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Gedanken zur Niederlage von Felix Sturm (1)

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Am 01.09.2012 verlor Felix Sturm (42 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) in Oberhausen gegen den Australier Daniel Geale (29 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage). Damit verlor er seinen Titel „Super Champion“ der WBA (World Boxing Association), den er nach den Regularien des Verbandes gar nicht hätte tragen dürfen. Sein Bezwinger Geale war und ist Weltmeister der IBF (International Boxing Federation) im Mittelgewicht.
Sicher, eine Niederlage ist erst einmal nichts Besonderes. Schließlich verliert ja in fast allen Boxkämpfen einer der beiden Kontrahenten den Kampf. Dennoch, die Niederlage von Sturm verdient doch eine nähere Betrachtung.
Zunächst einmal ist positiv zu vermerken, dass Geale in Deutschland überhaupt einen deutschen Boxer besiegen konnte. Schließlich hat sich Deutschland bzw. haben sich die deutschen Veranstalter international über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet, dass man hierzulande als Herausforderer eines Deutschen nicht nach Punkten gewinnen kann. Die Wertungen der Punktrichter Stanley Christodoulou und Dave Parris mit jeweils 112:116 für Geale, sind zwar wohl zu hoch, gehen aber von der Tendenz her in Ordnung. Weshalb Eugene Grant 116:112 für Sturm wertete, ist dagegen für mich nicht nachvollziehbar. Geales Sieg ist gut für den Ruf des deutschen Profiboxens, wenn er auch schlecht ist für den schwächelnden Sport.
Die Niederlage Sturms trifft das deutsche Boxen schwer. Zwar überträgt die ARD noch die Veranstaltungen von Sauerland Event. Aber wenn man die neuerdings immer wieder eingestreuten kritischen Bemerkungen über den Boxsport im Allgemeinen als Indiz ansieht, dann geht der Sender wohl zunehmend auf Distanz zum Boxen. Hinzu kommen die Gerüchte, dass die ARD den Vertrag nicht über 2015 hinaus verlängern will. Wenn aber doch, so soll er jedenfalls nicht mehr den gleichen Umfang haben. Der andere öffentlich rechtliche Sender, ZDF, hat wohl immer noch genug vom Boxen – nach all den Erfahrungen, die er mit Universum Box-Promotion gemacht hat.
RTL zeigt einzig und alleine Kämpfe von Wladimir Klitschko (61 Kämpfe, 58 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Vitali Klitschko (46 Kämpfe, 44 Siege, 40 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Mir klingt da zwar noch im Ohr, dass sowohl RTL als auch die Gebrüder Klitschko einmal ankündigten, sie wollten einen richtigen Boxstall aufbauen. Sie haben dann aber keinen Schritt in diese Richtung getan. RTL zeigt Klitschko und nichts anderes. Und wenn denn einmal kein Klitschko mehr boxt, dann wird es wohl auch kein Boxen mehr auf RTL zu sehen geben.
SES, Sport Events Steinforth und EC Boxing mühen sich redlich, Boxen zu zeigen, aber bis jetzt konnten sie leider nur im Spartenkanal Eurosport ihre Veranstaltungen unterbringen. Ob Arena Box-Promotion noch in ein paar Monaten bestehen wird, wird sich zeigen.
Dementsprechend ist die Niederlage von Felix Sturm ein harter Schlag für das Profiboxen in Deutschland. Sturms Haussender SAT1 konzentrierte sich nur auf Felix Sturm. SAT1 kann nur Felix Sturm zeigen, denn Sturm Box-Promotion besteht faktisch nur aus Felix Sturm. Zwar haben Syuzanna Kentikyan bzw. Susi Kentikian (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage), Fliegengewicht, Maurice Weber (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), Junior Mittelgewicht, Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO), Mittelgewicht und Patrick Dobroschi (16 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 3 Unentschieden), Super Mittelgewicht, einen Vertrag bei Sturm, aber keiner von ihnen kann derzeit einen Hauptkampf bestreiten. Wenn also Sturm es nicht mehr schafft, einen attraktiven Kampf zu bekommen, wird SAT1 wohl kein Boxen mehr zeigen.
