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Ein Signal vom BDB

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Der Bund Deutscher Berufsboxer musste immer wieder herbe und wohl auch berechtigte Kritik einstecken für ihre Punkt- und Ringrichter. Nun hat BDB-Präsident Thomas Pütz reagiert und angekündigt, BDB-Offizielle demnächst Schulungen und Fortbildungen besuchen zu lassen. Damit unternimmt Pütz offensichtlich den Versuch, auf die zum Teil skandalösen Punkt- und Ringrichterleistungen zu reagieren.
Aber wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Dass einige der deutschen Offiziellen so grotesk alptraumhaft ihrer Tätigkeit nachgehen, hat nichts mit mangelnder Schulung und Unfähigkeit zu tun. Diese Punkt- und Ringrichter wollen gar nicht objektiv punkten oder einen Kampf gut leiten. Sie wollen schlicht dem Veranstalter zu Diensten sein.
Vor langer Zeit hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Punktrichter nach einem Kampf von Axel Schulz, den dieser auch durch KO gewonnen hatte. Ich sprach den Punktrichter darauf an, wie es sein könnte, dass auf den Punktzetteln Schulz die ersten Runden gewonnen hatte, obwohl er in Wirklichkeit aber klar verloren hatte. Darauf angesprochen rechtfertigte er sich, wenn ich mich richtig erinnere, wie folgt: „Was soll ich denn tun? Was passiert, wenn Axel sich nicht steigert? Wenn er schon die ersten Runden abgibt, kann er den Kampf nach Punkten nicht mehr gewinnen. Ich habe sogar die erste Runde Unentschieden gepunktet. Ich will doch auf die Veranstaltungen eingeladen werden.“
Jener Punktrichter sprach die beiden Hauptprobleme mit Punkt- und Ringrichtern im Allgemeinen und mit einigen deutschen im Besonderen an: Zum einen fühlen sie, nämlich die schlechten, sich nicht dem Sport, den Zuschauern oder einer höheren Gerechtigkeit verpflichtet, sondern nur dem Veranstalter. Daher sehen sie es auch als Ihre Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass der Heimboxer gewinnt.
Der zweite Punkt ist, dass die Ring- und Punktrichter von den Veranstaltern angefordert werden. Deswegen tauchen auch die Punkt- und Ringrichter, die am übelsten auffallen, immer wieder auf. Sie haben bewiesen, dass man sich auf sie verlassen kann, und deshalb werden sie immer wieder angefordert.
Natürlich wollen alle Punkt- und Ringrichter von den großen Veranstaltern eingeladen werden. Man verbringt ein nettes Wochenende und verdient nebenbei ein paar hundert Euro. Man wohnt in einem Vier Sterne Hotel, hat Essen und Trinken frei. Manchmal wird noch eine Stadtrundfahrt organisiert. Man kann auch zu Zweit, z. B. mit einer Geliebten anreisen. Auch soll es schon vorgekommen sein, dass Promoter für eine entspannende weibliche Abendunterhaltung gesorgt haben. Es gibt also viele Gründe für Punkt- und Ringrichter, schlechte Arbeit abzuliefern und den Heimboxer gewinnen zu lassen.
Die Schulung von BDB-Offiziellen soll Anfang 2012 unter der Leitung des Olympiasiegers István (Koko) Kovács in Budapest stattfinden. Eine solche Schulung ist aber letztlich nicht mehr als ein Signal in Richtung Punkt- und Ringrichter. Ich persönlich halte nicht besonders viel von solchen Schulungen. Der BDB müsste nur seine Statuten dahingehend ändern, dass Offizielle, die sich zu devoten Bütteln von Veranstaltern machen, für ein paar Jahre gesperrt werden könnten. Wenn man diese neuen Regelungen auch noch anwenden würde, hätte man innerhalb von kurzer Zeit ein sauberes Boxen.
Was mir auch an den Schulungen missfällt, ist die Tatsache, dass sie Geld kosten. In einem andern Zusammenhang, nämlich in Fall Andreas Sidon, sagte BDB-Chef Thomas Pütz: „Allerdings habe ich selbstverständlich immer auch die finanziellen Interessen des Verbandes, dem ich vorstehe, zu beachten.“ Wieso will eigentlich der BDB jetzt Geld für Schulungen von, nennen wir sie mal korrupten, Punkt- und Ringrichter ausgeben?
© Uwe Betker