Box-Blog

Posts Tagged ‘Eddie Chambers

Marco Huck vs. Ola Afolabi 3

with 2 comments

Am 08.06.2013 boxt der amtierende Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (38 Kämpfe, 35 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zum dritten Mal gegen Ola Afolabi (25 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen, 4 Unentschieden). Man könnte da ja meinen, Muamer Hukic würde besonders gerne gegen Afolabi antreten. Das ist aber sicher nicht so. Er muss – es ist eine Pflichtverteidigung.
Bei dem geplanten Kampf in Berlin treffen die Beiden also zum dritten Mal aufeinander. Am 05.12.2009 gewann Huck in Ludwigsburg den ersten Kampf. Die Punktrichter John Stewart, Manuel Maritxalar und Andre Van Grootenbrue sahen ihn mit 115:113, 115:113 und 116-112 vorne. Schon damals gab es allerdings einige Kritiker, die meinten, der Mann aus Ugao, Serbien hätte nicht gewonnen. Im Rückkampf, am 05.05.2012 in Erfurt, also fast zweieinhalb Jahre später, konnte Huck dann nur ein Unentschieden erreichen. Die Punktrichter Ingo Barrabas, Zoltan Enyedi und Paul Thomas werteten 114:114, 115:113 und 114:114. Das Publikum pfiff Huck und die Punktrichter aus. Vermutlich konnten nur die fanatischsten Huck-Fans damals ernsthaft glauben, Huck hätte sich wirklich ein Unentschieden erkämpft.
Huck muss somit wieder gegen einen Mann antreten, gegen den er sich immer schwer getan hat. Er kann sich jedoch glücklich schätzen, dass er auf einer Veranstaltung von Sauerland Event in den Ring steigen darf. Bei der Versteigerung des Kampfes Ende Februar unterlag sein Veranstalter nämlich gegen Don King, der den Kampf für 1,5 Millionen Dollar ersteigert und damit 536.000 Dollar mehr geboten hatte als Sauerland.
Was nun folgte, war eine Farce. King bekam den Kampf bei keinem deutschen TV-Sender unter. Der Privatsender SAT1 soll zunächst interessiert gewesen sein, wollte ihn dann aber doch nicht zeigen. Felix Sturm soll seinen Einfluss geltend gemacht haben. Es liefen aber womöglich auch schon die Verhandlungen zwischen SAT1 und SES Boxing über die Übertragung der nächsten vier Kämpfe des frischgebackenen WBO Weltmeisters im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO).
Sportlich ist der Huck-Afolabi-Kampf von sehr hohem Interesse. Obwohl Ola Afolabi manchmal eine schlampige Kampfvorbereitung nachgesagt wird, glauben viele Experten, dass er dieses Mal gewinnen wird. Für Afolabi dürfte es jetzt auch die letzte Chance sein, sich einen WM Titel zu erkämpfen. Auf der anderen Seite muss Huck, will er gewinnen, schon deutlich mehr zeigen als in seinen letzten Kämpfen. Für den deutschen Boxsport kann dabei nur hoffen, dass am Ring nicht wieder die altbekannten Punktrichter sitzen, die die Glaubwürdigkeit des Boxens in Deutschland schon ziemlich gründlich zerstört haben.
Muamer Hukic gibt sich selbstbewusst. Erst unlängst hat er über sich gesagt: „Ich bin der Boxer, den alle am liebsten sehen“. Aber, ebenfalls vor noch nicht allzu langer Zeit, als er von Sauerland Event weg wollte, hat er dann keinen Veranstalter und keinen TV Sender gefunden, der ihn unter Vertrag hätte nehmen wollen, jedenfalls nicht zu seinen Bedingungen. Nun, nachdem er bei Sauerland bis Ende 2014 verlängert hat – „ein Millionendeal“ -, muss er Leistung zeigen. Verliert Huck, dann hat Sauerland Event nämlich keinen Hauptkämpfer mehr, der einen WM Titel hat und eine gute Quote bringt.
Hier sind wir dann schon wieder beim Thema Punktrichter. Am Ring soll Lahcen Oumghar sitzen. Das ist eben jener Oumghar, der am 18.12.2010 bei Huck gegen Denis Lebedev punktete und der dann den Sauerlandboxer mit unglaublichen 115:113 vorne hatte. Damit hatte er sich seinerzeit in meiner persönlichen Hall Of Shame einen Platz gesichert. Der zweite auserkorene Punktrichter heißt Deon Dwarte. Dwarte hat sich durch sein Wirken am 28.01.2008 in Berlin seinen Platz in meiner Hall of Shame gesichert. Er sah und wertete tatsächlich Alexander Povetkin, einen Sauerlandboxer, mit 117:111, als Sieger gegen Eddie Chambers.
Die Vorzeichen sehen also nicht besonders günstig aus. Sollte Marco Huck wieder einmal das arme Opfer eines umstrittenen Punkturteils werden und dadurch wieder einmal seinen Titel, womöglich unverdient, behalten, hat Sauerland Event zwar weiterhin einen Hauptkämpfer, aber keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.
© Uwe Betker