Die Niederlage von Felix Sturm ist ein harter Rückschlag für den Patienten Profiboxen in Deutschland.
© Uwe Betker

Lebt Arena Box-Promotion noch?

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Ende letzten Jahres verkündete Ahmet Öner recht lautstark: „Das Boxen in Deutschland ist tot“. Wenn man nun die vergangenen Monate anschaut, so kommt man nun wohl nicht umhin eindringlich zu fragen: „Lebt Arena Box-Promotion noch?“
Die für den 16. Juni 2012 angekündigte Veranstaltung in Adana wurde abgesagt. Anlass war die Verletzung eines der Hauptkämpfers, Erkan Teper (8 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO). Seltsam nur, dass sich das Gerücht hartnäckig hält, die Veranstaltung wäre schon vor der Verletzung abgesagt gewesen. Teper soll jetzt am 14.09.2012 wieder boxen.
Sieht man sich nun den Veranstaltungskalender einmal genauer an, dann fällt auf, dass an eben diesem 14.09.2012 Timo Hoffmann (49 Kämpfe, 40 Siege, 23 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) und Steffen Kretschmann (18 Kämpfe, 16 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) bereits in Halle an der Saale gegeneinander antreten wollen. Für mich sieht das danach aus, dass sich Arena in eine bestehende Veranstaltung einkaufen will, um ihren Vertrag mit Eurosport zu erfüllen.
Einer der besten Boxer von Arena ist Selcuk Aydin (23 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO). Er hat mittlerweile den „Silver Title“, also den Silber Titel des WBC, World Boxing Council, erkämpft. Damit ist ja nun die Nummer 17 der unabhängigen Weltrangliste wohl irgendwie auch ein Weltmeister. Aydin bestritt seine beiden Silbertitelkämpfe in der Türkei, den ersten am 05.06.2010 in Istanbul und den zweiten am 26.11.2011 in seiner Geburtsstadt Trabzon, jeweils gegen Ionut Dan Ion.
Nun müsste man doch meinen, dass ein solch großes, prosperierendes und auch boxbegeistertes Land wie die Türkei doch nur darauf wartet, einen türkischen Weltmeister zu feiern. Aber offensichtlich ist dem nicht so. Aydin muss nämlich seinen nächsten Kampf, am 28.07.2012 gegen Robert Guerrero (33 Kämpfe, 29 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) in San Jose, in den USA bestreiten. Das heißt dann wohl, dass Aydin in seiner Heimat nicht zu einem Volkshelden geworden ist. Daher muss auch Arena das Risiko eingehen, mit ihm in die USA zu gehen, um dort mit ihm eventuell das Geld zu verdienen, das er in der Türkei nicht verdienen kann. Das wiederum heißt auch, dass der türkische Boxmarkt immer noch darauf wartet erobert zu werden. Eva Rolle mit ihrer Prime Time Event & Entertainment hat schon angekündigt, dort ihr Glück zu versuchen. Warum sollte es nicht EC Boxing von Erol Ceylan auch dort versuchen?
Man kann jedenfalls schon den Eindruck gewinnen, dass Arena weder logistisch noch finanziell in der Lage ist, eine eigene Veranstaltung in Deutschland oder der Türkei auf die Beine zu stellen. Sofern ich das richtig übersehe, hat Arena in diesem Jahr noch kein einziges Mal in Deutschland veranstaltet und auch nur ein Mal, am 09.03.2012, in der Türkei.
Der große Hoffnungsträger von Veranstalter Ahmet Öner ist aber sein Schwergewichtler Odlanier Solis (19 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Sollte der nun einen Kampf gegen einen der Klitschko Brüder bekommen und dann gar auch noch gewinnen, ja dann sähe die Situation für Arena Box-Promotion tatsächlich ganz anders aus. Aber im Augenblick siecht Arena wohl vor sich hin.
