Box-Blog

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Gastbeitrag: Helden auf Tournee

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Die Themen haben Gewicht. Die Texte gehen in die Tiefe. Und die Ausstrahlung der Figuren reicht weltweit. Inspiration für eine Veranstaltungsreihe, die es so im deutschen Sportjournalismus wohl noch
nicht gegeben hat: Sieben Abende, online, mit sieben unterschiedlichen Schwerpunkten und vielen Experten, die ausführlich über die vielen Facetten eines neues Sammelbands diskutieren werden: “Der Stoff, aus dem Helden sind”, erschienen im Arete-Verlag in Hildesheim und ein Kompendium mit 33 Reportagen, Essays und Interviews und geschrieben von Jürgen Kalwa, fester freier Mitarbeiter für den Deutschlandfunk, die FAZ und die NZZ mit Sitz in den USA.


Mehr Infomationen auf der Webseite des Verlags: https://www.arete-verlag.de/produkt/der-stoff-aus-dem-die-helden-sind/


Die Online-Diskussionen über Longform-Sportjournalismus, Faszination Radsport, die Erinnerungskultur im Sport, die Mythologie des Boxens, die vergessenen Genies im Fußball, das wachsende Selbstbewusstsein der Aktiven im Kampf gegen Missbrauch aller Art und das Miracle on Ice bei den Olympischen Spielen 1980, wo amerikanische Eishockey-Amateure sensationell die sowjetischen Profis bezwangen, sind hochkarätig besetzt.


Teilnehmen werden Box-Olympiasieger Torsten May, der ehemalige Eishockeynationalspieler Udo Kießling, der Ex-Mountain-Bike-Weltmeister Jürgen Beneke, der Sportrechtler Dr. Paul Lambertz, Dr. Andreas Höfer, Chef des Sport- und Olympiamuseums in Köln, sowie der Sporthistoriker Dr. Ansgar Molzberger. Dazu: viele prominente Namen aus der Sportjournalisten-Szene: Professor Thomas Horky von der Macromedia-Hochschule in Hamburg und Ronny Blaschke, Oliver Fritsch, Bertram Job, Sven Metzger, Sebastian Moll und Max-Jacob Ost. Plus: Julia Hollnagel von Athleten Deutschland.Die Teilnahme an den Zoom-Veranstaltungen, die auf parallel auf YouTube per Stream laufen werden, ist kostenlos.

Alle Anmeldungen für die Zugangsdaten an jkalwa@identiteam.com

Die Termine:
1. Juni, 19 Uhr: Die Herrn der Ringe (mit Bertram Job und Torsten May)
2. Juni, 19 Uhr: Faszination Radsport (mit Paul Lambertz, Jürgen Beneke und Sebastian Moll)
8. Juni, 19 Uhr: Stiefkind Safe Sports? (mit Julia Hollnagel von Athleten Deutschland)
9. Juni, 19 Uhr: Longform-Sportjournalismus (mit Ronny Blaschke und Thomas Horky)
15. Juni, 19 Uhr: Miracle on Ice (mit Udo Kießling und Sven Metzger)
23. Juni, 20 Uhr: Vergessene Fußball-Genies (mit Oliver Fritsch und Max-Jacob Ost)
28. Juni, 19 Uhr: Museen und Mythen (Andeas Höfer und Ansgar Molzberger)

(C) Jürgen Kalwa

Boxen in der Literatur: „The Minotaur, or Stopping in Oran” von Albert Camus

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Albert Camus (* 7. November 1913 in Mondovi, Französisch-Nordafrika, heute Dréan, Algerien; † 4. Januar 1960 nahe Villeblevin, Frankreich) ist einer der Großen der Literatur. Er erhielt 1957 den Nobelpreis für Literatur. Er war ein großer Schriftsteller und Philosoph. Er wird häufig dem Existentialismus zugeordnet. Er selber zählte sich nicht zu dieser Strömung. Seine Philosophie wird auch als „Philosophie des Absurden“ bezeichnet.
Um 1939 entstand der Essay „Minotaurus“, in dem Camus fünf Anekdoten oder Erinnerungen aus der algerischen Stadt Oran erzählt, der Stadt, in deren Nähe er geboren wurde und in der er aufwuchs und in der er später „194…“ auch „Die Pest“, eines seiner bekanntesten literarischen Werke, spielen lässt. In dem Essay beschreibt er die Stadt, das dortige Leben, die Menschen und ihren Sport in besonders liebevoller und sehr direkter Weise, aber auch mit Ironie und zum Teil beißendem Spott. „Gezwungen, mit einer der wundervollsten Landschaften vor Augen zu leben, haben die Bewohner von Oran diese schwierige Prüfung bestanden, indem sie sich mit hässlichen Bauten umgaben.“
In dem Absatz über Sport geht es um Boxen bzw. um eine Boxveranstaltung. Wenn Camus über Boxen schreibt, dann macht er das sowohl als Schriftsteller als auch als ehemaliger Boxer. Camus boxte selbst als Amateur im Mittelgewicht. Leider war es mir nicht möglich, etwas über die Box-Karriere von Camus zu erfahren.
Wie das obige Zitat über die Architektur von Oran ist auch sein Blick aufs Boxen ein ironischer. Camus nimmt uns mit in den Central Sporting Club in der Rue du Fondouk, in Oran. Es hört sich in etwa so an, wenn Camus über Boxen schreibt: Die Boxer, deren Namen auf den Plakaten stehen, sind weit davon entfernt, Meister zu sein. Einige steigen auch das erste Mal in den Ring. Weshalb ihr Mut größer ist als ihre boxerische Fähigkeit ist. Aber die Oranier sind elektrifiziert von dem Versprechen, dass Blut fließen wird. Weshalb sich auch „wirklichen Liebhaber des Sports“ einfinden.
Camus beschreibt die Halle, die Enge im Zuschauerraum, die unsägliche Musikbeschallung, den Gestank von Schweiß und vieles mehr. Einen der Kämpfe bestreiten zwei Boxer aus Algier und Oran, was zum Anlass genommen wird, die Rivalität zwischen den beiden Städten aufzurollen. Den Hauptkampf bestreiten ein französischer Seemann und ein oranischer Boxer. Der Heimboxer dominiert die ersten Runden, baut dann aber ab. Am Ende steht ein Unentschieden.
Camus‘ Ton ist durchgängig ironisch. Außerdem zeigt er bei den Beschreibungen der Kämpfe und den Reaktionen des Publikums immer wieder einen Hang zur Transzendenz und zieht Parallelen zu kultischen Handlungen. Spätestens hier nun wird einem schmerzhaft vor Augen geführt, dass Camus viel zu früh durch einen Autounfall aus dem Leben gerissen wurde. Hätte ein Camus Boxen konsequenter unter diesem Gesichtspunkt betrachten können, was hätte daraus für eine Abhandlung oder was für ein Buch werden können.
Den Essay „Minotaurus“ gibt es leider nicht auf Deutsch. Es gibt aber eine englische Übersetzung in einem Sammelband. Lesenswert!
© Uwe Betker