Eine gute Show von Sauerland Event

leave a comment »

Am Samstag, dem 05. Mai will Sauerland Event in der Messehalle in Erfurt einen wirklich guten Boxabend veranstalten. Hauptkampf des Abends soll die WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht zwischen Marco Huck (36 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Ola Afolabi (24 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen, 3 Unentschieden)sein. Hier trifft Weltmeister Huck, der einen nicht erfolgreichen Ausflug ins Schwergewicht unternommen hatte, auf den mittlerweile inthronisierten Interims Weltmeister Afolabi. Bemerkenswert ist dabei, dass Huck sich seinem ersten starken Gegner im Cruisergewicht seit fast eineinhalb Jahren stellt. Seit seinem, wie ich finde, skandalösen Sieg gegen Denis Lebedev vom 18.12.2010 boxte er gegen keinen Cruisergewichtler mehr, der ihm auch nur einigermaßen hätte gefährlich werden können. Hier möchte ich erneut die verantwortlichen Punktrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo namentlich nennen, in der – mittlerweile allerdings schwindenden – Hoffnung, sie nie wieder an einem deutschen Ring zu sehen. Der Sauerland Boxer aus Ugao, Serbien steigt als Favorit in den Ring. Er besiegte Afolabi bereits am 05.12.2009 nach Punkten. Aber immerhin ist sein Gegenüber doch so stark, dass sein Sieg keine reine Formsache sein dürfte.
Auch der zweite Hauptkampf des Abends, die Europameisterschaft im Schwergewicht, ist keine schlechte Ansetzung. Der ehemalige Titelträger Alexander Dimitrenko (33 Kämpfe, 32 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) bekommt es mit Kubrat Pulev (15 Kämpfe, 15 Siege, 7 durch KO) zu tun. Auch hier ist der Sauerland Boxer der Favorit – aber im Schwergewicht ist immer alles möglich -, zumal Dimitrenko schon einmal einen Kampf verlor, mit dem keiner vorher gerechnet hat – damals den WM Ausscheidungskampf gegen Eddie Chambers.
Im dritten Hauptkampf des Abends geht es darum, dass Robert Stieglitz (43 Kämpfe, 41 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) seinen Titel der WBO im Super Mittelgewicht erfolgreich gegen Nader Hamdan (53 Kämpfe, 43 Siege, 18 durch KO, 9 Niederlagen, 1 Unentschieden)verteidigen soll, um danach gegen Arthur Abraham zu boxen.
© Uwe Betker

Die letzten Zwölf (3)

leave a comment »