© Uwe Betker

Tekirdag: Vier Runden gutes Boxen

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„Wir liefern echten Sport und keine Show wie Klitschko gegen sein Opfer Mormeck!“, so Veranstalter Ahmet Öner. Es wurde ausdrücklich betont: „Der umtriebige Promoter [Öner] ist zwar in Bocholt im Ruhrgebiet geboren, ist aber türkischer Staatsbürger und hat seine Wurzeln in Tekirdag.“ Das konnte man so verstehen, dass Ahmet Öner in seiner Heimatstadt eine besondere Veranstaltung bieten wollte. „Nach der enttäuschenden Vorstellung des Franzosen Jean Marc Mormeck am vergangenen Samstag steigen (…) in der türkischen Hafenstadt Tekirdag zwei Schwergewichtler in den Ring, die Weltmeister Wladimir Klitschko mit Sicherheit mehr abverlangen würden.“ Daher konnte man sehr auf die Veranstaltung am 09.03.2012 gespannt sein.
Im ersten Kampf, den Eurosport übertrug, wurde lediglich der Kampfrekord von Schwergewichtler Varol Vekiloglu (23 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) verbessert. Die Nummer 292 der Welt war in seinem letzten Kampf, am 14.10.2011, gegen Konstantin Airich in der ersten Runde KO gegangen. Daher gab man ihm nun Christian Schwäblein (11 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 6 Niederlagen, 4 durch KO) als Gegner. Es kam wie geplant. Schwäblein hatte keine Chance und ging zweimal nach Körperhaken zu Boden. Das zweite Mal in der dritten Runde, was dann auch das Ende des ungleichen Duells bedeutete.
Im zweiten Kampf konnte man Erkan Teper (8 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO) sehen. Für mich sah Teper so aus, als hätte er einen sehr langen All-Inklusive Urlaub, bei dem er es sich sehr gut hat gehen lassen, nur mal kurz unterbrochen, um mal eben in den Ring zu steigen. Der Mann aus Ahlen suchte den schnellen Erfolg – wohl aus Angst, ihm könnte die Puste ausgehen. Er machte Druck, rutschte immer wieder aus, weil etwas mit seinen Schuhen nicht stimmte, und drosch relativ planlos auf Ivica Perkovic (29 Kämpfe, 15 Siege, 11 durch KO, 14 Niederlagen, 6 durch KO) ein. In der Ecke von Teper stand nicht sein Trainer Conny Mittermeier, sondern irgendein anderer. Was der nun auch immer mit Teper gemacht haben mag, nach Training sah das nicht aus.
Immer wieder stellte Teper den Boxer, der seine letzten vier Kämpfe in Folge verloren hatte, in einer der Ringecken. Dass Teper in der dritten Runde sogar selber Treffer nehmen musste, spricht allerdings auch nicht für die boxerische Qualität des Mannes aus Sibenik, Kroatien. In der Rundenpause beklagte dann Perkovic eine Verletzung des linken Ellenbogens. Der Ringrichter Daniel Van de Wiele forderte ihn aber auf, es noch eine Runde lang zu versuchen, was er dann auch machte. Auch in der vierten Runde sah Teper einfach nur unpräzise boxend und schlecht trainiert aus. Nach der vierten Runde war dann endlich Schluss, aufgrund der schon angesprochenen Verletzung.
Im Mittelgewicht boxte Alptug Öner (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO). Öner boxte zwar aggressiv und variabel, aber seine zur Schau gestellte Lässigkeit, seine Showeinlagen, seine Selbstgefälligkeit, möglichst ohne Deckung zu boxen, ermüdeten mich sehr. Ach so, sein Gegner, Ilja Slahota (7 Kämpfe, 3 Sie, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO), zeigte eine recht solide Leistung und bereitete Öner mehr Schwierigkeiten als dieser wohl erwartet hatte. Der Kampf dauerte dann 1.080 lange Sekunden und der Punktsieger hieß wie geplant Alptug Öner.
