darum gegangen zu beweisen, wie gut sie trainieren würden.
© Uwe Betker