Klaus-Peter Kohl träumt offensichtlich – wie so mancher Veranstalter und Manager – den Traum, einen Schwergewichtsweltmeister zu haben. Ein Weltmeister im Schwergewicht verspricht viel Geld, viel Aufmerksamkeit und einen Vertrag mit einem TV-Sender. Daher sind vier von zwölf Boxern, die Universum noch unter Vertrag hat, Schwergewichtler.
Juan Carlos Gomez, der als Cruisergewichtler und Weltmeister der WBC der stärkste und dominanteste seiner Klasse war, konnte mich bislang im Schwergewicht noch nicht überzeugen. Gomez (52 Kämpfe, 49 Siege, 37 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) sieht, so finde ich, immer schlecht trainiert, übergewichtig und unmotiviert aus. Er verlor gegen Vitali Klitschko (21.03.2009) durch TKO in Runde 9. Danach zeigte er keine wirklich große Leistung mehr. Zurzeit steht er auf Position 16 in der Welt. Seit einem halben Jahr hat er schon keinen Ring mehr betreten. Er bräuchte allerdings, um weiter aufzusteigen, einen Sieg über einen namhaften Gegner. Erstaunlicherweise wird er sogar noch von der WBC, wohl aus sentimentalen Gründen, auf Position 8 geführt wird. Kohl wird wohl noch an die Zukunft von Gomez glauben. Wieso sollte er sonst einen Boxer erneut unter Vertrag nehmen, der nicht nur ihn selbst schon, sondern mittlerweile auch mehrere andere Veranstalter und Manager im Streit verlassen hat.
Alexander Dimitrenko kann man einen Titelkampf zutrauen. Dimitrenko (32 Kämpfe, 31 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) ist in allen Ranglisten ganz weit oben zu finden. Bis auf seine Niederlage gegen Eddie Chambers am 04.07.2009 ist seine Kampfbilanz makellos und beeindruckend. In seinem letzten Kampf am 26.03.2011 verteidigte er seinen Europameisterschaftstitel gegen Albert Sosnowski eindrucksvoll. Mit Dimitrenko hat Universum einen starken Titelaspiranten unter Vertrag. Ob er sich jedoch gegen einen Klitschko durchsetzen kann, wird sich erst im Ring zeigen.
Der Amateurweltmeister aus Usbekistan Ruslan Chagaev (29 Kampfe, 27 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) schien alle in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Er wurde am 14.04.2007 Weltmeister der WBA durch einen Punktsieg über Nicolay Valuev. Am 20.06.2009 verlor er dann gegen Wladimir Klitschko. Danach geriet seine Karriere immer wieder durch Verletzungen und Krankheiten ins Stocken: Erst war es eine Virusinfektion, dann ein Platzwunde am Kopf und dann folgte eine Hepatitis B Erkrankung. Er steht zwar noch auf Platz 13 der unabhängigen Rangliste – die WBO führt ihn auf 6, IBF auf 4 und die WBA sogar auf 1 -, doch darf bezweifelt werden, dass er derzeit in der Lage ist, erneut erfolgreich um einen WM-Titel zu boxen.
Der ungeschlagene Denis Boytsov (28 Kämpfe, 28 Siege, 23 durch KO) ist mit seinen 25 Jahren und seiner Position 23 in der unabhängigen Weltrangliste noch weitestgehend ungetestet. Seinen größten Sieg konnte er am 06.06.2009 gegen seinen Stallkollegen Taras Bydenko feiern. In welche Richtung sich seine Karriere entwickeln wird, ist noch offen. Seinen letzten Kampf bestritt er vor mehr als einem halben Jahr.
© Uwe Betker

Der Traum eines jeden Veranstalters (1)

leave a comment »