Im Hauptkampf des Abends standen sich Konstantin Airich (29 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden), die Nummer 86 in der Welt, und Ondrej Pala (32 Kämpfe, 20 Siege, 21 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO), die Nummer 16 in der Welt, gegenüber. Pala, der Mann aus Prag, Tschechische Republik, brachte seinen IBF Intercontinental Titel und seinen Europatitel der WBO, was immer das auch sein mag, mit. In diesem Kampf trafen die beiden zum zweiten Mal aufeinander. Am 06.03.2009 hatte Pala Airich in einem Zehnrunder ausgepunktet.
Der Rückkampf machte da weiter, wo die beiden in Cuxhaven aufgehört hatten. Pala punktete aufgrund seiner besseren Technik und Airich fand keine Mittel. Bis zum Ende der fünften Runde fand ich die Veranstaltung von Arena Boxpromotion in Tekirdag schlichtweg schlecht und langweilig. Für mich sah es so aus, als ob hier so wenig Geld wie möglich für eine Profiboxveranstaltung ausgeben werden sollte. Dann passierte ein Wunder, das den Zuschauern doch noch vier gute Runden Boxen bescherte.
Nach einer Minute in der sechsten Runde kam Airich einmal mit einer Rechten und kurze Zeit später mit einem kurzen linken Haken zum Kopf von Pala durch. Pala wackelte und wusste sich nicht anders zu helfen, als den Mundschutz auszuspucken. Der russische Ringrichter Yuri Koptsev war offensichtlich mit einer solchen Situation vollkommen überfordert. Anstatt den Kampf weiter laufen zu lassen oder ihn abzuwinken, unterbrach er ihn. Er schickte Airich in die neutrale Ecke und Pala in eine andere. Jetzt ließ er die Zeit anhalten. Hiernach geleitete er Pala in seine Ecke, wo ihm der Mundschutz wieder eingesetzt wurde. Dann mussten beide Boxer in eine andere Ecke gehen, bevor er den Kampf wieder frei gab. Die ganze Hampelei von Ringrichter Koptsev dauerte 35 Sekunden, die Pala nutzte, um sich zu erholen. Pala konnte in den folgen beiden Runden wieder das Geschehen im Ring bestimmen.
Anfang der neunten Runde trieb eine Links-Rechts-Kombination zum Kopf Pala in eine Ringecke. Dort deckte Airich ihn mit einer Vielzahl von Schlägen ein. Pala, in Not, spuckte wieder den Mundschutz aus, und der Ringrichter gab ihm wieder Zeit zum Erholen. Diesmal tat er das, indem er Pala mit einem Punktabzug wegen wiederholten Ausspuckens seines Mundschutzes bestrafte. Die 30 Sekunden Pause reichten Pala dieses Mal aber nicht. Er kam wieder in den Kampf, nur um sich wehrlos ein paar Schläge abzuholen, bis dann der schlechteste Mann im Ring, der Ringrichter, den guten Schwergewichtskampf abbrach.
Dies war nun die Veranstaltung, die Ahmet Öner seiner Heimatstadt Tekirdag schenkte. Ich bin ja nur froh, dass er nicht auf die Idee kam, an einem Ort zu veranstalten, den er nicht mag. Denn vier Runden gutes Boxen reichen noch lange nicht für eine gute Veranstaltung. Und ob Konstantin Airich und Ondrej Pala Weltmeister Wladimir Klitschko wirklich „mehr abverlangen würden“ als Jean-Marc Mormeck bezweifele ich doch nun auch.
© Uwe Betker

Geiz ist nicht geil

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Auch wenn die Werbung es uns einzubläuen versucht, Geiz ist nicht geil. Dies sieht man z.B. beim Profiboxen. Es ist kein Geheimnis, dass Eurosport versucht, so wenig Geld wie irgend möglich für Boxen auszugeben. Nun aber hat der international operierende Spartensender offenbar ein ganz neues Konzept. Es wird nämlich wohl gar nichts mehr gezahlt. Wie soll man es sich denn sonst erklären, dass der Beirut geborene Syrier und in Deutschland boxende Schwergewichtler Mahmoud Omeirat Charr (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO), der sich auch Manuel Charr oder Diamond Boy nennt, am 18.11.2011 in Cuxhaven umsonst boxt.
Bisher kannte man diese Form von Ausbeutung, so nenne ich es jedenfalls, nur vom Frauenboxen. Der hamburger Promoter Erol Ceylan zahlt der Nummer 34 der unabhängigen Weltrangliste keine Börse. Dafür bekommt er einen Titelkampf. Er darf um den vakanten WBC International Silver Titel boxen, was wohl eher ein Blech als ein Silbertitel ist. Obwohl der Kampf bereits in ein paar Tagen stattfindet, gibt es auch noch keinen offiziellen Gegner. Das verheißt nichts Gutes.
Offensichtlich will Eurosport auf Kosten der Qualität Geld sparen. Es ist nun schon seit geraumer Zeit zu beobachten, dass TV-Sender immer weniger Geld für das Produkt Boxen ausgeben wollen. Das hat wohl zum einen mit der wirtschaftlichen Gesamtlage zu tun. Vor allem aber dürfte es daran liegen, dass zu viele der großen Veranstalter den Fernsehanstalten zu häufig zu schlechte Shows untergejubelt haben und dafür auch noch zu viel Geld kassiert haben. Das geht allerdings auch mit einer mangelnden Kontrolle und fehlender Sachkompetent der Fernsehmacher ein. Dennoch kann doch wohl nicht sein, dass die TV-Stationen nun Programm machen, ohne die Athleten zu entlohnen. Wenn Geiz so geil ist und die Verantwortlichen von Eurosport es in Ordnung finden, dass man für erbrachte Leistung nicht bezahlt wird, wieso arbeiten sie dann nicht selbst ein paar Monate für umsonst?
© Uwe Betker

Written by betker

19. Oktober 2011 at 23:59

Eine interessante Veranstaltung in Göppingen

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3.200 Zuschauer sahen am 15.07.2011 eine zum Teil hochklassige und immer interessante Boxshow von Arena Box-Promotion in Göppingen. Im ersten Kampf des Abends bestritt Noel Gevor seinen zweiten Profikampf. Die im Cruisergewicht angesetzte Begegnung war ein typischer Aufbaukampf und dementsprechend kurz. Der Tscheche Vaclav Fiala hatte dem Sohn von Khoren Gevor nichts entgegenzusetzen. Schon früh brachte er mit einer Links-Rechts-Kombination zum Kopf Fiala in Schwierigkeiten. Der folgende Schlaghagel zwang ihn dann zu Boden. Er kam zwar noch einmal hoch, aber bereits eine Aktion später musste er erneut runter. Noch einmal stellte er sich dem Kampf. Wenige Treffer später drehte er sich jedoch ab, und der Ringrichter beendete die einseitige Begegnung. Noel Gevor (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) überzeugte, und man darf auf seine weitere Entwicklung gespannt sein. Vaclav Fiala (9 Kämpfe, 9 Niederlagen, 8 durch KO) wird wohl weiter als lebender Sandsack sein Zubrot verdienen.
Im folgenden Kampf war das Weltergewichtstalent Timo Schwarzkopf zu sehen. Schwarzkopf wird von Conny Mittermeier in Stuttgart trainiert. Obwohl Mittermeier Schwarzkopf vor der ersten Runde sagte: „Mach nichts, guck ihn dir nur an“, ging Yauheni Pashkelevich (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) am Ende der Runde doch zu Boden. In die zweite Runde wurde Schwarzkopf dann mit einen „jetzt kannst du loslegen“ geschickt. Das machte er dann auch. Eine Linke zum Körper und eine Rechte zum Kopf fällten schließlich den Mann aus Minsk/Weißrussland. Schwarzkopf (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) ist offensichtlich ein sehr hart schlagender Boxer, der auch weiß, dass man das Publikum unterhalten sollte. Das tat er, indem er nach der Siegerehrung einen Salto rückwärts machte. Es würde mich nicht wundern, wenn wir den noch sehr häufig zu sehen bekommen.