Jeder Veranstalter von Profiboxkämpfen träumt von einem Schwergewichtsweltmeister. Ein Schwergewichtsweltmeister verspricht Geld, viel Geld, noch mehr Geld – und zudem noch ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit. Daher setzten die deutschen Promoter immer mehr auf das Schwergewicht, so auch der hamburger Boxstall Universum Box-Promotion. Seltsam ist es schon, dass eine Europameisterschaft, die in anderen Gewichtsklassen meist von wenig Interesse ist, im Schwergewicht gleich zum Hauptkampf des Abends wird.
Titelverteidiger ist der in Yevpatoriia/Ukraine geborene Oleksandr Dymytrenko alias Alexander Dimitrenko, der seit kurzem die deutsche Staatsangehörige hat. Als Deutscher muss er, laut seinem Promoter, natürlich „der zweite deutsche Weltmeister im Schwergewicht nach Max Schmeling werden.“ Bevor Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) seine Kräfte mit den Weltmeistern Wladimir Klitschko (IBF und WBO), Vitali Klitschko (WBC) oder David Haye (WBA) messen darf, soll er nun am 04.12.2010 in Schwerin um den EBU-Titel boxen. Hätte er seinen vorletzten Kampf (04.07.2009), einen WBO Eliminator, nicht gegen Eddie Chambers nach Punkten verloren, hätte er schon gegen Wladimir Klitschko einen WM-Kampf bestreiten können. So aber musste er sich erneut hinten anstellen.
In seinem letzten Kampf, dem ersten nach der Niederlage, gewann er zwar durch TKO in Runde 5 und er wurde damit auch Europameister, jedoch konnte er mich nicht überzeugen. Dafür waren sowohl er selbst wie auch sein ukrainischer Gegner Yaroslav Zavorotnyy (19 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) einfach zu schwach. Da ist sein jetziger Pflichtherausforderer schon ein anderes Kaliber. Albert Sosnowski (50 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) aus Polen ist, wie man unschwer an seinen Kampfrekord sehen kann, kein Schlechter. Er erreichte gegen den für Sauerland Events boxenden Francesco Pianeta ein Unentschieden, was für den Deutsch-Italiener recht schmeichelhaft war. Hiernach besiegte er Paolo Vidoz (18.11.2009) nach Punkten und verlor anschließend gegen Vitali Klitschko (29.05.2010) durch KO in Runde 10. In der unabhängigen Weltrangliste wird er auf Position 18 geführt, was wohl eine realistische Einschätzung ist. Dimitrenko steht auf Position 11.
Die Meinungen der Experten zu dem bevorstehenden Kampf gehen relativ weit auseinander. Die einen gehen davon aus, dass Dimitrenko relativ leichtes Spiel haben wird. Er ist seinem polnischen Gegenüber an Technik, Kraft, Körpergröße und Reichweite weit überlegen. Die anderen halten dem allerdings entgegen, dass er genau diese Vorteile aber gar nicht nutzen könnte, und dementsprechend würde ein harter und knapper Punktsieg herauskommen.
Ob Dimitrenko zurzeit wirklich eine Chance hat, einen der Weltmeister zu schlagen, sei dahin gestellt. Es steht jedoch für mich außer Frage, dass es mir lieber ist, einen guten Europameisterschaftskampf zu sehen, als einen von diesen vielen langweiligen und einseitigen Weltmeisterschaftskämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die Rückbesinnung auf EMs nicht nur dem Traum eines jeden Veranstalter geschuldet ist, d.h. nicht nur auf das Schwergewicht beschränkt bleibt.
© Uwe Betker

Ein Pas de deux mit Mahmoud Omeirat Charr und Frank Michael Maass

leave a comment »