Ebenfalls im Weltergewicht boxten Petar Zivkovic (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) aus Belgrad/Serbien und Laszlo Szekeres (23 Kämpfe, 9 Siege, 2 durch KO, 11 Niederlagen, 7 durch KO) aus Nagykanizsa/Ungarn gegeneinander. Von der ersten Sekunde an war zu spüren, dass es sehr schnell zugehen würde. Zivkovic traf mit einer Linken zum Kopf und einer Rechten zum Körper, und sein Gegenüber musste runter. Er kam noch mal hoch. Der Serbe verschwendete dann auch noch Zeit, indem er mit Gewalt und zu wenig Konzentration den KO erzwingen wollte. Kaum boxte er wieder ruhiger, kam er auch schon mit einem Leberhaken durch, der den Kampf beendete.
Der wohl schlechteste Kampf des Abends, dafür aber einer der interessantesten, war das Aufeinandertreffen von WBC Weltmeister, bzw. Silber Champion, im Weltergewicht Selcuk Aydin (22 Kämpfe, 22 Siege, 17 durch KO) und Raman Dzekhkanau (13 Kämpfe, 10 Sieg, 10 durch KO, 3 Niederlagen 2 durch KO). Die Begegnung war auf acht Runden angesetzt. Vorher konnte man sich nicht vorstellen, dass der Boxheld aus Trabzon/Türkei sich gegen den Boxer aus Dokszyce/Weißrussland so schwer tun würde. Erst schien Aydin abgeklärt ans Werk zu gehen. Er schlug wenig, traf aber gut. Eine Rechte zur Schläfe fällte Dzekhkanau. Dass Aydin seinen hilflos auf dem Boden sitzenden Gegner dann aber noch mit einem Schlag an den Kopf traktierte, war nicht nur unsportlich, sondern auch unnötig. Der Ringrichter bestrafte dieses grobe Foul allerdings nicht, was mir völlig unverständlich ist.
Nach dieser Aktion kippte der Kampf, Aydin verlor den Faden bzw. Dzekhkanau zwang ihm seinen Kampf auf. Er ließ à la Klitschko seine Führhand ausgestreckt. Er drosch Heumacher, meist auf die Deckung. Es entbrannte eine muntere Keilerei. Im vierten Durchgang verließen dann jedoch Dzekhkanau langsam die Kräfte und Aydin kam besser durch. Endlich ging in Runde fünf Dzekhkanau zu Boden und wurde ausgezählt. Anschließend ließ er sich von dem Publikum feiern. Der Sieger bekam weniger Applaus.
Im fünften Kampf des Abends zeigte die Schwergewichtshoffnung Erkan Teper eine sehr souveräne und abgeklärte Leistung. Der ungeschlagene Mann aus Ahlen, bekam es in seinem sechsten Profikampf mit Jakov Gospic zu tun. Es ging dabei um die „Mediterranean Championship“ der WBC, was immer das auch sein mag. Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der Schützling von Mittermeier aufgebaut wird und wie viel sein Veranstalter ihm schon zutraut. Jakov Gospic aus Zedar/Kroatien (12 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ist nämlich durchaus kein schlechter Boxer.
Teper und Gospic boten einen technisch sehr schönen Schwergewichtskampf, bei dem Teper, dank seiner präziseren Schläge und seiner guten Deckung die Oberhand behielt. Teper zermürbte seinen Gegner systematisch, der zuvor noch nie vorzeitig verloren hatte. In der neunten Runde erhöhte er den Druck. Er kam mit zwei Rechten zum Kopf durch, die Gospic zwangen, mit dem Knie auf den Boden zu gehen. Zwar reklamierte er Schwierigkeiten mit seinem Tiefschutz, aber die folgenden Sekunden straften ihn Lügen. Ein brutaler, wunderschön geschlagener Aufwärtshaken schlug ihn KO.
Der ebenfalls ungeschlagene Nikola Sjekloca aus Budva/Montenegro bekam es im Super Mittelgewicht mit dem Skandalboxer Khoren Gevor zu tun. Wir erinnern uns: In seinem letzten Kampf, am 09.04.2011, hatte er den WBO Supermittelgewichtschampion Robert Stieglitz herausgefordert. Nach einer Unsportlichkeit disqualifizierte der Ringrichter Manfred Küchler Gevor, worauf dieser dann den Ringrichter schlug. Es sah jedoch für mich so aus, als wäre Küchler vorher von dem Delegierten Jean-Marcel Nartz, der wiederum wohl der Trauzeuge des Veranstalters Ulf Steinforth war, dazu aufgefordert worden.
Bei dem Kampf ging es um die WBC International Championship. Vorab haben einige Boxexperten vermutet, Gevor bekäme hier eine sehr leichte Aufgabe gestellt. Gevor selbst schien für mich auch ziemlich überrascht. Er fand kein probates Mittel gegen die steifen Graden. Mindestens zweimal war er angeschlagen. Nur selten kam er mit seinem Cross durch: Auch wenn er ein ums andere Mal Sjekloca den Infight aufzwängen konnte, war dies doch zu wenig, um den Kampf gewinnen zu können. Die Karriere von Khoren Gevor (38 Kämpfe, 31 Siege, 16 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO), dem viermaligen WM-Herausforderer, scheint sich dem Ende zu nähern. Was ihn dazu getrieben hat, die zwei Personen in seine Ecke zu nehmen, die dort waren, weiß ich nicht. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass seine Sekundanten vollständig überfordert und ihm keine Hilfe waren. Es würde mich nicht wundern, wenn irgendein Weltmeister im Supermittelgewicht nun auf die Idee kommen würde gegen Nikola Sjekloca zu boxen.
Firat Arslan (37 Kämpfe, 31 Siege, 20 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) meldete sich mit einer starken Leistung zurück. Der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBA boxte gegen den guten Lubos Suda (30 Kämpfe, 23 Siege, 15 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Arslan hatte gegen ihn am 12.12.2003 in Prag schon mal einstimmig nach Punkten verloren. Dieses Mal wirkte Arslan allerdings so kompakt und druckvoll wie nie zuvor. Er verteilte seine Schläge sehr gut, wobei er immer wieder mit Aufwärtshaken durchkam. Kaum konzentrierte sich Suda darauf, diese zu vermeiden, trafen ihn die Körperhaken. In der vierten Runde zwangen Leberhaken ihn zweimal zu Boden. In der folgenden Runde schickten wiederum Leberhaken ihn zweimal zu Boden, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach. Veranstalter Ahmet Öner möchte am liebsten Arslan gegen den WBO-Weltmeister Marco Huck kämpfen lassen. Dies wäre mit Sicherheit ein sehenswerter Kampf. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass das Management von Huck freiwillig einem solchen Kampf zustimmen würde.
Der letzte Kampf des Abends wurde von Frauen bestritten. Özlem Sahin maß ihre Kräfte mit Corina Carlescu. Dabei ging es um die Weltmeisterschaft der WIBF im Junior Fliegengewicht. Der Kampf fand auf einem technisch sehr hohen Niveau statt und wurde bis zur letzten Sekunde verbissen und hart geführt.
Sahin machte den Kampf und trieb ihre Gegnerin vor sich her. Zu keinem Zeitpunkt konnte diese ihren Reichweitenvorteil von sieben Zentimetern nutzen. Ihre gefährlichste Waffe waren ihre kurzen Kopfhaken. Sahin agierte hinter einer sehr stabilen Deckung und suchte die Lücke, die sie auch fand, um ihre Treffer zu setzen. In den letzten zwei Runden verschärfte Sahin noch einmal das Tempo des ohnehin schnellen Gefechts, nachdem sie in den Runden 7 und 8 den Druck herausgenommen hatte. Sie suchte den KO Erfolg, konnte aber letztlich Carlescu nicht vorzeitig besiegen, sondern nur einstimmig nach Punkten.