Wieso muss ich immer wieder in deutschen Boxringen Ringrichter sehen, die bei mir den Eindruck erwecken, nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen, sondern sich zum Büttel der Veranstalter zu machen? Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Ringrichters? Gibt man den Begriff „Ringrichter“ bei Wikipedia ein, so wird man schnell zu dem Synonym Kampfrichter weitergeleitet, und dort ist zu lesen: „Als Kampfrichter werden alle unparteiischen Personen bezeichnet, die die Überwachung und Einhaltung der Regeln bei einer Sportveranstaltung sicherstellen.“ Also nochmals: Ein Ringrichter soll unparteiisch sein. Außerdem soll er darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden.
Wieso versucht dann aber kein Ringrichter ernsthaft, bei dem syrischen Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr, der sich Manuel Charr nennt und der sich den Kampfnamen Diamond Boy gegeben hat, auf der Einhaltung der Regeln zu bestehen. Ein Beispiel: In seinem letzten Kampf – dem ersten nach einer mehrmonatigen Knieverletzung – bekam es Charr (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO) mit Robert Hawkins (38, Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 16 Niederlagen, 3 durch KO) zu tun. Der 40jährige Hawkins ist ein alter Haudegen, der gerne als Aufbaugegner genommen wird. So hat er schon gegen Eddie Chambers (09.09.2005), Samuel Peter (15.12.2005), David Tua (22.02.2007, Denis Boytsov (26.04.2008) und Oleg Maskaev (06.09.2008) geboxt und – verloren.
In der ersten Runde des Kampfes waren Charr und Maass als Paar noch nicht so richtig aufeinander eingestimmt. Der Ringrichter Frank Michael Maass ermahnte den Boxer, nicht mit der Innenhand zu schlagen und nicht mit dem Elleboxen zu stoßen bzw. zu schlagen. Aber schon am Ende der Runde zeigten sie sich besser eingespielt: Charr drückte mit der Linken den Kopf seines Gegners runter, hielt ihn fest und schlug mit der Rechten mehrfach zu. Maass, der direkt daneben stand, übersah das. Danach war das Muster etabliert. Maass sah keine Ellebogeneinsätze mehr und störte auch sonst kaum noch die Kampfführung von Charr.
Am Ende der vierten Runde kam es dann zum Höhepunkt im Tanz der Beiden: Charr stieß mehrfach mit der Schulter zu, und als er damit keine Wirkung erzielte und sein Gegner sich auch noch beschwerte, gab er noch einen Kopfstoß. Der Ringrichter, der direkt dabei stand, reagierte, ganz Tanzpartner, indem er sagte „Pass auf. Hör auf damit.“
Versuchen wir, die Situation des Ringrichter nachzuvollziehen! Ein Mensch wird Ringrichter, weil er in den Ring will, und er will natürlich bei den Großen in den Ring. So ein Ausflug mit Unterbringung in einem meist guten Hotel, einer netten After-Show-Party und einer kleinen Aufwandsentschädigung, die man mit nach Hause nehmen kann, ist schließlich eine angenehme Sache. Ich gönne sie auch jedem Punkt- und Ringrichter von ganzem Herzen. Aber muss dabei die Anbiederung an den jeweiligen Veranstalter wirklich so weit gehen, dass selbst gröbste Regelverstöße nicht mehr geahndet werden? Vielleicht ist ja gerade dieser, wie ich finde, devote vorauseilende Gehorsam einer der Gründe dafür, dass dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) der Ruf vorauseilt, das vollstreckende Organ von Klaus-Peter Kohl und Universum Box-Promotion zu sein?
Von einem Ringrichter muss man erwarten können, dass er wenigsten die gröbsten Unsportlichkeiten und Fouls des Heimboxers ahndet. Hier sind wir noch nicht einmal auf der Ebene der Unparteilichkeit. Ein absichtlicher Kopfstoß stellt den Versuch dar, seinen Gegner durch unlautere Mittel zu verletzen. Der Ringrichter ist hier in der Pflicht, die Gesundheit dieses Boxers zu schützen. Ein Punktabzug für einen absichtlichen Kopfstoß wäre das absolute Minimum gewesen.
Aber was Maas und Charr da zeigten, hatte meiner Meinung nach nur noch sehr bedingt etwas zu tun mit einem Ringrichter-Boxer-Verhältnis. Es erinnerte mich vielmehr an einen Pas de deux, diesen Paartanz in einer Ballettaufführung. Hawkins, der auf das Ringrichterverhalten recht aufgebracht reagierte, erklärte Maass: „Come on. Ist OK.“ Das hätte er gar nicht erst sagen müssen, denn wenn er diese Aktion von Charr nicht OK gefunden hätte, hätte er Charr ja disqualifizieren müssen. Aber wer möchte schon, dass sein Tanzpartner disqualifiziert wird.
© Uwe Betker