Es wird sich zeigen, ob die Rumänin Corina Carlescu (12 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) sich nun wieder vermehrt dem Boxen zuwendet, oder ob sie sich lieber weiter aufs Thai- und Kickboxen konzentrieren wird. Von Özlem Sahin (14 Kämpfe, 13 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) werden wir wohl noch mehr zu sehen bekommen – leider aber nicht auf Eurosport, das offenbar kein Frauenboxen zeigen will. Der türkische Sender Show TV, der über Satellit zu empfangen ist, zeigte Sahin als Hauptkampf des Abends live.
© Uwe Betker

PS: Jean-Marcel Nartz verwehrt sich gegen den Eindruck, dass er dem Ringrichter Manfred Küchler irgendwelche Anweisungen  gegeben habe.

Über den männlichen Blick auf Sport treibende Frauen

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Die Deutsche Bundespost bringt Sondermarken zur Fußball WM der Frauen heraus. Es gibt auch eine in das Trikot der deutschen Nationalmannschaft gekleidete Barbie Puppe. Im Fernsehen und in den Zeitungen wird ausführlich über die kickenden Frauen berichtet. Ganz Deutschland scheint hinter der weiblichen Fußballnationalmannschaft zu stehen. Viele scheinen ihnen sogar mehr zuzutrauen als ihren männlichen Kollegen.
Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, und die sind noch gar nicht so lange her, da war die Akzeptanz nicht so groß. Da waren unweigerlich Sprüche zu hören wie: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Fußballspiel.“ Der Klassiker war ein von Sabbern oder Röhren begleitetes: „Trikottausch!“
Ich frage mich, warum die gleichen Medien, die jetzt auf der Frauenfußballwelle schwimmen, sich gleichzeitig mit Händen und Füßen gegen Frauenboxen wehren. Die ARD zeigt da einerseits die Fußballerinnen gerne life und in voller Länge. Aber Boxerinnen werden nicht gezeigt. Nur eine Nordeuropäerin wird mal hin und wieder in Ausschnitten und dann auch nur als Beimischung gezeigt. Eurosport bringt wohl prinzipiell keine boxenden Frauen. Es scheint fast so, als wollten die von älteren Herren dominierten Gremien der TV-Sender das Boxen als letzte männliche Bastion verteidigen.
Universum Box-Promotion hat zusammen mit Jürgen Lutz das Frauenboxen in Deutschland eingeführt. Regina Halmich wurde erst zur Boxweltmeisterin und dann zur Quotenkönigin. Nachdem Halmich mit dem Boxen aufgehört hatte, ging es mit dem Frauenboxen im rasenden Tempo abwärts. Dabei scheint der rapide Niedergang zu einem nicht geringen Teil auch der verfehlten Auswahl von Boxerinnen durch Klaus-Peter Kohl und seinen Schwiegersohn Dietmar Poszwa, dem grauenerregenden Matchmaking von Taouab Mohamed Hedi und skandalösen Fehlurteilen geschuldet zu sein.
Aber es gibt ein Frauenboxen in Deutschland. Es gibt einige sehr gute, ja weltklasse Boxerinnen in Deutschland. Vermutlich gibt es proportional, also gemessen an der Zahl der Aktiven, mehr weltklasse Boxerinnen als Boxer in Deutschland. Dass weibliche Boxer konsequent von den Medien im Allgemeinen und vom Fernsehen im Besonderen ignoriert werden, hat wohl vor allem mit dem männlichen Blick der Verantwortlichen auf das Boxen zu tun. Da hören wir dann wieder die schon bekannten, dumpf chauvinistischen Klischees: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Boxen.“
© Uwe Betker